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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-22 · Heft 2987 (22.6.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2987 (22.6.1927)
Date
1927-06-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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1 Prel« 20 g | ftedaktion, Administration: Wien, n., Taborstr. 1 Telephon 44^1-36. 43-3-19 /o>ephon ab 6 Uhr abends 18-5-80 Serie, ab Va9 Uhr abends 38-5-83. Druckerei: VII., Lerchenfelderstraße 1 (.lnra") Preise: Wien und Oesterreich durch Post oder Verschleißsteilen monatl. 6 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Innern des Blattes. Rr. 2987 ♦ Wien. Mittwoch. 22. gunl 1927 (22. Siwan 1687). WÖBELHAW V. WÜHL «s Tt8|L?AHlMUNei 9. Jahrgang redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Poimare stellt dreimal die Ber> lrauenssrage. Pia r i s, 21. Juni. In der Kammer hat die Negierung heute d r e i m a l die Vertrauensfrage gestellt, und zwar ib-ei dem Anträge Renaudel, der die Mitwirkung des Parlam«ntes bei der Anordnung der Mobilisierung verlangt, sodann bei einem Zusatzantrag Renaudels, daß die Truppen in keinem Falle gegen S t r eilende aufgeboten werden dürfen, und schließlich bei einem weiteren sozialistischen Antrag, wonach die Tätigkeit des Obersten Krie gs ra t es der Kontrolle des Parlamentes unterstellt werden sollte. Bezüglich der Verwendung der Truppen in Stveikfällen gabPoincare die Zusicherung, daß die Trupipen niemals gegen Streikende verwendet werden würden, solange es sich tatsächlich um Streikende handle; wenn aber ein Streik in einen Aufstand ausarte, müsse sich die Regierung freie Hpnd Vorbehalten. Die Anträge der Sozialisten wurden hierauf abgelehnt. Sturmlaus gegen Polneare. Paris, S1. Juni. De sozialistische und die radikale Kmnmerfratt'.on haben heute den Beschluß gefaßt, am Freitag in der Kammer eine Interpellation an die Regierung wegen der Rede Poincares in Luneville zu richten. Namens der radikalen Partei wird voraussichtlich, der frühere Minister ÄalaÄ ie r,'für die Sozialisten -bei’-Ab»' geordnete Foutanier, 'eventuell auch.Leon Binm, die Interpellation begründen. Diese ge-mei nsa me Offensive der Radikalen und Sozialisten gegen das Kabinett wurde vonCarl l a u x e i n - geleitet, det sich heute den ganzen Tag in den Wandelgangen der Kammer a-nshielt und länge Besprechungen mit Malvy, Barthou, Herriot mrd Georges Leygues führte. Diese Politiker werden als Berschwörer gcgen Poincare 'md künftige Minister bezeichnet. Ja« Kode des Lmienaafstandes. Beirut, 21. Juni. Die letzten Gruppen der aufständischen Drusen, die seit über einemlJahre nach Transj o r d a n i e n geflüchtet waren, haben ihre Unterwerfung angeboten und die ihnen auferlegten Bringungen angenornmen. Ihrem Ansuchen wurde stattgegcben. Die Repatriierung von 2000 Drusen unter der Führung einflußreicher Mitglieder der Familie des Sultans Attrasch hat begonnen. Intervention am Balkon. Par:S, 21. Juni. Am Quai d'Orsay wird mitgeteilt, daß Frankreich, England, Deutschland und Italien morgen oder übermorgen in Tirana Und in Belgrad einen Kollektrv'schritt zugunsten der Wiederherstellung, n o r m a l e r d 1 p l o m a t is ch e r Bez i e h u n gen zwischen den beiden Ländern unternghmen werden. Albanien wird ersucht werden, den verhafteten Dragoman Dj urask o vic fteizuiassen und die beschlagnahmten Dokumente' hemüszugoben. Die. stldstawische Regierung wird gebeten werden, die scharfen Ausdrücke ihrer letzten Note an Albanien zurüchznnehuren. Sie kuropareise de» König» Inad. Paris, 31. Juni. Nach eiuer Meldung aus Alexandrien