Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2978 (13.6.1927)
- Date
- 1927-06-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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.W':’ - 15^- .fj’..-.;.iv t ■ i '' wx*1. . .“•••-• Ne. SV7S Wsa, Mvatvg Wtze«er Mvegenzettrmg is. JMk E Ae x>. Landeskouserevz der Bniowinaer ziouiften. Am 28. uns 29. Mai fand in Czernowitz die 11. Lün- ^s-kcnnerenz der Bnkowinaer Zionisten statt. Die vereinigte Opposition (Radikal« und Revisionisten) hatte im Gegensätze zum Bovjahre statt 50 Prozent nur 36 Prozent der Mandate in den verschiedenen Kommissionen. Obwohl sie sich im Prinzip mit einer derartigen Vertretung auch in der neuen- Exekutive einverstanden erklärt hatte, kam es, da die Majorität sich mit gewissen, von der Opposition vorgeschlagenen Kandidaten für die Exekutiv« nicht einverstanden erklärte, 'bei den Wahlen zu einer Sezession der Opposition, so daß die neue Executive sich ausschließlich aus der Majoritätsgruppe z-usaminensetzt. In die Exekutive wurden gewählt: Als Präsident Dr. Meier Ebne r, als Vizepräsidenten Dr. Theodor We isselbe r g e r, Dr. Salonbon Kaßner, Dr. SaloMon Kins - b r u n n e r und Josef W i z n i tz e r, und als Mitglieder Dr. Vierer, Dr. C h a j e s, Dr. Deutsch, Dr. Inda Ebner, Dr. Geller, G o t t l i e b, L i q u o r n i k, Baurat P l a tz m a n n, Dr. R a p p a p o r t, Schächter, Scharf, Ing. Schindler, Dr. Schmelzer und Pros. Silberbusch. Die Konferenz hat u. a. 'beschlossen, einen Obersten Rat in Bukarest zum Zwecke der Zusammenfassung der vier in Rumänien bestehenden Landesorganisationen einzusetzen. B'nei B'rith'Laguug i« Bukarest. In Bukarest wurde soeben eine Tagung de- 9. Distrikts des unabhängigen Ordens Bnei Brith avgehatten, an der tzsich 14 Logen Rumäniens beteiligten. Overrabbiner Doktor Rtemirower leitete die Tagung, Dr. I. Bercodici und Direktor Seidmann hielten Referate. Aus den Beschlüssen sind die folgenden heworzuheven: DaS yebräiische Schulwesen „TarDuth" wird unterstützt, Der hebräischen Universität in Jerusalem wird besondere Förderung zuteil. Es wurde ein Zentralkomitee eingesetzt, dem Senator Klüger, Direktor Seidmann, Dr. K l e i n- Klausenburg und Advokat Kopner angehören. Großprüsident des Distrikts ist Landesrabbrner Dr. N i e m i r o w e r. Der zerbröckelnde völkische Hochschulring. Aus Heidelberg wird telegraphiert: Nachdem schon soeben die Ausschüsse der deutschen Burschenschaften auf der Eisenacher Pfingsttagung von dem jetzigen Kurs des. tut völkischen Fahrwasser segelnden HochfchulringS abgerückt sind ,h>at der nach Pfingsten zusammengetretene Heidelberger Kartelltag des Bundes freier wissenschaftlicher Vereinigungen sich in einer einstimmig gefaßten Entschließung zu folgenden hochschulpoMischen Grundsätzen bekannt: „Der Bund bejaht grundsätzlich die Idee einer großdeutschen Studentenschaft vom kulturellen Standpunkt; er lehnt es ab, ein zweifelhaftes R ass ekriterrum höher zu stellen, als das Bekenntnis zum Deutschtum. Der Bund fordert. daher die Gleichstellung aller Studierenden deutsch österreichischer Staatszugchörigkert mit den Reichsdeutschen, die Mitivirkung des Rektorats als Berufungsinstanz bei der Auslese der übrigen Auslandsdeutschien und einen Aufbau der nicht reichsdeutschen, insbesondere der österreichischen Studentenschaften nach denselben Grund- ^tzen." Eisenbahnunglück io Marchtrenk. Die Generalidivektion der Oesterreichsichen Bundesbahnen keilt mit: Gestern um 19 Uhr 28 fuhr der Expreßzug 130 im Bahnhöfe von M a r ch 1 r e >n >k infolge vorzeitiger Freigabe >d-es Einfahrtssignals an den Verschubteil des GüterzugeS 860 an. Der Expreßzug konnte durch die Geistesgegenwart des Lokomotivführers zum Langsamfahren gebracht werden, wodurch ein größeres Unglück verhindert wurde. Eine Reisende, Frau Cäcibie K o l m a s aus N e w Orleans, auf der Reise von Paris nach Bukarest befindlich, wurde leicht verletzt. 