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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-01 · Heft 2996 (1.7.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2996 (1.7.1927)
Date
1927-07-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I Preis o Redaktion, Admteietratiön; Wien, II., Tabor stf. 1 Telephon 44-0-88, 49-3-19 Telephon ab S Ohr abends 38-5-80 Serie, ab '/rS Uhr abends 38-5*83. Druckerei: VII., Lerchenfelderatraße 1 •(„lnva") Wies and Oesterreich daroh Post oder Verschleißstellen mofiatl. 6 Schilling. Wiener MorgmfeilunZ nwmmm» fiet**r Rathauskeller| Die (temütliöhkeit der guten alten Zeit. Wer kommt, wird wie* der Stammgast l Volkstümliche Freisei Mittags-Menüs ä S 1*60 Direktion: OTTO KÄSEREI» Kr. £996 Me«. Freitag. 1. Juli 1927 (1. Thomas SS«?). 9. Jahrgang Wohin fliegt Byrd? kr will de« Streckenwelttelard khamderlins breche«. — Landungsvorbereitangea in Fraalrelch und Se«lschland. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. EISKASTEN amerik. Syatam, «{«sparend, von 8 00.— anfw K. BRAUN, WIEN 8. Wlppllnfiarstrafie iS. Tel. 62094. - PraialteUn «rati«, Ser Gamntievatt zwischen Rußland und Pole«. Ae Verhandlungen mtervrotheu. Moskau, 30. Juni. Das amtliche Organ der Sowfetregierung „Jswestija" weist daraus hin, daß bisher keine Antwort der polnischen Regierung auf die russische Sowjetnote eingetroffen und das; Polen keine Maßnahme gegen die offenkundige Tätigkeit Weißgardistischer Verschwörer unternommen hat. Eine Besserung der Beziehungen zwischen beiden Ländern sei daher b o r läu f i g u n m ö g li ch. * . Das Matt teilt weiters mit, daß die Sowjetregierung keine neuen Vorschläge zur Frage eiwes G ar-amt.i epa kte s gemacht mrd daß sie auch solche aicht beahsichtrge, bevor sie volle Genugtuung für die Ermordung...ISojkoWS ovhaltm habe. -> •; '• SrWeßung einet polnische» Spion!« in Rntzland Moskau, 30. Juni. Die Telegraphen-Agentur der Scwjeiun-.on meLdetr Dl« Polln Helene W i,s ch n 0 wiskaja, die sich mit militärischer und wirtschafflicher Spionage befaßte und -die systematische Beförderung gegenrevolutionärer Emigranten nach Polen unter Mitwivkung der polnischen Grenzbehörden organisiert hatte, wurde vom Charkower Standgericht :n einer außerordentlichen Sitzung zum Tode durch Erschießen/ verurteilt. . Das Urteil •lor vollftreckt. N e w D o r k, 30. Juni. Oberst Byrd gibt von seinem Ozeanflug aus der Fokkermaschine „America" fast stündlich Bulletins über seinen Aufenthalt. Bis zur Abendstunde befand er sich schon 2600 Meilen von New Aork entfernt. Verscs'n'done Schiffe haben Meldungen von einer Sichtung de>? ' '.ics abgegeben, und sie alle stimmen darin überein. „America" ruhig, sicher und rasch dahin fliegt. Byrd selbst hat in einem Funkspruch von einem; sehr dichten, kalten Nebel gesprochen, der den Flug; etwas erschwert. Byrd ist, um dem Nebel zu entgehen, bis auf 3000 Meter hoch gestiegen, wo aber derart ungünstige : Winde herrschten, daß er wieder tiefer gehen mußte. Gewisse Anzeichen deuten darauf hin, daß das End-; ziel des Ozeansluges Byrds nicht, wie zuerst angenommen wurde, Paris sein soll, sondern daß er den Versuch machen werde, den Streckenweltrekord Chamberlins.zu brechen, also über das europäische Festland hin ' - soweit wie möglich nach Osten bprzudrinigen beabsichtige. Daher würden/Me .deutschen Flughäfen in höchste Bereitschaft gesetzt.un^ auf den Flugseldern' werden. - ,b e s ö ü d e-.r e . ö r b e-r e i t' u n gen während der Nacht für eine eventuelle Landung getroffen sein. Auch Paris wartet die.Landung der Flieger,ab, die, falls Byrd tatsächlich in Frankreich nisdergehen will, gegen . 