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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-03 · Heft 2969 (3.6.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2969 (3.6.1927)
Date
1927-06-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 g z Redaktion, Administration: Wien, I1.,Tabor«tr. 1 Telephon 44-0-38, 43-3-19 Telephon ab 6 Uhr abends '1-5-80 Serie, ab V»9 Uhr abends 38-5-83. Druckerei: Vit., Lerchenfelderstraße 1 („lnva“) BESUCHET ihn Wiener Rathauskeiler! Die Gemütlichkeit der guten alten Zeit. Wer kommt, wird wieder Stammgast t Preise'* Wien und Oesterreich durch Post oder Verschleißstellen monatl. 5 Schilling. Bezugsbedingansen kär das Ausland im Innern des Blattes. Volkstümliche Preise 1 Mittags - Menüs L. 8 1*50 Direktion: OTTO KASERER Nr. 2969 Wie«. Stetten, 1 guni 1927 (9. Staunt 5687). 9. gohrgong diu r-saktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes L gekennzeichnet. Ser neue Krieg in China. Lle Erfolge der Nationalisten. Paris, 2. Juni. Eine Meldung des Sonderberichterstatters der „Information" aus Schanghai bestätigt, daß die Truppen des Generals F e n g die Stadt Tschengtschau und die Streibkräste Tschang- K a i - S ch e k s die Städte K a i f e n g und S u t s ch a u besetzt haben. In Tschengtschau seien 3000 Soldaten der Nordarmee gefangen genommen worden. Die s ü d ch i n e s i s ch e Armee setzt ihren Vormarsch gegen Schantung fort. Amerikanische Trvppenverstiirkungen. London, 2. Juni. 1500 amerikanische Marinesoldaten und Artillerie sind von Schanghai nach Peking in Marsch gesetzt worden. Der englische O b e r k o >m m i s s ä r ist auf einem Z e' rstörer nach Tientsin abgefahren. Chinesischer Protest gegen die Landung Manischer Truppen. London, der chinesische Außenmini st er m Peking hat dem japanischen Gesandten einen P r o t e st gegen die Landung weiterer japanischer Truppen überreicht. Das japanische Verhalten, sei ein Bruch der bestehenden Verträge.- China müsse die Verantwortung für etwaigeMißv e r st ä n d n i s s e a bl e h n e u, die entstehen könnten, wenn die Truppen nicht zurückgezogen würden. Eine englisch - amerikanische Mion gegen Sowjetrutzland? Auch Frankreich soll dafür gewonnen werden. P a r i s, 2. Juni. Heute abends empfing Briand km Quai d'Orsay den amerikanischen Botschafter Herr ick. In.politischen Kreisen glaubt man zu wissen, daß der Besuch niit der vorgestrigen Rede des Botschafters H e r r 'i ck g eg c n .Sowjet rußlan d und den Kommunismus im Zusammeichang,stehe. Es sollen Versuche im Gange sein, Briand,für die Teilnahme an einer großangelegten Iktion. Englands und der Vereinigten Staaten.ge gen Sowjetrußland zu gewinnen. Zu einem.solchen gemeinsamen Vorgehen hat allerdings die französische Regierung, schon aus finanziellen Erwägungen, bisl .enig Neigung gezeigt. Ile Abreise der Russen aus England lintetreDuna Rolengoltz mit AchlMeri» in Setiln. London, 2. Juni. 35 'Singe ft eilte der russischen Bot-;ch.rst und der Handelsdelegation haben heute England an Bord res Sowjcidcunpfers „A o u s h a r" verlassen. Der Geschäftsträger' Rosengoltz und die höheren russische-n Beamten werden erst im Lauife des morgigen Tages abreisen. Rosengoltz wird dem Vernehmen nach nicht direkt nach Moskau zurückkehren, sondern zunächst nach Berlin reisen, wo er Montag eine Unterredung mit Tschitscherin 'lud den russischen Botschaftern