16 Wagen wurden stark beschädigt. Infolge der rasch durchgefü'hrten Rüumungsarbeiten konnte abends der Verkehr wieder ausgenommen werden. Mord an dem Snkellind. Selbstmord des Täters. Der MetaWchleffer August K r o n e i s hat iin der Nacht zum Sonntag Selbstmord durch Einatmen von Leuchtgas begangen und dabei sein bei Hm wohnhaftes 13jähriges EnteMnd, den Bürgerschüler Hermann Fischer, in den Tod mitgenommen. Der Mann hatte seit einiger Zeit Beziehungen zu einer 30jährigen Kassierin unterhalten und wollte sie auch, da seine Frau gelahmt war und Hm die Wirtschaft nicht, mehr sichren konnte, heiraten. Da sich seiner Scheidung jedoch Hindernisse in den Weg stellten, hat er die Tat begangen. Unerfindlich ist nur, ivarmn er sein Enkelkind getötet hat. Der Mann war betrunken und düvste vielleicht in seinem Rausche gar nicht daran gedacht haben, daß -durch das ausströmende Leuchtgas auch der kleine Hermann getötet werden könnte. An Kindeimord ln Margarete«. Die 26jährige Stratzenkohrersgattin Christine Brtter wurde gestern unter dem Verdachte des Kindes-. movdes verhaftet. Sie hatte mit dem Markör Wilhelm Petzlikowskh ein BerMtnis unterhalten, 'das nicht ohne Fobgen blieb. Aus Furcht vor dem Gatten hat sie sich von einer Hebamme in Meidling einen verbotenen Eingriff rnachen lassen und am darauffolgenden Tage eine Frühgeburt zur Weilt gebracht. Petzlikawsth gibt an, daß das Kind j gelebt habe, angeblich jedoch nicht lebensfähig war, so daß es die Frau-, nachdem sie es notgetaust hatte, zunächst in ein Hemd wickelte und es mit einem Polster erstickte. Sodann habe sie das augenscheinlich noch lebende Kind in das Feuer des Küchenherdes geworfen und es verbrannt. Bei der Polizei gab die Frau an, daß das Kind schon tot und erkaltet war, als sie es in den Ofen geworfen hatte. Petzlikowsky habe von Hr, seit sie ihm das Geständnis abgelegt habe, wiederholt Geldbeträge erpreßt. Aus Rache habe Petzlikdwffy gegen, die Geliebte die Anzeige erstattet. Beide wurden dem Landesgerichtc eingeliefert. Totschlag l« Meidling. SamStag, nachts wurde im Gasthause Konrath in der BeNdlgasfe eine kleine Feier abgehalten, die Anlaß zu einer blutigen! Rauferei gab. Zwischen dem in dem Gastzimmer zechenden Hilfsarbeiter Robert Prikil und der ein Fest feiernden Gesellschaft entstand eine wüste Schlägerei, die sich noch auf. der Gasse fortsetzte. Plötzlich stürzte der 22jährige Hilfsarbeiter Franz Christ mit einer Stichwunde in der Brust lautlos zusammen. Er starb, ehe die Rettungsgesellschaft ihm Hilfe leisten konnte, an einem Herzstich. der tödliche Stich von P r i k r i l geführt worden war. Die Polizei verhaftete ihn in seinem Hause und toollte ihn aus die Wachstube bringen. Die Menge, die inzwischen von der Bluttat erfahren hatte, machte jedoch Miene, den Täter der Polizeieskorte zu entreißen, um ihn zu lynchen. Die Wache nrußte wiederholt den Säbel ziehen und mit blanker Waffe die Leute zurücktreiben, um Ijltifril zu schützen. Auf der Wach stubc verantwortete sich Prikril, der zwar alkoholisiert,, aber vollkommen zurechnungsfähig war, mit Notwehr. Prikril ist bereits im Jahre 1912 