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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-26 · Heft 2991 (26.6.1927) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2991 (26.6.1927)
Date
1927-06-26
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Sb. 2991 Wien, Sonntag WLmse Morgenzettttns SS. Juni 1VS7 earr Unserem Ehren-Chavrer Herrn Simfche Groß 1 anläßlich seiner Verlobung mit Frl. Saly Luwlsch (Nürnberg) entbieten wir herzlichsten aitä bfö Jugendvereln „Erez-Israel" Wien. VOIKIWIRTICHAFT Echte Schlangen- Eldechseu.Krokodllledersdiuhe S4S-49W Zleine aus echtem framös. SHode-Chevreaux hergestellten ffrühfahrsmodeBs legen Zeugnis ah com Schönheitssinn und edlen Qesehmadt. Herren- Schuhe in fabelhafter Ausführung und Auswahl Gerichts! aal. Hypnose — kein Mittel zur Wahrhettrsinvuug. Die Privatbemntensgattin Marie Kummer war Tin >MÄrz auf der Klinik W a g n er --"I a u r e g g zur Beobachtung ihres Geisteszustandes. Assistent Tr. Max W. versetzte die Frau, um angeblich bei ihr vorhandene Gedächtnislücken festzustellen, in dem allgemein zugänglichen Untersuchungszimmer der Klinik in hypnotischen Schlaf und gab ihr den Auftrag, etwas Angenehmes zu träumen. Tie Frau halluzinierte ein erotisches Erleb nis mit ihrem Gatten, das sie auch erzählt. Am nächsten Tage wurde die Patientin aus der Klinik entlassen, erschien aber bald Ln Begleitung ihres Mannes, "oer Tr. W. beschuldigte, tvährend der Hypnose sich der Frau unsittlich genähert zu haben. Herr Kummer blieb bei dieser Beschuldigung, obwohl man ihm sagte, daß doch während der hypnotischen Sitzung Krankenpflegerinnen wiederholt das Zimmer posiert hatten. "Daraufhin erhob Assistent Dr. W. die Ehrenbeleidigungsklage gegen die Eheleut^ Kummer. In der ersten Verhandlung verlangte Herr Kummer, daß zur Erforschung der Wahrheit seine Frau nochmals hypnotisiert werde, damit man sie während der zweiten Hysmose über den währen Sachverhalt der Vorgänge während der ersten hypnotischen Sitzung befragen tonne. Tie Verhandlung wurde damals vertagt. In der gestrigen fortgesetzten Verhandlung erschien nUn Primarius Dr. Stelzer als Sachverständiger und gab an, daß die Hypnose kein taugliches Mittel zUr Erforschung der Wahrheit sei. In der Hypnose kann eine P-^son die Wahrheit sagen, aber ebensogut auch belvnßt oder in gutem Glauben lügen. Airschuldigungen von yypnolisierten Frauen in sexueller Richtung seien nichts Seltenes. -D,re Verhandlung wurde abermals behufs Requirierung der Krankengeschichte der Frau Kummer vertagt. Neue Räte des Obersten Gerichtshofes. Der Bundesprasidcnt hat den Hofrat und leitenden Ersten Staatsanwalt iDrj. Artur Jmendörsfer in Wen, die Räte des Oberl-andesgerichtes in Wien Hofräte Dr. Otto Lutz und Dr. KamNlo Ohmeyer sowie den Vizepräsidenten des Landesgerichtcs für Zivilrechtssachen in Men Hofrat Dr. Otto I a i t n e r und den Wi-zepoäsidenten des Landesgerichtes für Zivilrechtssachen in Graz Hvftürt Dr. Johann Gö-Iles zu Räten des Obersten Gvrchch.t I ho>f e s ernannt. - ' . Spekulant oder DesimÄaut? Während der Wahlbewegung hatte der Sekretär des sozialdemokratischeir Forstarbeitervcrbandes Heinrich Wied mayer in einer Versammlung den niederösterreichischen Landeshauptmann Dr. Buresch und seine Beziehungen zur verkrachten Bauernbank scharf kritisiert. Christlichsoziale Versammlungsteilnehmer wollten gehört haben, daß mit Bezug auf Buresch der Ausdruck „Defra»La n t der Banernbank" von Wiedmayer gebraucht wordeir sei. Landeshauptmann Dr. Buresch erhob daraufhin beim Bezirksgericht Ebreichsdors die Ehrenbeleidigungsklage. Wied