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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-28 · Heft 2963 (28.5.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2963 (28.5.1927)
Date
1927-05-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I pfel8 jp ~^j I! edakti on. Adtnini strati on: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon 44-0-99, 48-3-19 Telephon ab 6 Dhr abends 38-5-80 Serie, ab ‘/a9 Uh, abends 38-5-83. Druckerei: VI!., Lerchenfelderatraße 1 („lnva“) Preise: Wien und Oesterreich durch Post oder Verschleißstellen monatl. 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Tunern des "1 altes. Wiener Morgetyeitung auwWImmu'. MOBELHAUI 7. WÜHL etOUEME TEILZAHLUNG! Nr. Me«, Samstag, 28. Mal 1927 (28. 3int 5687). 9. Safjrgang Im revaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangcsetztes E gekennzeichnet. Neueste, nach eigenen Erfindungen patentierte Kupeeschrank- Touristen- Auto- Koffer und alle Arten von Relserequlslten u. Lederwaren wegen bevoi stehender Renovierung xu fabelhaft billigen Preisen nur beim AJlein-Erfinder u. Erzeuger L. STORCH, WIEN, VIII. JosefstüdterstraBe Nr. 36 — Telephon 26-8 67 Mafmtzk wiedersewShlt. Srn ersten Wililgmg mit 274 Stimme». Prag, 27. Mai. Schon in den frühen Morgenstunden herrschte , im Mgcordneteuhause reges Leben. Die Umgebung des Parlaments war seit 10 Uhr itt weitem Umkreis gesperrt. Dahinter stand dichtgedrängt das Publium. Geraume Zeit vor Beginn der Sitzung sind Tri- . ünen und Galerien dicht gefüllt. Fast das gesamte d 1 plo-m a ti s che. K o r p s war anwesend. Ler President eröffnete um 11 llhr 16 Minuten die Sitzung. Ein kammnnistischcr- Mgeordueter ruft: Der Abgeordnete Sedorjak ist im Kriminal! Es entsteht Lärm auf den Bänken der K.ornmuuisteu, der ungefähr eine Minute dauert. Anniesend sind im Hanse 286 von 299 Abgeordneten und 148 von 150 S en a to r en. Der Lärm auf kommunistischer Saite dauert noch einige Zeit an. Der Vorsitzende Malipetr icuftatiert, daß die Nationalversammlung zur Vornahme der Präsidentenwahl beschlußfähig ist und macht über den dabei zu beobachtenden Vorgang Mittelung. Um 11 Uhr 22 Minuten beginnt die Stimmenabgabe. Masaryk wird im ersten Wahlgang mit.starker Mehrheit zum. Präsidenten der Republik wiedergewählt. Bon den 434 anwesenden Abgeordneten und Senatoren wurden 432 Stimmzettel abgegeben. Aus Masaryk entfielen 274, auf den Kommunisten S t n r c 54 Stimmen. 104 'S t i m ritze ttel waren leer, woraus zu schließen ist, daß die Nationaldemokraten und die slovakische V o l? s p a r t e i leere S t i m m z c t t e t; abgegeben haben. Präsident Malypetr begibt sich in Begleitung des Staatspräsidenten und des Ministerpräsidenten in die Burg, um Masaryk von 'dem Ergebnis zu verständigen. Um dreiviertel 1 Uhr ertönen die Alarmglocken, das Signal, daß der Präsident mit seiner Suite die Burg verlassen hat. Ans dieses Zeichen füllt sich der Saal sehr rasch, und nur die Bänke der Kommunisten, der Dentschnation alen und der deutschen Nationalsozialisten, der ungarischen Nation alp artei und der ungarischen christlichsozialen Landespartei blieben leer. Um 1 Uhr ivird der Sitzungssaal Volt beleuchtet. Als Präsident Masaryk mit seiner Begleitung erscheint, erheben sich Abgeordnete, Senatoren und. das Publikum von den Sitzen. Nachdem der