in Paris und Rom haben wird. knzlisch-rnsstsche Flottenvemonftration. London, 2. Juni. Heute vormittags ist von Inder-" gordon das zweite englische Geschwader, begleitet von der 6. Zerstörerflottille, ausgelaufen, um Kopenhagen, Oslo, Stockhol m, Riga, Reval und H e l s i n g s f o r s zu besuchen. Es wird gemeldet, daß Rußland als Antwort auf diesen englischen Flottenbesuch im Baltischen Meer seinerseits ein Geschwader, das gegenwärtig vor K r o nst a d t seinen Jahresmanövern obliegt, nach den baltischen und skandinavischen Häfen entsenden werde. . Unruhen in gndie«. London, 2. In»!. Der indischen Zeitung „Pioneer" zufolge sind unter den Mo hm a ndstämmen an der Nordwe st grenze Jndietts Unruhen ausgebrochen. Diese -Stämme waren vor eitrigen Jahren im Aufruhr, so daß sine englisch« Expedition gegen sie entsandt werden mußt?. bin jugoslawisch-albanischer Konflikt. Verhaftung der lugoslawischen Lragomanr in Tirana. — Drohung mtt dem Abbruch der Beziehungen. Belgrad, 2. Juni. Heute abends veröffentlicht? das Ministerium des Aeußern ein Kommunique, welches, ekne eingehende Darstellung der vor einigen Tagen erfolgten Verhaftung des Dragomannes der jugoslawischen Gesandtschaft m Tirana, Bukasin Gjuraskovic, gibt. Das Kommunique bezeichnet die Antwort des albanischen Außenministeriums auf die letzte Note .der Belgrader Regierung als ungenügend und erklärt zum Schluß: „Da diese Antwort des albanischen Außenministeriums klar beweist, daß die albanische Regierung sich über die internationalen Sittön und Gebräuche himvegsetzt, wurde dem jugoslawischen Geschäftsträger in Tirana der Auftrag erteilt, von der albanischen Regierung die sofortige Freilassung . des Dragomanns Gjuraskovic zu fordern. Sollte die albanische Negierung drdselN ~ VerläiWü nicht entsprechen, hat der jugoslawische GeschaDträgtzr in Tirana Befehl, sofort seine Pässe zu verlange», und mit dem gesamten Personal und den Archiven der Gesandtschaft nach Belgrad z u r ü ck z u k e h r e n," * Die Verhaftung des Dolmetsch's der Mdslawischen Gesandtschaft .in Tirana Djuraskovic ist wegen Spionage zugunsten Südslawiens erfolgt. B.i der Verhaftung^Djuraskövic's wurden Dokumente b e schlagn>ahmt,Wrter denen sich zwei an die südslawische Gesandtschaft in Tirana gerichtete.Briefe besam, en. Die «''dänische Regierung hat aus den diesbezüglichen Protest des südslawischen Geschäftsträgers mit dem Hinweis geantwortet, daß Djuraskovic albanischer Staatsbürger sei, daß ihr seine Verwendung als Dolmetsch bei der südslawischen Gesandtschaft n^cht amtlich notifiziert worden war, und idaß -bei ihm Dokumente gefunden worden seien, die ihn kompromittieren. England und Aeghpteu. London, 2. Juni. „Daily Telegraph" schreibt, die ägyptische Antwort auf die britische Note sei nicht vor Samstag zu erwarten. Obwohl . die ägyptische Presse darauf dringv, daß die Regierung die britischen Vorschläge ablehne, seien, wie der Berichterstatter der „Times" in Kairo meldet, Anizeichen dafür vorhanden, daß ein Teil des Kabinettes sich einem Kompromiß zuzuneigen beginne. Der ägyptische P r e m i e r m i n ist e r ist heute vom Oberkommissär Lord Lloyd empfangen worden, der sodann bei König Fuad eine Audienz hatte. Der Regierungswechsel in Rumänien. Bukarest, 2. Juni. Innenminister G o ga erklärte vor Journalisten, daß die Regierung spätestens b i s Samstag zurücktreten und