mayer le u,g^n ei*, Buresch als Defraudanten charakterisiert zu' haben und erklärte, er habe nur gesagt, Buresch sei ein „S P s r u l a n t der Bauern bank". Da die christlichsozialen Versammlungsteilnehmer den Inhalt der Anklage bestätigten, wurde Wied« ntayer zu einer achttägigen Arreststrafe verurteilt. - Soeben erschien DER SOHN DES MOSES MAUTNER Roman von Leopold Hiebier Mit seltenerEinfühlungin die Zeit ist hier die Lebensgeschichte eines Wiener Juden erzählt Hohes Können und reife Menschlichkeit vereinen sich zu einem von köstlichem jüdischen Humor erfüllten Buch Ein gemütvolles, volkstümliches Werk, mit Liebe und viel Lebensweisheit geschrieben Preis: brosch. 8 5.50, in Leinen geb. S 7*50 Buchhandlung und Verlag R. LÖW1T l Rotenturmstr. 22 WIEN I. Fleisclunarkt 1 Eroberung des Inneren Anleihe- Marktes? In der vorigen Woche haben wir die GoldbAanz der Bundesbahnen einer kritischen. Betrachtung unterlagen und auf bas Mißverhältnis zwischen der Bewertung des Anlagekapitals und der Kapttalsschnlden, wtzlch letztere unter Ausnützung der JnfkationSergebmsse nahezu zmn Verschwinden gebracht wurden, hingewieseu. Noch schärfer list das Urteil eines hervorragenden Finanztheorettkers ausgefallen, das wir im folgenden wiedergeben, weil es von einem Manne herrührt, der ein markanter Vertreter bürgerlicher Finanzpolitik ist. Unter dem Titel: „Auch ein „Rechnungsabschluß"!" schreibt Engen Benzivn in der „Finanz-Post":: „Der Zweck der eben veröffentlichten Rechnungsabschlüsse der Bundesbahnen ist, die Lage derselben zu verhüllen. Die zwei wichtigsten Ziffern der Mlanz find wohl jene, welche den Wert der Anlagen und den Stand der ans denselben ruhenden Schulden betreffen. Beide Daten beruhen auf gänzlich willkürlichen Mw nahmen und sind unzweifelhaft gröblich irreführend. Die Bewertung der Anlagen erfolgte, wie mttgeteilt wird, auf Grund einer Schätzung durch Fachleute. Daß eine Schätzung erfolgte, ist selbstverständlich unwahr. Denn um die eventuellen Kosten der Grunderwerbung für zahlreiche Bahnhöfe in Wien, Graz, Linz ufw., für die Werkstätten und für laufende Kttvmeterstr^cke, dann für die Errichtung der Dämme, Einschnitte, Brücken und Tun. nels sowie für den sonstigen Ober- und Hochbau, für das rollende Material usw. zu „schätzen", bedürfte es einer immensen und überaus kostspieligen Arbeitsleistung. Der „kommerzielle" Wert der Bundesbahnen ist jedoch, wenn wir in Betracht ziehen, daß deren Gewinn- und Verlustkonto mit einem Abgang abschließt, gleich Null. Wenn also der Wert der Bundesbahnen in der Bilanz mit etwa 2800 Millionen angegeben wird, so könnte man ihn ebensogut mit einer oder fünf Milliarden annehmcn. In die Augen springend falsch sind aber die Beträge, mit denen die Schuldenlast der' Bundesbahnen angegeben wird. Die „amortisablen EisenbahnanlejHen" werden mit 38 Millionen Schilling angegeben. Nun beträgt allein die Elisäbcthbähn-Goldschuld 130 Millionen Schilling und repräsentiert dieselbe sogar einen Kurswert von rund 50 Millionen. - ' Und dann kommt'erst der viel größere Betrag der anderen Metall-, Valuten- und Friedenskronenschulden. Wenn man also nicht von der Voraussetzung ausgeht, daß Oesterreich Bankrott macht und überdies' entgegen den unzweideutigen Bestimmungen des Friedensvertrages den auf die . Bundesbahnen sichergestellten Gläubigern ihre vertragliche Sicherstellung entzieht und das gegebene Pfarrd raubt, so muß die „amortisable Eisenbahnschuld", das sind die Prioritäten und Staatseifenbahuschuldverschreibungen und zu solchen abgestempeltcn Aktien mit Ungefähr