Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1927-06-29 · Heft 2994 (29.6.1927) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2994 (29.6.1927)
Date
1927-06-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2979076-2981905-2982082--30498-3018727
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

| Prel» «O g | fafoktion, Admini.tr.tion: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon 44-0-88, 43^-19 Telephon ab 6 Ohr abend* 38-5*30 Serie, ab V*0 Uhr abend« 38-5-83. Drnckerei: Vll., Lerchenfelderstraße 1 („ln-ra“) Preiset Wienand Oesterreich durch Post oder Verschleißstellen monatl. 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das Aasland im Innern des Blattes. MÖBELHAUJ 3.WÜHL.!V. XHIEIFMOHIGASSE Nt 3 mEFOW 5593i Wien. Atttwoch. 29. Snni 1927 (29. Siwan 5887). 9. gahrsans Der innere Kampf in Rußland. Las Ultimatum an Lrohki. Moskau. 28. Juni. Das ZentraVomitee, das Wer die Führung der Parteimitglieder wacht, hat an T r o tz k t und Sinowj e w ein scharfes Ulitmatum gerichtet, ihren „verräterischen menschetvistischen Kampf einzustellen oder aber beide würden aus dem Zentralexekutivkomitee ausgestoßen werden." In dem Ulitmatum kommt sehr deutlich zum Ausdruck, daß die Geduld der Partei gegenüber der Opposition ihr Ende erreicht habe, weil „Trotzki der Partei zu oft d en Dolch in den Rücken gestoßen habe." In dem Ultimatum, hinter dem die Mehrheit der Partei unter Führung Stalins steht, heißt es wörtlich: ,^Fn dem Augenblick, wo ein Krieg droht und die Einigkeit der Partei zur Verteidigung der Sowjetregierung dringend notwendig ist, wagt es Trotzki, die Partei offen der Anwendung terroristischer Methoden eines Robespierre zur Unterdrückung der Opposition zu beschuldigen, einer Opposition, die nach Auffassung Trotzkis die wahre Diktatur des Proletariats an die Stelle der bestehenden sogenannten Diktatur des Proletariats setzen will, die in Wahrheit aber nur ein e Diktat u r einer M i n d e r h e\xt s e i." Diese Anschuldigungen gegen die Sowjetregierüng hätten,so heißt es in dem Ultimatum, Trotzki gelegentlich, des..Mschiedes eines früheren'R^ierungsbeamten,. der nach. Sibirien fuhr, ... auf der Gfenb^rhnstaKim offen erhoben, als eine Gruppe der Oppositionspartei sich beim Mschied einfand. In dem Ultimatum werden Trotzki eine Anzahl „verräterischer Handlungen" nachgewiesen, für die, wie es heißt, Persönlichkeiten geringerer Bedeutung ohne weiteres verbannt, worden wären. Trohki und Sinojvjew hätten geheime Drucke Veden für ihre Zwecke unterhalten. In dem Ultimatum wird ferner ein geheimes Flugblatt Trotzkis zitiert, in dem dieser geschrieben hätte: Im Falle eines Krieges müßten sich die Arbeiter und armen Bauern fragen, warum und für wen sie eigentlich kämpfen sollten. Das Kontrollkomitee wirft Trohki und Sinowjew vor, ihr im vergangenen Oktober gegebenes'Versprechen, die Majorität nicht mehr zu bekämpfen, sei nur eine' Mask^ gewesen, unter der Trotzki und Sinolvjew versucht haben, ihre Fahnenflucht aus den Reihen der kommunistischen Arbeiter zu verbergen und Lügen über das Sowjetregime zu verbreiten. Trotzki habe'sogar aus der teillveisen R i ederlage der Sowjetregierüng in. China und aus dem Bruche mit England Kapital geschl^ gen, um die Politik der Sowjetregierüng anzugreifen'. Lar Attentat ln Morkan. Moskau, 27. Juni. (Tel.