wird sich König Fuab von Aegypten am 26.' Juni an Bord seiner Privatjacht ,Mrchvussa" einschiffen urib am 1. Juli in Marseille an'kourmen. Nach zweitägigem Aufenthalt in Paris wird er sich nach London begeben, um dort dem König von.Engl and einen offiziellen Besuch abzirstatten. Blutige chinesische Steuerprattikeu. London, 21. Juni. Stach einer Meldung des. Exchange Telegraph aus Fu tschau. hat eine demonstrierende Volksmenge‘das Gebäude des chinesischen Steuereinnehmers in Futschau angezündet und diesen ge hä ng t, weil er einem Steuerpflichtigen, der sich getveigert '"i-te, seine.Steuern zu bezahlen, erdolcht hafte. Regierungskrise in Rumänien. Priur Airbetz zmMgelreten — Die Verhandlungen zwischen den Liberalen und der Bauernpartei resnttatlo» abgebrochen. Bukarest, 21. Juni. (Tel.-Komp.) Die Regierung Stirbey ist zurückgetreten. Heute früh fanden die letzten Beratungen zwischen Bratianu und Man iu auf direktem Wunsch des Königs statt, ohne daß es zu einer Einigung zwischen dem Führer der Liberalen und der nationalen Bauernpartei gekommen wäre. : Die Forderungen der Bauernpartei sind: Wiederherstellung der Rechtsordnung und Gefetzlichwtt, Abänderung. des Wahlgesetzes, Abänderung der Wirtschafts¬ und Finanzpolitik der liberalen Partei, Bildung einer g emeinsamen Regierung bei gleichmäßiger.Verteilung der Portefeuilles auf die beiden Parteien, separate Wahllisten bei garantierter gleicher Mandatszahl. Bratianu bot den- Bauern 100 Mandate und vier Portefeuilles, bestand jedoch auf der gemeinsamen Wahlliste. Nachdem die Verhandlungen endgültig gescheitert waren, gaben mittags die liberalen und die nationaldeinokratischen . Minister ihren 'Rücktritt. .Um 6 Uhr nachmittags begab sich Ministerpräsident Prinz S t i r b e y zum König und überreichte die Demkssion der Gesamtrvgi'erung. Die politische Lage ist verworren. Eine Entscheidung ' dxH..Mnigs ist bis abends yi.chthekannt.geworden. Es' perlautet, daß Prinz Sii rbe y'den Pülastmmister Hi ott als seinen Nachfolger Vorschlägen werde, der an die Spitze einer Beamten'regievung treten soll. Demgegenüber versichern die liberalen Abendblätter, baß nur BMtiann für die Bildung einer neuen Regierung in Betracht kommen könne. Abends eMarte der zurückgetretene Ministerpräsident Sttrbey den. Pressevertretern, daß König Ferdinand die Demission angenommen habe. Stivbey habe dem König den Hofminister H i o t t als Nachfolger empfohlen, doch habe der König die s e n Vorschlag abgelehnt. Im allgemeinen glaubt man, baß Jonel B r a t i a n u morgen früh mit der Bildung des neuen Kabinetts betraut werden wird. Nach Mitteilungen aus liberaler Quelle wird Arg etoja n u mit der Führung des Außenministeriums betraut werden. Das Portefeuille des Innern soll der gewesene Außenminister D u c a, das der Finanzen Bintela Bratianu erhalten. Bratlamr betraut. Bukarest, 21. Juni. Der König Hai spät abends Jonel Bratianu mit der Bildung der neuen Regierung betraut. Das Dekret'über die Ernennung Braticmus zum Ministerpräsidenten wird morgen früh rm Amtsblatt erscheinen. - Der Minister des königlichen Hofes, Hiott, der Bratianu die Mitteilung über seine Ernennung überbrachte, drückte ihm auch den Wunsch des Königs aus, daß Bratianu einen letzten Versuch zur Verstandig u n g mit den National- Tz a r a n i st e n unternehmen möge. Dementsprechent wird Bratianu morgen früh den.' Pational-Tzaranisten. die. Hyrhefeuilleß. anbieten, ...die die^Mrüetnpartel bisher im Kabinett Stivbey innehatte. Die National-Lzäranisten sind jedoch entschlossen, diesen Vorschlag a b z u l e h n e n. Höchstwahrscheinlich wird ötfa das Kabinett Bratianu