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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-17 · Heft 2982 (17.6.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2982 (17.6.1927)
Date
1927-06-17
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2982 Wien, Freitag Aerrer MorgenzeiLung 17. Juni 1027 Seite 7 FSLM UND KINO mit zu rechnen, daß die Dohrtätizkeit Nachlassen wird. Es scheinen O el selber von außerordentlich fftur ker Ergiebigkeit ang ebohrt worden zu sein. Wie man sieht, ist die für den Weltmarkt nraß'.e - liche amerikanische Situation so mißlich als nur möglich Großer Lager, denen nicht der genügende Absatz gegenübersteht, .dadurch die Gefahr heftiger Konkurrenzkämpfe, um Lager zu räumen, die Produktion unterebringen und damit wieder die Gefahr des Ucbergreifens dieses Kampfes von Amerika auf die.übrigen Weltmärkte, wo um jeden Preis Msatz geschaffen werden soll und muß. Daß die unheilvollen Wirkungen der hier geschilderten amerikanischen Situation auf die übrigen Märkte nicht lange auf sich warten lassen würden, war klar. In England, in Frankreich, in Deutschland, überall ist in den letzten M °> traten ein heftiger Preissturz für Benzin irsolgt. Tie Produktionsländer Rumänien, Rußland, Galizier nur - feit diesen weichenden Preisen für ihre Produkte folgen, so daß also die amerikanische Deronte ihre unheilvollen Wirkungen überall ausübt. Dazu kommt, daß durch diese Depression die Seefrachten in deir letzten Wochen immer mehr gesunken sind, so daß die Annahme, daß noch lvcitere Prci irückgänge erfolgen könnten, nicht von der .Hand zu we sen ist. Ae Paleftine Korporation. Sir Alfried Mond über die mangelnde Unterstützmrg des Palästmia-Aufbaus durch England. Der Economic board for Palestine hielt dieser Tage in London seine Jahresversammlung ab. Den Vorsitz führte der ehemalige Handelsminister Sir Alfred Mond, der sich für den Schutz der palästinensischen Industrie durch Zölle aussprach. Die Regierung Großbritanniens und die Palästinas gewährten den Juden nicht denjenigen Schutz uud die Unterstützung auf die sic als Pioniere eines neuen Landes ein Recht haben. Zum Schluß appellierte Sir Alfred Mond an die Antvesenden, für die Unterbringung der Aktien der Palcstine Corporation Sorge zu tragen, damit diese in die Lage versetzt werde, ihr Arbeitsprogramm durch,z-u führen. Die „Nesher Company" in Palästina mache gute Fortschritte, benötige aber zu einer weiteren günstigen Entwicklung mehr Unterstützung. Der Vertreter des Economic Board m Palästina, Herr A. G oldwate r, berichtete, daß d i e O r a n g e nu n d F r ü ch t e p r o d u k t i o n ein gutes Jahr hinter sich habe, daß aber für eine neuere Immigration in Tel Awiw und Haifa die Lage noch schwierig sei. Das Aufhören der Bautätigkeit in diesen Städten habe große Arbeitslosigkeit und eine Abnahme der Einwanderung vcruvsacht. Palästina habe einen starken Bedarf nach privat cm K ap i t a-l..Dies.zu. beschaffen sei das Hauptziel des Economic Board. Bei entsprechender Leitung sind die Bedingungen für Kapitalsanlage in Palästina sehr günstig und es könne eine gute Verzinsung erreicht werden. Die Orangenzüchter z. B. bieten volle Sicherheit für Darlehen. Wenn in Palästina den Obstzüchtern diejenigen Erleichterungen gewährt werden, wie sie den Obstzüchtern in anderen