Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2967 (1.6.1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Die Note ist bloß die Verständigung, dah Großbritannien den Aue mp fechlungen des Parlamentsausschusses nicht zustimmen könne. Sie enthält keinerleiDrohung, sondern drückt den Wunsch nach einer Zusammenarbeitzävischenden beiden Negierungen aus, um die Verteidigung Aegyptens zu sichern. Ae ägyptische Antwort. K a i r o, 31. Mai. Das Kabinett hat unter Vorsitz des Känigs.Fuad die britische Note einer Prüfung unterzogen. Das Reutersche Bureau glaubt zu wissen, daß die Beratungen in R u h e und im To ne der M ä ß i g u n g vor sich gingen. Im allgemeinen-scheine die Atmosphäre in Aegypten so ruhig zu sein, dah die Hoffnung auf eine z u f r i eden stellende Lösung gerechtfertigt sei, denn es.herrsche der/Wunsch, die freundschaftlichen Beziehungen zu Großbritannien aufrechtzuerhalten. Bor der Auflösung der ägyptischen Kammer. . London/ 31. Mai. Heute abends wivd der' ägypti,-' sche Premierminister.Sa.ntpe t Pascha im'ägyptischen Parlament vom Eingang der englischen Note- Mitteilurig machen. Wenn das Parlament auf die englischen Forderungen nicht eingeht und sich weigert, den. Gehalt und die volle Kommandogewalt des S i r d a r wieder herzustellen, wird es wahrscheinlich aufgelöst werden. Bei Auflösung und Neuwahlen befürchtet man den Ausbruch fremdenfeindlicher Unruhen. Auswärtlge Umtriebe. London, 31. Mai. „Weftminster Gazette" teilt mit: Seit Ostern nahm in der ägyptischen Presse und im ägyptischen Parlament die antienglische Agitation neue und scharfe Formen an, die auf Inspirationen außerhalb Aegyptens schließen ließen. Man vermutete die Mittelmänner zwischen den ausländischen Agitationszentralen und den ägyptischen Nationalisten, in einem verrufenen Viertel von Kairo, in dem sich das Zentrum des K o k a i n h a n d e l s befindet.- Die Razzia in diesem Viertel, die kürzlich bei fünhundert, meist levantinischen, griechischen und italienischen Händlern stattfand, diente nicht nur dazu, den im Orient unausrottbaren Handel mit Rauschmitteln zu bekämpfen, sondern hatte, wie die Haussuchung im Gebäude der „Arcos", politischen Hintergrund. In der Ueberzeugung, daß das Aufleben der eng-landfeindlichen Bewegung in' Aegypten eine künstliche Mache sei, wollte man feststellen, - ob Sowjetrußland oder eine andere Macht Urheber der Agitation sei. Die Kaffen ntffffen England verlassen. Lon d o n, 31. Mai. Das englische Innenministerium hat die Liste derjenigen Russen, die das Land verlassen müssen, sertiggestellt. Die Uebergabe dieses Schriftstückes an den russischen Geschäftsträger R o s e n g o l z gilt als Antwort auf seinen letzten Brief, in dem er zur Durchführung der Liquidation der russischen Geschäfte für einige Russen bi‘a. Aufenthaltsbewilligung verlangt. Seine Bitte wurde also abgelehnt. K«»««« »ege« Man«. Ottawa, 81. Mai. Die Negierung hat das Ansuchen des Sowjet-Vertreters, die Aufhebung des Handelsvertrages und der sowjetistischen Privilegien in Kanada zu vertagen, abgelehnt. Keine armenische Kolvnllntian in rranrlordanien. Jerusalem, 31.' Mai. Aus Ihnlg'n. wird.berichtet, daß der Ministerrat vpn Transjovdanien sich in einer seiner letzten Sitzmlgen eingehend mit dem Vorschläge befaßt hat, zllnächst 1000 armenische Familien aüf transjovdauischem Gebiet anznsiedeln. Der Vorschlag