einer halben Milliarde, nicht aber mit 2tz Millionen in die Bttanz eingestellt werden. ' \ . Sollen wir uns noch mit der Erläuterung all der anderen ,Zrrtümer" und Feststellung unzähliger Willkürlichketten dieser sogenannten Rechnungsabschlüsse abgeben und unseren Lesern aufzeigen, was sich der „kommerzialisierte" Betrieb der Bundesbahnen in jeder Hinsicht zuschulden kommen läßt!» Es genügt, wohl, darauf hinzuweisen, daß die Deutschen Reichsbahnen ein ungeheuer großes Obligationen- und Aktienkapital hoch verzinsen- - einen ungeheueren Zuschuß zu den Reparationen leisten und großartige Investitionen aus dem Betriebe bestretten, während unsere Bundesbahnen das allgemeine Staatsbudget mit großen <Nrmmeu in Anspruch nehmen, nicht einen Groschen Zinsen auf die alten Schulden zahlen, dafür aber ununterbrochen ne!ue Schulden aufnehmen und selbst einen großen Teil der laufenden Erhaltungskosten aus Anleihen bei dem Staat und den Banken bestreiten, um darzutun, wie Mecht dort gewirtschastet wird. ' Man kann beruhigt die Bundesbahnen mit Wölkersdorf, dem Arsenal ustv. in eine Reihe stellen und die Frage ist nicht, ob diese Unternehmung mit einem ,Krach" enden muß, sondern nur — wann daLgeschehen wird." * Auf die wenig erfreuliche Goldbilanz der BundeKbahnen folgte die schon ganz Und gar unerfreuliche Goldbilanz der Oesterreichischeu Postfparka ssa. Sie deklariert einen Verlust von 125.7 MWonon Schilling, die, wie man aus den Enthüllungen des vorigen Jahres weiß, daraus entstanden.sind, daß hinter den berüchtigten „AuslandMufen" an der Wiener Effektenbörse im Jahve 1933 niemand anderer gestanden hätte als die,chrave", nüchterne, gut verzopfte amtliche Postspar-asso, der fast bis zUm letzten Augenblick niemand solche kostspielige speknbative Extravaganzen zugemutet Wie, bis der arme Steuer zahler zu seinem LeÄvesen e$i$r, daß auch der graue Amtsschimmel vor Torheit und' Müde nicht zu bewahren vermag. Mt dem Unterschied freilich daß dom Staatsbürger weiszumachen versucht wird, daß auf Torheit, Sünde, Verbrechen staatlicher /, kch»e.-, StyHe -Mt Warden dürfe. ‘ ' '' * Die Postsparkasse verfügt über Einlagen von 280 Millionen Schilling, Kreditoren im Betrage von 76 Millianon und eigene Effekten im Kurswert von 72 Millionen. Die Effekten tragen ihr ganz gewiß keine Rendite von 8 Prozent ein, die sie den Kreditoren bezahlen Mich die Einlagen heischen auch eine Verzinsung von 4 bis 51/2 Prozent, verdienen kann sie also die Zinsen nicht, und so muH der Staat (recte der Steuerträger) für Äle diese schönen Geschäfte durch Zuschüsse aufkommen. Um einen bestimmten Verlust der Postsparkasse abzugreuzen, der aus der .Liquidation der Berkehrskredttbank fließt, bevorschussen die Bundesbahrren den Gewinn eines Bankenkonsortiums, das das Fvachtkredttgeschäft übernimmt, mit rund zwei Millionen Schilling. Wun' sind auch die Bnichesbahnen sozusagen Staatsbesitz, das Geld wandert daher nur von einer Tasche in die andere. ' - Ohne eine Konsolidierung des Abganges der Postsparkasse wird es also auf die Dauer nicht gehen, tviewohl unsere maßgebenden Regiernngsfachmänner dem Publikum einrcden wollen, daß das Defizit von! 125.7 Millionen. Schilling keine Rolle spiele, da ja der Staat „haste". Geld brauchen aber die Bundesbahnen ebenso ivie die Postsparkasse. Woher nun das Geld nehmen? Der Gedanke liegt nahe, daß die Bundesbahnen mit ihrem Eigenvermögen von 2800 Millionen Schilling sich kredttpolitisch vom Staate völlig unabhängig machen könnten. Aber leider stoßen sich hart im Raume die Sachen. Unmittelbar nach der Veröffentlichung der