Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2986 (21.6.1927)
- Date
- 1927-06-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nach der Wiederwahl des Präsidenten Mairqiwfe T o d o l i (Italien) nahm der Ausschuß den Bericht der MandatsaVteilung des Völkerbundes entgegen und fetzte ferne Tagesordnung fest. * lArrf der Tagesordnung der Sessioon der Mandatskommission steht, wie bereits berichtet, auchlder Bericht über das P a l äst in a m a n d a t. Wie bisher, hat die zionistische Exekutive der Mandatskommission eine referierende Denkschrift überreicht, ferner ist auch ein Memorandum der arabischen EExekutive eingelaufen. Der Palästinabericht dürfte Mittwoch zur Behandlung gelangen. Austtlttsdrohung. Budapest, 2V. Juni. In der heutigen Sitzung des Oberhauses erhob Baron Josef Szterenhi scharfen Protest gegen den Genfer Beschluß des Völkerbundrates auf Vertagungder ungarisch-rumänischen Agrarprozesse. Er erklärte, Ungarn müsse unter solchen Umständen ernstlich, erwägen, aus dem Völkerbund aus treten. Ist Konsequenz dieses Beschlusses, durch den * sich der Völkerbundrat über den Vertrag von Trianon hinweggesetzt habe, brauche auch Ungarn diesen Vertrag nicht mehr zu respektieren. ' Für Mittwoch ist im Abgeordnetenhaus eine Interpellation des Abgeordneten der Regierungspartei Georg Lukaes über den Genfer Beschluß des Völkerbundrates angekündigt, die der Ministerpräsident sofort beantworten wirb. Holland begnadigt die Franerfülscher. Budapest, 20. Juni. Wie heute im Parlament verlautete, sollen die holländischen Justizbehörden eine vertrauliche Anfrage an ungarische kompetente Stellen gerichtet haben, in der sie Erkundigungen über die zu erwartende Wirkung einer eventuellen Begnadigung der im Haag verurteilten drei ungarischen Francsfälscher einzogen. Da die ungarischen. kompetenten Stellen diese Anfrage im günstigen Sinne beantwortet haben, ging heute >im Parlament das Gerücht, daß, die drei verurteilten Francsfälscher Aristid Jankovich, Georg Marsowszky und Georg Jankovich von der holländischen Regierung bereits begnadigt wurden. ' Ztresemann über die Genier Tagung. Berlin, 20. Juni. Nachdem Reichsanßmminister Dok- .»r St rose mann dem Reichspräsidenten" Bortrag über die Tagung des Bölkerbundrates gehalten hatte, trat heute nachlnittags das Kabinett zu einer 3i/2stündigen Sitzung zusammen, um über die auswärtige Politik zu beraten, lieber diesen Kabinettsrat wurde "folgendes Kommunique ausgegeben: i Das Reichskabinett nahm in feiner heutigen, Unter Vorsitz des Reichskanzlers abgehaltenen Sitzung den Bericht über die Tagung des Völkerbundrates und'über die ln Genf geführten Verhand lungen entgegen. Es sprach der deutschen Delegation den Dank für ihre Bemühungen aus und stellte die Grundsätze fest, nach denen die im Reichstag eingebrachtzen Interpellationen über die Außenpolitik beantwortet werdm sollen. Genf, 20. Juni. Die Dreimächte-Konf e r e n z für die Abrüstung zur See hat heute im VMerbundhaus begonnen. Der Präsident, der amerikanische Botschafter Gibbson, stellte fest, daß -zwischen den Teilnehmern an der Konferenz, zu denen auch die meistenenglischen Dominions gelhören, über eine Reihe von Punkten bereits E i n i -g ke i t bestehe, vor allem darüber, daß die Methoden und Grundsätze der Rüstungsbeschränikun-gen, die im Washingtoner Vertrage an-gewendet wurden, auf alle Kategorien von Kriegsschiffen ausgedehnt werden sollen. Gibbson teilte sodann «die bereits bekannten Vorschläge der Vereinigten Staaten mit und fügte hinzu, ditz Abschaffung ter Unttr-oebootv rvüvttm die DarotaZgßan Staaten »n Erwägung zieyün, aber nur, mann sie müvsrfell sei. Ter € fl I i s ch e. Delegierte, Mmival Bridgem a n, stellte als grundlegend für die englische Anschauung folgende : hUkß TWon EtWamds auf: 1. Die insulare Lage des Mutterlandes, das bezüglich der Rohstoffe, Lebensmittelversorgung und in seiner ganzen Existenz von der Freiheit der Sevwege abhängig ist, macht die englische .LpM schwieriger als die jeden anderen Landes: das glmch' 2. von der Länge der Handelsstraßen und 8. von den ausgedehnten Küsten aller Teile des britischen Reiches und der Länge der Verbindungslinien, die geschützt werden müssen. Daher Lauten Englands Vorschläge: ' '' R?' 1. Die Lebensdauer der Hauptschlachtlschiffe soll von 20 aus 26 Jahre ausgedehnt werden. 