Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2988 (23.6.1927)
- Date
- 1927-06-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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|PrelsfeOg | Redaktion, Administration.: Wien, I1.,Taborstr. 1 Telephon 44-038, 48-3-19 Telephon ab 6 Uhr abends 38-5-80 Serie, ab V-9 Uhr abends 38-5-83. Druckerei: VlI., Lerchenfelderstraße 1 („lnva") Preise *• Wien und Oesterreich durch Post oder Verschleißstellen monatl. & Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Innern des Blattes. Wiener Morgenxeilung BESUCHET osN Wiener Rathauskeller| Die Gemütlichkeit der guten alten Zeit. Wer kommt, wird wieder Stammgast! Hatirbil. Iml.-Itlu i. (5 g n(w. Volkstümliche Preise! Mittags - Menüs ä S 1*50 Direktion: OTTO KASERER Rr. 2988 Wien, Donnerrlag, 23. Sani 1927 (28. Siwan 5687). 9. Jahrgang Rr. 2988 Wien, Donnerrlag. 23. fluni 1927 (23. Siwan 5887). Intervention der Mächte am Balkan. Bor der Beilegung der lugoslawisch-albanischen Konfliktes. R o m, 22. Juni. „Giornale d'Jtalia" berichtet aus Belgrad und Tirana, daß die Mächte dortseMst einen offiziösen Schritt unternommen hätten, um den von ihnen vereinbarten Bermittlungsvorschlag für die Beileg un gdesjugos lawisch-alöanis ch e n Konfliktes mitzuteilen. Nachdem beide Mächte dem Vorschläge z u g e ft i m m t haben, werde nun morgen die formale Demarche erfolgen, auf die die beiden Mächte offiziell antworten werden. Mit der Durchführung dieser Vereinbarungen iverlde dann der Konflikt endgültig beigelegt sein. Me der Konflikt belgelegt werden wlrd. Belgrad, 22. Juni. Nach einer Meldung der „Politika" sind C h a m b e r l a i n, B r i a n d und Doktor Stresemann übereingekommen, daß der Konflikt zwischen Albanien und Jugoslaivien in der Weise beigelegt werden soll, daß der Dolmetsch Djuraskovic freigelassen und zugleich die jugoslawische Note zurückgezogen wird. In hiesigen diplmnatischen Kreisen werde diese Intervention der Großmächte für die nächsten Tage erwartet. Die Kollettlvnote. Belgrad, 22. Juni. Die Gesandten Frankreichs, Englands, Italiens und Deutschlands suchten heute beim Minister des Aeußern, Dr. Marinkovic, um eine Audienz an, um ihm eine Kollektiv note der Mächte bezüglich der gütlichen Beilegung des Konfliktes mit Albanien. zu überreichen. Minister Dr. Marinkovic wird die Gesandten der.Großmächte morgen um fünf Uhr nachmittags empfangen. Die Wiedevaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Südslawien und der Republik A l " n : <• wird demnach schon in kurzer Zeit erwartet. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. DaS altbewährte Kräftigungsmittel für Körper und Nerven in allen Apotheken und Drogerien in Packungen von 8 9'— an. Proben und Broschüren kostenlos durch Bauer L Cie., Berlin SW 48. Friedrichstraße 231. Nie englische Palästina-Anleihe Viereinhalb Millionen Pfand. Jerusalem, 20. Juni. (3- L.')!.) Die „Offleiol Gaüette" publiziert die offizielle Mitteilung der Negierung über die Ausgabe einer Landesanleihe in Höhe von 4.6 Millionen Pfund und teilt gleichzeitig mit, daß das Reichs- Parlament in einer Resolution die Reichssrnanz- 8a mm er ermächtigt hat, die Garantie für diese Anleihe zu übernehmen. Der Oberkomwissär Lord Plumer ist ermächtigt, die Ausgabe von Aktien oder Bons für eine Summe von 4.6 Millionen Pfund durch die Bank von England zu veranlassen- Die Rückzahlung erfolgt aus den Einkünften der' Palästinaregiornng. ' '.; - ’•••-■ 0 Wie erinnerlich, hat der Kolonienminister Ämerh bei der Einbringung der Anleihcresolution im Unterhaus über das Ziel der Anleihe folgendes geäußert: Palästina hat seit dem Krieg eine starke Entwicklung genonrmen