Goldbilanz der beiden größten staatlichen Unternehmungen kommt ans London die ütachricht, daß sich der Gouverneur der Bank mm England auf das allereutschiedenfte gegen ein «neue österreichische Ausländsanleihe ausgesprochen hat. Die Absage Normans läßt, wie der hiesige „Tag" mitteilt, an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Soktte das Finanzkomttoe des Völkerbundes entgegen dem Rate der Dank von England Oesterreich die Bewilligung zur Aufnahme einer Ausländsanleihe erteilen, dann wird die Bank von England nicht verfehlen, öffentLtch zu koukon fta tie re n, daß die Auflegung der Anleihe gegein den Willen des englischen Noteninstituts erfolgt. ein Palliativmittel dar, das keine baUernbe Lösirittg! .bringen Es ist wohl im höchsten Grade unwahrschemlich, daß gegen den Willen der Bank von England eine österreichische Ausländsanleihe .aufgelegt werden könnte. Vermutlich wird' es nun nicht einmal dazu kommen, dcch ossizielle Schritte beim Filumzkomitee des Völkerbundes wegen einer Anleihe auf die Bmrdesbahnen eiugeleitet würden. Gouverneur Norman verwies den'Generaldirektor 'der Buridesbcchnen «üif den inneren Anleihemarkt, auf dem das für den iAns-. bau der Bundesbahnen nach Erschöpfung der Völkerbnudcnrleihe erforderliche Geld beschafft werden solle. ,Dttß d^r imrere Anleihemarkt in. Oesterreich.für die Bewältigung solcher Aufgäben gar nicht tauglich sist/ Maucht' nicht besonders auseinandergesetzt zu werden. Der inländische Awleihebesitzer ist durch die staatliche Schuwenpollttk, die Gokdimd Valutaschulden der Vorkriegszeit als PapierkroNenschulden 'behandelt, abgeschreckter wird kaum geneigt sein, nrüte Ersparnisse in neuen Mleihetttres anzulcgenl, selbst wemr diese nnt noch so prunkvollen Goldklauseln -ausgestattet werden sollten. Gerade die GoldbilaW der Bundesbahnen, die die Borkriegsschulden bis auf 28.6 Millionen Schilling abgeschriebm hat, ist nicht geergntt, die.Empfänglichkeit für neue Anleiheir zu verstärken. Ähne e i n e 'Är0srerungsanleihe nach dem Muster der tschechoslowakischen KonsvlidierUNgsanleihe ist das österreichische MnleiheprMem nicht zu-lösen. Entschließt sich die österreichische Finanzverwaltung nicht zur Nachahmung des tschechoslowakischen Beispiels, so müsselr die ElektrisizierNngsarbeiten der Bmrdesbahnen im nächsten Jahre jäh unterbrochen werden Und können die Bundesbahnen aus dem chronischcir Defizit — Pro 1927 dürste es bis auf 20 Millionen Schilling (gegen 260.000 Pro 1925) angewachsen sein nicht herauskonrmen. i . Wird der Weg der Arosieruntzsänleihe incht beschritten, so Tonnte eine Inlandsanleihe nichts anderes bedeuten, als dgß die Bankeir, Sparkassen, Bersicherungs- und sozialpolitischen Institute wieder in mehr oder minder versteckter Fornr — bei der Zentralbankanleihe geschah dies ganz vfjrnzu Zwangsleiffungeu au die Staatswirtschaft herangezogen würden. Das' würde letzten Endes auf eine verstärlle Schatzwechstlemission hinaUsläusen, wovon nvau nachgerade grnUg haben müßte, llmgehe'rr ließen sich freilich auch die strengsten Vorschriften, aber Wird'ttwn es darauf ankomnren lassen? Die erste Folge der englischen Absage dürfte MM feilt, daß die vom Völkerbmrd längst bewilligte 75 - Millionen - Scha'tzscheln -'Emission uN Läufe der nächsten Monate verwirklicht werden rvird, die jedoch zur Voraussetzung hat, daß Golddevisen im Betrage von 50 Mlllonen Schilling auf die Mtenschuld des Staates cm die Bank rückgezahlt werden. Das Mt allerdings bloß WMMZWMWMWWMi^WH Jns jiidisdke Maus das ilidisihe fätatt

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