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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-07 · Heft 2972 (7.6.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2972 (7.6.1927)
Date
1927-06-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2972?frv ■"V'”*-'m..;-v v Mm, Dienstag er.:.. 1 .... ". -... '■—1 t--!" .'■■ ‘,l."■■■” Sie Sgtzpttfche Antwort von ßngland Mt angenommen. Kair o, .6. Juni. (Reuter.) Das Blatt „Mokattaw" glaubt zu wissen, daß diü Lage sich wieder ernst gestatte.;3ta: britische Oberkommissär soll König Fuad pavon verständigt haben, daß er die ä g-iptische Antwort nich.t annehmen könne, und daß er sich mit.seiner Regierung ins Einvernehmen setzen iverde. Die britische Mtwort wird für morgen erwartet. Das Kabinett habe heute vormittags die Lage einer Prüfung unterzogen. Mndalr zwischen AangtsoN« «ad Achanskaischek. London, >7. Juni. Nach einer Meldung Nus Peking ist zwischen den Marschällen Dsang-Tso-Lin und Dschiang-Kai- Sche? ein vorläufiges Wbkommen geschlossen worden, worin Tsang-Tsv-Lin die national-chinesischen .Bestrebungen, wie sie in dem Manifest SUnjatsen niedergelegt sind. Beide,Marschälle erklären sich als Gegner der kom- MUUistischen Politik der Hankauer Regie- VN «g. Ms weiteres Ziel des Abkommens wird das Zustandekommen eines Dreibundes der beiden Marschälle mit dem Gouverneur der Provinz Schansi bezeichnet. Sine Serie von Autotatastrovhen. Sin Motorradsayrer von einer Lokomotive zermalmt. In Erlas hat sich SamStag ein furchtbares, Motarradunglück ereignet. Der älteste Sohn des Mener EisenmöbelerzeugerS Simon Grünwalv, der 22jährige Hans Grünwald, wollte auf seinem Motorrad nach Bad Hall fahren. Bei der Übersetzung der Bahnlinie bei Erlas fuhr Grünwald miss voller Wucht in die Lokomotive eines gerade daherkommenden Eisenbahnzuges hinein. Grünwald wurde von seinem Fahrzeug geschleudert und von der Lekomotiv« buchstäblich zermalmt. Merkwürdigerweise ist die Bahn, eine schmalspurige Lokalbahn, weder durch Schranken abgesperrt, noch durch Lichtsignale gekennzeichnet. Sin Antouufa« bei Graz. Der Autobus der Linie GleiSvorf—Graz stieß gestern auf der Reichsstraße mit einem Personenauto in der Nähe von G l e i S d o r s zusammen. Die Insassen des Personenautos, darunter der Wiener Zahnarzt Dr. Heinrich Braza und sein« Schwägerin, wurden aus dem Wägen geschleudert Und schwer verletzt. MomovllunoM ln Pvttersdorr. Gestern nachts stieß ein von dem Direktor Dr. Karl Ruder . Straße bei Neu-Purkersdors niedergestoßen. Das Auto fuhr rasch davon. Der Radfahrer, der Hilfsarbeiter Schörg, war s-sort tot. BiitorulawmenM am Wiener Parkring. Gestern nachts stieg em von dem Direktor Dr. Karl Rudolf gelenktes Privatauto mit einem Autotaxi am Parkriug mit großer Wucht zusammen. Der im Rutotaxi sitzende Fahrgast Stanislaus Przylusky erlitt schwere innere Verletzungen, sein neben ihm sitzender Bruder wurde nur leicht verletzt. Die beiden Wagen waren so ineinandergekeM, daß die Feuerwehr zn ihrem Abtransport auSrücken mutzte. Ml MotorradlirMe. Der 68jährige Oberstleutnant d. R. Karl Moißl fuhr gestern ftüh auf seinem Motorrade durch die Ottakringerstraßc gegen den Gürtel und wurde beim Einbiegen in die Veronikagaffe durch Zusammenstoß mit einem Automobil vonl seinem Rade geschleudert. Er erlitt eine schwere Wunde an der rechte« Stirnseite und wurde von der. RettuirgSgeseNschaft in daS