ausschließlich aus RbemLon MinLsdern, sowie den bisherigen Ministern Argetoianu, Lupu und Popescu zusammengesetzt sein, die dem Kabinett Stivbey angchörten und durch chren Mcktritt Sttrbey zur Demission Zwangen. ' Der Vollzugsausschuß der Bauernpartei bsschloß heute abends nach längerer Debatte, daß die nationale Bauernpartei sich an den Parlamentswahlen beteiligen wttd. KVVi PaiSstina vor der Mandatskommission. Jerusalem, 20. Juni. In dem Memorandum der zionistischen Organisationen über die Entwicklung de§ Rationalheims für das Jahr 1926/27, das der Mandatskommission des Völkerbundes unterbreitet worden ist, heißt es, daß die Einwanderung sehr zurückgegangen fei, aber die gesamte Nettozunahme durch die jüdische Einwanderung seit dem'Kriege 72.000 Personen betrage. Dies erhöhe die jüdische Bevölkerung auf 168.000 Köpfe, das sind vierzehn Prozent der G>esamtbevölrernng. 58 Prozent der letztjährigen Einwanderer kamen aus Polen. Die jüdische Landbevölkerung betrug 38.000 Personell. Ieuischiaadr Sitz in der Mandatskommiifioa. Brüssel, 21. Juni. Der Minister des^Aeußern stellt in Abrede, daß im Verlauf der letzten Vvlkerbundratstagung in Genf seine Kollegen und er der Erteilung eines Sitzes in der Mandats! o.m Mission a n Deutschland zugestimmt hätten. Die Frage sei nicht entschieden worden, sie werde erst i m September auf die Tagesordnung kommen, nachdem sich die Mandatskommission darüber geäußert hat. tat veutsch-volnische Problem. Par i s, 21. Juni. Der polnische Außenminister Z alesik i hat dem Warschauer Vertreter des „Temps" eine /Unterredung gewährt, in der. er. sich über das deutschpolnische Problem und alle Fragen der Außenpolitik, die Polen berühren, äußerte. Er führte u. a. aus: Nichts wird unseren Willen zur Verständigung mit Deutschland brechen. Wenn Deutschland diese Verständigung anders anffäßt als wir,, so dünnen wir abwarteu. In der Politik wie in der Natur nimmt die Entwicklung ihren Fortgang. Dtcse Entwicklung ist bisweilen sehr langsam und «erfordert viel Zeit. Aber & ist' besser, sich fest und geduldig zu zeigen, als sich auf künstlbche und wirkungslose Kompromiße einzulafsen. Io» AoflSsoagsrecht de» polnische« Letz». ' Warschau, 20. Juni. Der Sejm hat die von den Sozialdemokrafen beantragt« VerfassungKänderung angenommen, wonach der Sejm das Recht haben soll, sich ans Grund eines mtttüweidritt«lm«,hl-rhcjit zu fassenden Beschlusses aufznlösen. Ae Semeiodewahlen 1« Warscha«. 12 jlMsch- SOianMe. W a r sch.a u, 81. Juni. (Poln. Tel.-Ag<) Bei den Gemeindewahlen in Warschau entfielen ans 60.000 Wähler 40.000 polnische, 15.000 j ü d i s che, 1600 russische und weißrussdsche und 1012 litauische Stimmen. Die Polen erhielten 84 Mandate, d i e I u d e n 12, die Russen 1 und die Litauer 1 Mandat. Schlägereien del de» Smelndewahleu in Lndkln. Aus Lublin wird uns gemeldet; Hier finden, wie in einer Reihe von Städten Polens, die Gemeindewahlen statt. Die Wahlagitation ist besonders unter den jüdischen Parteien sehr heftig. Am ersten Wahltage, letzten Sonntag, kam es zu einer Schlägerei zwischen Anhängern des jüdischen Arbeiterbund und der linken §)oa>le-Zton. Dabei wurden 15 Personen verwundet. An Snsffintet — vüvftiicher telrgat Ifit PaMinn. Kairo, 21. Juni. In maßgebenden Kreisen verkantet, daß Pater Pascha Robinson, der am 34. d. M. -um TttularerMschos von Tiana gewecht werden soll, demnächst als erster Engländer zum apostolische» Delegierten für Aegypten und Palästina, an Stelle des nach Kanada Versetzten Msgr. Cassulo ernannt wecken wird. l(. •, , .V. KdR'.tÄ. A.>. riM*'»Wfätmi

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