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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-24 · Heft 2989 (24.6.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2989 (24.6.1927)
Date
1927-06-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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| Preis gO~än Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon 44-0-88, 48-8-19 »hon ab 6 Uhr abends Serie, ab */t9 Uhr abends 38*5*83. Druckerei: VH., Lerchenfetdersiraße 1 („Inva“) Preiset Wien und Oesterreich daroh Post oder Verschleißsteilen monatL 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Innen des Blattes. Wiener / BESUCHST dih Wiener Rathauskeller! Die Oemütliehkeit der guten alten Leit. Wer kommt, wird wieder Stammgasti Volkstümliche Preise! Mittags - Menüs ä S 1*60 Direktion: OTTO KASEBER Rr. 2989 Mm, Freitag, 24. Funk 1927 (24. öiwau 5887), 9. Fahrgang Stresemanns Antwort an Poincare. Keil' LeUnahme Sentschkandr an einer antirnffischen Front. — Bernhkgende SrÜSknnge» über die poinisch-rnffifche Spannung. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Ae Demarche in Belgrad und Tirana. Sur Beilegung des Battantonflitts. Belgrad, 23. Juni. Die Kollektivdemarche der Gesandten Englands, Deutschlands, Frankrreichs undJtaliens für dkL Beilegung des südslawischalbanischen Konfliktes ist bei der südslanrischon Regierung nachmittag erfolgt. Die vier Machte haben durch den rangältesten Gesandten, den italienischen Gesandten General Bodrero, de« südflawischen Außenminister eine Note überreichen lassen, in der der südslawischen Regierung oorgeschlagen wird, entsprechende Aufklärungen zu der Note deS südslawischen Geschäftsträgers in Tirana, durch die sich dt'c albanische Regierung beleidigt fühlte, zu geben. Gleichzeitig mit der Abgabe dieser Erklärungen soll die Freilassung des verhafteten Dragomans Djuraskovr c durch, die albanische Regierung erfolgen, womit der Konflikt beigelegt würde. Der südslawische Außenminister hat, wie verlautet, den Vertretern der Mächte erklärt, daß er formell keine Schnriengkeiten sehe, auf der vorgeschlagenen Basis zu einer Einigung zu kommen. Die Vertreter Englands, Deutschlands, Frankreichs und Italiens haben, wie aus Tirana gemeldet wird, heute vormittags auch bei der albanischen Regierung eine Demarche unternommen. In dieser Demarche wird der albanischen Regierung entsprechend den in Belgrad, gemachten Vorschlägen vorgeschlagen, als . Basis für die Beilegung des albanisch-südslawischen Konfliktes des verhafteten Dolmetsch DjuraskMc sreizulassen. - , Nach Meldungen aus Tirana hat Achmed Beh Zogu die Vertreter der Großmächte benachrichtigt, daß die albanische Regierung beschlossen Habe, den verhafteten Dragoman DjnraSkovic sreizulassen. Dies werde jedoch erst in zw er Tagen geschehen, nachdem der verhaftete Dragoman zuerst vom albanischen Gericht verurteilt und dann von Achmed Betz Zogu begnadigt sein werde. Die albanische Regierung stellt jedoch als Vorbedingung, daß Jugoslawien die Protestnote zurückziehe und eine neue, in einem milderren Ton verfaßte Note überreiche. Holland begnadigt die Framrfölscher nicht. Haag, 23. Juni. In: Gegensatz zu den aus Budapest kommenden Meldungen stellt die Gerichtsbehörde fest, daß das holländische Justizministerium das von den Angehörigen der im Marz vorigen Jahres verurteilten drei ungarischen Francs« fälscher Ja nkovicz, Marko vicz und Marczvtvski gestellte Gnadengesuch abschlägig beschieden habe. , Ile Palästina-Anleihe. . 