-Ag. der Sowjetunion.) Das Attentat auf den Vorsitzenden dies Moskauer Militärgerichtes wurde von dem ehemaligen Beamten »des Militärressovts B e ke n d o r s verübt. Dieser örWrte, aus p.e r sö nlich e m R a ch egefühl gegen Orlo w gehandelt zu haben, den er für eine L^jährigo Gesa n g.n i s st.r a f e , w ege n Unterfch l a g u wgen verantwörtlich mache. Am Tage vor dem Attentat war Bekendorf auf Grund einer Sevbstbeschuldigung, wonach er angeblich Fälschungen verübt Haben sollte;, verhaftet, dann aber als unzurechnungsfähig tpieder freigelaflen worden. Bekendorf wurde nun in eine I r r rnc n statt gebracht. Orkows Verwundung Hrt W als uwg esäh rlich HerlMsgetzellt. Nr. 2994 Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Fremdenrecht und Paßfragen. I« fntecnntlonflle Sanvelslammer-Kougretz. Stockholm, 28“ Juni. (Korr. Globus.) Heute Nachmittags hat sich der Kongreß in einer Sondersitzung mit den Fragen des Fremdenr.echt.es beschäftigt und den Verkehr der Angehörigen der Bertragsstaaten sowie die Fragen der Pässe und B i s a behandelt. Hinsichtlich der pe rs-ö n li ch e n Rech t sste l l u n g der Fremden stimmen die Referenten darüber filöerein, daß der Aufen thalt und das Recht zur Ni ederlaffun'g von den noch bestehenden Schranken zu befreien sind. Hinsichtlich der Fähigkeit zu den Z-ivilberusen, namentlich in Hlandel. und Gewerbe, hat die G l e i ch st e l l u n g zwischen Einheimischen und Fremden zu erfolgen. Zur Regelung des Fremdenrechtes gehört auch die endliche Ordnung des Paßwesens. Das Referat des österreichischen Delegierten,, Ministers Riedl, steht grundsätzlich aus dem Standpunkt, daß der Paß- und Sichtvermevkszwang auszuheben ist. Wo das derzeit noch nicht 'durchführbar ist, dort sind mindestens die Vorschrift« n über die Ausstellung von Pässen e i nh o i i 1,1 ch z ü regeln. In der Debatte kamen . besonders auch die Schwierigkeiten zur Sprache, die in einigen Nlachsolgestaat.cn noch bestehen: so die Verweigerung des Passes in der DschechHlowakei beim Bestand von S t e u e,r s ch u l d e n, sowie die Härte der Behörden in,P o le n, die die Ausreise enorm erschweren. ES wird infolgedessen in den Resolutionen auch Gleichheit der G e b ü h r e n. und der Paßkontrolle verlangt. Weitere Resolutionen bezicheNl sich Vaus ' die volle Gleichberechtigung der Llusländer bei der Benützung der Verkehrs- und Handelseinvichtuugen jedes Landes. So wird WM Beispiel verlangt,daß bei der Beschickung von Messen und Ausstellungen, sowie bei Benützung 'der Transportmittel die Gebühren für inländische und ausländische Interessenten und Waren in gleicher Höhe festgesetzt werden. Die Resolutionen iverden morgen dem Plenum vorgelegt. In der gestrigen Sitzung hatte Minister Riedl (Wien) über'die Maßnahmen zur Beseitigung der Hindern i sse des internationalen H ände I s g^nnäß den seinerzeitigen Vorschlägen der österreichischen Sektion der internationalen Handelskammer referiert. Er 'legte, im Anschluß an die von der Weltw i r ts chastsko nfe r>e nz sestgchetzten Richtlinien einen Entwurf über' die:.Durchführung der Kollektivverträge vor,worin unter anderem Vereinbarungen über Maximalzölle sowie die Schaffung eines Zollschiedsgerichtes vorgeschlaodn wird. Ae Suche nach Daudet. -mnWchMmi in nee „ttctlon ftancaiir. Paris, 28. Juni. Die Staatsanwaltschaft hat mr Luge der Untersuchung wegen der mysteriösen Befreiung des Royalistenführers Leon Landet eine Hausdurchsuchung in den Räumen der „Action francaise" vorgenvmmen. Sie dauerte mehrere Stunden und wurde von beträchtlichen Polizeikräften. durchgoführt. Mehrere Dokumente wurden beschlagnahmt und verschiedene Angestellte des Verlages verhaftet. - Ueber den Aufenthalt Daudets ist jedoch, noch nichts bekannt. Verschiedene Gerüchte wollen davon wissen, daß Daudet sich in die Schweiz, und zwar nach Lausannie begeben haben soll. Demgegenüber erklärt die amtliche Schioeizerische Depeschenagentur, daß von einem Mn<- Ireffen Daudets in der Schweiz nichts bekannt sei. Der Ministerrat beschloß, daß die' Regierung unter Stellung der Vertrauensfrage die Vertagung, allere Interpellationen über die BefreiungDaudets bis sum Abschluß der