würde schließlich abgelehnt. Für die Abschaffung des Krieges. Ein amerikanischer Vorschlag. Paris, 31. Mai. Die amerikanischen Blätter veröffentlichen eine neue Erklärung des Präsidenten der Columbia-Universität, Dr. B u t t l e r, über das Projekt eines Friedenspaktes zwischen den Bereinigten Staaten und Frankreich. Buttler hebt hervor, der Vorschlag des französischen Außenministers B r i a.n d, wonach sich die Leiden Länder verpflichten sollen, alle internationalen Konflikte, die zwischen ihnen entstehen könnten, ohne kriegerische Maßnahmen zu schlichten, habe in der Presse und in der ganzen Oeffentlichkeit eine so günstige Aufnahme gefunden, dah der Augenblick gekommen scheine, in dem ein weiterer Schritt nach vorwärts unternommen werden könne, und zlvar in der Form eines Vertragsentwurfes zwischen den Vereinigten Staaten und den anderen Mächten, insbesondere auch England, Japan, Deutschland und Italien. Neuerliche Erfolge der Siwtrirppen in 8hma. London, 31. Mai. Wie das Reutersche Bureau aus Schanghai meldet, soll die Angriffsbewegung der Nordtruppen unter General F a n g t i e n am 26. d. M. in Honan zu einem v o H ft än Ligen Mißerfolg geführt haben.' Die Südtrup p e n führten am 26. d. M. einen G e g e n'a n g r i s ftaus und zwangen die Nordtrupp en zum Rückzug. Die Südtruppen versuchen nun das Gros der Armee Fengtiens abzuschneiden. Andere Generäle schicken sich jetzt an, sich mit den Siegern z u vereinigen. Infolgedessen ist die Stellung der Nordarmee äußerst gefährde t. Die Unsicherheit der Lage hat die Japaner und Engländer zu dem Beschluß veranlaßt, Truppen nach Nordchina zu entsenden. Die Union der Bölkerbnndlkge«. Eine Ansprache Disengoffs in der Plenarsitzung. Berlin, 30. Mai. (I. T. A.) Am gestrigen Sonntag hielt der Weltkongreß der Völkerbundligen im Saale des Reichswirtschaftsrates zu Berlin feine erste Plenarsitzung nach der festlichen Eröffnung ab. Aus sämtlichen vertretenen Ländern sprach je ein Delegierter. Der Delegierte für Palästina, Herr Disengvff, der im Namen der palästinensischen Bölkerbundliga sprach, führte aus, die palästinensische Liga' sei noch jung, aber der Bölkerbundgedanke ist in Palästina nicht neu. Die Liga hat zur Propaganda der Völkerbundidee eine Broschüre in hebräischer Sprache herausgegeben, die Beiträge der hervorragendsten palästinensischen Dichter, so auch von Ch. N. B i a l i k, enthält. Schriften in anderen. palästinensischen Sprachen werden folgen. In 160 jüdischen Schulen, in denen 21,000 Ander , erzogen werden, tvird im Geiste dieser Versammlung gearbeitet. Das Hauptbureau der Palästina-Liga befindet sich in Jerusalem, es bestehen Abteilungen in Jaffa und Haifa,' weitere Abteilungen sind in der Bildung begriffen. Herr Disengoff schloß: In Palästina Haben die Propheten zuerst die Idee des Friedens und der Völkerverbrüderung proklamiert. Hoffentlich wird die Palästina-Liga bald so stark sein, daß sie die Ligen aller Länder zur Abhaltung des Weltko mg r e s s e s i n Jerüschalajim, der. — wie ihr Name sagt — Friedensstadt, wird veranlassen können. Segen die geplante Bcnlngermig «er BiMecbundriitrfijMtn. Berlin, 31. Mai. Die heutige Vollsitzung des Weltvepbaudes der Völkerbun-dgesellschafteu nahm eine Entschließung an, in der der B ö I k e r ü u n d r a t gebeten wivd, seine Zusammenkünfte wie bisher abzuhalten, da die geplante Verringerung