Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3000 (5.7.1927)
- Date
- 1927-07-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Dienstag Wiener Morgenzettnns S. IM 1U27 Nr. 8Ö» väctNe 4 Skelettfauoe auf dem .Galgen"- Vers. Großes Aussehen erregte gestern nachmittags der Fund mehrerer menschlicher Skelette. Am sogenannten Galgenberg, bei der Spinnerin itit Kreuz, unterhalb des bekannten W a s se r 1 u r mes, werden gegenwärtig Erdansgrabungen für Siedlungshäuser )er Gemeinde Wien vorgenommen. Gestern nachmittags stießen sie Arbeiter bei diesen Grabungen auf menschliche Skelette und bei weiteren Grabungen fand man noch Totenschädcl und Menschenknochen. Sofort wurde vom Polizeikommissariat Favoriten eine Kommission entsendet, um den. Lokalaugenschein vorzunehmen. Es handelt sich zweifellos um sehr alte menschliche Skelette, und man vermutet, daß es sich hier um die Skelette von seinerzeit durch den Strang Hingerichteten Delinquenten handelt. Die Grabungen, die großes Aufsehen hervorricfen, wurden abends abgebrochen und werden zu einem spätere" -'.n tu unkt fortgesetzt werden. Die Erhebungen sind eingeleitet. Ser Selbstmord James Whites. Berlin, 4. Juli. Wie die »Nachtausgabe* aus London meldet. hat der Finanzmann James White, dessen Selbstmord so großes Aufsehen erregte, in dem Augenblick, da er Selbstmord beging, in seinem Londoner Bureau einen Brief von einem alten Freund auf seinem Schreibtisch liegen, worin dieser dem Finanzmann fünfzehn Millionen zur Verfügung stellte. Diese Summe hätte genügt, die finanzielle Katastrophe zu vermeiden und das Leben des Finanzmannes zu retten. Sa» menschliche Geschoß. Tu r i n, 4. Juli. Heute ist hier das Experiment durchgeführt tvorden, bei dem sich ein Mann in den Lauf eines großen Mörsers hineinlegte, um dann mittels einer im Hinterlader des Mörsers angebrachten Riesenfeder in die Luft geschnellt zu werden. Das menschliche Geschoß erreichte dabei die Höhe von 40 Metern und fiel in einer Entfernung von 100 Metern in ein großes, eigens dazu ausgestelltes Netz nieder. Das Experiment gelang vollständig. ' Kleine Nachrichten. Der Leiter des Polizoikominissariates Mariahils, Hosrat Rudolf P o h l, ist in den Ruhestand getreten. * Gestern hat sich der 41jährige Hilfsarbeiter Josef Koschonh durch Einatmen von Leuchtgas aus bisher unbekanntem Motive getötet. Der 58jährige Anton Gr über hat sich in seinem Garten an einem Baume erhängt und wurde bereits wt aufgefunden. In . dem Dorfe Kosjeric in Serbien weriden seit einiger Zeit Ausgrabungen vorgenommen, die nunmehr die Spuren --'ner römischen Kolonie zutage gefördert haben. Einem Brand in Bukowce, der durch den Funkflug einer Dampfdrehmaschine entstanden ist, fielen in kurzer Zeit 26 Häuser und 60 WirtschaftSobjÄte zum Opfer. Angeblich hat ein Kind in den Flmmrrerr den Tod gefunden. Der Schaden beträgt 2 Millionen Sttnas. den, fern Bild, feine Stimme. Die Weiterentwicklung der Technik wird ermöglichen, fein Bild, ohne Hilfsmittel einer Fläche, in den Raum zu werfen, sich kinematvgraphisch bewegen zu lassen in der. ganzen Echtheit und Ursprünglichkeit des Lebendigen. Hundert Jahre nach seinem Tode wird so der Mensch leibhaftig im Raum erscheinen, und dann hat es die Wissenschaft auch schon erreicht, dieses sein Abbild plastisch zu gestalten. Auch seine Stimme ist aus Walzen aufbewahrt und tönt, drahtlos übermittelt, auS dem blühenden Munde dieses Meihundertjährigem Phantoms. Was fehlt? Die Blutwärme. ' Warme ist Welle und Schwingung, also übertragbar: das Phantom wird in Menschen wärme gehüllt sein. Was fehlt nach? Der Geruch des Lebendigen, Haar- und Blutduft. Wird es nW möglich sein, in kürzestem auch Gerüche in Aetherwellen umzusetzen und damit $u versenden, so dag, am Zielpunkt auch diese sich wieder Umsätzen in Urgestalt und dem Phantom den Dust der Leiblichkeit Mitteilen? Der künstlich Mensch in höchster Vollendung ist fertig. 