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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-11 · Heft 2976 (11.6.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2976 (11.6.1927)
Date
1927-06-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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f Preis 20 g | Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon 44-0-38, 43-3-19 Telephon ab 6 Ohr abends 38-5-80 Serie, ab VaO Ohr abends 38-5-83. Druckerei:?ll., Lerchenfelderstraße 1 („lnra") Preise - Wien und Oesterreich durch Post oder Verschleißsteilen monatl. 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Innern des Blattes. Hk Morgenfeilung Wien, Samstag, 11. Jovi 1937 (11. Simon 3687). o I« HÖBELHAUI 3.WÜHL •V. SCHLEIFMÜHIGASIE Nt 3 TELEFON 55933 BEQUEME TEIL2AHLUNG1 9. Zahrgang Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Das altbewährte K. äftigungSmitiel für Körper und Nerven in allen Apotheken und. Drogerien in Packungen von 8 3'— an. Proben und Broschüren kostenlos durch Bauer & Sie., . Berlin SW 48. Friedrichstraße 231. Wüste Krawalle an der Wiener . Universität. Hakenkreuzler sprengen einen Bortrag. Für gestern abends war in dem kleinen Festsaal der Universität von den sozialdemokratischen Studenten eine Versammlung einberufen worden, in der ein Vortrag über das Thema „Der soziale Numerus clausus" gehalten werden sollte. Der Vortrag war als Gegenkundgebung gegen die in der Vorwoche in der Universität gehaltenen antisemitische Hetzrede des Robert Korber gedacht. Schon vor Beginn der Versammlung hatte eine große Anzahl von hakenkreuzlerischen Studenten den kleinen Festsaal besetzt. Als der Referent Tschad ek seinen Vortrag beginnen wollte, setzten die Hakenkreuzler mit Krawall ein. Sie riefest im Chorus: . ,Juden hinaus!" Dann sangen sie a n t i s e m i t i s ch e H e tz l i e d e r und dazwischen erhoben sie ein.Jndianergeheul. Die Aufforderung des Vorsitzenden B o y m a n n, Ruhe zu bewahre,: und den Vortrag nicht zu stören, verhallte nngehort. Die sozialistischen Studenten suchten den Lärm der Hakenkreuzler durch daS Absingen der Internationale zu übertönen. Schließlich kam es zu einem Handgemenge, in dessen Verlaufe die Hakenkreuzler aus dem Saale gedrängt wurden. Bei dieser Keilerei sollen zwei Sozialisten und ein Hakenkreuzler verletzt worden sein. Mittlerweile war das Rektorat von dem Tumult verständigt worden und ließ durch zwei Pedelle die weitere Abhaltung der Versammlung verbieten. Die Studenten begaben sich in die Aula, wo das Gejohle seine Fortsetzung fand. Die Hakenkreuzler sangen nationale Lieder urä> brüllten „Juden hinaus", während die Sozialisten das Lied der Arbeit und die Internationale sangen. Die Situation schien bedrohlich zu werden, da die Studenten wegen des heftig einsetzvnden Gewitterregens die. Aula nicht verlassen wollten. Nunmehr erschien Hofrat Professor W e ttst e i n in'der Aula und ermahnte die Anwesenden zur Ruhe. Er gab bekannt, daß .das Universitätsgebäude nur ausnahmsweise bis 8 Uhr geöffnet bleibe, um den Studenten vor den: Gewitter Schutz zu bieten. Der Diplomkaufmann Körber, der den Krawall wieder inszeniert zu haben scheint, hatte sich, als der Tumult feinen Höhepunkt erreicht hatte, geräuschlos entfernt. Erst als das Gewitter zu Ende war, leerte sich langsam die Aula. Die Krawalle setzen sich auch ans der Rampe kort. Die Studenten, die vielfach auch durch nichtstuden- ^tsche Elemente verstärkt waren, hieben aufeinander mit Stöcken