3 Mr nachts in Le Bourget erfolgen könnte. Aus der Tatsache, daß die „New Uork Times", die von Byrd die Berichterstattung über seinen Europaflug erworben | hat, ihren Wiener DerichterstatterstaÜ^ bedeutend verstärk hat, will man den Schluß ableiten, daß Byrd doch die Absicht zu haben scheint, nach Möglichkeit Wien zu erweichen. Land ln Eicht. Paris, 30..Juni. Die Radiostation von Oues» sant hat um 7 Uhr 5 Minuten folgenden Funbspruch Byrds äufgefanden: Wir werden spätestens in einer Stunde Land zu Gesicht bekommen. An Bord alles wohl! Nach einer Meldung der Agenee Havas aus Brest gibt die Marinepräfektür bekannt, daß die Rädiostation M e - g a n t ein' Rufzeichen des Flugzeuges erhalten habe. Brest, 30. Juni. Die „America" hat Kap le Ra- (Departement Finistere) um 19 Uhr 63 M i nuten mit der R i ch t u n g n a ch O st e n passiert. - St, Brieuc (Departement CoteS 'du Nord'), 30. JuM Die „Amer.ica" hat St. Briefe uw 21 Uhr 19 Min. überflogen.- Shamberlin n«d Levlne. Die amerikanischen Flieger Chamberilin «ch S er wine sind heute nachmittags kurz nach 4 Uhr auf dem Flugfeld Le Bourget gelandet, nachdem sie mittags von Basel abgeflogen, waren. Die beiden Flieger werden in der kommenden Woche aus einem Schiff nach AnrexÄa J zurückkehren. Englands Mandatsbericht. PalSftina vor per BölkerbnndlommWon. Unwahre Meldnngen über die PaM a Rückwanderung. Die Ualienifchen Blätter lassen sich aus Kairo melden, c-aß seit einigen Wochen ein starker Dürchzug von Hunderten jüdi sche r Fa m i lien daselbst zu beobachten fei; man habe b.sher schon über 'tausend jüdische Familien gezählt, die wegen' Arbeitslosigkeit• aus - Paläst i na aü swa n'de rn und die Nückrslseerlaubnis nach Hrßland (?) evhvlten hätten.' ‘ ,MMnngen' -übertreiben in tendenziöser' Weife - die' Rückwanderung aus ^Palästina,' welche — ' nach den von der 'britischen'Ma ndats reg ie r.ung herausgegebenen,' Berichten — in den stärksten Krisenmonäten nicht viel mehr gls hundert Ftmilien betrug und - geva-de i n den letzten Wochen e r h e b l i ch z u r ü ck g e g a n g e n ist. Die Unwahrheit der - — offenbar inspirierten — Meldungen der italienischen Blätter geht schon daraus hervor/ daß die jüdische Kolonisation der letzten acht. JahM zum allergeringsten Teile, aus Juden aus Rußlandbesteht und"daß diese sicher keine Rüchreiseerlaubn-is nach Ruß-' land erhalten; denn es waren zumeist politisch Verfolgte, die in -den . letzten Jahren nach Palästina einwanderten. Und die Kolonisten, die ans anderen Ländern stammen, erhalten sicher keine Einreiseerlaubnis nach Rußland. Antisemitische «mschreltnngen ln Lemberg. Lemberg, 30, Juni. Gestern drang eine Gruppe nativ' naliftjscher Hochschüler in die Lokalitäten des zionistischen Stndentenver^rnes „Emnnah" ein. Die Studenten forderten die jüdischen Kollegen auf, i h,r e K l u b a.b z.e.t ch eti, die den ihren ähnlich, sind, ädz u ll o h me n. Diese drängten jedoch'die Angreifer aus dem Saal. .Auf der Straße kam es zu einer w üsten Prügeles und zu antisemitischen Demonstrationen, wobei zahlreiche jüdische, Passanten verprügelt wurden. Ein jüdischer^ Hochschüler wurde. i n . schwerver-! e tz t e m Z u st a n d e ins Spital. gebracht. Der Anführer der nationalistischen Studenten wurde verhaftet. G enf, 29. Juni. (I. T. A.) Die ständige Mandatskommission des Völkerbundes nahm gestern den Bericht der britischen