Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2982 (17.6.1927)
- Date
- 1927-06-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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| Preis 80 8 | Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon 44-0-38, 43-3-19 Telephon ab 6 Uhr abends 38-5-80 Serie, ab '/r9 Uhr abends 38-5-83. Druckerei: VII., Lerchenfelderstraße 1 („lnva“) Preise: Wien und Oesterreich durch Post oder Verschleißsteilen monatl. 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland iw Innern des Blattes. Nr. 2982 Nie«. Freitag. 17. Juni 1927 (17. Siwan SK87). .1 1 "lll*BI" ..111! 1 ■' " 111 '! 1 '! 1 .. 1... ... BESUCHET ow Wieaerr Rathauskeller! Die Gemütlichkeit der guten alten Zeit. Wer, kommt, wird wieder Stammgast) Volkstümliob# Preise! Mittags-Menüs ä S 1*60 Direktion: OTTO KA8EREB «üSigwiia ‘«nag 9. Jahrgang Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind tmrtfj ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Rungeffer und Soli nicht gefunden! eine toi&ectnOctfge MWIWtlm. Eine Warnung der Völkerbundstaaten an Rußland. Tschitfcherln beim Reichskanzler. L-ondon, 16. Juni. Die gestern vonQuebek aus derbreitete Nachricht von d-er angeblichen Auffindung der vermißten französischen Transozeanflieger Nungesser und Goli hat sich als eine widerwärtige Mystifikation herausgestellt. Der Forstwächter Blair, der seiner Mutter die telephonische Mitteilung von der Auffindung der Flieger gemacht Hatte, hat eingestariden, das falsche Gerücht in die Welt gesetzt zu Haben, um die Eintönigkeit seines Daseins int Urwald zu unterbrechen und sich in seiner lEinsamkeit Unterhaltung zu verschaffen. Die Falschmeldung Hatte den amerikanischen Fliegerklub veranlaßt, große Nachforschungen Ln aller Eile vorzunchmen. Ein ganzes Flugzeuggeschwader wurde noch gestern nachmittags auf die Suche geschickt uub mußte nun radio telephonisch zurückberufen werden. Hinsichtlich der jedoch tatsächlich wcchrgenommenen Raketen signale im Norden der Provinz Quebek neigt man zu der Annahme, daß es sich um gestohlene Feuerwerkskörper Handeln dürste, die von den Dieben zu ihrem Vergnügen abgefeuert wurden. Die Behörden haben ihre Nachforschungen nach den Fliegen: eingestellt. Alliierten-gntrrventio« in Belgrad «nd Tirana. Der Balkankonslikt soll beigvlegt werden. London, 16. Juni. Die englösche,'französische und italienische Regierung haben, wie der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" berichtet, ihrem Gesandten in Belgrad und Tirana weitere Inst Mt tonen zugehen lassen, um auf die Regierungen von Süidslawien und Albanien eilten Druck in der Richtung auszuüben, daß sie Ihre bisherigen Differenzen möglichst ohne Verzug durch ein diplomatisches Kompromiß beilegenmögen. Die ALächte hätten dislheir von einer Intervention Abstand genommen, weil sie,befürchtete, daß hiedurch der ganze Zwischenfall vor den Völler-- rümd gebracht lverden könne, lvas vermieden werden sollte. Ile Bellegnng der englisch-ägyptischen Spannung. London, 16. Juni. Der Unterstaatssekretär Kr Auswärtiges erklärte in: Unterhaus, die letzte Note der ägyptischen Regiermrg lege in befriedigender Weise die Absichten der ägyptischen Regierurrg har und zerstreue die Ursachen der jüngsten otrglisch-ägyPtiMen Spannung. Es besteht kein Zweifel, daß die nach Aegypten entsandten englischen Schlachtschiffe jetzt zurückgezogen werden»- Die Kämpse in Syrien. El-Atvasch geflohen? B v v l r n, 16. Juni. Der russische Bolkskommiffär für auswärtige Angelegenheiten Tschitscherin witrde heute vonr Reichskanzler Dr. Marx empfangen, von dem er sich vor seiner Abreise nach Rußland