3ctu[nlcm, 20. Sun». (3. T, *.) „Dfficial ©ujetle" Veröffentlicht die folgende Aufstellung ,über die Verteilung des Ertrages der Palästina-Anleihe in der Höhe von 4,500.000 ägyptischen Pfund: Eisenbahnen 1,640.000 Pfund, Erwerb ' von Eisenbahnen und anderen Investitionen der britischen Regierung 1,000.000 Pfund, Hafenbau und -Verbesserungen 1,115.000 Pfund, Heffentliche Bauten, Telephonanlagen u. a. 745.000 Pfund. ilEnaialGlalGiaiaiGPiaiaiaiGiaoia Unsere Vellage „DU JODISCDC WEIT“ Infolge eines technischen Gebrechens konnte der Druck der Beilage „Die jüdische Welt*4, die honte zum ersten Male erscheinen sollte, nicht rechtzeitig fertlggestellt werden, so daß sie erst morgen Samstag erscheinen wird. Aus dem Inhalt seien u. a. Aufsätze von Kurt Blumenfeld, J. Grünbaum und Wladimir Jabotinsky über Kongreßfraigen, ferner solche von Dr. Josef Löwenherz, Vizepräsident der Wiener Kultusgemeinde, und Dr, Alfred Sonnenwald, Präsident der Kultusgemeinde Graz, über jüdische Gemeiudeangelegenhelten genannt. lGbbblGlGlG!G!G!GlG!G!GGlGlGGlGl ©erlitt, 23. Juni. Im Reichstag hielt heute vor überfüllten Tribünen und vollbesetzter Diplomatenloge Außenminister Dr. Stresemann seine mit Spannung erwartete Rede über die Außenpolitik. Sie stellte formell die Antwort auf die Interpellationen der einzelnen Parteien dar, war jedoch in Wirklichkeit eine öffentliche Erklärung über die Ergebnisse von Genf und eine Mrechnung mit der Luneviller Rede Poincares, die so deutlich bewiesen hatte, daß man auch jenseits des Rheins nichts gelernt und nichts vergessen hatte. Diese Abrechnung mit dem heutigen Ministerpräsidenten Frankreichs, der vor 14 Jahren, soviel er konnte, zur Entfesselung des unseligsten aller Kriege beigetragen hat, fiel tzj^it weniger schlagkräftig aus und übte weit geringere Wirkung als die Erklärungen Stresemanns über Deutschlands BerhältniszuRußland, und vor allem-die wahrscheinlich in Vollmacht abgegebenen beruhigenden Mitteilungen Mer die Spannung zwischen Rußland und Polen, aus der sich kein Konflikt entwickeln werde. Daß Stresemann dem unerbittlichen Advokaten i-m Elyisee, der unversöhnlich die alte Rechnung präsentiert, nicht die Entgegnung zukommen lassen konnte, die ihm gebührt, hat seinen Grund darin, daß diese deutsche Regierung, in der der vielgenannte Aerr» Stresemann sitzt, auf jene von gleichem Geiste des Poincarismus beseelten deutschen Parteien Rücksicht. nehmen muß, deren Hauptivertreter Mitglieder der Reichsregierung sind; aufrichtige Friedenspolitik betreiben und mit Kriegshetzern zusammen in einer Regierung sitzen, ist eine ebenso schwere Ausgabe, wie sie ein Poincare hat, der die Politik von Locarno vertreten soll. , Stresemann wandte sich in seiner Rede zunächst mit voller Schärfe gegen die Unterstellung, daß die Erörterungen in Genf den Zweck und das Ziel gehabt hätten, Deutschland in die antirussische Front einzugliedern, und sagte: Der Mbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen England und Rußland ist für die gesamte internationale Lage von größter Bedeutung; Mer dieses Thema ist zwischen den Vertretern der beteiligten Regierungen und mir vertrauensvoll und offen -gesprochen worden, aber von keiner Seite haben sich Bestrebungen bemerkbar gemacht, uns von unserer Politik, die durch die Verträge von Locarno und Berlin und durch den Eintritt in den Völkerbund charakterisiert ist abzudrängen. Ich kann aus das Bestimmteste erklären, daß mir von üiver KqÄtttoir gllgen SywMrußhurd «Ms böktAMt ist; ich habe vielmehr di« Ueberzeugung gewonnen, daß die in Betracht kommenden Staaten volle Frei» heit erhalten haben, ihr Verhältnis zu Rußland selbstständig und nach Maßgabe ihrer individuellen Interessen zu bestimmen. Darm befinden wir uns in Uebereinstimmung mit allen anderen Staaten, daß wir einer mettyevolntionä-eir Propaganda enHchlMnWr Widerstand entgegensetzen werden. Das hat jedoch mit irgendeiner gegen Soüvjetrußland gerichteten Politik gar nichts zu tun. Bei der sogenannten Sechsmächtekonserenz in Genf ist Deutschlands besondere Lage gegenüber Sowjetrußland offen von mir zum Ausdruck gebracht worden. Unsere Lage verlangt die wirtschaftliche Verknüpf u n g mit unseren, Nachbarländern; tvenn wir damit rechnen sollten, daß .ein großes mächtiges Wirtschaftsgebiet etwa von Deutschland abgeschlossen werde in den allgeniemen wirtschaftlichen Beziehungen, so würden wir darin eine Gefährdung der Lage in ganz Europa erblicken. Bon irgendeiner gegen eine Macht gerichteten Aktion würden alle Mächte Schaden, haben. Stresemann besprach