Ländern geboten sind, so könirten Leute mit beschränkten Mitteln in dieser Industrie prosperieren. Die Palestine Corporation schlägt vor, eine Gesellschaft zur Versorgung der Obstzüchter mit Kapital zu begründen. Aus dem weitereir Bericht geht hervor, daß die Palestine Corporation 1926 einen Netto-Gcwinn von 826 Pfund erzielte. Das voll emgezahlte Aktienkapital beträgt 30.100 Pfund. An Darlehen tvurden 1926 130.112 Pfund gegen 80.797 Pfund im Jahre 1926 ausgegcüen. Nur Y> Prozent des entliehenen Kapitals wird als dubios gebucht, was angesichts des im Lande herrschenden finanziellen Druckes als sehr befriedigendes Ergebnis angesehen werden kann. Irr Niedergang von Filmstar«. Man schveilbt uns aus London: Daß auch Filmstars nur einmal ihre Glanzzeit haben und nicht für immerwährende Zeiten die Gunst des Publikums ihr eigen nennen können, darüber wissen hiesige Blätter Einzelheiten aus der Kulissenwelt der Filmregic zu erzählen. Mehere große filmprvduzierendc Gesellschaften sind zur Ucbevzeugung gelangt, daß ihre alten Stars nicht mehr „en vogue" sind, vielleicht oben deshalb, weil ihre Zeit vorüber ist und sie mit der Gunst des Publikums ein zu leichtfertiges Spiel trieben. Eingeweihte meinen, daß die nächste Zeit nicht nur eine gange Reihe neuer Stars für die Kinowelt bringen wird, sondern daß eben wegen dieser neuen Günstlinge die alten Stars ihr Bestes daran setzen müssen, um ihre Popularität bei dem Publikum zu behaupten. Besonders wird dies von Miß Gloria'S w a nson und Miß Norma Talmad ge berichtet, die sich in der letzten Zeit denn auch alle Mühe gegeben haben, um in viel besser ausgearbciteten Filmen zu erscheinen, als sie cs vorher taten. Diese Entwicklung ist um so benierkensiwerter, denn vor nicht allzu langer Zeit galt noch Mi ßSwanson als die populärste Filmfthauspielcrin Englands. Sic mußte aber von ihrer Volkstümlichkeit vieles abgcben, als sie wahllos auch in sogenannten „Second rate"->Bildern Rollen übernahm. Auch Miß Talmadgc mußte das gleiche Schicksal kennen lernen. Das Starsystem hat sich überhaupt als unhaltbar erwiesen. Seit langem galt es als unfehlbarer Satz, daß eine F'ilmprodilktionsgosellschaft sich nur einen Star zu verpflichten brauche, um Erfolge zu erringen. Der Starname war Tabu, der für jeden Film welcher Qualität immer den Triumph bringen sollte. Die Stars wieder gefielen sich darin, daß sie sich gleich ein Dutzend sogenannter „Close-up"-Bilder, wie sie als Einleitung vor jedem Film gegeben werden, bestellten, und behaupteten, daß das Publikum seinen Liebling so oft wie nur möglich sehen will. Doch das Publikum ist nicht einfältig. . Miß Cwanson und Miß Talmadge verdanken ihre Erfolge dem Umstande, daß sie es verstanden, in interessanten Filmen interessante Rollen zu kreieren. Keine der beiden ist streng genommen schön zu nennen, doch Miß Swanson verstand sich besonders darauf,, das moderne Gentleman- RÖtenfurttt-Klinö —ii l., Fieischmarkt 1 | Von honte bis 20. Juni: jj Die Jungfrau von Stamhul und das übrige Programm. Beginn d. Vorstellungen an Wochentagen: 4,6, V,8 u. 9 Uhr Sonn- und Feiertage: V,4,-*/#5, V«7, Va8 und 9 Uhr | | Girl zu spielen. Ob die neueren Anstrengungen zur Wiedergewinnung der Gunst des Publikums von Erfolg begleitet sein werden, ist imnrer fraglich, denn ein guter Film kann von heute