Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2990 (25.6.1927)
- Date
- 1927-06-25
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sorte 10 Wien, Samstag Wiener Morgenzeitung 26. Juni 1927 Nr. 29A) .MM8ettL8 Kv^8H.Lrr.ii^8^rrLri ll.. prater.^traKe 60. Oisnslgz. 28. .suni. kftirenabenck äer h'rau K. Hersels. Zur Aufführung gelangt: w Der finalw- (Der Myscliimyt.) Nach einer Legende bearbeitet von A. Meiseis. In der Titelrolle: Herr" ' ' Mittler a. B. ■IllMlllllllllllllliillllllM— Gerichtssaal. Re Arbetterbank gegen dev „Turm". Klage auf Wiverruf eines Seltungsarmels. Die Arb erterbank hat den verantwortlichen Redakteur Josel Haselmaher der Zeitschrift „Der Turm" aus Widerruf einiger Stellen mrs eurem Artikel, der am 4. April unter dem Titel: „Der sozialdemokratische Reptr'lienfonds" erschienen ist, geklagt. In diesem Artikel war die kostsprelige Wahlpropaganda der sozialdemokratischen Parte: erner Kritik unterzogen worden, indem der Werft sser behauptete, daß der ausgeiviesene Wahlfonds zur Deckung der sich sicherlich auf viele Milliarden belaufenden Wahl propagandatosten nicht hinreichen könne. Es hieß dann in derrr Artikel wörtlich: „Wahrscheinlich aber ist, das; die Sozialdemokraten für Wahlzwecke wieder die Ge tverkschaftsdassfen plündern. Seit die Arbeiterbank besteht, rst dies sehr bequem geworden. Die Gelder, welche die Arbeiterschaft Woche für Woche zusammenlegt, werden auf diese Weise allen möglichen Zwecken zugeschoben. Wenn die Arbeiter der der Zahlung der Gewerkschaftsgelder darüber unterrichtet würden und ihr Einverständnis kundgüöen, so könnte dagegen nichts eingewentstt werden, da dies aber nicht geschieht, so kommt dieses Vorgehen einem Betrug an den Arbeitern gleich". Die Arveiterbank, deren Statuten sede Verwendung ihrer Gelder für politische Zwecke verbietet, sieht sich durch diese Veröffentlichungen in ihrem Kredit auf das empfindlichste gefährdet. Es genüge auch eine unwahre Behauptung, daß eine Bank Gelder mißbräuchlich v-erwen det und leichtsinnig Kredit erteilt, um sie in ihrer Existenz zu bedrohen. In der Klage wird erklärt, der Beklagte habe die Unwahrheit der in den Artfkeln aufgestellten Behauptungen gekannt oder kennen müssen und fei darum im Sinne des Zivilgesetzes zu ihren: Mderruf zu verhalten. Die Klägerin nimmt durch Dr. Arnold Eisler die Beweisführung auf sich, daß sie der sozialdemokratischen Partei keine Gelder für Wahlzwecke zur Verfügung gestellt habe und daß der der Jnvalidendruckerei gemährte Kredit durch erstklassige Sicherstellung gedeckt erscheint. Der von Dr. Gürtler vertretene Beklagte führt aus: Die Klage .sei aus formalen wie aus .sachlichen Gründen verfehlt. Nichtsdestoweniger sei der Beklagte bereit, für die Richtigkeit seiner Behauptungon den Beweis zu erbringen. Ter Klagevertreter beruft sich hiebei als Zeugen auf den Generalsekretär der Gewerkfchaftskommission Anton Hueber und Nationalrat Franz Domes und beantragt eine Reihe von gerichtlicl)en Erhebungen hinsichtlich der Geschäftsführung der Druckerei. In formaler Beziehi'.ng bestreitet der Beklagtenvertreter entschieden die Möglichkeit der Heranziehung des Herausgebers oder Verantwortlichen Redakteurs auf zivilrechtlichem Weg. Es wäre der Arbeiterbank ein leichtes gewesen, durch etne Klage gegen unbekannte Täter den Artikelschreiber zu eruieren und ihn selbst heranzuzichen.. Das Gericht ließ eine Reihe von angebotenen Beweisen zu, wird bei Behörden und Gerichten Anfragen durchftihren und nach deren Einlangen diesen Rechtsstreit zu Ende führen. Was man zu essen bekommt. Der Fleischhauer Rudolf Ruzicka, Eigentümer eines Fleischstandes am Appenmark.t und Florian P r e g l e r, der diesen Fleischstand leitet, hatten sich vor dem Bezirksgericht Fünshaus wegen Verkaufes von