'Sein Gott ist eine Maschine, ein kleiner Wparat, der nur eines Handlangers bedarf, um feine sevlrmlosen Schöpfungen zu entsenden. Denn das ist es: der Mensch der Zukunft ist seelenlos, ganz Geist geworden, am Geist gestorben, weil er nur im Geist lebendig. Was fehlt ihyi? Die Fähigkeit des Rapports, man kann sich nicht mit Dm in Verbindung setzen, er antwortet nicht, redet nu» seine ewigen Phrasen — ach, er hat auch nichts mehr zu sagen, der Homunkulus. Er hat noch den letzten Rest Tier Unter sich gelassen. Vor lauter Geist hat er «die FähiMt zu zeugen verloren, Gott, dem alten Schöpfer, sei Danks Die Welt ist zu Ende, und der Urgewaltige, die Mstele, kann netu beginnen, Leben in Einfalt aus De"*"* das ist; zu sü-asft" Sr- Franz Mezey gestorben. In Budapest starb letzten SarNStag hochbetagt der Präsident der Ungarisch-israelitischen Landeskanzlei, Dr. Franz M e z c y, nach langem Siechtum. Der Verstorbene gehörte in den letzten fünf Jahrzehnten zu den fiihrenden Persönlichkeiten des ungarländifchen neologen Judentums. Während der 26 Jahre seiner Wirksamkeit als Generalsekretär der Budapester Chewra Kadischa brachte er diese jüdische Institution zu einer Blüte, die sie zu der ersten Organisation dieser Art in der Welt gemacht hat. Dr. Mezey war auch eine Stütze der Israelitischen Landeskairzlei, die besonders in der Vorkriegszeit auch eigen wichtigen politischen Faktor in Ungarn bildete, mit dem die Regierungen stets rechnen mußten.; Dr. Megey war zunächst Sekretär, später Vizepräsident der , Landeskanzlei, und unseren Lesern wird es noch erinnerlich sein, daß er überhaupt eine starke Kampfnatur, erst in den letzten Wochen nach vorhergegangenen Parteikämpfen auf Grund eines Kompromisses zum Präsidenten der San» des! anzlei gewählt wurde. Hervorragenden Anteil nahm Dr. Mezey an dem Kampfe um die Besetzung eines der zwei Vertreter des ungarländischen Judentums im Oberhaus. In diesem Kampf, in welchem cs sich um die Nominierung des Oberrabbiners von Budapest Dr. Simon Hebest oder des Szegediner Oberrabbiners Dr. Immanuel L ö w gehandelt hatte, blieb Dr. Mezey, der sich für Dr. Löw einsetzte, schließlich Sieger. Die Archive der Israelischen Landeskanzlei und der anderen jüdischen Organisationen, auf welche Dr. Mezey großen Einfluß übte, wie auch die Archive der verschiedenen Ministerien bewahren eine große Anzahl von Memoranden, Beschwerdeschriften und Rechtsgutachten über die Rechtslage der Juden in Ungarn, die großen rechtshistovischen Wert haben. 3 g jüdische Frkedhöse in Neutschland geschündet. „Der Schild", Zeitschrift des Rei'chsbundes jüdischer Frontsoldaten, bringt unter der Ueberschrift „Tafel der Schmach" ein Verzeichnis von 39 Friedhöfsschändungen, die sich von November 1923 bis Mai 1927 in Deutschland ereignet haben. Hier die Namen der Orte und di« Daten: 1. Sandersleben (November 1923), 2. Schneidemühl (Jänner 1924), 3. Sandersleben (März 1924), 4. Rhoden, 8. Wolfhagen, Hessen (April 1924), 6. RLmtz, Mecklenburg (Mai 1924), 7. Billing (Juli 1924), 8. Regensburg (August 1924), 9. Hemer (November 1924), 10. HerSfeld (November 1924) , 11. Klembardorf b. Königshofen, 12. Binswangen, Bez. Augsburg (JunL 1924), 13. Hagen i. W. (Juni 1924), 14. Göttingeu (August 1924), 16. Beverungen (Dezember 1924), 1)6. Köthen (Mai 1925), 17. Plauen i. D. (Juni 1926), 18. Alsbach a. d. Bergstraße, 19. Hockenheim, Baden (Jänner 1926), 20. Löwenberg (Februar 1926), 21. PflauuÜoch (Mär§ 1926), 22. Erfurt (März 1926), 23. (ürllies (April 1926) , 24. MemelSdorf, Oberfranken (Mai 1926), 26. Altdamm, Pommern (Oktober 1026), 26. Breslau (Dezember 1926), 27. Bingen (Dezember 19tSH), 28. Ermetzhofen, Mittelsranken (Dezember 1926)., 29. Kuppenheim, Baden (Jänner 1927), 30. Kerpen, Rheinland (März 1927). 