verabschiedete. Den Aitfenthalt Tschitfcherins in Berlin benützte die deutsche Regierung, wie die Blätter ineldert, zu einer i n f o r m a t o r S s ch e n F ü h l n n g n a h m e. Tschrtscherrrr wurde u. a. vom Moskauer dentschmt Botschafter, Grasen Bro ckdorff - Rantzau, darüber informiert, welche Bedenken bei der: europäischen Mächte» gegen die bolschewistische Auslandspropaganda bestehen, sowie welcheit Eindruck die Erschießung politischer Gefangener auf die in Genf versanrnrelteir Vertreter der Mächte geinacht habe, schließlich welchen Eindruck es machen würde, wem: durch ultimative Schritte der Sowjetregierung der Konflikt Rußlands mit Polen weiter verschärft werden würde. Diese Informationen sind lediglich als freundschaftlicher Akt, nicht als besondere Aktion der deutschen Regiurnng lurfzttfassen. Lebenslängliches Gefängnis für Koiverda. BWlldWnWllsüMW Gerlihtshofes. Warschau, 15. Juni. IM Prozeß gegei: der: Attmtater Boris K o w e r d a hielt der Staatsanwalt eine Anklagerede, in der er ausoiimnderfetzte, warum der Fall Koivevda vor ein Standgericht gehöre. Der Staatsanwalt vertrat den Standpunkt, daß der Mord an dem Sowjetgesandten W o j k o w als die T a t e i « c 8 oinzelnen zu betrachten sei, der sich weder von irgendwelchen Organrfationen noch von sonstigen Begleitumständen Tcfctctt ließ. Die Frage des Strafausmaßes überließ der Staatsanwalt der Entscheidung des Gerichtes. Nach dem Staatsanwalt fpnachen die vier Verteidiger des Angeklagten. Am 11 Uhr 46 Minuten zog sich der Gerichtshof zur Beratung zurück. Um 12 Uhr 30 Minuten wurde das U teil verkündet, auf Grund dessen Kowevda zu lebenslänglichem schworen Gefängnis unter Verlust sänrtlicher Bürgerrechte verurteilt wurde. Der Gerichtshof beschloß gleichzeitig, sich au der: Staatspräsidenten mit der lötitc zu wenden, die verhängte Strafe iit 15 Jahre schweren Gefängnisses umsuwandeln. Anschlag ans eine« Polizisten der Warschauer Bahnhofwache. Warschau, 16. Juni. Gegenüber (im Mslmrd verbrei-- teten Gerüchten von einem neuen Attentat ans dem hiesi-- gen Haltptbahnhof, bei dem der Leiter der Warschauer Kriminalpolizei getötet worden sei, stellt die Polnische TolligraPhen-Agentur fest, daß es sich um einen Anschlag auf einen Polizisten dfir Bahnhpfwache han^ delte. > Konstantinopc l, 16. Juni. Nachrichten zufolge, die aus Syrien hier eiugelangt sind, haben die Franzosen die anfstänidischen Drusen jn Libanon vernichtend geschlagen. Die AnfstäMschen sollen viele Tote und Vettvundete verloren haben. Sultan E l - A t r a s ch sei nach der Niederlage seiner Truppen nach Bagdad geflohen. Ne fpanzöstfchen Behörden betrachten den Lbnsstanid in diesem Teile Syriens als völlig medergeworfen. Tranriorvanie« bekommt ei« Parlament. Kairo, 16. Juni. (I. %. 8t.) In einem Interview mit einem Vertreter der „Asstassa" äußerte sich Emir Abduflah von Transjordanien dahin er wolle Transjordanien ein Parlament geben, das sich den Landesverhältisisspn aupaßt. Die Verhandlungen mit Großbritannien über den Abschluß eines 'Abkommens sein beendet. Jn seinen wesentlichen Punkten paßt sich das Abkommen demjenigen zwischen Großbritannien und dem Irak m> Bemrtellnng eines englischen Spions ln Rnßland. MoSfau, 1L Juni. Das Militärtribunal in Krontadt verurteilte den ehemaligen Kommandanten eines der baltischen Flotte angeW eigen Schiffes, Klepikow, wegen Spionage zugunsten Englands zum Tod, seine Frau wssgen Beihilfe zu drei Jahren GefäNMis. Klepikow verorgte einen in Finnland sich anfhaltenden Vertreter des eyglischeu Geheimdienstes nril Geheimberichten Wer den Zustand der Kriegsstreitkräfte der Sowjetunion, besonders der