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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-14 · Heft 2979 (14.6.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2979 (14.6.1927)
Date
1927-06-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis »O g 1 Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr* 1 Telephon 44-0-38, 43-3-19 Telephon ab 6 Uhr abends 38-5-80 Serie, ab Vi9 Uhr abends 38-5-83. Druckerei: m., Lerchenfelderstraße 1 („Inva“) Preise ’ Wien und Oesterreich lorcb Post oder Verschleißsteilen monatL 6 Schilling. Bezugsbedingungen kür das instand im Innern des Blattes. Wiener Morgen;ei1ung Rr. 2979 Wien, Dienstag, 14. Snni 1927 (14. Siwan 5687). BESUCHET okn 1 Wiener Rathauskeller! Die Gemütlichkeit der guten alten Zeit. V/er kommt, wird wieder Stammgast! üaiurbEl. Qaal.-Reise v. 45 o antr. Volkstümliche Preise! Mittags - Menüs ä S 1*50 Direktion: OTTO KASER ER | 9. Fahrgang Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. ■WJUMIBWmWB^EKWgMil Neueste, nach eigenen Erfindungen patentierte Ktipaoschrank Touristen' Auto Koffer und alle Arten von Reiserequlsiten u. 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Zaleski betonte vor allem, daß die polnische Negierung die drei russischen Forde r u n g e n a n n e h an e n werde, weil diese durchaus hi liebereinsti-mauun-g mit' den Empfindungen der polnischen Regierung und der öffentlichen Meinung Polens sowie mit den polnischen Gesetzen stünden. Pollen werde niemals eine terroristische Organisation innerhalb seiner Grenzen dulden und habe auch niemals solchen Organisationen Gastisreundschast.gewährt. Sie Krise zwischen England und Aegtzvtengelöst. Kairo, 13. Juni. (Reuter.) Wie verlautet, ist zwischen dem britischen Oberkommissär und dem ägyptischen Premierminister eine Einigung über einen abschließenden Notenaustausch zustande gekommen, durch den die bestehende K r i s e in den englisch-ägyptischen Beziehungen b e e n d e t werden würde. . King Soal. ‘ London, 13.; Juni. (Tel.-Komp.) Im Unterhaus erklärte der parlamentarische Sekretär des Handels-. Ministeriums, der englische Botschafter in Paris ha«be bei der französischen Regierung energische Vorstellungen gegen die, die Kohleneinfuhr nach Frankreich bchchränkenden Maßnahmen erhoben und zu verstehen gegeben, daß die englische Regierung die Einhaltung der in England bereits abgeschlossenen Lieserun'gsverträge erwarte. Amerilanische Garnison ln Nikaragua. Managua, 13. Juni. (Reuter.) Zufolge der Beendigung des Krieges in Nicaragua werden alle a mi erikanischen Soldaten unverzüglich. aus Nicaragua zurückgezogen werden, ausgenommen ungefähr 3500 M a r i u e s ch ü tz e n, die in dem Lande verbleiben werden. Reue Tumulte an der SBiettet Universität. Sturm der Hnkenkrenzler. - Sie Polizei mengt sich nicht ein - Zuden hinaus! — Ier Erlaß des Bürgermeisters wirkungslos. Gestern vormittags haben sich die Unruhen an der Universität wiederholt, gleichsam als Antwort an den Landeshauptmann und als Illustration zu der vom Rektor den Zeitungen gegebenen Erklärungen: „Ich wiederhole, daß ich f e st d a v o n überzeugt bin, daß nunmehr die Ruhe und Ordnung an der Universität nicht mehr gestört werden und der Unterrichtsbetrieb in vollem Umfang sich ungestört abwickeln kann." Die Nampenaufgänge waren seit den frühen Morgenstunden von Polizeiketten besetzt, in dem Eingang beim Haupttor standen Pedelle, vor denen sich jeder legitimieren mußte. Es befanden sich alfo nur Hörer der Universität im Hause, so daß die sonst so gerne gebrauchte Berufung auf die fremden El em en t e diesmal nicht angewendet werden kamt. Gegen 10 Uhr drangen nun unter beträchtlichem Geheul Trupps von Hakenkreuzlerm im dge Bibliothek ein. Sie rissen die Türen auf und schrien: „Juden hinaus 1" Ein Teil der Lesenden verbat sich den Lärm und wurde geprügelt. Daraufhin sperrten die Beamten die Bibliothek. Die ganze Szene dauerte etwa zehn Minuten. Die Hakenkreuzler, die sämtliche mit Stöcken ausgerüstet waren, besetzten hierauf die Aula. Die übrigen Studenten verließen das Haus und zogen auf die Rampe, wurden aber dort von der Polizei w e g g e w i e s e n. Der Gehweg und die Allee vor der Universität wurde wiederholt geräumt und eine Abteilung der sozialistischen akademischen Legion, die beim Liebenberg-Denkmal stand, wurde von der Wache zerstreut. In der Aula blieben die Hakenkreuzler unbehelligt und es wurde auch kcknre Untersuchung wegen des Sturmes auf die Bibliothek erngeleitet. Als die Mittagsstunde kam' verließen die Hakenkreuzler die Aula und sammelten sich auf der Rampe. Die auf der Straße stehenden Studenten protestierten