31. Neviges, Reg.-Bez. Düsseldorf (März 1927) , 32. Hillesheim, Rheinland (April 1927), 88. Moers (April 1927), S4. Krefeld (April 1927), 36. Richelsdorf, Bez. Kassel (April 1927, 36* Ansbach (April 1927), 87. RegenÄmrg (Mai 1927), 38. Aufhausen b. Bopfingen (Mai *927), 39. Rülzheim,.Rheinpfalz (Mai 1927). Jüdische Preisträger in München. ®fei dem Stiftungsfest der iUiüversttät München wurden die Nqmen von sechs Studierenden «bekannt gegeben, die die von -den einzelnen Fakultäten für das Studienjahr 1926(27 gestÄtten Preisausgaben gelöst haben. Unter diesen sechs Preisträgern befinden sich zwei Juden, nämlich Karl Silberschanidt aus Aschaflenbu-vg, Sohn des Honorarprofessors und Rates am Obersten Landesgericht Dr. -WiLhelm GUiberschmildt, der di« Aufgabe der zweiten Sektion der philosophischen Fakultät gelüst, und -der Mitarbeiter des jüdischen Echo", cand. meid. vet. Er.ch Deutsch aus München, der m.t seiner Arbeit „Untersuchungen Wer den Einfuß der Bauart der Stallungen und'der Führung deS GtallbetriebeS auf die Beschaffenheit 8er Stallust" den Preis der tierärMchen Fakultät errungen hat. Kommunisten und Rizinus. Das Berliner Wolfl-Bnreau verbreitet die folgende, von keiner anderen Seite bestätigte Jernfallenver Meldung: Mer Kommunisten griffen kürzlich einen jüdischen Studenten in Tel A w i-w an und zwangen ihn, eine größere Menge Rizinusöl zu schlucken als Repressalie dafür, daß er in -der Presse die vom den Kommunisten in 'den Schulen dmchyssührw'Propaganda enthüllt hatte. Das Befinden des Studenten ist ernst. Pllichowskis Bild von der Eröffnung der Jerusalemer Universität. Der bekaynhe Mische Maler L.^Pslichowsdi hat, wie uns aus London berichtet wird, fein'MoMmentaMd ,,Die Eröffnung der Hebräischen Universität in Jerusalem durch Earl of Balsour" sevnggestellt und der im nächsten Monat in der Kunsbgalerie von Whitechapel statt findenden Kunstausstellung ' angemeldet. . Wien, 5. Juli. Nummer 3009. Dre „Wiener Morgenzsitung" erscheint heute zum dreitausendstenmal. Dreitausend Tage der Zeitgeschichte des jüdischen Volles haben wir verzeichnet und nach besten Kräften gedeutet. Wir mußten bittere Katastrophen des Judentums Melden und durften — Palästtna wich ausgebaut — tue Meilensteine auf dem Weg zur Wischen Medevgeburt aufzetgen. Was immer in der Judenyeit der großen weiten Welt während dieser 3000 Tage vor sich ging, haben wir hier in der harten, hastenden, aber Von uns heiß geliebten journalistischen Arbeit der Tage und Nächte gebucht und die jüdischen Ereignisse im allgemeinen, polittschen, lulturellen und wirtschaftlichen Weltgeschchen zu spiegeln getrachtet. Vom ersten Tag sind wir bemüht, der Erneuerung und Errettung des Judentums und dem Merck der Völkerversöhnung zu dienen, in Reinheit und in Unabhängigkeit nach allen Richtungen. Mr fühlen die Schwere der Verantwortung, welche den Schreibern dieses einzigen jüdischen Tagblattes in deutscher Sprache auserlegt ist. Mr tragen sie mit Stolz und täglich, stündlich sind wir uns dessen bewußt, daß es uns auferlegt ist, Diener am Werke zu sein. Alle Bestrebungen, welche wahrhaftig dem Wischen Voll dienen, verfolgen wir niitt gespannter Aufmercksamckeit und suchen sie in den Spalten dreses Blatets zu fördern. Mit