die neue Regierung bis Montag gebildet sein werde. Im Vordergrund der Kombinationen für die Nachfolge Averescus steht nach wie vor der Minister des königlichen Hofes Chiotti. > Rücktritt des japanischen Finanzministers. Tokio, 2. Juni. Finanzminister Takahashi hat de m iss i o n i ert. Er wurde durch den Minister für ErziehungSwesen, Hitanghi, ersetzt. Amnestie für . Delikte in der Tschechoslowakei. P r a g, 2. Juni. Wie die „Prager Presse"meldet, hat die Regierung den Beschluß gefaßt, dem wiedergewählien Präsidenten. der Republik einen Antrag zu unterbreiten, der eine Amn e sti e. f.ü.r.D e lik.t e vorsieht, die unter das. Gesetz z u nt Schutz d e r Repub l i k fqllen. Die Verlautbarung des Amnestieerlasses soll in der allernächsten Zeit erfolgen. , Nach dem gleichen Blatte hat das Präsidium des Abgeordnetenhauses de.n.Beschmutz gefaßt, die erstc. Vollsitzung des Abgeordnetenhauses nach der Präsidentenwahl für nächsten Donnerstag anznsetzen. Poftftretk oder Neuwahl der Personalvertretung? Bundeskanzler Dr. Seipel benutzte den gestrigen Tag zu Verhandlungen mit allen Gvüppen der Post-, Telegraphen- und Telephonangestellten. Mit der sozialistischen Postgewerbschaft und der „Technischen Union kamen die Beratungen nicht vom Fleck. Diese beiden Organisationen, die bekanntlich das Str eikultimatum gestellt haben und auch die Möglichkeit haben, einen Streik zu inszenieren, sind noch immer sehr harthörig. Abends fand eine Aussprache wegen der politischen Hauptforderung der Technischen Union, die Korrektur der Zusammensetzung der Personalvertretung der Telegraphen- und Telephonangestellten, statt. Gelingt es, jn diesem Punkte ein Uebereinkommen zu erzielen, so kann die Gesahr eines Streiks als abgewendet gelten. Die Verhandlungen mit den Angestelltenvertretern werden heute fortgesetzt. Der Gewerkfchaftsbund der nichtsozraldemo kroatischen Post-, Telegraphen- und FernfprechangestMen hat vor- und nachmittags in mchrstündiger Beratung getrennt von der Postgewerkschaft ujnd feiere Technische!» Union über seine wirtschaftlichen Forderungen mit der Regierung verhandelt. Dieses getrennte Borgehen wurde dadurch hervorgerufen, weil während der gemeinsam geführten Verhandlungen der Post- und Telegraphenangestellten mit der Verwaltung die Vertreter der Technischer Union unter dem Drucke eines Ultimatums die Forderung nach Beseitigung der neugewählten Personalvertretungskörper .der Telegraphen- und. Fernsprechangestellten gestellt hat. Diese Fordernng richtet sich gegen die nichtsozialdemokratischen Telegraphen- und . Fernsprechangestellten. Dadurch ist das gemeinsame Berhandlungskomitee gesprengt worden. Der Gewerkschaftsbund fetzt heute die Verhandlungen mit der Regierung fort. tzlne Protestaktion gegen die zwangssonntagienhe ln Polen. W a r s ch a n, 2. Juni. Der Vorstand der War< schauer, jüdischen Gemeinde beschloß, in einer seiner letzten Sitzungen, bei der Regierung einen scharfen Protest gegen das Fortbestehen der Zwangssonntagsruhe einzubringen, da dieses Gesetz die Juden zwingt, entweder zwei Tage in der Woche zu feiern und wirtschaftlich zugrunde zu gehen oder den Sabbath zu entheiligen. Es wurde ferner beischlossen, ein Pwtestmemovandum abzufassen, das im Namen der gesamten jüdischen Bevölkerung Polens dem Bizspvemier Bartel überreicht werden soll. 99

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