UnfaUspital gebracht. Gleichfalls am Sonntag stürzte die 18jährige Schneiderin Grete Glaser auf der Speisingerstrahe vom Soziussitz des Motorrades und erlitt einen Bruch de» GchädelgrundeS, eine Gehirnerschütterung und Munden an den K nien. Die Hietzinger Rettungsgesellschaft, bracht« die Bewußtlose ins Spital der Stadt Wien. An der Ecke LeS Gandenzdorfer Gürtels und der Hofbauergasse stürzte der 83jährige Mechaniker Anton Cerweny dadurch vom Soziussitz des Motorrades, daß der Lenker das Rad zu rasch bremste. Er brach den Unterarm, verletzte sich sonst mehrfach und wurde von dar Rettungsgesellschast ins Franz. Josefs-Spital gebracht. Unfall eines Unmenge» ln Mer«. Als gestern um Uhr abends der 41jährige Pilot Josef Putsch mit dem Flugzeug „A 38" te# Oesterreichischm Fliegerverbandes nach einem Passagierflug auf dem Flugfeld« Aspern landen wollte, wurde das Flugzeug durch einen heftige« Windstoß zur Sette geschleudert und vollkommen zertrümmert. Der Pilot und die SVj^rigv Private Frieda Kranzl«r erlitten ganz oberflächlich« Hautabschürfungen. Bezugspreise der „Wiener Morgenzeitung“: Monatlich Wien und Oesterreich.8 5’— Tschechoslowakische Republik......... Kö 22*— Jugoslawien.. . ... Dinar 60 — Polen •.»...»»••»*•••*,«<• Zlohf 6*— Deutschland ............. Qoldmark 4-— Frankreich, Belgien ........... Frei. 35*— Italien.. . Lire 20 *• Rumänien .. Lei 170'— Bulgarien ..Lewa 100 — Amerika... . Dollar 1'— Schweis und das übrige Ausland . . . , Franken S'd Oesterr. Postsparkassenkonto 180.693. «weitet mstgenjeuHng 7. Jrmi 1A27 Furchtbare Explosion tu Krakau. 133.000 Kilogramm Krafit l« die Lust geflogen. — lieber 300 Schwerverletzte. — Ae Spfer znm größten Teil Kinder. — Nlefiger Schade«. Warschau, 6. Juni. Heute vormittags erfolgte in Tonte Lei Krakau im Pulverturm dtw schwere Explosion. In ganz Krak-au wurden die Fensterscheiben zertrümmert und etwa hundert Personen durch die Glassplitter verletzt. Viele Häuser wurden durch den Luftdruck beschädigt, darunter der S i tz derWojwodschaftsb e h ö r d e n und die chirurgische Universitätsklinik. Obwohl Tonie 10 Kilometer von Krakau entfernt liegt, war die Explosion in Krakau so stark fühlbar, daß die Bevölkerung zunächst den Eindruck eines Erdbebens hatte. Die erste und und stärkste Explosion erfolgte um 10 Uhr 28 Minuten im Werk Wikewice. Dabei flogen 133.000 Kilogramm Ekrasit und andere Sprengstoffe aus. Eine Anzahl von Häusern in Mtkewice und Umgebung ist fast völlig zerstört. Ein auf Posten stehender Sol d a t wurde getötet. Im Bezirk des Forts sind mehr als 80 Z i v i lp e r s o n c n s chw o r verletzt. Die Opfer sind zum größeren Teil ' Kinder aus dem Asyl m Witkewiee und Kranke in den Spitälern. Me Bevölkerung im Umkreise der Explosionsstätte, die militärisch abgesperrt wurde, ist wegen der durch die Katastrophe angerichteten Verwüstungen evakuiert worden. Die Untersuchung hat ergeben, daß die Explosion auf die chemische Zersetzung der über zehn Jahre alten, seit der österreichischen Zeit im Pulverturm aufgestapelten Explosivstoffe zurück-* zuführen ist. U e L e r 300 Personen trugen schwere Verletzungen davon, zumeist an den Augen. Der Schaden wird auf 1,272.000 Zloty geschätzt. Der Ministerrat hat beschlossen, den Opfern der Explosion mit einer halben Million Zloty zu Hilfe zu kommen. Beim Kartenspiel erstochen. Im Cafe „Auto", 12. Bez., Arndtstraße 2, einem kleinen Volkskaffeehaus, faßen am Sonntag einige Männer und unterhielten sich beim Kartenspiel. Plötzlich brach unter den Spielern Streit aus. Zwei Spieler ohrfeigten sich und das Ende war eine allgemeine Keilerei. Einer der Spieler hielt sich an einem Tischrand fest, der Tisch stürzte mit ihm um. Als sich ein Kaffeehausgast über ihn beugte, um ihm Seizustehen, bemerkte er, wie B l u t aus der Herzgegend quoll. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde der Unglückliche, der 20jährige Kutscher Leopold Demuth, bewußtlos in das Franz-Josefs- Spital gebracht, wo er nach kurzer Zeit staÄ. Ein Teilnehmer an der verhängnisvollen Kartenpartie wurde in der Person des Hafnergehilfen Franz Olbert festgestellt. Er lag, selb st schwer verletzt, in seiner Wohnung. Er wurde in das Wachzimmer Wolsganggasse gebracht, dort von der Rettungsgesellschaft verbunden und dem Kommissariat Meidling überstellt. Noch vor seiner Einvernahme siel er in tiefe Bewußtlosigkeit. Da der Kasfechausbesitzer Qlbert als denjenigen bezeichnete, der den tödlichen Messerstich gegen Demuth führte, wurde Olbert in das Inquisit« n s p i t a l d e s L a n d e sgerechtes gebraut. Radio für Schwerhörige.!Am Kongreß der Hals-, Ohren- und Nasenärzte, der bekanntlich vom 2. bis 4. Juni im Wiener Konzerthaussaale stattfand, wurde den anwesenden Gelehrten eine ganz neue Art von Radiohörapparaten für Schwerhörige vorgeführt, die eine Erlösung sogar für sehr schwerhörige Personen bedeuten kann. Bisher gab es für Schwerhörige verschiedene elektrisch« Hörapparate, bei denen es sich meistens um telephonische Apparate handelte, die eine gewisse Erleichterung bedeutet haben. Was aber Professor von Eicken und sein Assistent Dr. Lang back vvrbrachten, ist sensationell neu. Es wurde eine genial erdachte minutiös ausgearbeitete Apparatur vorgeführt, deren Grundlage die Radiohochfrequenzröhren bilden. Es wurde gezeigt, daß Patienten mit hochgradiger innerer Schwerhörigkeit, die auch mit den bisher modernsten Hörapparaten kaum einen halben bis einen Meter hörten, nach Anschaltung der Kopfhörer gewöhnliche Konversationssprache in der Weite von zehn Metern und mehr tadellos verstanden. Die unangenehmen Nebengeräusche der bisherigen elektrischen Hörapparate wurden bä dieser neuen Erfindung durch die Drosselung der niederen Frequenzen vollständig behoben. iseeeeeeeeveeeeeeeeeeeeeeeeeeeeieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeveeeveeeeeeKK Der Sohn des Moses Mautner Ein Wiener Roman von Leopold Hiehler. Copyright l0J7by B. LBwit Verlag,Wien— Loipslg Vierzehn Jahre sind seither vergangen. — Gustav ist reich und angesehen geworden. Wohlhabenheit und Luxus umgeben ihn in seiner neuen, vornehmen Wohnung. Das Zimmer, das Bett, in dem er vor vierzehn Jahren so glücklich gesessen, sie sind verlassen und 'vergessen. — Sv ist der Lauf der Zeit. Der Mensch wächst mit den Mitteln und wendet sich allmählich vom lMen ab. —- Ich glaube aber, daß die Zeit nur die Mnßerlichkeihen iber Menschen verlöscht, denn da drinnen — manche werden mich verstehen — ich meine dort, wo's dem Menschen warm wird, wo er zu Hause ist: In seinen Gewohnheiten — dort — so glaube 'ich — bleibt bet Mensch, mag er hrnaufklimmen oder hinunterfallen >— immer derselbe; denn die Gewohnheit ist ein trauliches 'Dql. Man ruht in ihr gerne, wie in de« Armen einer alten, lieben Kinderfrau. Gustav.ist im Laufe der vierzehn Jahve wohl ein anderer geworden, aber an glücklichen Tagen, da...!