allen aber, welche die jüdische Ehre beflecken oder sich gegen die jüdische Würde vergehen, stehen wir inr publizistischen Kamps. Und den Judenyassew stellen wir uns entgegen. So haben wir eS bisher gehalten, so wollen , wir auch zukünftig unsere „Wiener Morgenzettung" schreiben. Die Lestr, die ums nah und fern in stets wachsender Zahl treue Freunde geworden sind, grüßen wir heute und danken ihnen. Das Schachturnier in Kecskemet. Aus Budapest wird gemeldet: Nach der achtem Runde woist das internationale Schachmeisterturnier in KeeSkinet folgenden Stand aus: A l je ch in 6 (1 Hänge- Partie), Steiner &A (2), Niernzowitsch, Asztalos je ßj* (1), Kmoch 6 (1), Gilg 4'A (1), Tartakower 4, Takacs 3^ (1), Colle, Ahnes, Bajda je 8 (2), Grtinseld 9 (1), Pukovie, Szekelh je 2H (2), Berndtson 2 (8), Brinckmann Müller 2 (1), Przepiorka 2, Yates \A (8), Sartözh 1. Die explodierte KrtegervrreiiisfeldMche. Ein schweres Explosionsunglück ereignete sich am SainHtag abends in Ostrog-Ratibor. Als der Kriegerverein Bosatz-Ostrog-Planta mit eine« Feldküche zu einer Feierlichkeit eintraf, wurde plötzlich der Kessel der BerotnSseldküche infolge Dampfüberdruckes hochgerissen. Der ganze Inhalt des Kessels ergoß sich Mer Ke umstehende Menschenmenge. Udver 2# Personen erlitten tellS schweif» teils leichte Verbrühungen. Mehrere Kinder im Altar von 3 bw 16 Jahren wurden so schwer verletzt, daß sie ins Krankenhaus eimgeliefert werden mutzten. Drei Kinder schweben in ZeSerÄgestchr. Tod nach der Opern than. AM 2. Juli wurde die SchlosseMattin Rosa Stro b l. eine Wiähriye Frau, in der Ambulanz Erlachgafse 114 erner Mandelopemtion unterzogen. Räch Beendigung der ' Operatton, die normal' verlief, stümte sie zusammen urck» ‘ verschied nach kurzer Zeit. Da die Todesursache nicht festgestellt ist, wurde die ^gerichtliche Obduktton der Leiche be- ' antragt. Gene Einibrecherlvavde verhaftet. Schon seit längerer Zeit verfolgt dse Kriminalpolizei eine Bande von Kmseneinbrechern, die eine ganze Reihe von großen Einbrüchen erfolgreich durchgeführt hat. Jetzt endlich gelang es, die Bande festzunehmen und sie dem Landesgericht einUckiefern. I« der Großstadt verschwunden. Seit dem 30. Juni ist der Konsevvatorimnfchüler Gott« Sb Ied ek, 9. Bez., Nußdorferstraße 10, spurlos ver-- runden. Er hsitte am Abend dieses- Tages bei seinem Mehrer Unterricht nehmen sollen, doch fehlt seither jede Spur von ihm. Der junge Mann hat nie Selvstmordavsichten geäußert Der Vernrißto ist groß, mit dunkelblondem Haar, von kräftiger Statur, Mt einer Schramme in der Mstte der Stirn und etwas schiefen: Blick. Die polizeiliche Anzeige wurde erstattet. Sachdienliche Mitteilungen wollen an me Buchhandlung Jedek, Nußdorferstraße 10, gerichtet werden. k Sa> neue Problem: ein teures Telegramm ooer ela dllllger ausfUeiitoet LMaWrleir Ein Telegramm nach Polen kostet für zehn Worte 327Q SchMllg, «in Expreßbrief 1.10 Schilling; der Luftpostbrief, der in einigen Stunden nach Aufgabe in Wien dem polnischen Adressaten zage stellt wird, nur —.60 Schilling. Ausgabe Bei allen Postämtern; «nt AbflugStage bis 7 Uhr 20 Min. morgens beim Hauptpostamt: ürraMMs Ser „Maer Korxerlreitunx-: Moaatlteti >V1en uott Oesterreich ............. .5 Tschechoslowakische RepohHk, . ..Kö higotlavlei)...Dirnr Polen.. «wy Deutochlaod . . ... . . . Goldmark fnwknelch, Vetziev ............. Pix». Italien. .,»».«* « « »,»»«»»». Riunflnteia » •«•«••*»» •••«• * «W* Bulgaiieö . . . . ... . . . . .uwa AwerBta . , . . « , » , , » . > * t . Poltaf «%hwiefz und das übrige Ausland ..... Pranken Oesterr. Poatsoarhassenkoolo 1SMV- 5-— 22*«* 60w 6*— *- 3SP*i 29^-— 170'—< 10(H 9#