auf morgen eine neue Filmschauspielerin weltberühmt machen, schlechte Filme aber bringen auch dan größten Stars nur Niederlagen, die, wie die Erfahrungen in England lehren, nachteilige Folgen selbst für die schwärmevisch-verohrten Kinolielblinae haben. Tiere im Kino Es ist ein keineswegs seltenes Bild, im Kind 'inen kleinen .Hund auf den Schoß seiner Herrin gebettet zu sehen, der vollkommen ruhig die Bilder auf der Leinwand an sich vorüber ziehen läßt. Was denkt sich solch ein Tier? Diese Frage hat sich auch ein bekannter Naturforscher gestellt, als er sich entschloß, einer Anzahl von Tieren diese besonders anregenden Filmaufnahmen'vorz u s ü h r c u. Die Hunde ließen di che Vorführungen ohne Interesse au sich vorübergehen: weder Katzen in drohender Haltung noch andere Tiere vermochten ihnen irgendwelche Teilnahme zu entlocken. Anders war es mit den Katzen. Als ein Bulldogge mit weit aufgerissenem Fang auf der Leinwand erschien, sträubten die Katzen die Haare und machten einen krummen Buckel. Sie erkannten in dem Bilde einen gefährlichen Feind und benahmen sich demgemäß. An diesem Verhalten konnte man a'ber erkennen, daß bei den Hunden vor allem zwei Sinne entwickelt sind, der Geruchfinn und das Gehör, während die Katze mehr mit dem Auge erfaßt, als daß sie wittert oder hört. Die Vorführung des bekannten Katers „Felix" wurde von den Katzen mit erheblichem Miauen ausgenommen. Das Experiment wurde dann auch an Enten, Gänsen, Hühnern und Tauben vorgenommen. Beim Anblick eines geschickt vergrößerten Raubvogels begannen die Hausvögcl, vor allem Enten und Gänse, ängstlich zu schnattern. Dagegen verhielten sich Nachtigallen, Sperlinge und Buchfinken angesichts dieses Bildes vollkommen still. Die Wild Vögel erkannten den Raubvogel ebenfalls, vermieden jedoch jeden'Laut, um nicht siene Aufmerksamkeit aus sich zu lenken. - CENTRAL-Kl NO —, II., Taborstraße 8 Telephon 42-3-41 I Von heute bis 20. Juni: I Tragödie der Eise nach dem Roman „Freipaß“ mit Paul Richter, Alfred Abel § und Isabella Elson. j Musikalische Begleitung: Das neue Ufa-Konzertorchester | mit Jazzband (Dirigent: Kapellmeister Karl Krall) E Beginn um 6, V28 und 9 Uhr I israBB* Die Devisenpreise. In Z ü r i ch hat sich g>estevn Mailand von 33.97 aus 28.84, Madrid von 89.66 aus 89.25 abgeschwächt. In den übrigen Denisen sind keim nennenswerten Kursverschiebungeii eingetreten. Französische Zahlung an Amerika. Pari s, 16. Juni. In dar gestv'gen Sitzung des Finanzausschusses des Senates leigte Vor«rare dar, die an England und dfe Vereinigten Staaten zur Llhurg .der -n-teralNierten Schulden bereits geleisteten Zehlunaen ließen dem Parlamente volle Freiheit bei seiner Enlschvidung über die bezüglichen Schuldenabkommen. Po'.ncare telte weiters mit, daß das französische Schatzamt am heutigen Tage dem amerikanischen Schatzamte 10 Millionen Dollar gezahlt habe. Ein deutscher Bahnbaukredit sür die Türkei. B e r l. n, MV Juni. Wie die VMtter erfahren, hat die türkische Regierung gestern mit der Bahn.baus.irnm Julius Berger einen Abschluß gviätigt und eine Vereinbarung mit Kein deutschen Orientdank-Konsortium über die Gewährung eines Kredites wn 65 Millionen Mark getroffen. Das Reich hat eine Garantie von 30 Millionen Mark übernommen. Sevlsenkurse. Zürich, 1)6. Juni. (Schl'Ußknvse.) Paris 80.36)4 (20.36)4), London 25.85% (25.86%), New York 520.