Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2973 (8.6.1927)
- Date
- 1927-06-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Josefsiftdterstrsle Nr; 36 - Telephon 28.8 67 Der xv. Nonistenkougreß. MgretzM Karlsbad. Land o n, % JUyü Wie Ihr Korrespondent ' BbWich' -'gittunttMcht^^DmÜe^MGrt, - ist vvn dev A»-, sicht, den IS. Zil^iMkonyEin Basel avzuhalten, aas techtiMM- Gründer i AhstaNd.? griwurmyr worden» -Der Kongreß soll vielmehr itr iK ar l Sb o b; ft**tlftnbcix. ^'ne offizielle Bestätigung dies er Nachricht steht' noch tms-, Der neue BttkankonWt. saelnunasaasteufe itolffttn Sonean rat Pari». London, 7. Auni, .Der Abbruch der dipuomattschrn Beziehungen zwischen Jugofläwien rmd Albanien hat in den leitenden. Kreisen Londons erhebliche Beunruhig!» g bervorgerusen. Es wird, -betont, dyß. in der Ge. anrivolitit des Balkans ein erheblicher Rückschlag eingelveten sei. Die Laste mache ein energische s Borge hen der Machte noüvyidig. Gs wird ' zugegeben, daß ein Mer n u n gs - tausch mit Paris bereits eingescht habe. ES wird als keineswegs sicher hin gestelltdaß, der Völkerbund gewillt sein werde,'diese Angelegenheit.auszugreisen. . . tzngland tritt dem Slahlkartell bei? London, 6. Jtcht.-TrotzderDementis von Verhandlungen zwischen ..' den kynttnentalön.', undenglischen Stchlmagnaten über . Englands Gvüritt in das euwpätzsche Stahlkartelk - meldet „Exchange Telegraph^,' der der hiesigen Grvßuidnstrie nahesieht, Englands' Eintritt in das Kartell werde "der Hauptgegenstand der deutschenglifch'en- IndustriebesProchung>n «am 11. Juni in Leverkusen sein. Die englischen Delegierten würden 'eine Quote von zehn M i l l i o'.n^en-. Tonnen fordern. Bon kontinentaler Seite sei England seine Quote von 9.5 bereits fest angeboten. . Diese Nachricht, deren Authenchität sich zurzeit nicht genau überprüfen läßt, wäre, wenn sie sich bewahrheitet, gleichbedeutend mit eiüer völligen Mehr von der englische» WirtschaftAtraditiön. Das Slahlkartell verhandelt übrigens auch^ Nnc lvit erfahren, durch Vermittlung dqr österreichischen Eisetlindustrie. mit Iu goslawieuüber, den Beitritt der jugoslawischen Werke. Diese Berhandlmrgen finden zurzeit,in Wien statt und nehmen, soweit b'?7aunt, einen befriedigenden Verlauf. Fndiea im Berteidigungsmflaud? SM MMd. K a l k n t t a, 1. Jnni. Dir Rordwestgrens« Indiens wird mit auffälligem Eifer im B e r t ei di $ u u gS - z u stand gesetzt. Die Hauptstadt von Beludschistan, Qu ett a, ist zu einem der bedeutendsten mtlitäri - s ch e n Z e n t r e u Indiens anSsebaut worden. Der VizekSntg von. Indien. Lord I r w i n. hat Quetta vor turgom einen Besuch abgestattet und bei dieser Gelegenheit eine Rede gehalten, hie im ganzen Lande groOeS Aufsehen erregt. Lord Irwin »yies auf die Bedeutung der Nordgrenze alS eines Bollwerkes siir dm Schutz JwdimS hin und sagte, daß Beludschiftan „bei einmr russischen oder a f g h a n i s ch e n Ä u g r i f f das wichtigste Außmfort des Land«-" tiÜe: Zer russische Gesandte in Warschau emardet Bo« ei«em 19i8hrigen Monarchisten. — Me Legende vom „garrnmörder Wottow". Warschau, 7. Juni. Heute bormittastS ist auf dem Kostveler Bahnhof der Gesandte der Union der Sowjetrepubliken Peter W o i k o w einem Attentat zum Opfer gefallen. Dm: Gesandte, der nach den (bereits von Ihrem Korrespondenten gemeldeten) Besprechungen mit dem polnischen