Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2977 (12.6.1927)
- Date
- 1927-06-12
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Gekk 8 M-en, Srmn4acs Wiener MorgenzettrMd 1L. Jun-i 1927 Nr. 3977 ■JJ JÜDISCHE WEM | üü Hundert Fahre nach der Bertreibnng. Tie Madrider „Gaccta Ltteraria" veröffentlichte ..r kurzem einen Artikel des UnivrrsitatsprofessorS AmLrico Castro, in welchem wieder einmal die Repatriierung de r spaniolischcn Juden propagiert wird. In dem in der „Schweizer Neuen Rundschau" in UeVersetzung erschienenen Artikel druckt Castro einen im Archiv des Herzogs von Alba anfbewahrten Brief ab, den einer der vertriebenen Juden, David Ebron, am 9. Oktober 1597, also etwa hundert Jahre nach der Vertreibung der Inden atks Spanten, an König Philipp III gerichtet hatte. In dem Schreiben heißt cs u. a.: , „Und möchte es Gottes Wille sein, daß in Euren Reichen, Herr, die Juden also leben könnten, wie der Papst cs ihnen vergönnt in Rom und in Venedig, in Mailand und in Neapel, in ganz Apulien, in Ragusa und Florenz, Pisa, Ferrara, Mantua, wie im übrigen Italien; und das; jene aus Konstantinopel und auS dem Berberland ungeschoren durch Eure Reiche sicher dürsten wandern und leben wie die andern; dann, Herr, müßte ich nicht Euren Dienst verlassen. Und wäre dem also, so würden Eure Länder gedeihen an Reichtum und Uebcrfluß jeglichen Gutes, denn weshalb sollte Eure Majestät nicht eben das genießen, rvas andern in Fülle zuteil wird? Gäbe es Juden in Spanien, so gäbe es viele Gebete, von denen einige sicher den Himmel erreichten; denn die Juden beten zu Gott, sie bitten und stehen für einen König, der ihnen Gutes tnt und sie huldvoll und barmherzig aufnimmt in seinem Reich, denn wahrlich, Gott erhält und ernährt jedwedes lebende Wesen hie nie den und sollte gerade diese seine Geschöpfe vergessen und keines ihrer Gebete erhören?" Castro Mt der spanischen Regierung vor, sie habe nichts unternommen, um die spanischen Juden in die alte Heimat zurückzubringen und schließt seine Ausführungen: „Alle diese Juden, die heute in der weiten Welt leben, sind ein lebendiger Beweis für die Sorglosigkeit u nd R o h e i t ohnegleichen des spanischen Staates, der nie nur daran gedacht hätte, ihnen ein Zeichen der Freundschaft zu geben, ihnen zu einer Schule im Orient zu verhelfen oder ihnen ein Anerbieten irgendwelcher Art zu unterbreiten, das geeignet gewesen wäre, das Gefühl der Zusammengehörigkeit (mit Spanien), der gemeinsamen Tradition in ihnen wachzurufen... Was wir vor vierhundert Jahren durch brutalen Fanatismus einge'büßt, das verderben wir heute wieder durch die unverantwortliche Sorglosigkeit, die unser Handeln rn solchen Fragen auszeichnet." Fortdauer der jüdischen kinwand erung nach Kanada. Zu unserer vor einigen Tagen gebrachten Meldung, daß die kanadische Regierung die Erteilung von Einreisebewilligungen für Auswanderer aus Polen eingestellt habe, wird uns aus Danzig geschrieben: Diese Aussperrung bezieht sich ausschließlich auf Landarbeiter, die infolge der großen Ueberschwemmungen in Kanada keine Arbeit finden könnten. Hingegen wird jüdischen Auswanderern, welche zu ihren in Kanada lebenden Verwandten emigrieren und im Besitze von Einwanderungsbeivilligungen sind, bei ihrer Einreise fetncrlci Schwierigkeit bereitet. Gegen de» Numerus rlaufus iu Pole». Aus Warschau wird uns berichtet: In Ver letzten Sitzung dev von der Regierung eingesetzten S a ch ve r st änd ig enkommt ssian lfür die Minderheitsstagen erstattete Dr. Heinrich LewenberZ den Bericht über den Verlauf der letzten Tagung der Union der Bölkerbundligen in Berlin. Einen großen Teil der Kommissionsbercrtung füllte die Debatte über die Frage des' praktischen Numerus clausus an den polnischen Hochschulen. Das Gutachten der Sachverständigenkommission geht dahin, daß bei Aufnahme von Studierenden in höhere Lehranstalten die Religion oder Nationalität des Studenten keinen Einfluß üben dürfe und daß eine in diesem Sinn: zu erlassende Verordnung in der Form, und zwar rechtzeitig, so gefaßt sein müsse, daß ihre Anwendung bei den Inskriptionen