Regierung über das Mandat für Palästina und Transjovdanien entgegen. Die mündlichen Erklärungen zu dem Bericht gab der Unterstaatssekretär im britischen Kolonialamt ' Sir John Shnckbnrgh. \ Er ging ausführlich aus die Schwierigkeiten ein, mit"denen die Durchführung des Mandates zu kämpfen hat. Die Läge in Palästina hat sich trotz des Widerstandes eines Teils der avbischen Bevölkerung in den letzten Jahren bedeutend gebessert, ungeachtet der außergewöhnlich - starken Verflechtung der Rassen und religwsen Richtungen in Palä- -stina, und ungeachtet dessen, daß Palästina in religiöser. - Hinsicht für die verschiedenen Völker und Religionen große! Bedeutung hat. Diese Verflechtung dringt es unt sich, daß unbedeutende Zwischenfälle, über die in anderer Ländern schnell zur Tagesordnung übergegangen wird< in Palästina zu umfängreicheu Diskussionen und übertriebenen Kom-- urentaren in der Presse führen. AVer auch in dieser Beziehung sind beachtenswerte Fortschritte erzielt worden« rmd besonders die Hauptbeteiligton, Inden und Araber, kommen einander in gegmseitiger Tolevenz näher. , .. Sir John Shuckbuvgh ging dann zur Schilderung der fVerhältnisse in. Transjordanien Wer und stellte; fest, daß auf diesem Territorium die Bestimmungen Wer das Jüdische Nationabheim keine Anwendung finden,, obwohl Teansjordanien zn dem Palästina-Mandat ge- - hört. Dort ist das besondere Abkommen zu berücksichtigen, das England im Kriege mit den Arabern getroffen hat. Auch in diesem Teil des Mandatsterritoriums entwickelt sich die Lage befriedigend. Die Mandatsmacht der- . , führt hier nach denselben Grundlinien wie im I r a k. Die Mitglieder der MandatskonÄnifsion richteten tat Sir John. ShuckburK verschiedene Fragen, die sich insbe-, sondere auf die jüdische Gemeindeovdnung ür Palästina, auf die Frage der Zuteilung von Staats- und Brachland Dr Zwecke der Mischen Kolonisation, auf hie Jmmigrationsbedingurrgen und die gegenwärtig in Palästina herrschende Wirtschaftskrise, die eine. Verringerung der Einwanderung und' eine Ber» mehrung. der Auswanderung zur Folge hat, bezogen. Sü John Shuckbuvgh beantwortete die Fragen. bin Ghmnastaft als Mörder. Ile SALlerttagiidle in SttsUtz. Me berichtet, hat sich am Dienstag früh inj Steglitz hat Berlin eine furchtbare Tragödie abgespielt, bri der' zwet. junge Menschenlebm vernichtet tvurden. Nach der ursprünglichen Annahme der Polizeibehörde hatte der Gymnasiast Günchwr Scheller, ein abnormal veranlagter 17jühriger. Junge, den GeKebtvn seiner Schwester Hildegarde, den 19jährigen Paul Stephan, in ihrem Schlafzimmer erschossen und sich dann selbst das Leben genommen. Er hatte vorher die "ganze Nacht, hindurch mit seinem' Freund, dem Gymnasiasten Paul Kranz, in der Küche der Billa gezecht. Die Eltern, vermögende GroMufieute, befanden-sich auf einer Auslandsreise. l Die Untersuchung hat nunmehr ome überraschswe Wefldung genommen. Die Polizei hat festgestellt,, daß Paul Kranz tn die Tragödie verwickelt, vielleicht sogar der Anstifter des Mordes an dem Kehrling Stephan ftwie.des Selbstmordes des Primaners ScheVler gewesen ist. Die FvststeUur^ der Polizei werde bestätigt durch Den AbschiedSbrief, den Kranz geschrieben hat, während erin der Küche mit dem jung« Scheller zechte. In. diesen Pries . bezeichnet sich Kranz selbst als Mörder und Selb stm ö vX>?t‘ und schreibt: ,MnWr wird heut« Stephan erschießen^, dann erschieße lt-ch iM»- ther, seine Schwester flnd mich" _i '

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