Äußemninister zur Besichtigung eines Gebäudes für ein zu'errichten-des russisches Konsulat in Lemberg dorthin gereist und Sonntag nach Warschau zurüc-g'ekehrt war, hatte für heute seine Abreist «ach Moskau festgesetzt; dorthin wollte Woikow zusammen mit dem: aus Berlin in Warschau angetommenen Londoner Gesandten P os e n g o ltz reisen und hatte sich, in Erwartung des Sonder^ugeS, der ihn Mit ' Rchmgoltz »mb den früheren russische« Handels- Vertreter in Lorrbon^ Mnchirk, nach MoKau-bringen sollte, mit dem Personal der Gesandtschaft am' .Kaweler 'Bahnhof eingefunden. Ms die Herren, die den'Zug Erwarteten, im Gespräch auf dem Bahnsteig promenierten/näherte,sich plötzlich dem Gesandten ein jun-' ß eisie"SM^rkqppe trug, und feuerte auf dey^ . . •. .-^cht^ H^kvtzrschüsst / ab; sÄverver?etzt brach Wohfow zusammen. Er wurde im Wartesääl 1. Klasse vom Brchnarzt untersucht, der einen Lungenschütz . kpnstasierte. ukch den Gesandten im Automobil ins Herz- Jesü-Spitäl/ bringen . Retz. Dort hatte. sich inzwischen der polnische Außenminister Z a l e s k r eingefunden, der hon dym Attentat benachrichtigt worden war. Die firr die O p e- . r a t i o n WoÄows getroffenen Vorbereitungen waren' noch nicht zu Ende gediehen, als der Gesandte gegen 11 Uhr sie i n etz De rle tz ung e n e rlag. Der Atibentöber .war, «achtzem er die Schüsse abgegeben hatte, ruhig st-ühen gOlisben und sofort festgenommen worden. Er ist der IVjährige Boris Sofronowitsch Sowerda, Schüler der 8.: Klasse der russischen Gesellschaft in Wilna, einer Pripatmittelschüke, die von russischen Emigranten urmrarchistrscher Richtung! Malte» und auch. demgemäß geleitet wird. Kowerda, der Söhst". eiüss. früheren rüssffchen Militärbeamten, gab im ersten Äethör.an, er fei anläßlich der Feiertage nach Warschau gekommen, .um sich bei der/ Sowjetgesandtschaft, ein E i n r e i s e v i s.u m' n a ch R u ß'l a n d zu beschaffen,, und habe heute, als er zufällig erfuhr, daß der russische Gesandte sich ans dem Bahnhof befinde, als überzeugter Monarchist den Entschluß gefaßt, an dem.Zatenmövder Wvikmo Rache. z« «hnst«, und sei« Brüder und. Schwestern zu rächen. Er behauptet, keine Komplizen ' zu haben. Kowerda wurde inS Gefügnis eingeliesirt. Der ehemalige Sowjetgesandte in London, Rosen- ' g o l tz, der: Augenzeuge des Attentats war, ist ’m Warschau geblieben, und gab ' . vor dem Untersuchungsrichter eine genaue Darstellung des Herganges der Tat. Am Nachmittag , wurden - der Direktor, mehrere Professoren und. Schüler. ..der höheren Klassen. des russischen ’ Gymnasiums in Wilna, an dem der Attentäter studierte, einbernommen. Das Attentat hat in Warschau größte Entrüstung hervvrgerufen; die ganze Presse verurteilt bis. Tat aufs schärfste. Mhenwimsier Za.leski hat sofort nach dem Ablchen.WoikoWs arr das Moskauer Volkskommissariat für mlstvärtise ÄngÄegenheiten ein langes, in beit herzlichsten Msdrücken gehaltenes Besieidste'egramm gerichtet. Der Präsident der Republik empfing den stellvertretenden Minister- Präsidenten Bärtel, der ihcn über die Ermordung des Gestindten Bericht erstattete. Die Warschauer Behörden Mstn daraus hin, daß sie seinerzeit dxy Vorschlag gewacht HMy, die Person des Gesastdlen zu beschützen. W o j kv w wieaber diese« Bor schlag kategorisch ab. Die Sowjet-Gesandtschaft in Warschau hat niemals die polnischen Behörden über die Aussahrtspläne ihrer Beaaüe>i und auch nicht über die Durchfahrt der Vertreter der Sowjetrepublik mrs 'anderen Städten und Ländern üDei; polnisches Gebiet benachrichtigt. Auch von der Durchfahrt des russischen Handelsvertreters Nosengoltz waren die poluistl-ci^ Behörden durch die Sowjetgesandtschast D nicht unterrichtet. Dieses Verhalten der Gesandtschaft habe es unmöglich gemacht, für ausreichenden Schutz Sorge zu tragen. 