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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-27 · Heft 2962 (27.5.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2962 (27.5.1927)
Date
1927-05-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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[ Preis 20 p Redaktion, Administration: Wien, II.,Taborstr. 1 Telephon 44-0-38, 43-3-19 Telephon ab 6 Dhr abends 38-5-80 Serie. Ab '-9 ühr abends 3S-5-83. Druckerei: VII., Lerchenfelderstraße 1 („Inra“") Preise; Wieo und Oesterreich durch Post oder Verschleißsteilen monatl. 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland iw Innern des Blattes. Wiener orgenze innig ^Besuchen Sie diotel Continental Wien, 11, Pralersbaße l nächst Schwedenbtäcke Zenitale Gage f Komfortables Hoiel f Katteehaus und Resiaueanl / Schönet, slaubtreier, schattiger Qatien! Mäßige Preise Rr. 3962 Mm. Freitag. 27. Mai 1927 (25. Slot 5687). 9. FaHrgaag Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangefehtes E gekennzeichnet. Prag. 26. Mai. (Tsch. Pr. Br.) Margen findet die Neuwahl des Präsidenten der Republik durch die aus Abgeordnetenhaus und Senat gebildete Nationalversammlung statt. Nach den gesetzlichen Bestimmungen ist für die Wahl des Präsidenten die Anwesenheit von mehr als der Hälfte der Mitglieder der Nationalversammlung erforderlich. Da das Abgeordnetenhaus 300 und der Senat 160 Mitglieder zählt, ist die Anwesenheit von mindestens 226 M i tgliedern notwendig. Der Präsidentschaftskandidat mutz drei Fünftel der Stimmen der anwesenden Mitglieder der Nationalversammlung auf sich vereinigen. Die Abstimmung ist geheim. Wenn keiner der Kandidaten beim ersten oder beim zweiten Wahlgange eine Drei-Fünftel-Majorität erhält, kommen sene zwei Kandidaten, die die größte Zahl der Stimmen auf sich vereinigt haben, in die e n g e r e Wahl. Bei derselben sind leere Stimmzettel sowie jene, die einen anderen Namen als einen der beiden Kandidaten enthalten, ungültig. Die Entscheidung erfolgt mit einf a ch'e r M a j o r i t ä t. Wählbar ist jeder tschechoslowakische Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechtes, der das 35. Lebensjahr zurückgelegt hat und für das Abgeordnetenhaus wählbar ist. Der für sieben Jahre gewählte Präsident kann nach Ablauf der. Amtsperiode nur noch einmal wiedergetvählt werden. Diese Bestimmung gilt nicht für den ersten Präsidenten Doktor Masaryk, welcher mehrmals und «unmittelbar nacheinander zum Präsidenten wiedergeNiählt werden kann. Die morgige Präsidentenwahl ist die dritte in der Tschechoslowcckei. Zum erstenmal wurde Dr. Masaryk am 14. November 1918 einmütig zum Präsidenten gewählt. Die zweite Wahl fand gemäß der definitiven Verfassung am 27. Mai 1920 statt. Dr. Masaryk erhielt im ersten Wahlgang 284 von 411 gültigen, Stimmen und war somit gewählt. Das Stärkeverhältnis der Parteien in der Nationalversammlung ist folgendes: 1. Tschechische Parteien: Tschechoslowakische republikanische Partei 69, Kommunisten 62, tschechoslowakische Volkspartei 47, tschechoslowakische Sozialdemokraten 43, Nationalsozialisten 39, slolyakische Volkspartei 36, /Nationaldemokraten 20, .tschecho/lotoakische Gewerbepartei 19. 