Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1927-07-05 · Heft 3000 (5.7.1927) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3000 (5.7.1927)
Date
1927-07-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2981905-2982088--30562-3018797
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

i Preis HO s I i mir.im...in.iw.. . Redaktion, Admhiietratioi, Wien, U., Taborstr. 1 felephon 44-0-38, 43-3-19 Wephon ab 6 Uhr abend« 18-5-80 Serie, ab '/,« Uhr abends 38-5-83. Druckerei: VU., Lerchenfelderstraße 1 (»Inva") Preise '• (Vien und Oesterreich iurch Post oder Verschleiß- (teilen monafl. 6 Schilling. Besagsbedingungen kür das 4 nsIandtw Innern des Klattes. Nr. 3000 orgeiqeituna ffliett, Dienstes, 5. Sali 1927 (5. Lhamns 8187). »Ml! NO.«.. MMOE.I Veiepbon 46-7-67 QDQ Atelier für feine Herren* und Damengarderoben nach Maß QID Sportler gegen Vorweisung der Legitimation Preisermäßigung! s. gahrgang Des tschechischen Außenministers. Pa r i s, 4. Juli. Die Juli-Nummer der Revue fL'E sprit International" veröffentlicht einen Lrtikel des tschechoslowakischen AußenminitersDr. Bene sch über die Politik der Kleinen Entente. Entsprechend den Ergebnissen der seit Locarno verjolgten Politik, angesichts der Neuorientierung' Ungarns, »as sich seinen Nachbarstaaten zu nähern sucht, sei die Aufgabe der Kleinen Entente eine andere als . «t der ersten Zeit ihres Bestehens. Die erste Phase «war eine rein defensive, in der -weiten waren defensive und aktive Elemente miteinander vermengt, jetzt aber sei man Zu der dritten Periode gelangt, in der die Elemente aufbauender Arbeit voranstehen werden. Es wird sich um ein Zusammenwirken Zentraleuropas auf breiter Grundlage handeln. Die Kleine Entente werde weitcrdauern, , denn die ktxuppierung dieser Staaten sei auf der Grundlage aufge- Ir' ." ' " ’ , ‘, ' Friede und Völkerbund, ferner praktische Notwendigkeit, die. gegenwärtige Sachlage in Zentraleuropa aufrecht-uerhalten. Auch Fraokrrich hat Furcht... Paris, 4. Juli. Der „T e m p s" veröffentlicht heute einen Leitartikel, in dem er sich abermals mit der An - schlutzfrage beschäftigt. In dem Artikel werden die bekannten Argumente gegen die Anschlußbewegung auseinandergesetzt. Der „Temps" gibt der Meinung Ausdruck, daß die Mächte nicht tmtätig diese Gefahr wachsen lassen könnten, die sich aus einer solchen Politik ergebe. Hutter der Vorbereitung des Anschlusses sei die Drohung eitter Wiederherstellung jenes wirtschaftlichen Mitteleuropas zu erkennen, das Deutschland, Oesterreich und Ungarn miteinander verbinden würde, und das nur das Vorspiel z« einem neuen Drang nach dem Osten wäre. . Die Entwicklung, ja die Existender Staaten der Kleinen Entente stehe so in Frage. Abklingen der polnifchmssWen KonWtes. Warschau, 4. Juli. Der polnische Gesandte, in Noskau, P a t e k, erhielt von der polnischen Regierung den lüftrag> eine Konferenz m i t T s ch i t s ch e r i n herbei- «uführen, in der eine Klärung der Lage angestrebt werden dll. Man nirnmt an, daß die Besprechungen die p olnis chrussische S p a n n u n g zu liquidieren haben. Auch die Frage der Neubesetzung des russischen Gesandten Postens in Warschau soll geregelt /erden. bei der Mutter Rungesterr. Paris, 4. Juli. (Havas.) Byrd stattete heute mittags er Mutter Nnngessers einen Besuch ob. Eine »rohe Menschenmenge erwartete ihn und rief die Wen der beiden Flieger. Die Zusammenkunft