los. Es gab zahlreiche Verletzte, so daß die Rettungsgesellschaft in,mehreren Fällen intervenieren mußte. Da die Krawallszenen immer ärger lvUrden, sah sich schließlich die Polizei zu einem Einschreiten genötigt. Die Rampe wurde geräumt und hiebei mehrere Verhaftungen vorgenommen. Erst gegen 11 Uhr nachts trat Ruhe ein, die Polizei aber hielt noch bis Mittemacht die Rampe besetzt. Ae Untersuchung in Warschau. Reue Berhasinngen. — Kein belastender Material gefnnden. Warschau, 10. Juni. Die Verhaftungen unter den in Polen lebenden russischen Monarchisten dauern an. Wie die Blätter melden, soll bisher noch kein belastendes Material gefunden worden sein, so daß viele der Verhafteten w i eder auf freien Fuß gesetzt werden mußten. Gerüchtweise verlautet, daß sich unter den Verhafteten der russische Journalist Kelnitsch, der Vertreter des ehemaligen Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch, Rechtsanwalt Gorlow, ferner die ehemaligen russischen Generäle Viktors w und Maxim owski, sowie der Redakteur des Wiluaer russischen Organes Jakowlew befinden. Die UeberWrung des ermordeten Gesandten. Warschau, 10. Juni. Heute vormittags jouvde die Leiche des Sowjetgesandten W o j k o w vom Gebäude der Sowjetgesandtschaft, in der sich der Chef der Zivilkanzlei des Präsidenten, D z i e c i o I o w s k i, Vizepräsident B a rt e l, zahlreiche andere Vertreter der Zivil- und Militärbehörden und das diplomatische Korps mit dem französischen Gesandten Laroche an der Spitze eingeftmden hatten, durch die Poznanska-Stmtze, zu deren beiden Seiten Ehren w a ch e n ausgestellt waren, nach dem Bahnhof übersiihrt.- Der Trancrzug war von Infanterie mit Musik, Artillerie und Kavallerie begleitet. Dem sechsspännigen Trauerwagen folgte:: die nächsten Angehörigen des Verstorbenen, die Beamten der Sowjetgesandtschaft, Vizepräsident Bärtel mit mehreren Ministern, das diplomatische Korps-und die - Beamten des -Ministeriums des Aeußeru. . , Als der Trauerzug im Bahnhof eingelangt war, trugen Beamte der Sowjetgesandtschaft den Sarg in einen S o n d e r z u g. der mit Solvjetemblemen und. Blumengewinden geschmückt war. Vizepräsident Bartel, die Minister und das diplomatische Korps gaben nochmals gegenüber der Witwe des Sowjetgesandten ihrem Beileid Ausdruck. Bis zur Grenze lourde der Sonderzug bom Sekretär des M i n i st e r s des Aeußeru und einer Ehrenwache begleitet. Kowerda kommt vor das Schwurgericht. Warschau, 10. Juni. In einer Unterredung erklärte Außenminister Zalcski, daß der russische Geschäftsträger Uljanow zur Teilnahme an der Untersuchung gegen den Attentäter Kowerda zugelassen werden wiÄ>. Kowerda wurde gestern davon verständigt, daß er nicht vom Standgericht, sondern vom ordentlichen Gericht abgeurteilt werden würde. Darauf gewann er seine g u t e S t i m m u n g sichtlich zurück. Er schrieb gestern zahlreiche Briefe an seine Familienangehörigen und an Bekannte in Wilna. Darin beschäftigt er sich sehr eingehend mit dem Attentat. Er ersuchte um polnische Bücher spannenden Inhaltes, in die er sich stundenlang vertieft. Die Tslheka. Moskau, 10. Juni. Die Moskauer Presse veröffentlicht eine-Mitteilung der vereinigten staatlichen Verivaltung G. P. U., worin es heißt, daß angesichts des Umstandes, Neueste, nach eigenen Erfindungen patentierte “r Koffer und alle Arten von Reiserequisiten u. Lederwaren wegen bevorstehende; Renovierung su fabelhaft billigen Preisen nur beim'Allein-Erfinder u. Erzeuger L STORCH, WIEN, VIII. JesefstllcIterstraBe