- Er hat heute einen glücklichen Tag. — Er kommt in seine Wohnung, lächelnd und tänzelnd. Es ist Wendend um diese Zeit ruht Gustav sonst ein wenig in seiner Wohnung; entweder auf dem Klub-Fauteuil oder auf der Chaiselongue. — IWber heute — weil er glücklich ist — kehrt er — unbewußt — in sich selbst, in seine Vergangenheit, in seine Gewohnheiten zurück und gcht Mn '$kW — so wie vor vierzehn Jahren — streckt sich darauf angekleLet ans, zieht die Beine an den Oberkörper 'heran und sitzt da — so wie vor vierzehn Jahren nur ein etwas reiferer Türke. Ein.Blatt Papier hält er auch in der Hand und blickt Mcklich und stvlz darauf — so wie vor vierzehn Jahren. — ES ist keine Banknote. — Es ist das Maturitätszeugnis. — Gr lispelt glücklich: „Hab's doch erreicht!" uwd wieder liest er das Reifezeugnis, diesmal 'von imten nach oben und allmählich Weicht Müdigkeit über 'seine Nlngen und er schlaft ein.- Das hätte er nicht sotten; denn er wurde erwarte t; von seinem Vater ernmrtet. — Herr Hermann ging Mnthig in dem 'Speisezimmer seiner Wohnung hin und her. Er ging Mm Fenster und blickte Ms die Straße. Er ging zur Glastüre m> sah durch die Scheiben in die Küche hinaus. In der Küche reinigte das alte.Fräulein Lina, die Wirtschafterin tzerm Hermanns das Gesch^r.DMr UMlck bemUgte Herrn Lmnmms! Ner^ (63. Fortsetzung.) i ven picht und er ging wieder 'zUm .Fenster und hernach wieder zur Glastüre. — — Ms er so etwa ein dußendm'al 'das Speisezimmer — tvve ein Pendelwagen -> durchlaufen, öffnete er die Glastür« und fragte: „Was hat er telephoniert, Lina? Was hat er gesagt^ —' „Guä Herr!" 'rief Fräulein Lina sehr unMädig und Hob ihr« nassen Hände wie abwehrend — aus hem Schaff'. „Fetzt siagen Sie mich schon zum fünftenmal und ich Hab' doch..." „Nu, Nn!" meinte Herr Hermann, „ich wer' doch noch fragen dürfen?!" —?,Ja, aber ich hcch' Ihnen doch schon gesagt! er hat telephoniert, daß «r was Wichtiges — weiß ich —! — was Sie freuen wird —> Ar sagen hat, und daß er am lAbenId bessimmt herkormnt." — „Was heißt am iAbend?" rief Herr Hermann. Jetzt is doch schon acht« und er is noch nix da!" — „Was soll ich tun, gnä Herr? Kann ich ihn herzaubern? — „Deshalb brauchen Sie nix e so e Chuzpe habeir!" — .„WaS heißt Chuzpe?! — Uebechaupt, gnä Herr! Wenn ich Ihnen nicht paff', kann ich ja gehen!" — Herr Hermann seufzte und schwieg. — Ihm war, als klänge answeüer.Ferne eine alle, bekannte, lieb« Stimme: ,-Was is MS dir geworden, Hermann!? Wenn ich so mit dir geredt Mt'!" —< ' Nein. So Hatte FrM Sali nie gesprochen, denn der Gattin fehlt die zuweilen furchtbare Waffe der Dieuerin:?Die Kündigung. >Aber mit Frau 'Sali war auch die gute Zeit Herrn Hermanns gegangerr. — Eine Frau stirbt dem Manne rroch viel mehr als den Kindern! — Frau Sali fehlte ihm überall. ,-Alles hat sie mir gemacht!" klagte Herr .Hermann oft seinem Sohne. „Und jetzt? Hab' ich « Ordnung? Du weißt doch, wie die Mttter alles in Ordnung igchalton hat! Jeden Erew Schabves mei frische Wäsch'! (Fortsetzung folgt.) l 3500 Kilometer mm legen im regelmäßigen Dienst die Flugzeuge der Polnischen Luftverkehrs-A.-G. „Aerolot", Wien, 1. Bezirk. Tegetthoff. sttaße 7, Telephon 71-0-84, zurück. Passagiere, Ware« und Briese chevde« schnell und flche, belörbert.

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