— (580.—), Brüssel 78.32)4 (72.21), Italien 26.84 (28.97)4), Spanien 89.85 (89.65), Holland 208.32)4 (808.30), Berlin 103.21 )a (123.30), Wien 73.16 (1UVA), Stocholm 130.30 (139.30)4), Oslo 134.50 (184.50)4), Kopenhagen 139.06 (189.05), Sofia 3.75 (3.75), Prag 16.40 (15.30)4), Warschau 68.10 (58.10), Budapest 90.05 (90.05), Belgrad 9.18)6 (9.13)4). Athen 7.02 (7.02), Koichant Inopel 2.71 (2.71), Bukarest 3.06 (3.07)*), Finnland 13.07)4 (18.08), Argentinien 280.76 (220.76), Japan 241.50 (241.50), Privatdiskont SH (3)4). Wie«—Prag 1:1 (1:0). Köhler hiilt einen Elfmeter, liißt aber einen Fernschuß Kada» Meten. Hohe Warte, 25.000 Zuschauer, Schiedsrichter Jvancic. Wien: Köhler; Rainer, Blnm; Schneider (Austria), Hoffnlann, Schneider (W. A. C.); Kirbes (Gschweidl), Rappan, Jszda, Horvath, Cntti. Prag: Planicka; Perner, Steiner; Kolenaty, Kada, Hajni; Fleischmann, Nowak, Silny, Swoböda, Horejs. Das gestrige Zusammentreffen der Auswahlmannschaften von Wien und Prag brachte ein Erg e b nis, das im großen und ganzen dem Verlauf des Spieles entspricht. Der gebotene Sport befand sich aber nur zeitweise auf hoher Stufe. Im übrigen wurden nur mäßige Leistungen geboten; es'fehlte der Länderspiele sonst auszeichnerlde Kampfgeist, es mangelte an Tempo und Leidenschaft. Die Wiener Mannschaft hatte mehr vom Spiele, während die Prager im Felde einheitlicher und gefälliger arbeiteten. Der Prager Sturm tvar vor allem sehr langsam und fand in dom Backpaar Blum-Rainer ein nicht zn^überwindendes Bollwerk. Der schnellste Mann der Gäste, der Nechtsaußenstürmer Fleisch mann, wurde nur sehr wenig beschäftigt. Der Angriffssührer Silny ist viel zu langsam und schwerfällig. In der Halfrerhe hatten die Gäste dank des Spieles von Kada und Kolenaty ein Uebergewichi, während der dritte Mann, Hajni, in der zweiten Hälfte abfiel. Bei den Wienern arbeitete Hoffmann unter den Läukrn | am besten. 1 Im Angriff war Rappan die treibende Kraft. Er war auch so ziemlich der einzige, der das gegnerische Tor durch Schüsse gefährdete. Sein K 0 p f g 0 a l war ein Meisterstück. Horvath war überall zu finden, doch war seine Leistung unproduktiv. Cutti konnte Wessely nicht ganz ersetzen. Bon Jszda sah man nur hie und da schöne Züge, Kirbes schied bald verletzt aus, sein Nachfolger Gschweidl hielt sich recht gut. Köhler wehrte einen Elfmeter ab, ließ aber einen haltbaren Weitschuß Kadas Passieren. Bei den Pragern zeigte sich Planicka als Tormann von Klasse. Es wurde beiderseits zeitweise besonders von einzelnen Spielern, sehr derb gespielt, hiebei war wieder Perner im Mittelpunkt, doch wurde auch ihm übel mitgespielt. Außer Kirbes mußte auch Schneider von Anstria in der zweiten Hälfte ausscheiden und wegen einer Rißquetschwunde Sp i talsb e ha nd ln n g in Anspruch nehmen. Auch Hoffmann wurde gegen Schluß stark hergeras neue Problem: sin teures Telegramm oder ein Mrer aasMrliker WvoltbrleN Ein Telegramm nach Polen kostet für zehn Worte 3.70 Schilling, ein Expreszbrief 1.10 Schilling; der Luftpostbrief, der in cinigeil Stunden nach Aufgabe in Wien dem polnischgu Adressaten zugestellt tvird, nur —.60 Schilliilg. Aufgabe bei allen Postämtern; am Mflugstage tfr 7 lllhr 20 Min. mo^s beim! Hauptpostamt.

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