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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-27 · Heft 2992 (27.6.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2992 (27.6.1927)
Date
1927-06-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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. »-VS '• * ..'!, '°' [ Prel* fEO s Redaktion, Administration Wien, II., Taborstr. 1 Telephon 44-038, 48-349 Telephon al> 6 Uhr abends 38-5-80 Serie, ab «,',9 Uhr ahends 38-5-83. Ornckerei: VD., Lerchenfelderstraße 1 (,lnra*> Preiset Wien und Oesterreich durch Post oder Verschleißstellen monatL 5 Schilling. Beragsbedingnngen fär das Ausland im Innern des Blattes. Rk. 2992 Men. Montag. 27. gnui 1927 (27. Siwaa 5887). 9 ZaHtssng Daudet wird nicht begnadigt. vr ist spurlos verschwunden. — Rachsorschnugen ,«r MederverHaftnng. Morgenreilung ^6vLI.«AV/ 7.WUHL *'scmnFL»sfw .^2 8EQUEME TEILZAHLUNG* Paris, 26. Juni. Die Blätter äußern Äweifel an der > Wahrheit der Angabe der Royalisten über die Umstände, unter denen sich die Telephongespräche mit! dem Direktor der Gante abgewickelt hätten. Mehrere Blatter halten es für unwahrfcheirrlich, daß alle Telephonverbindungen, mit dem Innenministerium blockiert gewesen seien, und machen Anspielungen auf die Möglichkeit einer geheimen Mitschuld. Oie erinnern daran, daß auch im Jahre 1912 ein in Hast befindlicher Camelot du Roy auf eine falsche telephonische Order hin freigelassen worden sei. Polizeipräfekt Ehiappe befand sich gerade bei einer Gedächtnisfeier für die Kriegsgdfällenen, als sein Kabinettschef, der von der Gante Meldung erhalten hatte, auf ihn zutrat, und ihm mitteilte, daß die Freilassung Daudets, Delests und Semavds ohne Zwischenfall vor sich gegangen sei. Der Polizeipräfekt prallte verblüfft zurück, suchte sofort den Innenminister, S a rraut aus, der einige Meter von ihm entfernt stand, und überbrachte ihm die Meldung mit dem Beifügen, daß Mn Der Freispruch der Frau Relly Grosavescu bildete in asten Kreisen noch gestern fast den lalleinigen Gesprächsstoff. Die beiden Parteien machten sich teils die Slrgumente des Staatsanwaltes, teils die des Verteidigers zu eigen und debattierten oft in der hitzigsten Weise tniteinander, wobei lviederhÄt auch die Geschworenen heftig angegriffen wurden. Um 3/4II Uhr vormittags erschienen Bezirksrat KöveSdy und der erste Mann der Frait Grofaveseu, M- .'vr Cal tun im Landesgericht und holten Relly Grvs a v e s e u im A u t >0 ab. Die Förmlichkeitew in der Kanzlei waren bald erledigt,. Frau Grosavescu dankte für die hunanc Behandlung und ohne jedes Aufsehen führen ie drei in die Längegaffe, in die Wohnung Kövesdhs. Der Herausgeber der „Corr. Herzog" hatte heute vorlittags eine Unterredung mit dem Verteidiger Dr. Steger, ^er u. a. sagte: Die Kritik an dem Freispruch meiner Klientin hat insofern auf mich einen befremdenden Eindruck gemacht, als ich wahrnehmen mußte, daß fie vielfach eine der Frau Grofaveseu feindliche ist itnd sogar die Geschworenen in den härtesten Ausdrücken getadelt und kritisiert werden. Ein Richterspruch M überhaupt nicht krittsiert werden und ganz besonders nicht in so heftiger und verletzender Weise. Man 5<mit doch unmöglich einen Richter wie einen schlachten Schars shieler auspfeifen. Das Geschwore n eninstitu t, das ohnedies seit dem Umsturz uur für die.schwersten Faste existiert, wird daduch immer mehr und mehr herabgesetzt, wobei bedauerlicherweise übersehen wird, daß das Geschworenengericht die schönste Errungenschaft