wegen Totschlages mit vif" Jahren Kerker bestraft worden. Wien, 13. Juni. Tödlicher Tourist« nabfturz. Der 18jährige Gewerbeschüler Leo Eder, 14. Bcz., Stiegeraasse wohnhaft, ist gestern früh von einem Kamin des Peusteins ävaestürzt und mit eurer schweren Kopfwunde liegen geblieben. Während des Transportes zum Schutzhaus ist er gestorben. Die Ursache des Absturzes soll mangelhafte Klettertechnik sein. Verband der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden. Morgen Dienstag M a s s e n v e r f a m in t tt n g im Kluölokal im Cafe Palast, 7. Bez., Mariahilferstr-aßc 99. Sprechen werden: A. M. Ehrlich, Ignatz Szerelh und Dr. Israel Waldmann. Die Polizei stellte fest, daß laaBBaaaaäaHBBaaaBBaBBBBBaaaBBa aaaaaaaa«aaaaaaaaaWaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa«aaaa Der Sohn des Moses Mautner Ein Wiener Roman von Leopold Hichler. Copyright 1997 by R . LSwit Verlag, Wien — Leipzig „Für dehß allahn ghört erner scho a Fotzen!" dachte ein älterer Herr, der — wie eine Insel aus der guten alten, Zeit — inmitten stutzerhaft gekleideter Herren und eleganter Damen saß. — Er dachte es nur, denn Mt-Men ist gemütlich, verletzt nicht und — trinkt. So tat auch Herr Sirowy. — Sein Aeußeres — man konnte es nicht geradehübsch nennen: Das Gesicht war rosig gefärbt, aber die Nase, vielmehr deren «rbsensärmiger Fortsatz, schimmerte schon ein wenig ins. Bläuliche. Seine kurzen Beine — sie glichen fetten Schinken — umhüllte eine Pepita-Hose und und dm kurzen gedrungenen Oberkörper ein Sammetrock. Herr Sirowch hob wieder einmal sein Glas, als Herr Lechner, der Heurigenschenker,' zu seinem Tische kam Und — auf den Wein'deutend — bemerkte : „Dehß is a Neucher, Herr Sirowy!" — „Ja, ja." — „Schmeckt er Jhner, Herr Sirowy?" Ein wenig Angst tönte in der Frage, denn das Urteil des Weinbeißers ist gefürchtet. — Sirowy erwiderte nach einer Pause: „Er is ncht schlecht; aber..." blinzelnd sah er den. Heurigenschenker an, ob er die Kritik wagen dürfe. „Aber wissen S': Miv is er z'leicht!" — „Da lassen S' Jhner mein Guldenwein geben!" rief der Wirt. „Der is stark gnühr!" — „Was sagen S', Herr Lechner!" ries Sirowy erstaunt und entrüstet. „Was sagen S'? AIhrr Gulden a Liter Wein!? Ja mahnen S'" und er lehnte sich zurück und breitete vor Entrüstung die Arme aus. „Ja, mahnen S':.ih bin aus'u Rothschild seiner Freundschaft!?" — „Wann S' a Qualität Ham wolln!" rief Herr Lechner unbeirrt, „dann...! Aber ih wer Jhner was sagen/" Er beugte sich zu den: mächtigen Haupte Sirowys herab und flüsterte : „Jhner. is der Wein z'teier! —Aber wissen. S', nnhrs. den Kameraden dun erm in Gumpoldskirchen verkaufen?!" Er. wartete die Frage nach dem Preis gar nicht ab, sondern rief erregt, fast krächzend, um das Ungeheuerliche hervorzuheben: „Drei Kronen den Liter! Drei Kronen den Liter! Drei Kronen! Und niemer..." er klopfte an seine Brust, als wäre diese der Quell des Weines gewesen. „Meiner! Is besser gravten!" — Dann blickte er im Kreis' herum, denn die letzten lauten Worte hatten einige (58. Fortsetzung.. Mlt-Wiewer #um Tisch gelockt. Sie standen um den Wirt und blickten erstaunt. Das gleiche tat Herr Sirowy; aber seinem Blick war ein tvenig Mißtrauen beigemengt. Gr schwieg und dann — es dauerte eine Weite —- entstiegen feiner Brust zögernd die Worte: „Gebn S' ma a Viertel von dem Guldenwein!"