und biete Möglichkeiten einer noch, weit höheren Entwicklung. Im Geschäftsjahr 1923/1924 wurden Einnahmen und Ausgaben mit 1,633.000 Pfund Sterling balanciert: in 1924/1925 stiegen die Einnahmen auf 2,100.000 Pfund Sterling und der Ueberschutz betrug rund 300.000 Pfund Sterling; 1925/1926 erreichten die Einnahmen eine Höhe von 2,750.000 Pfund Gierling, der Ueverschuß betrug 7001000 Pfund Sterling. Der Hauptevtrag der Anleihe iverde zur Rückzahlung der von Großbritannien mährend der Okkupation und später im Eisenbahnwesen geleisteten Vorschüsse veno endet werden. Eine Million Pfund Sterling werden zur Ablösung des palästinensischen Eisenbahnnetzes dienen. Vom Ertrag der Anleihe werden 1,260.000 Pfund Sterling direkt an die britische Regierung rückgezahlt werden und zur Erleichterung der Lasten des britischen Steuerzahlers beitragen. Ich glaube nicht, fügte der Minister hinzu, daß vor 5 oder 6 Jahren irgend jemand in England angenommen hätte, daß Palästina heute in der Lage sein werde, einen so großen Teil seiner Verpflichtungen zu decken. Neben der Entwicklung des Eisenbahnshstems, fügte Herr Amerh hinzu, wird eine Verbesserung des Hafens von Jaffa Platz greifen und, was noch wichtiger ist, in Haifa, das alle natürlichen Bedingungen hiezu bietet, ein moderner Hafen angelegt werden, der einer der größten und wichtigsten im Mittleren Osten sein wlrd. Sine englische Monroedoktrin am Suezkanal? London, 21. Juni. Der Meldung, daß auch der ägyptische Premierminister Serwat Pascha den König Fuad nach London begleiten werde, wird in London er-' hebliche Bedeutung beigelegt. Man hofft, Gelegenheit zu finden, die englisch>-ägyptischen Beziehungen auf eine neue Grundlage zu stellen. Man sei, so schreibt ein Korrespondent des „Daily Telegraph", in London immer der Ansicht gewesen, daß ein dauernder Allianzvertrag die geeignetste Methode wäre, um sowohl die englisch-ägyptischen Beziehungen an sich als auch die Stellung Europas hiezu zu regeln und so eine Art Monroedoktrin in Kraft zu setzen, die infolge der lebenswichtigen Interessen Englands am Suezkanal und im Sudan notwendigerweise diese Beziehungen beherrschen müsse. Die ägyptische Kammer bewilligte einstimmig den ' ’ - Mt für die Reise des Königs und des Premierministers. Sin neuer russischer Memorandum an Polen. Warschau, 21. Juni.' In der letzten Note an die polnische. Regierung-. hat die Sowjetregierimg die Vorlage von Dokumenten an gekündigt, loelche die Tätigkeit der anlisowjetiftischen Organisationen auf dem Gebiete Polens beweisen sollen.. Wie die Blätter melden, wird dieses angebliche Beweismaterial von der Sowjetregierung in der Form eines Memorandums' gefaßt und in den nächsten Tagen dein polpolnischen Außenministerium überreicht werden. Dieser Tage wird in Warschau die Ankunft des polnischen Gesandten in Moskau, P a t e k, erwartet. Gesandter Patek soll einen Bericht über den Stand'der polnisch-svwjetrussischen Garantiepaktverhandlungen sowie über die durch die E r m o r d u n g W o j k o w s in Moskau geschaffene Lage erstatten. Die Mandatskommission. SWIroe Durnthruung von AbordnunGin. — Der Sitz für Dsrrtschland. Genf, 21. Juni. (I. T. A.) Die Mandats- >komMission des Völkerbundes hat (wie bereits vorgestern kurz gemeldet) ihre Session Mit einer öffentlichen Sitzung begonnen. Als Präsident und Vizepräsident wurden einstimmig die bisherigen, »Marquis Theodoli (Italien) und von Rees (Holland) wiedergewählt. Der englische Vertreter, Prof. Lugard, wird.erst in einigen Tagen eintreffen. Aus der Eröffnungsrede des Präsidenten erfuhr man unter anderem^ daß die Frage der mündlichen Anhörung von Petitionären der MandatsgebietslbevöKerungen