Nr. 36 — Telephon 36*8-6? daß Weißgardisten, die von jenseits der Grenze nach Anweisung und mit Mitteln des ausländischen Geheimdienstes operieren, zum terroristischen Kamps übergchen, das Kollegium der G. P. U. am 9. Juni 20 Personen zum Tod durch Erschießen verurteilt habe. Das Urteil sei bereits voll st reckt worden. Von den Todesurteilen seien acht mit Spionage zugunsten ausländischer Missionen begründet, acht mit allgemeiner konterrev olutionärer Tätigkeit und Zugehörigkeit zu Monarch:stischen Organisationen. In drei Fällen gründe sich das Urteil auf versuchte oder geplante Attentate gegen führende Mitglieder der Sowjetregierung. Eine Niederlage Poincarer. Jas zündholzmonopol abgelehnt. Paris, 10.- Junü (Tel. Comp.) Die Kammer hat heute mittags die Gesetzesvorlage über die Vergebung des Zi'mdholz-monopols an die schwedische Gesellschaft Svenska mit 281 gegen 243 Stimmen abgelehnt Das Monopol verbleibt somit dem Staate. Mälvy hatte namens der Radikalen im Kabinett eine längere Rede gehalten, die entscheidend gewirkt hat./Eine Gegenerklärung Poincares blieb offensichtlich ohne Wirkung. Die Negierung hatte die Pertrauensfräge nicht gestellt, so daß eine Kabinettskrise, trotz dieser Niederlage nicht eintritt. Poincare hatte gestern erklärt, er könne die Vertrauensfrage nicht stellen, weil drei seiner Mitarbeiter, gegen die Vergebung des Monopols an eine Privatgesellschaft seien. In Abgeordnetenkreisen wird die Niederlage der Negierung lebhaft besprochen. Man äußert die Ansicht, daß die Negierung nicht mehr f e st im Sattel sitze und offenbar in der F r a g e d e s Z ö l l t a r i f.e s z ü F a l l e kommend ü r f t e, soferne sie überhaupt die Kommunistendebatte noch übersteht. Nach der Verkündung des Mstimmungsresultates v e t* ließ Poincare in großer Aufregung den Saal. Die übrigen Minister folgten, während der Kammerpräsident in allgemeiner Unruhe die S i tz u n g a u f h o b. Gegen Schluß der Kammersitzung wurden drei Tagesordnungen Äug cd rächt, und zwar eine sozialistische, in der die Verfolgung der Kommunisten nicht gebilligt, eine radikale, in der sie mit gewissen Vorbebaltcn gebilligt, und schließlich eine national! st i s ch e, in der sie borbchcAUos gebilligt r «.:{*•.. h c:r cm* erf'tfiik’, daß die Regierung die radikale Tage s o r d n u n g g <utheiße und im Zusammenhang mit ihr die Vertrauensfrage stelle. Darauf wurde die s o z i a l i st ifche Tagesordnung mit 360 gegen 175 Stimmen abgelehwt, und die radikale Tagesordnung mit 370 gegen 148 Stiimmen angenommen. In den Wandelgängen der Kammer zeigt man sich hinsichtlich der Zukustst des Kabinetts Poincare nicht sehr optimistisch. Man erklärt, daß der Erfolg der Negierung am Nachmittag die N i e d e r lä g e vom Vormittag .wicht wett m a ch e n könne. Der radikale' Abgeordnete und frühere Innenminister Malvi erklärte nach der' Sitzung in den Couloirs, daß seiner Ansicht nach, die Regierung noch vor Ende dieses Monats zu Fall kommen müsse. Div Pariser ÄSchö hat auf die heutige Ka mme r abstimmu ng über di« Vergebung des Zündholzmonapols, bei welcher die Regierung in der Minderheit blieb, mit scharfen Kursrückgängen yeantwortot. FranOöflsche Borkriegörenten fielen um 2 Franc, französische . Nordbcchn um 100 Franc. Zahlreiche andere Werte erlitten namhafte Einbußen. Original englische Stoffe zu aufsehenerregend niedrigen Preisen bei der 6., Mariahilferstraße Nr. 3 « ÜKtflfli msm 3744919173

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