Präsident Platz genommen hat, richtet Präsident Malypetr eine Ansprache an ihn, in der er sagt: „Wir begrüßen Ihre Wiederwahl als den Ausdruck der Ehrerbietung und des Dankes und gleichzeitig als Kundgebung des Vertrauens in Ihre Gerechtigkeit und Unparteilichkeit, von der die ganze Bevölkerung tvie bisher die gleiche. Liebe, Sorgfalt und Wohlwollen erwartet. Die Nationalversammlung hat durch: ihre heutige Entscheidung dargelegt, daß unsere Republik in ihrer geordneten Entwicklung auf dniGrundlage der Demokratie sortschreitet." Präsident Masaryk leistet sodann das Gelöbnis nach folgender Formel: „Ick) gelobe, daß ich die Pflichten übernehme, welche nur das Gelöbnis anferlegt, und Die Note über den Abbruch. Lachlich im Zon. — Abreise der Raffen innerhalb zehn Tagen gefordert. London, 27. Mai. Die englische Note über den Abbruch der diplomatischen Beziehungen tvurde dem russischen Geschäftsträger Rosengoltz heute vormittags zugestellt. Sie ist nicht nach Moskau gesendet worden. Der Text der Note, die 80 m a s ch i n g e s ch r i e b e n c Serien umfaßt und in einen: sachlichen Ton gehalten ist, jvurde abends veröffentlicht. Die Note nimmt Bezug auf die Durchsuchung des Sowjetgebäudes, die bewiesen habe, daß von dort aus militärische Spionage und rirriftürzlerische Propaganda betrieben wurde. Die Note sagt, daß die Geduld der Negierung hier ihre Grenzen erreicht habe, und sie sich jetzt entsprechend dem Wortlaut des Handelsabkommens als frei von den Verpflichtungen dieses Abkommens betrachten müsse. Die dem Leiter der Handelsdelegation und seinen Gehilfen gegebenen Vorrechte seien damit aufgehoben und ihre Abreise aus England müsse gefordert werden. Dem rechtmäßigen Handel zwischen beiden Lä.:-- dern werde die Negierung keine Hinderniss e in den Weg legen und die Aveos-Gesellschaft könne ihre Tätigkeit fortsetzen unter den Bedingungen, wie andere Handelsgesellschaften in England. Ein e^An zahl Angestellter, deren Namen mitgeteilt werden sollen, würden die Erlaubnis erhalten, in England z u bl e ib e n. D.ie Note schließt: „Endlich hat die Regierung Sr. Majestät beschlossen, daß sie nicht länger diplomatische Beziehungen mit einer Regierung aufrecht erhalten kann, die einen solchen Stand der Dinge, wie er enthüllt worden ist, duldet und ermutigt. Die bestehenden Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind hiedurch aufgehoben, und ich habe die Forderung zu stellen, daß S i e s i ch s e lb ft u n d I h r Stab aus England innerhalb der nächsten 10 Tage zurückziehen. . Ich weise den Vertr et e r S r. M aj e statin M o sk a u an, Rußland mit seinem Stab zu verlassen, und würde mit freuen, wenn Sie Ihre Negierung ersuchen würden, Mister Preston in Leningrad und Mister P a t o n in Wladiwostok die notwendigen Erleichterungen für ihre eigene Abreise und die ihrer Gehilfen zu gewähren. Genaue Vorkehrungen, über deren Einzelheiten Ihnen ordnungsmäßig Mitteilungen gemacht ivird, werden für Ihre und Ihres Stabes aus England und die der russischen Mitglieder der Handelsdelegation getroffen werden." Kein Krieg! CkMungen Baldwkns. London, 27. Mai. In einer Rede über die englischrussischen Beziehungen sagte Premierminister Baldwin: Die Zeit ist gekommen, den Einmischungen in die Angelegenheiten unseres Landes ein Ende zu bereiten. Wir haben diese Maßnahme