der Prozeßordnung in Oesterreich seit dem Jahre 1874 .ist, und daß die Geschworenengerichte im Ausland seit viel längerer Zeit bestehen, insbesondere in England seit nahezu tausend Jahren. Ist der Freispruch als endgültig zu betrachten? „Ein Rechtsmittel ist z»var gegen jedes erftgerichtliche Urteil möglich, doch glaube ich nicht, daß der Staatsanwalt es ergreifen wird." Der Bater der Fveigesprochenen ist nach den Aufregungen des Prozesses noch erschöpft. Mt vor Rührung vibrierender Stinmre sagte er: „Der Frvtzspruch war für uns eine Morgenröte, ein Ausgang ins die Freilassung völlig unerwartetsei. Auch Sarraut fuhr auf. Man stürzte dann zum Telephon und erfuhr nur die vollzogene Tatsache. .. . , In amtlrchkün Kreisen wird erklärt, daß die Nachforschungen zur Wiede r f e st n a h m e von Daudet und Delest weiter fortgesetzt werden. Man glaubt, daß die Regierung nicht mehr die Absicht habe, sie, wie geplant war, der Begnadigung teilhaftig werden zu lassen. S e m a r d toird, wenn er sich nicht binnen zehn Tagen im Gefängnis einfindet> verhaftet werden. Die „Action Francaise" erklärt, nicht zu wissen, wo Daudet sich befindet. Das royälfftische Blatt veröffentlicht heute einen von Daudet gefertigten Artikel, der aber n i ch t s e i n e Freilassung betrifft. Eine snttmeOMtM ln d« Nummer. Der sozialistische Abgeordnete Nihry teilte heute mit, daß er die Regierung über die Folgen der Strafv 0 llz u g sp 0 li t i k, wie sie in den Zwischenfällen rm Sante-Gefängnis herborgetrcten seien,. , i n.t e r p e l l i e - re n werde. .4 / v ' F r e i e. Meine Tochter will fernerhin in Ruhe Wen. Mein e Nelly wird entsprechend den 'ärztlichen Anordnungen 'sich ganz zurückziehen um, falls möglich, wieder innere Ruhe zu 'finden, um "sich körperlich zu erholen, da sie ja völlig zusanimengebvochen ist." Sin Gattenmord in Mahrisch-Sftrau. Unter vem kludrutk des Salles Srosavesen. . M äh risch -Ostr au, 26. Juni. Der'Eigentümer' einer Maschinenfabrik Eugen Es ch rng e r hat nach einem Streit mit seiner Gattin, mit der er seit längerer Zeit in Unfrieden lebte, diese durch 5 Kugeln in den Kopf niodergeschossen. Die Bluttat hat in der ganzen Stadt ungeheures Aussehen erregt, um so mshr, als bekannt wurde, daß der Mord geradezu unter dem Eindruck des F a lles Grosavescu geschehen ist. Eschinger war mit seiner Frau, einer gebürtigen Wienerin, seit 6 Jahren verheiratet. Seine Frau machte ihm wiederholt Vovivürfe darüber, daß er sich zu wenig um sie kümmere, was er mit allzu sta rk er geschäftlicher Inanspruchnahme, begründete. Die Gattin aber machte dem Mann Eifersuchtsszenen, so daß es wiederholt zu s charfen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Ehegatten kam. Frau Eschinger war vorige Woche in Wien und hatte auch > ■ einige Male den Verhandlungen im Landesgericht gegen Frau Grosavescu beigewohnt. Als sie Samstag nachts wieder hier eintraf, machte sie verschiedenen Bekannten gegenüber aus ihrer lebhaften Sympathie für Frau Grosavescu kein Hehl und bemerkte, daß rS a«e» Gatten so gehen müsse, die ihre Frauen vernachlüfsigen. Aus einer nichtigen Ursache kam es kurz darauf wieder au einer erregten Aussprache zwischen den beiden Ehegatten, die bis in die ersten Morgenstunden dauerte. Als in der Frühe die Matter den Freispruch der Frau Grosavescu brachten»,ging aus bisher noch nicht festgestellter Ursache der Streit - wieder , los. Nach Angaben des Mannes, die natürKch noch überprüft werden, soll die Frau dem Mann zugerufen haben: ^W-nn ich dich jetzt niederschieße, wird man mich ebenso ftkittzrqchen wie Fra« Grokavescu." Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Die Folgen dieses Ausspruches waren furchtbar. Der Mann ergriff einen Revolver -und gab 6 Schüsse auf die Frau ab, boy derren 5 die Frau in den Kopf trafen und ihren sofortigen Tod herberfü'hrtcn. Die Gerichtskommission stellte bei ihrem Lokailaugenschein fest, daß die Frait unter ihrem Kopfpolster euren mit 5 scharfen Patronen geladenen Dainenrevolver anfbewahrt hatte. Die Einvernahme des Mannes konnte wegen seiner vollständigen Zusammenbruches noch nicht vorgenommer. werden. Mutiger Uebersall auf Reichobannerleate. Frankfurt a. d. Oder, 26. Juni. Ein mit Reichsbannerleuten besetzter Krafttvagen wurde hinter Münzeberg.in der Mavk überfallen und beschossen. Ein Reichsbannermann tourde durch einen Bauch sch ußgetötet, zehnandere teils s ch w e r, teils Leichter Verletzt. Nach den Aussagen der ün hiesigen Krankenhaus liegenden Verletzten wurde per Kraftwagen in der Ortschaft Arensdovf belästigt und mit S t t i* n c.n be w orf en und schließlich wiederholt / beschofssn. Nach den, ENnittlungen der Polizei kommt als HrMpftäter her.Pesitzerssöhn August- S.chm k lz e r aus' ÄrenÄwrf ü» Mage.- Gr wurde v e r h a f t e t. Anowlew und Lrotzsi werde« aüsgefchloffe«. Moskau, 26. Juni.-' Das PcäMum Vtzr. Jentralkommission der kommunistischen Partei hat beschlossen, auf der bevorstehenden gememfmnen Tagung des Zentralkomitees . und der Zentralkommission die Frage des Misschlüsses Sinowjews und Trotzkis aus der Zahl der Mitglieder des Zentralkomitees a n z u r e g c n, und zwar wegen ^ihrer wiederholten Uebertretungen der Parleidiszi- ' p l i n sowie wegen ihrer u nansgesetzten 's r a k t i v n o"k l ett Tätigkeit. Sie Wahlen i« RumSuieu. Ein Rundschreiben des Jnnenmnüsters Bukör est. 25. Juni. Innenminister Duea hat an die Vevtvaltungsbehörden ein Rundschreiben gerichtet,-worin diesen eingeschävft wivd, dicFreiheitdesDerkehrS tvährend der Wahlperiode zu sichern. . Byrd wartet weiter. e loy 0 r k, 26. Juni. Byrd uwrtet weiter auf günstige W e tt e r b e r r ch t e, bevor er seinen Flug Aber den Atlantischen Ozean antritt. Wäret hat seine Absrrtigungrsumme erhalte«. . Rechtsanwalt Dr. Ernst S i I b e r k n 0 p f hat am Samstag bei der Kasse des Anglo-Danubiän Lloyd den im Bergleichsivege festgestellten. Abfertiguirgsbetrag von 240.000 Schilling für das Ehepaar M a r e k einkassiert. Dr.. Silberknopf hat einen gvoßey Teil des Geldes für die Befriedigung der sich immer zahlreicher meldenden Gläubiger Mareks Vevlvenden müssen. In diesem Zusammenhang ist es interessant, festzustellen, daß sich jetzt auch Gläubiger gemeldet hätten, von denen die Rechtsanwälte Mareks angenommen hatten, daß sie keinerlei Fovderungerr stellen werden. Dem Ehepaar Marek wird deshalb von der ihnen durch die Anglo-Danubian ausbezahttelr einmaligen " Abfertigungssumme n i ch t v i e l v e r b l e i b e n. Gm-il Marek ist noch nicht arbeitsfähig. Er wird sich zunächst ganz der Miedevherstellnng seiner Gesundheit widmend gabotinftys Siairrffra in Men verschoben. Das Eintreffen Jabotinskhs in Wien hat sich. v e v zögert. Er wird entgegen der getroffenen Dispostttm nen nicht l-eute Abend, sondern erst m0rgen früh m Wien emtreffen können. Daher u^t erbt erbt äuch der für heute abends angese"tzte Empfang' Die Frellaffung der Zrau Srosavesm. Sie verlieb gestern vormittags das Laadergericht. i

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