verschimmelter, Verfärbter, schleißiger und ikbelrtechender Blutkvurst zu verantworten; Ruzicka wurde zu drei Tagen Arrest, Preglcr zu 6V Schilling Geldstrafe verurteilt. — Die Milchverschleißerin Anna Laskowski in der Oesterleingasse hat teilweise entrahmte und der Wässerung verdächtige Sammelmilch als Vollmilch verkauft und echielt 20 Schilling Geldstrafe. — Wegen Verkaufes minderwertigen Rums wurde der Likörerzeuger Karl Dziewicz zu 20 Schilling Geldstraft verurteilt. Eine Kollegin der „Mzzi Schmidt"? Der Oümami der Polizeigewevtschast Hans Sch ab es, der auch Obmann des AußsichtSrates der „Stofn" ist, hat den im Vorjahre entlassenen Beamten dieses Unternehmens Siegfried Streicher geklagt. Gegenstand der Klage bikden Kvei gleichartige Briese Streichers an den National rar Ot-to Bauer und den Präsidenten der „Stafa" Franz He sky, in dorren es ». a. hieß. Schabes ftr bis heute nach Obmann des Aussichtsrates, trab allem, was in der letzten Zeit über Funktionäre der „Stafa" und der „Gör" im GerichtSsaale gesprochen wurde, wobei die Verfehlungen des Sck-aves im Vergleich zu den damals behandelten Verfehlungen furchtbar groß seien. Außerdem nannte, Streicher den Schaues in den Briefen eilt bestechlicl-es Individuum. Bei der vor dem OLG-R. Dr. Fuchsin statlge-habtou Verhandlung erklärte Streicher, daß er für 'seine Behauptung den WahrlrertÄreweiS antreten werde und führte zum Nachweis u. a. an. das; Schab es, obwohl sein Amt ein Ehrenamt sei, bei der „Elasa" monatlich 600 S. Gehalt bezogen habe, worüber eine angebliche, bei der „Staft" geführte Privatliste Auskunft geben könne. Neben anderen Beweisen, zu denen er sich bereit erklärte, erwähnte der Angeklagte, daß bei der „Stuft" nach dem Muster des bekannten Matasa-Kontos „Mlzzi Schmidt" ein Deckkonto auf den Namen „Lina Fleischer" existiert habe, welches zur Zeit der Krise vom Architekten Lorenz abgehoben worden war. Der Rest habe damals 25.000 S. betragen. Der Richter beschloß, den Wahrheitsbeweis zuzwlassen und vertagte zu dessen Durchsühru-ng die Verhandlung. Der Sohn des PolrzeichesS als Raubmörder. Wie aus Bukarest gemeldet wird, wurde vor mehr als Jahresfrist m D e v a ein scheußliches Verbrechen verübt. Am 26 März v. I. wuroerr zwei Witwen, namens Schultz und Fodor, rn ihrer Wohnung ermordet aufgefundeit. Sie waren furche terlich zugerichtet und die Wohnung befand ftch in größter Unordnung. Alsbald konnte die Polizei fcststellen, daß es sich nm einen Raubmord handelte, der vermutlich von mehreren Personell begangen worden war. Eine aussehenerregende Wendung nahm jedoch die Untersuchung, als es sich herausstelltc, daß der Raubmörder niemand anderer als Andreas Pom Pili u, der Sohn des Polizeichcfs, sei. Dieser ivar ins Ausland geflüchtet, so daß die Behörde ferne steckbriefliche Verfolgung anordnete. Pompiliu konnte kurz darauf in der ungarischen Stadt Mako verhaftet und den rumänischen Behörden ausgcliescrt werden. Es wurde nun festgeftellt, daß der Sohn des Polizeichess zum Raubmord von einem Freunde und zwei leichtsinnigen Mädchen angcstistcl ,norden war. Dieser Tage fand oie Gerichtsverhandlung statt. Pompiliu wurde zu 15 Fahren ferne Anstifter zu je 10 Jahren schweren Kerkers verurteilt. oooQoaoooooQ(xx)OQOoacQoocte)QaooooQoaooooooooaoaGxxxxx>aQGaaQ(xxacaQaG£XAxjQooaGG TOI; Sie Schwierigkeiten der amerikanische» Anleihe sür Pole». Gestern waren in Wien Berliner und Frankfurter. B'ankiert'dcpeschen eingelangt, wonach die am-erikanische Anleihe für Polen, die bereits im Prinzlp bis zum Betrage von 60 Millionen Dollar 'zugestanden war, als gescheuert anznsehen sei. Auf dem amerikanischen Anleihemarkt zeigt sich seit einiger Z-eit sehr geringe Empsänglichbeit für auswärtige, besonders europäische Auleihetitres. Bezeichnen.d ist in