Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2991 (26.6.1927)
- Date
- 1927-06-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ä», tff r 'V 'Sf/fv-:>'"v .c"1'" W".''. r^- 1 ''' | Preis LD s Kedaktion, Administration. Wion, U.jTahorstr. I Tetophon 44-0 38 48-3-19 Teicphon ab 6 Uhr abends 38-5-80 Serie, ab Va9 Uhr abends 38-5-83. Druckerei: VII., LerchenfeJderstraße 1 („Inva“) Preise Wien und Oesterreich durch Post oder Verschleißsteilen monatl. 6 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Innern des Blattes. Wiener orgenzettung rv aOmu MÖBELHAUS 3.WÜHL «V. SCHUIFMÜHLGAHE Nt 3 mrro« 5595s BCaUcME . TEILZAHLUNG! Sit. 2991 Men. Sonntag. 26. Juni 1927 (26. Siwan 5687). 9. Fahrgang Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesehtes E gekennzeichnet. AM.E6NIGE ANZEBGEN AHHONCENhe.hr, CH ANNAHME -EXPEDITION SCIIALEK HEINRICH «Ml ■*■■■»!IEN, I., WOLLZEILE 11. - TEL. 76-0-81, 76-0-82 BHÜLLAX Ist der beste Schmirgelgummi Verlangt nur BRÜ laiLAX Der Abbau der Visummauern. Aufhebung des Bismnzwanges zwischen -Oesterreich nnd Lettland. Die lettische Negierung hat der Bundesregierung kürzlich vorgeschlagen, den Sichtvermerkzwang im Verhältnis zwischen Oesterreich und Lettlandfür die beiderseitigen Staatsangehörigen aufzuheben. Nachdem der' Ministerrat diesem. Vorschlag zuge stimmt hat, wird durch Austausch gleichlautender Noten zwischen dem österreichischen Gesandten in Lettland und dem lettischen Minister des Aeutzeren ein Abkommen in diesem Sinne, das a m 1. Juli d. I. in Kraft tritt, abgeschlossen werden. Es können also von diesem Tage an Angehörige des einen Staates, die sich als solche durch einen gültigen Heiinatpaß auÄweisen, £>•03 Gebiet des anderen Staates ohne Sichtvermerk betreten und verlassen, wodurch nunmehr auch zwischen Oesterreich und Lettlandde r s r e t c Reiseverkehr hergestellt ist. Zas Verfahren gegen Beteffy ln Buvapest eingestellt. Budapest, 25. Juui. Der gewesene H'ermlsgeben der Wiener „Stunde" Emmerich Bekessy hat bekanntlich vor längerer Zeit bei der Budapester Staatsanwaltschaft gegen sich selbst die Mrzeige ivegen ^rpressnug und falscher Zeugeuailssage beantragt. Tie Budapester Staatsänwältschäft hätte Xe Untersuchung eingeleilet und an das -Wiener Lansies-- geeicht das Ersuchen um Uebersendung der Akten gerichtet. Da das Wiener Landesgericht dies unt der Begründung ablehnte, daß eine ausländische Behörde nicht kompetent sei, über in Oesterreich begangene Strafhandlungen ein Urteil zU füllen, hat heute die Budapester Staatsanwaltschaft däs weitere Verfahren gegen Bekessy eingestellt. Jas Attentat auf Kufbhfcheff erfunden. Moskau, 25. Juni. (Wolfs.) Die Telegraphen-Agentnr der Sowjetunion teilt mit, daß die von gestern datiere Nachricht einiger Blätter über ein angebliches Attentat auf den Vorsitzenden des Obersten Wirtschaftsrates, Kujby-- schesf, rein erfunden ist.. Titulesc« — rumänischer Außenminister? Bukarest, 25. Juni. Nach Blättermeldungen hat der rumänische Gesandte in London, Tituleseu, das Portefeuille d c s A e u ß e r e n im Kabinett Brattanu angenommen. - - Welzmann in Berlin. Berlin, 25. Juni. (I. T. A.) Wie schon mitgeteilt, trifft der Präsident der Zionistischen Weltorganisation. Dr. Ch. Weizmann, am Montag, den27. Juni, abends in Berlin ein. Unmittelbar nach seiner Ankunft wird er in einer Sitzung des Deutschen Pro-Palästina-Komitees sprechen, in der der frühere Botschafter Graf Bernstorff den Vorsitz