weiteren gerichtlichen "Untersuchung. ver-.' langen wird. Bisher sind zwei Interpellationen, und zwar von sozialistischer und rechtsstehender Seite, eingebracht Vörden. ' Der- Vertaguugsantrag der Regierung wurde auch in ter heutigen Kammersitzung mit 350 gegen 185 Stimmen in genommen. Dagegen stimmten nur die Konwnunisten, die Sozialisten und einige SoziaMisch- Sie Smovarrise der ögtzpttschen Königs. Toulon, 26. Juni. König Fuad von Aegypten, der in Begleitung des Ministerpräsidenten gestern auf seiner Jacht zur Europaroise aus Aegypten abgereift war, ist heute hier eingetroffen. .Er ist abends mit einem Sonderzug nach Paris weitergereist, wo er einige Tage Aufenthalt nehmen wird, um sodann nach London M fahttn. > / Lee Fnstirmnr in der Slowakei. Prag, 28. Juni. Sonntag fand Lu Tureansky Svaty Martin die Eröfftyrng des Fascistenkvngresses statt, der Gajda beiwohnte. Bei den Besprechungen handelt es sich hauptsächlich um die Frage der slowakischen Autonomie. Die slowakischen Rodobranei .(Heimwehren) wollen nur dann in die fascistische Gemeinde eintreten, wenn diese zur Frage der Autonomie der Slowakei einen günstigen Standpunkt cinnimmt. Gajda bemühte sich, die Rodebranei in eine gemeinsame Organisation mit den tschechischen Fascisterl zu bringen, doch ist ihm dies nur teilweise geluugen. Der Führer der slowakischen Faseisten Farkas erklärte, daß sich die R^obranci der fascistifchen Bewegung anschliehon, aber die Forderung erheben, daß die Tschechm in der Slowakei nur die tschechischen Fascisten organisieren, denn die Organisation der Slowaken Erden die siowakischen Rodobranei besorgen. Diese würden aber in allen FxägesN mit den tschechischen Faseisten gemeinsam vorgehcki. Rnmrrnr rlnnsn» für die «Svnkaten in Ungarn Budapest,'26. Juni. (U. T.-K.-B.) Justizminister Pest Hy empfing heute eine Äbovdnung/die ihm ein von 600 B u d a p e st e r Ad v ok«at« n unterzeichnetes Memorandum für die Einführung des Numerus clausus süx den Mvokatenstand überreichte. An der Spitze der Bewegung, die die Ueberfüllung des Advokatenstandes durch den Numerus clausus beseitigen will, sW^t der chem-alige Minister des Inneren D ö m ö t S r. Ansiösnng der Seim? Warschau, 28. Jmvi. „Rzeczpospolüta^ verzeichnet daS in Regicrmrgskreiftn verbreitete Gerücht, daß der Sejm am 30. Juni aufgelöst werden soll. Gne PesM- 'gchig war bisher uW zu erhalten. Lef-Äternattonaie Stndentenkimgreb. Die rumänische Studentenschaft wegen ihrer anUemttksche^ Haltung ausgeschlossen. B u d' a p e st, 26V Juni. (I. T. A.) In der gestern ckbgehaltenen zweiten Sitzung des Internationalen Studentenkongreffes in Sqegsdin berichtete der Leiter des Zentmlbureaus Jecm'Baugniet Aber die Sitzung der'Prapagandcckommission, die die Verbreitung der Idee der I n t e rnationalen Studentenvereinigung zur Aufgabe hat. Da die rumän ischen Stud enten die jüdischen Studenten aus ihren Reihen ausgeschlossen haben, und also nicht alle in Rumänien lobenden Sju.denten vertrieien, können sie nicht ordentliches Mitglied der Internationalen Studentenvereinigung sein. Ver «rierparngratzh in der dmikchrn " Stndentenschast. He »Held erg, 27.. Jrmi. Die vor skwigeN Dügtzn stattgefundene - Abstimmung -der Heidelberger Studenten^' schaft über die Frage deS Eintrittes in die Deutsche <Audentenschast, aus der sie wogen ihrer fvckhöitkchen Haltung ausgeschlossen worden war, ergab «ine starke , Majorität für den RichteintM. Die Heidelberger Stuhenttznschast hat damit dem heutigen, allerdings teilweise schm schwindenden Geist in der deutschen Studentenschaft eine mutige Absage erteilt und damit auch die Unmöglichkeit' der Zusammenarbeit nnt der houttUN MssiUWWn Gtudentenvertretung ausgesproche«. '

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.