mit den ablehnenden Antworten der Regierungen der Mandatsmächte und dem entsprechenden Beschluß des Völkerbundes ad acta gelegt wird, wobei sich die MqnidatSkommission damit tröstet, daß sie keinen eigentlichen Antrag gestellt hatte.: Anschließend an seine Eröffnungsansprache verlas' der Präsident ein Schreiben des Generalsekretärs des Völkerbundes, mit welchem der Kommission von dem Beschluß des Völkerbundsrates Kenntnis gegeben wird, daß sie sich über die Wahl eines deutschen Kommis s i o n s m i t gl i e d e s vernehmen lassen möchte, womit die Frage a u f d i e Tagesordnung der gegenwärtigen Session gesetzt wurde^. Manrrar «mb die Strafe antretrn. Paris, 21. Juni. (Wolfs.) Der Kassationshos hat die Revision des royalistischen Schriftstellers Charles Maurras verworfen, der wegen eines Dodesdvohungen enthaltenden Briefes an den linksstehenden Senator und früheren Minister des Innern Schrameck zu 1000 Franken Geldstrafe und einem Jahr Gefängnis mit Bewährungsfrist verurteilt worden ivar. tzin Interview mit dem 8x-Kaiser von China. London, 21. Juni. In Peking gewährte der abgesetzte Kaiser dem Vertreter des-„Daily Expreß" ein Interview, in dem er seiner geringen Achtunggegenüber de-n jetzigen chinesischen Generälen «Ausdruck gab. Sie seien allesamt Verräter. Es -sei Zeit, daß in China ein Napoleon aufstehe. Dann sei auch die Zeit för ihn gekommen, sich dem Lande wieder zur Verfügung zu stellen. Sern Wunsch, wäre, nach Europa, namentlich nach EngtM), Zu, reifen* um dort Studien zu betreiben. Ungarische Kritik am BMerbnnd. Budapest, 22. Juni. Albert von Berzeviczy Mff heute im Oberhaus den Völkerbund wegen des Verhaltens im Zusammenhang mit deck ungarisch-rumänischen Grund^- besitz-Prozessen heftig an. Er erklärte, die jüngsten Vorgänge in Genf kämen einer Verhöhnung von Recht und Gerechtigkeit gleich. Nach solchen Erfahrungen könne man nicht verlangen, daß in den ungarischen Schulen die Wichtigkeit.des Völkerbundes gepredigt werde. Die Vorgangsweise des Völkerbundes habe den Glauben an die Unverletzlichkeit dler Friedensverträge zerstört. Die bisherige Tätigkeit des Völkerbundes zeige, daß er bloß eine Vertretung der Interessengemeinschaft der Siegermächte sei. Der Vorschlag des Völkerbundes, Ungarn möge sich in der Frage der Besitzprozesse mit Rumänien in einen Handel einlassen, müsse auf das schärfste zürückgewiesen werden. Falls der Völkerbund seinen Fehler in der Septembertagung nicht wieder gut mache, zerreiße er selbst den letzten Faden seines moralischen Ansehens. AnflSsung der Setznl Warschau, 32. Juni. In Sejm-Kreisen wird die Vermutung ausgesprochen, daß die Regierung aus dem gegen die Absichten des Marschalls P ilsud s ki» gerichteten Landtagsbeschluß, worin dem Sejm die Möglichkeit, sich selbst an fzulösen wieder gegeben wurde, die weitestgehenden Konsequenzen ziehen werde. Man rechne sogar mit der Möglichbeit der Auslösung des Landtages durch den Staatspräsidenten. Dar Ergebnis der Stadtratwahle« in Wilna. Aus Wilna wird uns berichtet: Bei den jüngst durchgeführten Stadtratwahlen in Wilna haben die a n t i s e m i t i sch e n Na tionaldemokraten eine s ch w e r e Niederlage erlitten. Bon den bisher innegehabten 31 Mandaten konnten sie im ganzen 11 Mandate einbringen. Hingegen haben die Sozialiste n, die früher 2 Mandate hatten jetzt 18 Mandate erhalten. Der jüdische N a t i o n a l b l o ck erhielt auf Grund der 10.525 von abgegebenen 60.000 Stimmen 9 Mandate, der Bund 3 Mandate. Alle übrigen jüdischen Ceparatlisten, so auch der rechte Flügel der Poale Zion, der bloß 313 Stimmen auf sich vereinigte, sind leer ausgegangen. Die Pilsudslkiliste mit 5?"" Stummen erhielt 4 Mandate.