diesem Zusammenhänge folgender New Parker Funffpruch der „Frankfurter Zeitung": lieber die in der letzten Zeit nm amerikanischen Markt -ausgenommenen Anleihen, die nur teilweise unterge bracht sind, wird eine Schätzung bekannt, wonach Doll. 700 Mill., unter denen sich Doll. 250 Mill. ausländische Anleihen befinden, noch der Unterbringung harren. Als 'besonders sckwer verkäuflich gelten die im Anfang des Jahres gegebenen Doll. 50 Mill. Uproz. Anleihe des Staates Neusüdwales, Doll. 30 Mill. Oshproz, Anleihe der Stadt M a i l a n d, Doll. 42.6 Mill. des Staates Chile und Doll. 20 Mill. der Stadt B u d a p e st. Rach dem Krakauer „Ncwy Dzienni-k" fanden in der Nacht vom 23. auf den 24. d. M. ununtevbrochen Beratungen im MinifterratSlpräsidium unter dem Vorsitze des Vizepremiers Bartl statt, an denen der Minister des Aeußern, Z'alcski, Finanzminister Czechowiez und der Vizcprasident der polnischen Notenbank, D r. Mlynarski. teilnahmen. Die Beratungen galten der amerikanischen Anleihe. Die Schwierigkeiten^ der Anleihe erhellen übrigens schon daraus, daß die Finalisierung der Anleihe seit Wochen als nahe bevorstehend angekündigt wurde, ohne daß dies jedoch bisher geschehen wäre. Walri^chsmlLchor Abschluß iw AnLeätze t« London? Im Zusamrnenhange -mit der grundlegenden Aendcrung auf dem Auslandsanleihemarkt in Amerika erörtern die Londoner „Financial News" die au-ßerordcntlichcn A n l e i h c k> e g e h r e n, die von auswärts an den Londoner Markt gestellt werden. Die Verhandlungen für die Ausgabe von zumindest sechs deutschen A n! eihe n schreitm fort. Von einer Anzahl deutscher Bankanleihen befinden sich einige in einem vorgeschrittenen Stadium der Verhandlungen. - Auch der A b s ch l u ß der polnischen, r u m ä n is ch e n und der Q u c e n s l a -n d a n l e i h e werde erwartet. Das Blatt erklärt jedoch, es wäre ein Irrtum, den Erfolg der griechischen und estnischen Anleihe als ein Anzeichen für die Aufnahmsfähigkeit des Londoner Marktes für ausländische Anleihen anzusehen. Der Sättigungspunkt dürfte vielmehr bald erreicht sein. Einige wenige Anleihen würden eine G v l d b e w o g u n g zur Folge haben, die auch zu einer Erhöhung des Bankzinsfußes führen dürfte. Sir österreichisch-tschechoslowakischen Wirtschastsverhandlnngen. Zuversichtliche Stimmung. Prag, 24. Juni. Der Thes der tschechoslowakischen Delegation, D r. F r i o d m a n n, ist heute aus Wien hier eingetroffen, um internen Beratungen beizuioohne.n, nach deren Mschluß er sich wieder voraussichtlich S a m s-! a g nach Wien zurückbegibt. In der nächsten Woche werden sodann die Besprechungen in Wien fortgesetzt. Eine Beratung von Textilindustriellen hat in einigen Fragen Klärung gebracht und die Aussicht auf tveitere Verhandlungen gebessert. Auch die Verhandlmigen der aus Industrie-Vertretern zusammengesetzten Kommission haben bis zu -einem gewissen Grade ein positives Ergebnis erzielt. In der nächsten Woche finden weitere Beratungen der Industrie statt, deren bissheriger Verlaus bewiesen hat, daß auf diese Weise das angestwbto Ziel leichter und rascher erreicht werden kann. Ae tschechoslowakischen Forderungen an die Wiener Postsparkasse- Aermsytilich: 400 Millionen Tschechokromn. 