Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2978 (13.6.1927)
- Date
- 1927-06-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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*'; ::W'^ ■; vüe» ■ - < V. - ^s*»- UM Preis 20 M Redaktion, Administration: Wien, II.,Taborstr.l Telephon 44-0-88, 48-3-19 Telephon ab 6 Ohr abends 38-5-80 Serie, ab Va9 Ohr abends 38-5-83. Wiener Druckerei: VII., Lerchenfelderstraße 1 („lnva“) Preise *• Wien und Oesterreich durch Post oder Verschleißstellen monatl. 6 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Innern des Blattes. Morgemeilmlg ^Besuchen Sie 9totel Continental Wien, 11, ‘Ptcdetslpaße 2 ndchti SchMedenbtäake ▼ Zenitale Hage / Koaaforiables Hotel / Katteehaas and Hetleatanl I Schönet, giaabiteiet, schattiger ff grien / Mäßige Pteiee Nr. 2978 Wien. Montag, 18. Sn« »27 <18. Siwa« 8887). 8. Jahrgang Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Ser zionistische Provinzdelegiertentas in Gr«. Die Beratungen ides Zionistischen Prov inzidolegiertentages in Graz nmrben vor einem sehr starken und lebhaft interessierten Auditorium durch geführt. Die Referate waren gründlich vordereitet. Das Meeting am Samstag abcnds war außerordentlich gut besucht. Es sprach zunächst Herr D r. R o t hblu m, der ausführte, daß in jeder revolutionären Bewegung sich Krisen zeigen, die überwunden Werdern müssen. Es sei an gezeigt, dem Pessimismus zu entsagen und auif das Positive hinzuweisen, das der Zionismus in Palästina und in der Diaspora geleistet hat.^ Herr Dr. Löwenherz galb einen instruktiven Ueb erblick Mer die Tätigkeit der zionistischen Fraktion in der Wiener Kultusgemeinde. Am Sonntag vormittag begann die Tagung im Saale der Grazer Kultusgemeinde; die Delegierten waren in großer Anzahl erschienen. In das Präsidium wurden gewählt: Herr Dr. Robert Sonnenwald, Präsident der Grazer KuNuKgemein.de, als Borsitzender, Herr Kamillo Schiller (Linz) und Frau Dora S ch w g r z. (Salzburg) als Stellvertreter, Herr Paul Stein (Wien) und Frl. Wechsler (Graz) als Schriftführer. Auf Antrag des Herrn Oberlehrer Steiner (Graz) wurde die Tagesordnung in der Weise eingestellt, daß zunächst die drei Referate Karl Schwarz über Landespolitik, Kamillo Schiller über Organisation der Provinz und Dr. Sonnen waldMer Mfgaben der Mltusgemeinden erstattet wurden. Herr Schwarz besprach ausführlich die Frage der innerpolitischen Arbeit, die er in.positivem Sinn behandeN, und durch die zionistische Organisation, nicht durch eine gesonderte Organisation geführt wissen will. Das Referat Dr. Sonnenwald war eine ausgezeichnete und historisch fundierte politische Darstellung. Er schilderte die Entwicklung, die aus der Gemeinde, die ursprünglich eine rein nationale gewesen ist, sukzessive eine Kultur gemeinde gemacht hat. Diese Entwicklung hat mit dem Tolera nz cd i kt begonnen und an der Hand der verschiedenen Patente, Erlässe und Gesetze zeigte der Referent, wie das nationale Ele m en t eliminiert wurde und an seine Stelle durch die liberale Assimilation das konfessionelle Moment in den Vordergrund gerückt wurde. Er hob schließlich hervor, welche Llufgaben die Kultusgenleinde aus dem Gebieten der Jugenderziehung, der wirtschaft- Kchen Fragen, der Verbreitung der hebräischen Sprache zu leisten habe und die sie auch erfüllen könne. Bei dem gemeinsamen Mittagessen wurden die .Delegierten von dem Tempelvorstand, Herrn Seliger, einem Vertreter der nichtziouistischen Wirtschuftspartei, begrüßt. Er erklärte, daß auf jüdischem Gebiet immer ein Zusammenarbeiten möglich sei und wies darauf hin, daß durch die zionistische Arbeit neue Impulse in das .jüdische Leben getragen wurden. Es folgten Begrüßungsanfparchen der Herren Dr. Sonnenwald und Karl Schwarz. Präsident Dr. Goldhammer