der Zahl der Zusammenkünste sich ] Dieser Vertrag solle die Lösung internationaler Streitfragen auf eine rationelle und moderne Grundlage stellen, wobei der Krieg als politisches Mittel ausgeschlossen bleibe mb die Grundsätze des Locarno-Abkommens den gegenwärtigen Verhältnissen cm gepaßt werden. Er solle bestimmen, daß die Signatarmächte zur Lösung von Konflikten untereinander in, Zukunft keinesfalls zu krie ge r i s che n Mitteln greisen wevden. Der Vertrag taste in keiner Weise die souveränen Rechte der Vereinigten Staaten oder der anderen Länder an. Er würde Verteidigungskriege zulassen und zum erstenmal eine genaue Umschreibung des Verteidigungskrieges enthalten, die zu keinerlei Mißverständnissen mehr Anlaß bieten könnte. ' Präsident Coolidgc steht dem Vorschlag günstig gegenüber und hat den Präsidenten Dr. Buttler ersucht, direkt mit dem l Staatsdepartement in Verbindung zu treten. g e'g e n d i e In t er essen des Friedens auswircke. Die Versammlung stimmte auch einer Entschließung zu, in der die Notwendigkeit betont wird, in einem internationalen Abkommen die Bedingungen festzulegen, die in allen zivilisierten Ländern bei der Behandlung verhafteter oder eingekerkerter Personen befolgt wevden müssen. Woldemaras über die jüdische Minorität. . K o w n o, 30. Mai. (I. T. A.) Der litauische Ministerpräsident Woldemaras empfing den- Redakteur der „Mischen Stirne". Auf die Frage, ob der Aufru-s der Regierung gegen den angeblich allzu großen Einfluß der Minderheiten nicht in Wid-erspruch zu der Verfassung steht, erwiderte der Premier: Wir wollten durch diesen Aufruf nicht den Minderheiten einen Vorwurf machen, sondern eher den litauischen Parteien, die erreicht haben, daß die Minderheiten das Zünglein an der Wage sind. Diese dürfen eine solche Rolle aber nicht spielen, da ja nicht sie die Unabhängigkeit Litauens erkämpft haben. Eine gewisse Ausnahme machen aber die Jude n, die sich als erste an der Arbeit für -den Wiederaufbau Litauens beteiligt haben, wenn sie auch dies eher wegen der Zersplitterung Rußlands als aus Liebe zu einem unabhängigen Litauen getan haben. In den Reihen der ersten Freiwilligen zur Erkämpsung der litauischen Unabhängigkeit haben wir Juden nicht gesehen. Nach der Mobilisierung aber traten auch Juden freiwillig in die Arme ein. Immerhin Haben -die Juden vor allen anderen Minderheiten an einem litauischen Ausbau gearbeitet. ' ’ *' ‘ Sie Keisepiifse für Staatenlose. -Das österreichische Wanderungsamt teilt mNu Ms Grund eines von der 2. Internationalen Paßkonstrmz (Mai 1926) ausgesprochenen Wunsches wurde ein pertenkowitee mit dem Studium der Frage der. Ausstellung eines international anerkannten Jdentitätsdokuments für Personen »HnsSlaHsangchörigkeit betraut. ■; | Dieses Komitee, das in Genf am 12. Und 1*13. Jänner d. I. tagte. Hat nunmehr ein Projekt ausgearbeitet, demzufolge nicht nur Personen ohne Staatsangehörigkeit, sondern auch solche, deren Staatsangchörigkefit zweifelhaft ist, mit einem dem wirklichen Reisepässe gleichkommenden Jdentitätsdokuments beteitt werden sollen. Die mit dem sogenannten Nnnsen passte beteilten Flüchtlinge würden drnch diese nsj#e EinWrung nicht berührt werden. Dieser Gegenstand wird auf die Tagesordnung der dritten Session der Generallonferenz für Händel Md Transit, die noch im Laufe die steB Kahres äbgchalten werden wird, gesetzt werden.