Byrds mit er Mutter Nungessers nahm einen bewegten Verlauf. Frau Nungesser drückte ihr unerschütterliches Vertrauen aus, daß sie ihr Kind wiederfinden werde. Byrd und seine Begleiter nahmen hierauf an einem frühstück teil, das der Bahnbrecher der Aviatik, B l e r i o t, rr' und an dem zahlreiche Persönlichkeiten teilnahmen. Lord Rotbermere in feiltet Partei isoliert. London, 2. Juli. Minister des Innern Sir William Hicks lehnte ans einem Bankett des United Klubs am 3V. Juni die Art der Kritik an dem Ministerpräsidenten nnv an den Führern der konservativen Partei ab, wie sie in den Blättern des Lord Roth entere und Lord Beaver», broock abgedruckt war. Der Innenminister erklärte, daß beide Zeitungsmagnaten künftig nicht vorschützen könne«, der konservativen Partei als Mitglieder anzugehören, da sie imrner mrd immer, wieder bei jeder Gelegenheit die ParteisührerangreifemEr schlug in sarkastischer Weife unter allgemeiner Heiterkeit der Anwesenden vor, daß beide Lords eine ei g en e P a rt e i gründen mögen. Lord Rot Herme re hat in seinen »Daily NewS" die bekannten Artikel unterzeichnet, in denen die Uebertragung des Palästina-Mandates an Italien propagiert wird. In der vorigen Woche ist in der Wiener »Neuen Freien Presse" ein Artikel des Lords erschienen, der sich für die Restauration Ungarns ausspricht. Der Abrüstungsfchwlndel. London, 4. Juli. Wie der Washingtoner Korrespondent kr „Times" berichtet, herrscht große Beunruhigung über die Möglichkeit, daß England auf 500.000 Tonnen anstatt DO.OOO Tonnen als untere Grenze für die Kreuzerstärke, .e die Amerikaner ursprünglich als MaxiMM betrachteten, ».stehen wird.' Wenn jedoch England auf dieser Ziffer beste h.t, wird oolidge wahrscheinlich jede Hoffnung auf eine Bereintrung fallen lassen. Die britischen Ziffern mit den entirechenden japanischen von 300.000 würden zu fieberhaften lottenbauprogrammen führen. Die Wahle« in RumSnlrn. Bukarest, 4. Juli. Die Bauernpartei (National- Zarmlisten) hat unter ihre Kandidaten für die Kammerwahlen 21 jüdische Persönlichkeiten ausgenommen. In Czernowitz wird von dieser Partei u. a. der Rechtsanwalt Doktor Salomo»: Kinsürunner kandidiert, der den Zaranistert nicht angehört, sondern als Führer einer jüdischen Gruppe miit ihnen ein Wahlbündnis abgeschlossen hat. Von Seite der jüdischen Volkspartei wird, ime schon berichtet, der gewesene Abgeordnete Dr. Straucher kandidieren, den die Liberalen auf ihre Liste genommen haben. I« redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch rin vorangefetztes E gekennzeichnet. Das Rammenzeichm. —y, Wien, &. Juli. „Der Chauvinismus ist die Häresie des zwanzigsten Jahrhunderts," erklärt der Kölner Zenimmsabgeordnete Schwerin in einem Zeitungsartikel. Der Abgeordnete sieht sich zu seinem Urteil durch eine völkische Sudelschrift veranlaßt. Me ist so, wie sie sein muß. iSie kramt alle dummen Lügen, Ausgeburten einer vor Angstschlotternden Phantasie gegen „die Juden" aus, zieht aber das Feld der national begeisterten Betrachtung viel Wetter. Außer den Juden sind auch noch „die Katholiken" der Auswurf aller Menschheit und wert der schimpflichsten Behandlung. Sie erfüllen die deutsche Menschheit mit einer semitisch angeerbten Weltanschauung, und wenn der Völkische schon gegen Juden zu kämpfen und die Belange seines Volkes in ihrer ursprünglichen Reinheit wiederherstellen will, dann darf er