und Dr. Rothblum dankten.für den gasMchen Empsang. Am Nachmittag wurde die Debatte über die erstatteten Referate durchgeführt, worauf die Referate über die zionistischen Institutionen folgten. Sine Schwarzbarth-Debatte in der französischen Kammer. Paris, 10. Juni. (J.T.A.) In der heutigen Sitzung der französischen Kammer, in der über die kommunistische Propaganda in Frankreich debattiert wurde, behauptete Edouard Soulier (gemäßigter Republikaner), es bestünden Beweise, daß Schalom Schwarzbart, der den ukrainischen Ataman Petljura in Paris erschoß, Beziehungen zu Kommunisten unterhalten hat. Souliers Behauptung erregte einen Proteststurm, man rief nach Beweisen, doch blieb Sonlier die Antwort schuldig. Drei Stödte durch eine Wasserhose derwöftet Paris, 12. Jura. Wie die Blätter aus Buenos Aires melden, sind drei Städte im südlichen Chile durch eine Wasserhose verwüstet worden, wob« zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Ae krmordung des Sesandte« Wojkow. «ne nette Note Rußlands an Polen. Moskau, 12. Juni. In der heute dem polnischen Gesandten P a t e k überreichten Antwort auf die Note der polnischen Regierung vom 0. Juni nimmt die SowjetregierungmitBefriedigungvondemAusdruck des Bedauerns der polnischen Regierung anläßlich der Ermordung Wojkotvs Kenntnis, erklärt aber, diese nicht lediglich als imdivrd,Hellen Akt ornos Wachnsinn«gen anfehen zu können. Sie betrachte vielmehr diesen Mord als eine der Aeußerungen des systematischen Kampfes der dunklen Mächte der Weltreaktiorr und der Friedensgegner gegen die Sowjetunion. Sie besitze zahlreiche Be weise für die Duldsamkeitpolnischer Autoritäten gegenüber' den die Sowjetregierungbekämpfend enOrganisationen u n d P e r s o n e n, ja sogar für die direkte Unterstützung d e r. l e tz t e r e n in manchen Fällen. In der nächsten Zeit werde der polnischen Negierung einiges Material zu dieser Frage vorgelegt werden. Ferner sei sestgestellt, daß der Mörder polnischer Stnatswngehörrger sei. Die Sowjetregierung gibt ferner der Erwartung Ausdrucks daß die polnische Regierung alle nötigen Maßnahmen zur umfassenden Untersuchung der Angelegenheit, zur Fest-; stellung der Schuldigen und zur Aufdeckung aller Fäden hes Verbrechens sowie' zur raschen und strengen Bestrafung. der Schuldigen, insbesondere des direkten physischen Mörders treffen werde. ' Außerdem erwarte sie, daß die polnische Regierung Drittens fordere die Sowjet-regierung, daß die polnische Regierung die die Sowjetregierung bekämpfenden Organisationen und Personen zur Einstellung ihrer Tätigkeit auf polnischem Gebiete zwingen und sie aus Polen aus weisen werde. Die Sowjetregierung erwarte, daß die polnische Regierung ihr ohne Zögern die entsprechenden Mitteilungen darüber mackn' werde. Ae Beftattnng Wojkow». Moskau, 12. Juni. Der Sarg mit den sterblichen lieberresten W o j k o w s wurde nach dem Eintreffen des von einer militärischen Ehreneskorte begleiteten Trauerzuges auf dem Roten Platz auf einem Postament gegenüber dem Lenin-Mausoleum ausgestellt. Vertreter der Regierung, der kommunistischen Partei und der Gewerkschaften hielten Trauerreden, worauf der Sarg von Rykow, Bucharin und Litwlinolv und anderen Persönlichkeiten zum Bestattungsor-t an der Kremlmauer getragen wurde. In dem Augenblicke, wo der Sarg in die Gruft versank, gaben die Geschütze S-al u tschttsse ab. Attentat sese« eine« EowjetfShrek. ernen Vertreter der Sowjetregrerurrg zur TMnkhrne am Nntorsttchungsver fahren tu diesem Prozeß zulassen werde. Wladimir Turow getötet. Berlin^ 13. Juni. Nach oinam Moskauer TsVe» gvmnur »er „Montqgspost" ist gvM eine führende Hersönlichkeii der Sowjetregtatzuug abermals eön Attentat osirübt wortzan. In Dr Nühö von Moskau, in dem Orte B itza, würbe von noch rnrlent- .dekülien