führen wird. Am 28. Juni, nachmittags, gibt der Dirigent des Auswärtigen Amtes, Freiherr v. Richthofen ans Anlaß der Anwesenheit Dr. Weizmanns einen Tee.. Abends findet im Hause des Herrn Direktors Oskar/ W a s s e r m a tut eine Zusammenkunft jüdischer. Persönlichreifen Deutschlands statt, in der Dr. Weizmann sprechen wird. . . Am Mittwoch, den 29. Juni, abends^ wird im Lchrervereinshaus eine große Kuudgebung aügehalten. Aach einer kurzen Ansprache des Präsidentender -Zionistischen Bereinigung für Deutschland, Kurt Blumenfeldwird Doktor Weizmunn ausführlich über die zionistischen Probleme der Gegeiuoart sprechen. Relly Grosavescu sreigesprochen. Wegen Sinnesverwinung. Gegen Mitternacht ging der Sensationsprozeß wegen der Ermordung des StaatsoPerNsängevs Trajan Grosav e s c u nach viertägiger Dauer zu Ende. Die Geschworenen habeir die ihnen vorgolegte Frage auf Mord e i n ft i mm i g v e r n e i n t, die Frage auf Totschlagoinstimmig bejaht, jedoch mit 8 gegoir 4 Stimmen Sinnes- Verwirrung zur Zcht der Tat angenommen. Demgemäß wurde Frau Nelly Grosavescu sreigesprochen. Ihre Enthaftung wurde sofort altsgesprochen. Frau Grosavescu wird jedoch die Nacht noch im Jnquisttonspital verbringen. . Näherer Bericht im Inneren des Blattes. DOOooooocxxx>ooooooooc»ooooccx)oo<xx)oooooooooocooo3QooooooopoooooooooooooQOooooco Daudet in Freiheit gesetzt. Ein Köpenick-Streich in Pari». Paris, 25. Juni. (Havas.) Infolge einer Mystifizierung des Direktors des Saute-Gefängnisses, welchem die Camelots du Roy unter Nachahmung der Stintme eines Ministers die betreffende Weisung erteilten, find Daudet, D e l e st und der Kommunist Semar d heute um halb 13 Uhr mittags in Freiheit gesetzt worden.'Die Nnwahrschemlichkeit der Nächncht hat ihre Verbreitung um mehrere Stunden verzögert. Ser Selbstmord des Sohnes Daudets. Paris, 26. Juni. Vor dem Seine-Gerichtshof wurde neuerdings Wer eine Klage Leon Daudets gegen den Buchhändler Le F!l a t e u r, die Anarchisten Henry Faure, I d a l und das Ehepaar P r 0 v i s verhandelt, die er wegen falscher Zeugenaussage eingebracht hatte. Der Staatsanwalt vertrat die Ansicht, daß nach dem Erkenntnis des KassationsgerichtHofes Philippe Daudet Selbstmord begangen und der Chauffeur Baj0t sich einer falschen Zeugenaussage nicht schuldig gemacht habe. Daraus gehe hervor, daß auch die anderen Zeugenaussagen richtig seien. Die Angeklagten wurden daher freigespr-ochen. Wie die Mystifikation erfolgte. Paris, 25. Juni. (Wolff.) Aus der Redaktion der „Action Francaise", deren Mitglieder um eine Flasche Champagner versammelt waren, um die Befreiung Leon Daudets zu feiern, wird Wer die Art und Weise, wie die Mystifikation, durch die Daudet aus dom Gefängnis entkam, durchgeführt wurde, folgendes angegeben: Gegen 1 Uhr mittags begaben sich ein Camelot dir Roy in das Ministerium des Innern. Andere Mitglieder d-er royalistischen Jugendorganisatton verteilten sich aus die Telephona-uto-naten, die in der unmittelbaren Nähe des Ministeriums gelegen find Md verlangten alle telephonische Verbindungen mtt dem Ministerium des Innern, um die telephonischen Leitungen zu blockieren. Der inr Ministerium des Innern befindliche Camelot lieh sich von dort aus eineVerbindun g n a ch dem Gefängnis geben und den Direktor ans Telephon bitten, dem er mitteilte: Im Ministerrat ist die Freilassung Leon Daudets, Delests (des Geschäftsführers der „Aetion Francaise") und des Generalsekretärs der