- Herr Lechner eilte selbst in den Keller und brachte das verlangte Viertel. — Sirowy hob das Glas — als wolle mau ihm einen falschen Diamanten äufbi-nden — prüfend gegen das Licht, dann trank er langsam und bedächtig einen Schluck, ließ diesen wie ein Vanilleeis — auf der Zunge zergehen und — schnalzte. Leise, kaum vernehmlich. — Der kleine Kreis der Wt-Wiener: Ein paar Herren vom „Grund", der Wirt, die Kellnerin — alle standen Nm Sirowy und harrten seines Urteils. Herr Sirowy fühlte seine Bedeutung, lehnte sich ein wenig zurück-' und sprach die geflügelten Worte: „Gr geht an." — — Herr Lechner schmunzelte hochbeglückt und wendete sich dann zwei neuen Gästen zu, die eben Platz genommen, hatten: „D'Ehre, meine. Herren! — HaLndehre! Mas is angenehm?" — iAits die Bereit Herren — Gustav - und Dr. Lederer :— bestellt hatten, verließ der Wirt das Zimmer. — Da erhob sich an einem Nebentische ein Herr; auf seinem Haupte richte die Kappe eines städtischen Mmtsdieners; diesem Herrn hatte das frühere Urteil Sirowys nicht behagt. — Er ging zü dem Tisch', an dem Sirowy saß und rief: „Qchß laßts Euch alle von dem G'flickten — damit meinte er beit blattermrarbrgen Wirt — „umern Dahm drahn!" — ,Miieso denn?" fragte Sirowy. „Weil's.Wurzen seid's! Beim Tiornec drüben — was kriegts da für ahn Wein!" — Sirowy würdigte den Nörgler keines Wortes, aber einer dev Herren vvm Grund' — der jetzt neben. Sirowy saß — Herr Küntner — erwiderte : „Gengerns Cepek!" so hieß der Amtsdiener. ,-,Hö- 'ren S' Mir mit dem Domftc auf! — Vuvigs Jahr «int Hirbst, den sei Most: Ncchn. Ih dank schönt" (Fortsetzung folgt.) .. CX3GOOOOOOOOOOOOOOOOOOPOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO 3000^xxxxx)00000000c500000000000 Dar jüdische Sportfest in Prag. Große Erfolge Ser Wiener Hakoah. — Ser Wische Verband Sefterreichs gewinnt das Fußballmatch. Unter lebhafter Anteilnahme der jüdischen Bevölkerung und großer sportlicher Beteiligung fand gestern auf dem Hagibor-Platz in Prag das jüdische Sportfest statt, das den Veranstaltern einen großen moralischen Erfolg brachte. Der jüdische Sport schnitt sehr gut ab. Die Prager jüdische Hockey-Mannschaft spielte gegen das Naüonaltpam der Tschechoslowakei 1:1 (0:1). Im Fußball, fi egte die jüdische Auswahlmannschaft Oesterreichs gegen .die jüdisch« Auswahlelf 'der Tschechoslowakei 3:0 (0:0). Der Kampf verlief sehr sp a n ne n d und bmchte gute Leistungen. Vor der Pause ivaren die Mannschaften einander gleichwertig, dann gelangen den Gästen zwei Treffer. Der Hakoahner Fuß schoß das erste Goal, dann fand ein scharfeer Schuß desselben Spielers den Weg ins Netz. Die tüchtige Verteidigung Oesterreichs verhinderte jeden Erfolg des B.ruderteams. Elb sehr guter Schiedsrichter rvar Herr Kriltek. 4000 Zuschauer, darunter hervorragende Persönlichkeiten des Landes, wchnten der Beranstält-nng bei. Die leichtathletischen Bewerbe brachten folgende Ergebnisse: 100-Meter-Lausen, Zöglinge: Deutscher (Wien), IID Sek.; 100-Meter-Lausen: Borat (Prag), 11.7 SÄ.; Kugelstoßen, Zöglinge: Freund (Prag), 11.30 Meter; Kugelstoßen: Klempner (Prag), 11.50 Meter, Dr. Fried mann (Wien), 10.84 Meter; 15S»Meter-Lausen: Bledy (Wien), 4:21; 400-Meter-Lansen: Bergmann (Berlin), 54.2 Sek.; Diskuswerfen: Bix (Prag), 31.06 Meter; 4X100 Staffel: Hakoah (Wien), 46.05 Sek.; Laufen 1000 Meter, Zöglinge: Spielmann (Wien), 2:40.3; Hochsprung: Bobor (Wien), 1.70 Meter; Weitsprung, Zöglinge: Kammerli^ (Leipzig), 5.94 Meter; 4X100 Meter, Zöglinge: Hakoah (Wien), 40.5 Sek.; Laufen 3000 Meter: Bledy (Men), 9:87; WeitisPvU'Ng: Hübsch, 6.40 Meter; Schwedenstaffel: Bar Kochba (Berlin), 2:10.8. Der Finne Ka tz (Bar Kochba, Berlin) tvar nicht angetreten. W5HH5ÜT , 4-, 4419