0,^24. Juni. In dem vom Finanzministerium .hemusgeHLibenen ,Mnzeigea:" schreibt M-mPerialv<rt Slad ky über die Liquidierung der Forderungen gegenüber der Wiener und der Budapester Postsparkasse, die Höhe d-cr tschechoslowakischen Forderungei: gegen die Wiener Postsparkasse sei bisher noü) nicht bekannt. Sie selbst schätze den tschechoslcnvakischen Block an privaten Schcckkonti aus 250 Millionen Kronen und der staatlichen Konti ans 78 Millionen. Die Spareinlagen können annähernd nicht geschätzt werden. Man nimntt aber an, daß sie 50 Millionen Kronen nicht überschreiten, so daß der Gesamtblock der tschechoslowakischen Forderungen ungefähr 400 Millionen Kronen betragen würde. Das seien aber nur Schätzungen, die nach oben und unten -eine Korrektur nicht ansschließen. Stl'listand der Lira-tzaussc. Die Devise Mailand vrrzeichnetc zu Beginn des gestrigen Verkehres den im vorgestrigen Aüendverkebr erreichten .Höchstkurs von 29.85, schwächt-: sich jedoch in der Folge ans 29.75 ab lind schloß 29.65. Anhaltend schwach liegt die Devise Madrid, Pfunde gegen Madrid 23.65 ©cib; Buknrest liegt wenig verändert. Die französisch-dÄrrtschrn Handelsv-rrtragsoerhandlungen vor dsm Abbruch. Aus Paris, 25. d. M» wird telegraphiert.' „Exzelsior"'glaub: zu wissen, daß die französisch-deutschen Halwels-, ivertragSverhandlUngnr vor dem Abbruch stehen, va sich in« deutsche Delegation in unnachgiebiger Weise;cder Verlängerung Der mit dem 90. Juni ablansenden vorläufigen Abkommen widersetze. . Lyoner Messe- Don zustäitdiger Seite wird der Amtlichen NachrichteltacEi.- „ntgetcilt:'Bnndesminister für Handel und Verkehr Dr. Schürft hat gestern den internationalen DelcIlerten der Lßoner Messe, Herrn David Michel, an Begleitung des Generalsekretärs des französischen Handelsattaches, .Herrn Jean H u g u e s, empfangen. Herr Michel f?nt hiebei btc Bedeutung der Lhoner Messe fiir den österreichischen Export in ausführltcher Weise dargelegt. Wiener Börse- Schwach Die Börse eröffnete den Verkehr in matter Stimmung. Die Eröffnungskurse waren säst durchwegs niedriger, doch wiesen Juki Süd und Poldihütte eine Erholung auf. In: weiteren Verlauf hielt die matte Stwimung an, was die Kontermine zu einem stärkeren Eingreifen ermunterte. Besonders fühlbar machten sich die spekulativen Mgaben auf den: Markte der führenden Kulissepapiere, Alpine wichen bis auf 40, Staatsbahn bis auf 34.90, Rima auf 153.60, S a l g o auf 92250, auch D c ft c u r. Kredit lagen flau. Im Schranken überwogen gleichfalls die Kursrückgänge, namentlich in tschechischen und lingarischen Werten. Aber auch zahlreiche österreichische Kategorien, besonders Bauwerte und Elektrizitätsaktien waren rückgängig. Besser hielten sich die Petroleumwerte sowie Schönpriescnor im Einklang mit der während der letzten Tagen eingetretenen Befestigung dieses Papiers im Exotenverkeh-r der Prager Börse. Der A n la g e m n r k t setzte gleichfalls seine rückläufige Bewegung fort. Im Stellagenverkehr fanden auch gestern keine Notierungen statt. Kassa kn rse: Bosn. Bank U.50, Unionbank 6.80, Verkshrsbank 3.76, Bankverein 32.50, Bodencredit 128.10, Oesterr. Credit 69, N.-ö. Escompte 25, Nationalbank 245.150, Wiener Banges. 6.30, Univers. Ban 10.30, Lernberger Brau 123, Aussig chem. 191, Carborundum 41, A. E. G. Union 6.65, Siemens 23.00, Elin 39.10, Oberösterr. Masserkr. 22.40, Trisailer 56.50, Flesch 10.00, Alpine Montan 39, Berg und Hütten 634, Skoda 186, Arnmtureir 10.75, Austria Email 20, Oesterr. Hofherr 12.85, Kurz Anteilsch. 5.W, Rima 153.75, Waffen 28.00, Styria 16.50, Waagner 7.40, 04aliz. Karpathen 33.10, TiNer 1.10, Aioestein 6.40, Schönpnesener 194.50. — Exoten: Mmznica 2—2.20. Quoten: 1904 Nordbahu-Prior. 0.45, 3.5proz. Nordn'-estbahn-Prior. 0.6S. Wiener Börse sür laridwirtschastlich-r Produkte. Die Stagliation ist aus alle» Gebieten vorherrschend. .Infolge des schlechten iMchlabsatzeü herrscht besonders filr Brotgetreide geringes Kausinteresse. Futterstoffe preishaltend. Es notierten pro 100 Kilo iu Schilling: Weizen, Wiener Boden, 41.— dis 41.75, mmar. Theiß 46.60 bis 46.—, Roggen, Marchfelder, 38.— bis 38.60, Mais 36.— bis 36.— , Hafer, inl., 36.50 bis 36.—. Wiener Warenbörse. Die gestrige Börse hatte bei mäßigem Besuch ruhigen Verlauf. Vokl Kolonialwaren blieben KaPfte, Kataopr-adMe, ,Gewürze und Dee mvverändsrt. Nach»