für das Schuljahr 1927^23 ohne Hindernis erfolgen könne. Muffollul über de« «utisemktirmus. Wie seinerzeit berichtet wurde, hat Prvf. Dr. David Prato die Berufung zum Oberrabbirrer von Alexandrien in Aegypten! angenommen. Vor seiner Abreise wurde Prof. Prato, cingeführt vom Oberrabbiner von Rom Dr. Sakerdoti, vom Regierungschef Mussolini in Mschiedsaudienz empfangen. Im Verlaufe der Unterredung erzählte Mussolini, daß er den einlaufenden diplomatischen Berichten die für ihn wichtige Feststellung entnehme, daß die im Orient lebenden italienischen Jude n ihre Staatstreue zu Italien bewahrt haben. Anknüpfend hieran lenkte Prof.« Prato die Aufmerksamkeit des Ministerpräsidenten auf die in den Kreisen der italienischen Inden in Aegypten herrschende Meinung, das das gegenwärtige Regime in Italien den Antisemitismus begünstige und fördere. Mussolini ersuchte die beiden Oberrabbiner in jctttem Namen ö ffentlich zu erklären, daß das von ihm inaugurierte Regime antisemitische Umtriebe unter keinen Umstünden dulden wird. Er habe diese Gerüchte, als sie in Umlauf gebracht wurde», wiederholt mit aller Entschiedenheit dementiert. Die Geschichte der letzten Jahre hat übrigens bewiesen, daß diese Gerüchte aus der Luft gegriffen sind. Wer alle möglichen HfldtMjsfcirc, vurchzemacht hat und trotz großer biättscher Entbehrungen keine Gewichtsabnahme erzielen konnte, versuche Dr. HoffbauerS Entfettungötabletteu, dievor allem keine Aenderung der gewohnten Lebensweise verlangen und in kürzester Zeit Gewichtsverminderung bewirken. — Depot: Apotheke H. Bayer, Wollzeile Nr. 13 Segen die Mischehen in England. * Aus London wird uns geschrieben: In der letzten Zeit häufen sich die Fälle, daß reiche Juden in ihre Testamente eine Klausel gegen die Taufen und M i s che h e u ihrer erbberechtigten Familienmitglieder anfnehmen. Bor einigen Tagen wurde das Testament des vor kurzem verstorbenen Großkaufmannes Nataniel Sinai Lyon veröffentlicht, der letztwillig gleichfalls alle Mitglieder seiner Familie, die das Judentum verlassen, oder eine Mischehe cingegangen sind,, oder in Zukunft eingehen sollten, von dem Genuß dev Erbschaft äüsschließt. Interessant ist die Begründung dieser Bestimmung im Testament. „Bei aller Hochachtung für Personen der verschiedenen Religionen" — schreibt Lyon — „zu denen manche meiner besten Freunde gehören, halte ich Mischehen für einen ungeheuren Fehler und die d a u e r tt d e Q u e l l e v o n At i ß Helligkeiten iu der Familie. Deshalb bestimme ich ausdrücklich, daß keine Person, die außerhalb des Judentums geboren ist oder eine Ehe mit Personen eingeht, deren Eltern nicht im Judentum geboren wurden, einen Genuß von meiner Hinterlassenschaft haben sollen. Ich wünsche, daß meine Kinder einander stets hilfreich beistehen, ein arbeitsames, ehrenhaftes und nüchternes Leben führen und stets daran denken werden, den guten Namen des Engländers und des Juden zu wahren." Set rumänische orthodoxe Patriarch iu Jerusalem. Der Patriarch der orthodoxen Staatskirche in Rumänien, Dr. Miron Kistia, ist zum Besuch Palästinas am 30. Mai in Jerusalem eingetroffen. Auf der Bahnstation wurde er u. a. auch namens der Zionistischen Palästina-Exekutive von deren politischen Vertreter Naamani begrüßt. Der Patriach besuchte in Begleitung von Kalwarisky die transsylvanische Kolonie Gideon, wo unter Beteiligung der Vertreter der rumänischen Keren- Hajessod-Siedlung Kfar Baruch eine Begrüßung stattfaud. Der Patriach verweilte über eine Stunde in der Kolonie und gab der Siedlung beim Abschied seinen Segen. Nach seiner Rückkehr nach Jerusalem gab er Vertretern der Exekutive gegenüber seinem Interesse für die zionistische Arbeit Ausdruck und erklärte, einen tiefen Eindruck von der großen jüdischen Ausbautätigkeit empfangen zu haben. - SIEGM. KORNHEHL | GROSSFLEISCHHAUEREI < 2 Zentrale: IX., Bezirk, Berggasse 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 J Lieferant für Heilanstalten Abteilung für ^^S-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kultusgemeitide Wien IX., Berggasse 15 XVIII., Wöhringerstraße 97 Ser Beitrag