1 Daß der junge nlonarchi.st.isch« Russe Woikow ermordete, wird m russisch-monarchistifchen Kreiseir damit begründet, daß Woikow angeblich seinerzeit das Todesurteil gegen den Zaren beim Sowjet in Jekäterinbnrg beantragt Habe; was au dieser Angabe richttg W laßt sich nicht feststellen. Die pülttischen Folgen des Attentats. Paris, 7. Juni'. In maßgebenden politischen Kreisen von! Paris 'bezeichnet-iman'". die' Ermordung des Sowjetgesandten Woikow in Warschau als einen überaus schwerw'egenden Fall, ,b$ die allgemeine, politische Lage in Europa gewiß nicht erschleichtern wird, glaubt aber.n^ipt, paß Rußland aus dem Fall; a« sich Polen einM Korwurf. machen wird. Man - zieht eine Parallel« mit der ' Ermordung des Sorvjetgesandten. Worowski in Lausanne/ ^und schließt, -daß.die Moslauer Regierung .>'hre Haltung von dem U r t e i I d e r p,o I n i s'ch. e n Ger: ch t e über den Mörder abhängig machen wird. Rußlands Schulden an Frantteich. ein Ueberelutommev und ein AnleihevorWag. Paris, 7. Juni;, der heutigen Sitzung derfranzösisch-russischien S chuldenkommissiion wurde ein Protokoll m;jerzeichnet, worin Rüßlmch sich verpflichtet, an Frank- ' reich' in einem Z er trän mV o n 72 I a h r e n 72 Milli o n e n Go l d fr an'k e n für die endgültige Regelung der. russischen Borkriegsschülden zu zahle». Das Protokoll hat twch keinen endgülttgen Charakter und soll erst Rechtskraft erlangen, wenn Frankreich die von Rußland güiwünschten Jndustriekredite in der Höhe von :500 Millionen Francs gewährt habetr wird. . In Frankreich steht man dieser Forderung nicht ablchnend gegenüber/ besteht jedoch auf weitgehenden Sicheren gen seitens der Russen, namentlich auf der Bcr- Pfandun.g. des gesamten rnssischen Petroleums. .Die Verhandlungen über die Anleihe sind noch nicht . abgeschlvffen. ksttevae Mitscherln-Sttesemanst. . B a d e n - B a den/ 7. Juni. Heute nachmittag kurz vor 1 Uhr traf Tschitscherin bei Dr. Stresem a n n in dessen Hotel ein. Da die Ankunft TschitscherinS geheim gehalten worden war, hatten sich vor dem Hotel nur einige Presseleute eingefunden. Die Besprechungen zwischen den beiden. Ministern fanden unter vier Angen statte Ueber.ihren Inhalt ist bisher nichts bekannt gelvorden. Die Rachricht von der Ermordung des russischen Gesandten in Warschau erfuhr Tschttscherin aus Dr. Strese nranns Mum», d^r kurz vmcher eine Meldungüberdas Attentat erhalten hatte. Dr. Stresemann ist heute abends nach Berlin abgereist. Tschitscherin begibt sich morgen über Frankftrrt gleichfalls nach Berlin. her österreichssch'tschechosl owattsche Handel8vertrag. riüfttzrai der »erMiragen «Schfte Wolde. Prag, 7. Juni. (Tel. Vom-p.) D'c Handelsvertrags- Verhandlungen zwischen der Tschechoslowakei und Oesterreich sollen im Laufe der kommenden Woche in Wien fortgesetzt werden. Gleichzeitig sollen auch die Beratungen der I n d u st r i« h e x 11 c t e x be'der Staaten wieder ausgenommen werden