Tätern tos Mitglied her, koummnistischeu .Akadrwse, Wladimir Turow, getötet. Turow war ßm Jah'vs 1923 stellvortrotsnder Vorsitzemde«! der russischen Hanlöolsdsttgation in Berlin. Nahrse Eiyzelhovijen über das Attentat stWn mH. Sie Borsünae an der Wiener Universitöt. Lvgitnnrrtionszwang. Die Ausgänge zur Universität waren heute früh von Polizei besetzt. Es ist nur ein kleines Tor offen. Die in> die Universität eintretenden Personen muffen sich legitimieren. Der Aufsichtsz-lvang wird sehr streng durch zwei Pedellen gehaudhabt, die in der Tür Ausstellung genommen haben. Landet hinter den Barrikaden. Zusammenstöße zwischen Royaliston imd Polizisten. Paris, 12. Juni. Leon Daudet befindet sich noch immer hinter' den Barrikaden in dem Redaktionsgebäude der „Action francaffe". Gestern ist es zu Zusammenstößen zwischen den Anhängern Daudets und der Pvlizei gekommen. Als die Polizei versuchte, einen ziemlich lauten Schreier zu.verhaften,.stürzten sich plötzlich aus dem Hause mehrere Camelots auf dieWache und bewarfen sie mit Steine n. Die Polizei verhaftete daraufhin sowohl den Schreier wie auch sechs weitere Ruhestörer. Bei den Zusammenstößen wurden sieben Polizisten, davon einer schwer, verletzt. Nachdem die Ruhe wieder hergestellt worden war, erschien Daudet am Balkon des ersten Stockwerkes und warf seinen Anhängern Blumen und Kußhände zu. Panarabische Knltnrkonserenr in Zernfalem. In kurzer Zeit wird in Jerusalem die erste panarabische Kulturkonferenz unter Teilnahme von Vertretern arabischer Unterrichtsanstalten, literarischer Gesellschaften und arabischer Schriftsteller aus den Ländern des Orients stattfinden. Arabische Schriftsteller und Politiker haben diese Konferenz angeregt mit dem Ziele, das'Kulturleben de« arabischen Völker des mittleren Ostens zu beleben. f In Jerusalem und in Jaffa haben sich arabische Jugtzndlonntees gebildet, die die Abhaltung einer Konferenz der arc» bischen Jugend Palästinas vorberkiten. RnshashM und Hnffeini schließen Frieden. Jerusalem, 10. Juni. (I. T. A.) Wie verlautet, steht eine Aussöhnung zwischen der von der Nashashibi-Faurilio ge«, führten gemäßigten und der Von den Hnsseinis geführten nationaUstischerr arabischen Richtung bevor. Die beiden Gruppen, dir sich aus Anlaß der Wahlen in Jerusalem und in anderen Orten scharf bekämpften, sollen aus Anlaß der bevorstehenden Wahlen zu dem Supreme Moslem Sharia Council, der obersten moslemitischen Behörde, Frieden schließen. Dies? Behörde besteht aus einem Präsidenten und vier Räten. Sin Station In Stallen. vereitelter Sefangenenanrbruch ans dem Sofioter SenttaloetSngnls. Sofia, 12. Juni. Die Polizei ist einem wohlvorbereüetsn Plan für einen AuSvrnch aus dem Zentral!- gefängnis im letzten Augenblick auf die Spur gekommen. Die Gefangenen, die einige Aussichtsorgane für sich gewonnen hatten, hatten bereits einen 36 Meter lange« unterirdischen Kanal gegraben, durch den sie entfliehen wollten. Mehrer« Personen wurden verhaftet. Grvhe BerwüstmWe«. — Riesig>ir Schäden Mailand, 13. Jmri. In d«em gwische-n Mailand «und Traditgllio gÄegsnan frarchtbaren Gsbiet von Eafsa n o an der Adda hat ein Z y kk o>n unaibs'chlhvr'e'n Schaden angvrichtelt. Bssanbers schwer 'haben einige jFablviken der Gegend gelitten, die ihren B o t r i e b e i rp ist e l il e n mußden. 20 Personen wurden verletzt «nid ins Krankenhaus gebmcht. ' Tie Ränmumgsarbeiten nahmen die ^gantze Nacht in .AinPprnch. Der dürchgehenido Berbchr Mailand — Ä e n e b i g konnte wieder hevgestellt werden. Zahlreiche Vlillen wurden avgebeckt, Gärtsrr und ParV vernichtet. Längst 'des M«M-Kanals sind etwa zehn in Bau befindliche Häuser, darunter ein Kurhaus, eingestüWt, Der vom Sturm angerichtete Schaden geht in die Millionen. ‘ V- 9. I I, ’ fV'.L, PX ■ i ¥-■