auch den Katholizismus nicht unbeachtet beiseite lassen. Mit dem Essen kommt der Appetit,, und das Essentielle germanischen Wesens ist die Rückkehr zu Wotan und Wachall. Zwar zählt sein Glauben auch den Loki und die Schwarzachen zu den Göttern, aber man kann doch nicht missen, ob nicht schon damals irgendein jüdisches Individuum die Rassenrvinheit in Frage gestellt hat. Zwischen Fenriswolf und Midgardschlange mag vieles geschehen sein. Trotzdem ist. diese Mythologie handfest und kerrchaft. Sie löst die ewigen Konflikte zwischen Gut und Böse einfach MtdÄnHamm^ ist also geeignete Unterlage für weltbeherrschende Tendenzen. Die katholische Religion pun strebt gleichfalls nach diesem Ziel und drüÄ dies deutlich tuihrem- Namen aus. Grund also, sie doppelt, zu' hassen: als'Tochter , des Judentums und als ungleüh' stärkeren, weil kultivierteren Bewerber um die Erde. Wir wolle« annehmen,, daß der Kölner Abgeordnete zu' seiner scharfen Aeußerung gegen die blutrünstige Hetzerei auck dann gelangt wäre, wenn.diese Schrift die' Katholiken in Ruhe gelassen hätte. Daß sie das nicht tut, vielmehr sehr aggressiv vorgcht, liegt ja tief begründet in dem Wesen dieser Bewegung, die aus der Intoleranz geboren ist und ihren Zwecken mit eigenwilligeir Konsequenz nachgeht. Sie ist ziemlich weit gelangt und hält nicht nur die Aeußerungen und Handlungen sämtlicher Juden in strengster Kontrolle; sie besitzt große politische Macht« wirkt auf den romantischen Sinn der Jugend und ist vvr allem militaristisch angelegt. Die deutsche Geschichte, die in den deutschen Schulen nur als eine fortlaufende Kette von Kriegen und schlechten Friedensschlüssen erzählt wird, kommt solchen Zielen in dieser Form sehr zustatten. Da es sich die Machthaber stets angelegen fein ließen, die Schuld für ihr Treiben rechtzeitig. auf die Juden albzulenken, so ist auch der Maube an. den Juden als die sichtbare Verkörperung des inneren Feindes der festeste Bestandteil völkischer Anschauung geworden. Die katholische Kirche hat diese Entwicklung gern gesehen. Da sie im ununterbrochenen Kampf gegen die Kaiser, dann gegen das aufstrebende Bürgertum stand, waren ihr die Juderchetzen angenehme Ruhepausen, die das Voll für kürzer oder langer auf andere Gedanken brachten, t Was gegen die Juden erfunden wurde, Kostienschanjdimig, Brunnenvergiftung, Mualmord —'alles war gutiuud es gehörte mit zur Häresie, wenn jemand die Jndenfvage doch etwas gerechter |4n&' freundlicher Mehen wollte, j^cr deutsche Nationalismus, der zu Beginn des 13. Jahrhunderts zu wuchern begann sund bis sin unis^ve TWe der IAw-, stifter aller Bölkerverhetzung geblieben ist, gab sich von Anfang an mrtijüdisch. Die katholische Kirche schenkte ihm erst dann Beachtung, als er unter Bismarck auf die Ultramontanen lvsgmg. Diese großen und schweren inneren Känrpse, die sich offen gegen Jrcken und Jesuiten, wie die Formest lautete, richteten, brachten auch den großen Aufschwung dos Zentrums. Seine Führer fühlten'es, daß das Geschrei wider bfe Juden auch der römischen Kirche galt, ckber Jie fahe»r kam- Veranlassung, sich zu exponieren. Erst heute, da sich Werz-ugrn Sie sich von der Auswahl und den konkurrenzlos billigen Preise« hei der 6. B ez irk, M ari ah i lferstr aße Nr. 3 P r o v t « z - M n st e r v e r s a » d 6. Bezirk, Maria Hilfe r str aß e Nr. 3 1233

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.