Hommiunistischen Partei, Svmrad, beschlossen worden. Ich bitte Sie, ' unt Manifestationen zu vermeiden, die drei Verhafteten sofort und auf alle Fälle aus dem Gefängnis zu entlassen. Der Unterdirektor des Gefängnisses, der dieses Gespräch entgegennahm, drückte seine V e r w.u u d e t u n g darüber aus, daß man den'Konmninisten freilassen wolle. Der Camelot antwortete in energischer Weise: „Sie haben . sich darum gar nicht zu kümmern. Es liegt ein formeller Beschluß der Regierung vor. Sie haben deir Befehl, dm ich Ihnen erteilt habe, sofort ansznführm. Sie werden in kürzester Zeit AuKärnng erhalten. Für den Augenblick begnügen Sie sich damit." Der Direktor rief das Ministerium an, dessen Leitungen natürlich bösetzt Ivaren, so daß er nur eine Verbindung, und zwar die mit dem Camelot erlangte. Der Direttor erilärie: Man hat soeben telephoniert und die -Freilassung Daudets, Delests und Semards angeordnet. Ich ''mochte mich vergewissern, ob die Nachricht richttg ist. Der Camelot antwortete: „Ich selb st habe den Befehl d e s Ministers übe r m i t t e l t: Beeilen Sie sich. Ich bin derUnterdirektorseinesPrivatkaöinetts." Daraufhin begab sich der«Direktor sofort in die Zelle Daudets, der sehr überrascht war und ' erregt zu weinm begann und der: Gefängnisdirektor umarmte. Dieser bat ihn, möglichst schnell seine Kleider zu packen und das Gefängnis zu verlassen. Dann begab er sich mit der gleichen Nachricht in die Zelle Delests. Inzwischen war vor dem Gefängnis ein Kraftwagen vorgefahren, der von den Camelots du Royrequiriert wurde. Der Gefängnisdirektor begleitete die beiden Entlassenen bis zur Schwelle des Gefängnisses. Sie bestiegen das Auto und sichren in der Richtung des Boulevard Arago 'bctboit. Seitdem sind sie unauffindbar. Das Kabinett ist abends in aller Eile zusammen - Sernfm wordm, nm über die Angelegenheit DaudstS zu beraten. Der KaVinettsvat, der e in e i n v i e r t el S t n n - den dauerte, hat beschlossen, den Gefängnisdirekt 0 r, der an der n n g e s 0 tz l i ch e n Freilassung Daudets Schuld trägt, vor einm D i s z i p l i n a r r a t z« stettm. Eine Untersuchung über die Umstände, unter denen die Befreiung der Häftlinge erfolgte, ist eingeleftet. Die Staatsanwaltschaft hat beschlossen» eine Nute rf n ch n n g g 0 g e « « n V e k a n n t r Täter Wegen Anmaßnng eines Amtscharakters emzuleiten. Der Nntersnchnngsrichter hat abmds dm Direttor drS Geftsitg-niffrs einvemmmnen. In der Redaktion der „Action Francaise" wird erklärt, daß Daudet sich gegenwärttg schon außerhalb von Paris befindet. Einige Zeit, nachdem Daudet weggefahren war. spnuh -der bekannte französische Schriftsteller PmA Bonrxct vor, um Daudet einen Besuch abzustattm. Es ntnrbe th»n g-eanbworier, Daudet fei heute auSnah»n«v-ise nicht zu sprechen. , Ein Augenzeuge erklärt, der G. e f ä u gniSD i r e ktor habesich selb st zu Daudet in dre Z:Ne begeben, um ihm seine Begnadigung zu Vevkfmvm und sein: persönlichen Glück w ü n s ch e auszusprechen. beendete gerade sein Mittagessen. In seiner erstm F-rni-de küßte er den Direktor des Gefängniffes, ließ dam: seine Wächter holen, Mßie sie und verteilte unter sie nu-her reichlichen Trinkgeldern die C h a m p a g n e r f X a s ch ö n und die Lebensmittel, die sich in seiner Zelle befanden. AnflSsllng der Szernowiher Gemeinderate«. C z e r n 0 w i tz, 25. Juni.' Wie das „CzcruowiHevMNVgenblatt" erfährt, wird der Gemrinderat <mfangSder rJ<r Woche aufMlLK werden-