dann bfc politischen Folgen hes Gjffanjdittmwrdes in Warschau und erklärte: „ES war zu befürchten, daß der Gefandtenmord in Warschau zu einer außergewöhnlichen Spannung zwischen Rußland und Polen führen könnte. Auf Grund unserer korrekten und guten Beziehungen zu Sowjetrußland waren wir'berechtigt und vernichtet, in sreu ndsch a ftlicher Weise die Vertreter Sowjetrußlands darauf Hinzmveisen, daß der bedauerliche Vorfall «Acht Mr BevfchSrftmig europäischen Lage führen dürfe. Wir wollen den Frieden und befinden uns darin in. Uebereinstimnrung mit der Auffassung, die in den Genfer Besprechungen einmütig zum Ausdruck gekommen ist. Wir haben inzwischen mit Befriedigung feststellen können, daß die Regierung von Sowjetrußland nicht die Absicht H a t, diesen Zwischenfall irgendwie zu verschärfen, wenn die Haltung der polnischen Regierung dieselbe MW, wie sie bisher genresen ist." n’ UEr Am MlkiwkorkM H äußerte sich der Reichsaußenminister optlMlsüW unter Hinweis auf die (an anderer Stelle mitgedeilbe —: Die Red.) D e mar ch e der Großmä chte in Be Lg t ad und Tirana. Er kam hierauf aus das Abrüstungs- Problem zu sprechen und äußerte sich dazu 'ziemlich skeptisch, indem er aus die weitgehende Abrüstung «Deutschlands hinwies, der jedoch eine W e li i n Waffen bei Len anderen Mächten entgegenstehe. Ich Habe — führte der Außenminister aus — in Genf ernste Zweifel -geäußert, ob der g u t e W il'l e äu ch übe x a ll vorhanden ist, der Verpflichtung zurAbrüstung trachjzulkommen. Für den Völkerbund seWst, ist die Lösung dieser Frage einfach eine Frage seiner eigenen Geltung, ja eine Frage seiner Existenz Sodann ging Dr.' Stresemann aus die Frage tzer ZuztzehMkg eines Muifdm Vürtretars zry LoMÄchsn MiMEÄtSkoMMtffwn '! des Völkerbundes über und erklärte: „Wenn tvir^astchMste Kolonien besitzen, find wir doch in hohem Matze an drestr Kommission interessiert. Auch der BoKerbund glaubt uns nicht entbehren zu können. Er hat nnS schon bei verschiedenen Fragen zur M i ta r b «i t ans ge f o rb-ert. Chamberlain schlug vor, diese Frage an die Mandatskommission zu verweisen, in der Erwartung, daß die Kommission die Frage klären werde, so daß dar Rat tat Dezember die Ernennung eines deutschen Mitgliedes werde vollziehen können." In längeren Ausführungen besprach sodann der Reichsaußenminister die noch -immer bestehendien Gravamina Deutschlands in der Frage der TruppenreduLtion im Rheinland und bezog sich dabei auf die tat November 1925 an 'Deutschland gemachten Zusicherungen. Er lehnte eins Verquickung -der Angelegenheit der deutschen, Ostfestungen -mit der Frage der Rheinlandlbesetzung ab und ' wies dabei auch darauf hin, daß Deutschland in der FMK; Äsr Oststftungon Mer die Erfüllung seiner .Pflichten hinaus w e i t e stes E n t g ege nk om m -en gezeigt hat. Im Anschluß daran kam Dr. Stresemann ach die am letzten Sonntag gehaltene Rede, des französischen Min ist erprüsid enten Po-iweare zu sprechen. Er lehnte die Betrachtungen m Poincares Rede über Einzelheiten der deutschen KrtagZführmrg mit dem berechtigten Einwand ab, daß man den großen Problemen der Gegenwart nicht damit näh er kommt, wenn man in den Akten zurückblättart. Auch die Schlüsse, die Poineare auf die deutsche Geistesverfassung aus der Tatsache zieht, daß ein deutsches Kriegsschiff mit dem Namen „Elsaß" eine Reise angetreten habe, setart durchaus nicht zwingend, denn das Kriegsschiff „Elsaß" -ist im Jahre 1903 erbaut worden und hat vor 23 Jahse« fiten Namen «hatten. Wenn Poincare weiter sagt, Deutschland müsse erst ei«, mal die Forderungen der Botschafterkonferenzen in einzelnen En tw-afsn ungs fragen erfüSeu und damit einen Beweis für seinen guten Willen liefern, -so ist er über die Dinge nicht genügend informiert. Be» reits voriges Jahr hat die Botschafterkonsevenz M. gestellt, daß von mehr als 100 Fragen über alle bis auf zwei (die Ostfestungen und die preußische .Polizei) eine .Ber.stättd.iKN.ng e-M-iFFt M. Wat I'-Ä.MWrL:ÄM'»■ Ki--: r

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