Flotte. Klepikow hat seine SpionagetätigVeit eingestNNden. Ae armenische« Flüchtlinge. Gqnf, 16. Juni. Jn der heutigen Sitzung der VW» kerbnndratss wurde n. a. die Frage der Änsiedluug der armenischen Flüchtlinge behandelt. Delegierter Fritjof Nanson schlug eineu Appell zur Beschaffung van Mitteln vor, damit das Hilsslverk durchgelührt wechen körme, das sonst unmöglich sek. Zu dieser 'Katzs MH der deutsche Delegierte -Dr. Stresemann, dev ebenfalls eine sofortige iMstvengNng als notwendig bezeichnete, da die Hofs-» nungerr der armenischen Flüchtlinge auf den Völkerbund nichenttäuscht irerden dürfen. Der englische Delegierte Chamb-va lain äußerte Bedenken, ob es nröglich sei« die nötigen Mt* tel von seiner und anderen Regierungen zu erlange«, sc-, lange nicht entsprechende Musksistste vyrttegen, We Martere Behandlung der Frage wurde auf feie wßchHtz Wa t st« Sitzung vertagt. \< Lschangtsolln Lberbefehlshaber der chinesischen Nordtruppen. Peking, 16. Juni. Dschangtsolrn Und die nu* deren Befehlshaber der Nordtrnppen veröffentlich eine Ziokulardepesche, in der sie rnitteilen, daß Tschanglsolin den Oberbefehl über sämtliche Nordtupppsn M Bekämpfung der Raten' Truppen Mernvimnen habe. Sas neue irische Parlament. Dublin, 16. Juni. Auf Grund der endgültigen Er>- Igebnisse.der Wahlen im Jrischerr Freistaat weist dxr jteu* gihvählte Landtag folgende Zusammmstellung ans; 40 Whänger der Regierung, 44 iMhärrger de VBems^ 2^ glieder der Arbeiterpartei, 11 Farmer, 8 Angehörige -der Nationalen Liga, 6 Sinnfeiner imh 15 Rnahhä-ngige. Ientschnnterricht an de« Prager BolkMule«. Prag, 16. Juni. An den höheren Klasse» der Prager Volks schulen wird der Unterricht der deutschen Sprache wieder eingeführt werden. Diese -Maßnahme wird auch von den national delnokratischen „9Ärrodni LiM^ begrüßt, die verlangen, daß den Schülern ermöglicht werte, durch eine praktische Konversätions'metWe die dchtztsihe Sprache wirklich An erlernen. ' Iandet im Gefängnis. Große Fveihetten. Parrs, 16. Jmri. Leon Da»rdpt lMÜetzt iw! Mi» fängnis überMs große Freiheiten. Er darf seüre Mahlzeiten von außen beziehen. Die werden ihnr täglich von seiner Frau persönlich in einenr Körbe gebracht. Man hat Daudet und seinen Mitgefangenen Delast aufgesordert, efate tArt Wunschzettel MsznMen, auf d«n 25 Personen genannt zverden, die sie ungehindert empsMMN möchte^ Die beiden Gefangeuen erhalten zahlreiche Bes »He. Dmtdet leitet vom Gefängnis a»s biche UedMk«» tion der „Mction franeaise". Die ,Mction francaise" protestiert heute hatzege», daß der 14. Juli als Datum für die geplante Begnadig gung der royalistischen Märtyrer geüväUt iverden soll, ge-- rade der Nativnalfei.xrtag der Republikaner Frankreichs. '! - - In den letzten Tagen wäre» Gerüchte verbreite^ wonach die einzelnelr ^Umstände bei der Verhaftung AcMets vorher genau mit der Polizei vereiuLavt wvü» den seien, da in der vorausgegaugenen Nacht ein Redakteur der „Action fluncaffe" eine Unterredung mit dein Poilizeifträsidelüen Ehiappe gehabt habe, durch die alle Gmzelheiten festgelegt worden seien. An Bürgermelftrr als kommunistisch« Settelverteil« v«hastet- Sin sonderbarer Zwischenfall in Südsrankreich. Paris, 16. Juni. Gestern orchgnete stch vn Sai-vl Denis ein merüvüvdiger Zivischenfall. Zwei Polizisten nahmen eiimn chnen nnbeLalMten Mamr fest» der an die BorübWgvhspden kommunistische FilugzetteL verteilte. Auf der PoVsalwache wurde seistgestellt, daß es sich mn dmr kommunistischen Bürgermeister der Stadt selbst haufeekt. Er umride mit Worten der CmtschuMgmyg sofort ans freien Fuß gesetzt, loährend die übsrcLsrigen Poilzisteu einen streben Verweis erhielten.