2. Die Größe der zukünftig zu bauenden Schlachtschiffe soll von 35.000 auf wen iger als 30.000- Ton wen herabgesetzt werd-e-n. 6. Die Lebensdauer der anderen Kriegsschiffe soll für Kreuzer 24 Jahre, Zerstörer 20 Jahre und Unterseeboote 15 Jahre betragen. Der japanische Delogierte, Admiral S a i t o, gab als Grundlage des japanischen Programmes an, daß kein Schlffsbauprogramm mehr ausgestellt und kein neues Kriegsschiff zum Zwecke der Flottenvergrößerung erworben werden soll. Die Flotwnstärle jallkr Macht soll auf ifc Grkmdltesge tate vorhantzsnen und der im Bau VosirchkiMn KMßMchrffe ßestgrsiellt mqr-sn. . Der Bau und die Erwerbung sollen auf den notwendigen! Er>s«qtz. innechaW der für jede. Macht. vorgMriebenen I Flottenstärke beschränkt werden.- Kn englisch SghtztWes Bündnis? Auf ver Basis der GleMereMjgimg. London, 20. .Juni. „Observer" meldet, daß anläßlich des Besuches von König Fuad von Aegypten in London, der hier am 4. Juli eintreffen wird, die ägyptische mit der englischen Regierung ein ewiges Bündnis auf der Basis der Gleichberechtigung beider Partner abschlietzen will. ' ' Das Bündnis sehe die Nichteinmischung Englands in ägyptische Angelegenheiten vor, unter der Voraussetzung, daß Aegypten England die notwendigen Garantien siir den Schutz des Suezkanals gebe. Eine englische Monrvedoktrin über die N i ch t e i n m i schun.g des Auslandes in die ägyptischen Angelegenheiten werdje einen Teil des Bündnisvertrages bilden. Set Schutz der Auswanderer. London, 20. Juni. (Reuter.) Ein heute veröffentlichtes amtliches Schriftstück kündigt an, die Regierung beabsichtige, den von der Internationalen Arbeitskonferenz in der Tagung von Mai-Jüni 1926 angenommenen Entwurf einer Konvention betreffend die Vereinfachung der Ueber-; wachung der Emigranten an Bord der Schiffe zu ratifi- ' zieren. Die Regierung ist der Meinung, baß die Wirksamkeit dieses Konventionsentwurfes bedeutend erhöht würde, >venn der Beitritt der übrigen Hauptseemächte gesichert iväre. Infolgedessen macht sie den Vorschlag, bei der Regestrierung der Ratifikation im Völkerbundsekretariat die Erklärung abzügeben, die Ratifikation würde erst wirksam werden, wenn der Konventionsentwurf von Frankreich, Deutschland, Holland, Italien, Norwegen und Spanien ratifiziert wird. Die Regierung beabsichtigt, die Emwfeh-- luug bezüglich des Schutzes der Auswanderer an Bord der Schiffe, die so ziemlich dem gegenwärtigen «Gebrauch entspricht, anzunehmen. K« Attentat gegen das polnische Konsulat in Minsk? W a rf ch a u, 20. Juni. Die Blätter melden aus Minsk von einem angeblichen Ättentat auf das dortige polnische Kons u l a t. Güstern wurde in den Morgenstunden die Milizabteilung, die das Konsulatsgebäude schützt, durch oinige Schüsse alarmiert, die g e g e n d i e F e n st e r d e s G e b ä u d e s abgeseuert worden waren. Sofort erschien erste berittene Milizpatrouille. Gegen die berittenen Soldaten wurde seitens der Angreifer eine P 'e t a r d e g e w o r f e n, und in >der dadurch entstandenen Verwirrung gelang es den unbekannten Angreifern zu n t k o m m e n. g'ie antikommunistisch-antisemliische Lrganisatio». [ Wie man uns aus Paris schreibt, wurde von dem früheren russischen Konsul Nikitin eine neue Vereinigung unter dem Namen ,^Jevrasijstlvo" ins Leben gerufen. Nikitins Mitarbeiter sind Professor M l e x e j e w, Professor K a rsavin hnd der frühere Kiewer Metropolit Mntonij, der sich, in den letzten Jahren in der monarchistischen Bewegung stark heworgetan hat. 'Die neue Beivegmig stellt sich entschieden auf r el i g i ö s - r e ch t g l äUb i ge r Grundlage und hofft von dem Wiedererwachen des pravoslawen Glaubens in Rußland den Sturz des Bolschewismus Und die IWiedereinführUng des Zarenreichs erreichen zu können. In Paris Unterhält diese Bewegung ein Seminar, wo junge Leute zu Beamten und Politikern des neuen Reiches vorbereitet werden. Gleichzeitig sind auch VN'ilitärkurse in Paris und Belgrad ins Loben gerufen ivorden. In Paris ist General Miller, in Belgrad General Grebentschikoff die Leiter. Die neue Bewegung ist stark antisemitisch Und operiert mit der jFabel, daß die sowjetrftischm Machthaber aüsländischr Tu den sind. ■ ' i II S Original englische Stoffe zu aufsehenerregend niedrigen Preisen bei der 6., Mariahilserstraße Nr. 3