einzig und allein ergriffen, weil uns die Einmischung Moskaus in unsere inneren Angelegenheiten unerträglich ist und weil wir überall in der Welt seine Agenten finden, die gegen uns unfreundlich, ja feindlich handeln. Ich wünsche kategorisch zu erklären, -atz ttttfei Bruch den Krieg gegen Rußland weder bedeutet noch dedjrrgt. Er bedeutet mir, daß wir nicht beochsichtigendie politischen Bezieh u ngen zu Moskau wei 1 er zu pflegen. Wir sind oder ganz und gar Anhänger der Fortsetzung des rechtmäßigen Handels zwischen den beiden Ländern. Belastungen russischer Beamten. London, 26. Mai. Das Reutevsche Bureau meldet: Die Erklärung des Ministers des Innern im Untexhaufe läßt zahlreiche Verhaftungen von Spionen im Dienste Rußlands vorausschen, darunter des Chefs der C h i f f r i e r a L t e i l u n g der ' russischen Handelsdelegation in London, Anton Miller. Deutschland mit der Wahrnehmung der russischen guter essen ln England betraut. Berlin, 27. Mai. Das Wolsffche Bureau meldet: Der Botschafter der Union der sozialistischem. Sowjetrepubliken, Krestinski, sprach heute im Auswärtigen Amte vor, um den Wunsch seiner Regierung zu übermitteln, daß die Reichsregierung angesichts des Abbruches der Beziehungen zwischen der britischen Negierung und der Sowjetregierung die deut.sche Botschaft in Landen mit der Wahrnehmung der r u s s i f ch e n I n t e r e f s e n i n Eng lau d beauftragen möge. .Die Reichsregierung. hat diesem Wunsche entsprochen. . daß ich aus das Wohlergehen der Republik und des Bol-. kes bedacht fein und die Verfassung und die anderem Gesetze beobachten werde." Während der Angelobung macht der russinische Abgeordnete K u r t y a k einen Z w i s ch e n r u f, daß, die Bestimmungen des Friedensvertrages von St. Germain bezüglich Karpathorußjands nicht erfüllt ivorden streu. Die Abgeordneter: und Senatoren bringen Masaryk stürmische Ovationen dar. Um halb 2 Uhr verläßt Masaryk den Saal /und begwt sich mit seiner Begleitung in die Burg. Kmdgevllm lilr Moslchk. Prag, 27. Must äuz rprag i)cu zur Feier der Wieder-, nMasaryks zum Präsidenten Pestschmuck angelegt. Der Abend geftaltrte sich zu einer imposanten Kund-... gebung der breiten Massen für Masaryk. Die Huldi- I gungen gipfelten in einem Umzug ans die Burg. Auf l oem Platze vor der Burg und in den Burghöfen sammelte sich eine große Menschenmenge an, die den Präsidenten lebhaft akklamierte, als er sich mehrmals am Fenster zeigte. Auf dem Platze vor der Burg wurden auch Versammlungen abgehalten, in denen mehrere Abgeordnete sprachen. Die Wiederwahl des Präsidenten im ersten Wahlgang ist nur durch die Haltung der deutschen Parteien möglich geworden. Das Wahlergebnis selbst wurde in der Kammer, vor allem vpn den sozialistischen Parteien mit . großem Beifall ausgenommen, währrss.d die bürgerlichen Parteien'in' Schweigen verharrten. Ms Pikanterie : sei verzeichnet, daß Abg. Kramarsch, der sonst in einer Bank an dem Gange sitzt, durch den der Präsident schreiten mußte, einer: weiter entfernten Platz anssuchte, um einem eventuellen Zusammentreffen v>- ' Masaryk auszuweichen. Kasha, Pepita, Moderipse und alle Sommerneuheiten zu tief reduzierten Preisen in der BESTEH fEBHaUFSBlSEtLSCHBPT VI., MARIAHILFERSTRASSE 3 (PROVINZ MUSTERVERSAND) 52563^741508

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