des Joint für Palästina. Das .Joint Distribution Committee hat, wie „Jcwish Chronicle" berichtet, von Ende 1925 bis 1. April 1927 in 14 Ländern insgesamt 6,197.395 Dollar ausgegeben. Davon entfiele unter anderem 3,132.027 Dollar auf Rußland, 1,600.000 Dollw auf Polen und 455.745 Dollar auf Palästina. Herma» Sonhrims Bermüchtnis. Ter vor kurzem in New York verstorbene Schatzmeister des United Palcstiire Appeal, Herrnan Conhcim, hinterließ 10.000 Dollar für den Jüdischen Nationalfonds, 6000 Dollar für die hebräische Universität, sowie kleinere Sumnien für verschiedene andere jüdische Institutionen. Der Jerusalemer D! a fr tonal b i b l i o t he k fällt die ganze Bibliothek sowie der vX*r<ö' aus dem Verkauf seiner Hauseinrichtung §.i. Sie Volkszählung in KlauseuSurg. Wie bereits berichtet, wird auch in Klauseuburg, wie in anderen rumänischen Städten, die vcc kurzem vorgenommene Volkszählung von neuem durchgeführt werden müssen. Es hat sich nämlich -herausgestellt, das; die Bewohner von 130 Gassen der Beamtenkolonie überhaupt nicht in die Zählung einbezogen wunden, ferner, daß ein Teil der Zähibogen von Unbefugten a u s g c f ü l l t wurden. Nach der üurchgeführten Zählung soll Klauseuburg insgesamt 07.000 Bewohner haben, von denen 11.300 Juden, 42.000 Magyaren. 31.000 Rumänen und etwa 3009 anderer Nationalität sind. Ich weint', als meine erste Frau entschlief, Und auch, als meine zweite fort mir lief. Doch von der Dritten bin ich selbst gern forigerannt Denn dieses Weib hat Huber-Essig nicht gekannt. Ueberall erhältlich. Zum Tode des Senators Polacco. Aus N o m wird uns berichtet: Der vor kurzem verjiorbene Senator Bu'.orio P ol a c c o hatte mehrere Ehrenstellen bekleidet, seinen Stolz aber bildete es, daß er zum Ehrenpräsidenten der ihm gegründeten Mischen Schulstiftung in Rom gewählt wurde. Die indische Schule iu Rom gehört heute zu den^ bestgeleiteten jüdisch:!'. Lehranstaltcn. Die „Fondazione scolastica ebraiaa di Roma" beschloß nun, zur Ehrung des Andenkens ihres verstorrrn.ru. Ehreap'Rsidenten eine weitere Ausgestaltung ihrer Schule durch.^uführen und die Mittel hierzu durch Subsiriptioueu in ganz Jtaslien zu erlangen. In welch hohem Ansehen Senator Polaeco iu allen Kreisen gestanden hat, zeigt die Tatsache, dost der ialvcnisch: Kronprinz das Protektorat über die Aktion übernommen hat und dem Ehrenpräsidium mehrere Senatoren und hohe Politiker, so auch Senatspräsidcnt Triton i und Unter richtsminister F c d e I a angehören. Ehrung eines judenfreuiMjicheii Geistlichen. Wie uns aus Newhork berichtet wird, haben in B r o v k l y n die Vertreter aller in Amerika lebenden Nassen und Kvnsessionen sich zu einer Ehrung des Präsidenten des Verbandes der christlichen Kirchen in Amerika Dr. K a r m a n n vereinigt. Die Feier war der Ausdruck der Anerkennung für die unermüdliche Tätigkeit Dr. Karinanns, srennos.'östliche Beziehungen zwischen den verschiedenen Nassen und Religionen im Lande herbeizusührcn und zu erhalten. Die Juden von Brooklyn überreichten Dr. Karniarin seine Büste als besonderes Zeichen der Anerkennung seiner Haltung. Die jüdische Partei iu ver Tschechoslowakei hält am 16. Juni 1927 in Piestanh ihren diesjährigen Parteitag ab. Die Verhandlungen finden im Hotel Royal statt und begrünen 10 Uhr vormittags. Neue Hotels in Palästina. Einige große französis he Hoteliers hatten vor kurzem eine Besprechung mit dem bekannten amerikanischen Industriellen und Philanthropen Samuel Lamport, der sich auf seiner Rückreise aus Palästina in Paris aufhielt, über die Bildung einer Gesellschaft für den Bau von Hotels in Palästina. Major Goldsmiot hat diese Frage genau studiert und sich erboten, im September nach den Bereinigten Staaten zu gehen, um mit amerikanischen Kapitalisten wegen Ihrer Beteiligung an diesem Unternehmen zu verhandeln. — Ein neues modernes Hotel wurde in Haifa auf dem Karmelberg errichtet. Es bietet ein prachtvolles Panorama über Haifa, die Bucht von Akko und die Hügel Ga liläas. UM DIE . ZARTE SÄUGLINöSHAUT ZU SCHONEN MÄM'EÜR. AKiETBABWÄSCHE NUR LUX ÜD NIE OFFEN ■ w •^ßRGESTEBliT^WD@^i mm