dagegen, daß den Völkischen eine andere Behandlung zuteil werde. Darauf 'wurde die Rampe geräumt, der Platz'abgesperrt rmd dir Universität geschlossen. Bis zum Abend blieb die Wache an den RampenMgeln stehen und duldete keine Ansammlung. Die Universität bleibt bis auf weit er es g es ch l o s s e n. An den Eingängen ist eine Kundmachung angeschlagen, derzufolge nur Personen, die vom Rektorat oder einem Institut legitimiert sind, eingelassen werden. kin Pogromvlnkat in Wien. Der Bürgermeister als Landeshauptmann hat am Samstag die Polizei beauftragt, im Innern der Universität keine Gelvalttätigkeiten zu dulden. Dem Bürgermeister, der solcherart auf Gesetzlichkeit achtet, untersteht das städtische Plakätrerungsinstitut. An dessen Anschkagstafeln ist am Sonntag der folgende Aufruf angebracht worden: „Bezahlt aus den Mitteln des Volkskampf-Propaganda- Kampschatzes . . .1 Aufruhr herrscht im gesamten jüdischen Blätterivalde, weil der von den Juden bestgehaßte Studentenführer Diplom- Kaufmann Robert Körber an der deutschen Wiener Universität einen Bovtrag über «Unser Recht auf den Numerus clausus" gehalten hat. In Ungarn und Rumänien ist der Numerus clausus bereits eine Selbstverständlichkeit geworden, hier muß er erst erkämpft werden. Aber nicht nur an den Hochschulen allein ist er zu fordern, sondern in allen Berufszweigen, denn es ist ein schweres Unrecht gegen das schaffende bodenständige Volk, daß es fast 96 Prozent jü'dischü Bankdirektoren, Aerzte, Rechtsanwälte usw. in der ganzen Zweinrillioiien-Stadt, aber keinen jüdischen Straßenkehrer gibt. Er sie VMsikampf -V e rsammlrm g i Montag, 13. Juni, 8 Uhr abends, im Saale der Oberösterreicher, Wien, 18. Bczi.k, Jörgerstraße 4, in welcher Diplom-Kauswa-nn Robert Körber über das Thema spricht: u / Numerus clausus oder Menschensklaverei. Jeder Antisemit; jeder deutsche Wiener komme zu dieser Kundgebung, denn es muß wieder eine antisemitische Bewegung wie zur Zeit dts Zionistenkongresses entstehen."" Zur Zeit des Zionistenkongresses wurde der Mord gepredigt, und der Aufruf meint auch nichts anderes. An diesem Plakat, respektive an seiner Duldung ist zu erkennen, wie aufrichtig der Erlaß des Büvgernteisters gedacht war, und man braucht sich über den Mangel an Wirffamkcit nicht zu wundern. | Die in dem Aufruf en gekündigte Versammlung wurde von der Polizei verboten, da sie Unruhen befürchtete. Diese Verfügung wurde noch vor 8 Uhr ausgegeben. Vor dem Lokal der Oberösterreicher in der Jörgerstraße herrschte jedoch am Abend lebhaftes Treiben. Nächst dem Saal und der Stadtbahnstation Mserstraße sammelten sich zahlreiche Pevsonen, zumeist Jugendliche, an. Alle Bänke im Gürtelpark und alle Weinhallen der Umgebung waren dicht besetzt. Die Polizei hatte ein starkes Wacheaufgebot entsendet, das keine bedrohlichen Zusamntenrottungen duldete. Die Völkischen, die sich zur Versammlung eingefunden hatten, schlossen sich gegen 9 Uhr abends zu Zügen zusammen, die durch verschiedene Straßen dem Inneren der Stadt Zustrebten. Das Viertel rings um die Universität war starkmitWache be sie tz t, die noch abends durch Berittene verstärkt wurde. Die Hakenkreuzbuvschen sammelten sich von Zeit zu Zeit in kleinen Gruppen, und es kam verschiedentlich zu Z u s a m m e n st ö ß e n, so im Votivparck und beim Arkadencafe, wobei achtPerfonen wegen öffentlicher Gewalttätigkeit, bezw. Störrmg der öffentlichen Ordnung verhaftet wurden. Erst nach 10 Uhr abends trat Ruhe ein. ' In später Abendstunde sammelte sich wieder ein kleiner Trupp der Hakenkreuzburfchen hinter der Universität an und schlich sich durch die Arkaden der umliegenden Häuser bis zu dem an der Ecke der Umversitätsstraße gelegenen Cafe „Arkaden", wo die Burschen ihren Heldenmut in der Belästigung jüdisch aussehender G'ä st c betätigten. Sie tvurden rasch abgeschafft, da die Polizei einschritt. Sie dentsch-eiglischengndnstriebesprechnngen. Berlin/ 13. Juni, lieber den Abschluß der Besprechungen, die in Leverkusen Wischen deutschen und englischen Industriellen geführt wurden, wurde ein Kommunique herausgegeben, in welchem ein Zusammenarbeiten der Landwirtschaft und der I n d u st r i e als unerläßlich bezeichnet, ferner gefordert wird, daß bei zwischenstaatlichen Streitlfällen das internationla Schi e«ds g-erichtsverfahren Anwendung finden soll. Zur engeren Gestaltung der deutsch-englischen Beziehungen wird der Austausch von Hochschullehrern für wünschen' wort erklärt. Al»Ultl 6DWt WWMWW Original englische Stoffe zu aussehenerregend niedrigen Preisen bei der 6., Mariahilserstraße Ne, 3 0600473547

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