2. Deutsche und ungarische Parteien: Vereinigter: Klub der deutschen Agrarier,, der deutschen Gewerbepartei, und der ungarischen Nationalpartei 36, deutsche Sozialdemokraten 26, deutsche christlichsvziale Volkspartei 20, deutsche Nationalpartei 16, deutsche Nationalsozialisten 9, ungaüsche christlichsoziale Partei 6. Außerhalb der Klubs befinden sich 4 Mitglieder. Die Natlonalvemottaten gegen Masaryl. Prag» 26. Mai. Die heutige gemeinsame Sitzung der Klubs der nationaldemokratischen Abgeordneten und Senatoren hat beschlossen, Th. G. Masaryk bei dev morgigen Präsidentenwahl nicht zu. wählen. In. der Begründung heißt es u. a., daß Masaryk in seinen Ansichten, einen anderen Weg ging als die traditionelle nationale und slawische Politik. Ile Deutschen für Masarh.. Prag, 26. Mai. In einer gemeinsamen Vollsitzung des Bundes d e r Landwirte , und. der deutschen Gewerbe p a r t e i wurde beschlossen, morgen für Masaryk zu sliimnen. Der K'lnb der Abgeordneten der deutschen soz:aldemokratischen Arbeiterpartei hat beschlossen, mir Rücksicht auf die fortgesetzten Treibereien und Machinationen der nalionalist'.jchen, sasc:stjschen und klerikalen Elemente der deutsch-tschechischen Bürgerregiorung für Masaryk zu stimmen. MermtwnM Allianz für Frauenwahlrecht. Eine Tagung ln Prag. Prag, 26. Mai. Gestern ist hier die Tagung der internationalen Allwnz für Frauenivahlrecht eröffnet worden. Auf der Konferenz sind England, Holland, Frankreich, Deutschland, die Schweiz,' Jugoslawien und Griechenland vertreten. M 387 gegen 111 Stimmen. öhamberlaln hatte klare Stellungnahme des Unerhauser verlangt. — Zer Gegenantrag der Arbelterpartei auf kinletzung eines Untersnchungsansfchvffe» mit 867 gegen 118 Stimmen verworfen. London, 26. Mai. In Erwartung der Rnssendebatte im Parlament war das Hau? außerordentlich st a r k besucht. In der Diplomatenlogc waren zahlreiche ausländische Vertreter erschienen. Sowohl Chamber l a i n wie auch die Führer der Opposition wurden bei ihren» Erscheinen mit lebhaften Zurufen von ihren Parteien begrüßt. ClYneS brachte die Resolution der Arbeiterpartei ein, die auf die ernsten internationalen Folgen und auf die Störungen im Wiederaufbau von Handel und Industrie himveist und eine Untersuchung des Tatbestandes durch ein besonderes. Komitee fordert. Clynes erklärte, daß der englische Außenminister noch vor einigen . Monaten mit großer Beredsamkeit und Ueberzeugungskraft die Gefahr eines Bruches mit Rußland für den Frieden Europas geschildert. habe. CHamberlain amvvrtete - auf die Ausführungen Clynes, daß dieser nicht genügend Kenntnis von den Vorgängen habe. Die englische Regie- : rung besitze noch weiteres .MaMial dessen'Veröffentlichung aber von der Regierung nicht als wünasche ns wert angesehen werde. Chamberlain erklärte. der legitime Handel nftOe seinen Fortgang nehmen, aber die russischen Staatsangehörigen würden fortan kein besonderes Vorrecht genießen und ungesetzliche Handlungen nicht fortsetzen können. Die Regierung sei nicht geneigt, die Resolution Clynes' anzunehmen, da diese ein Tadels Votum sei. Die Regierung wünsche, daß das Haus dem Vertrauen uirl) der Billigung flat Ausdruck gebe. Sollte dies nicht geschehen, werde die Negierung wissen, was sie zu tun habe. In feiner weiteren Rede führte Chamberlain aus, es sei kein Wort wahr an der Behauptung, daß er in Rom und Genf versucht habe, einen antibolschewistischen Verbau». zu. bilden. Die britische Regierung denkt nicht im entferntesten daran, einen derartigen antibolschewistischen Feldzug einzuleiten. Die britische Negierung hat mit allen zusammengewirkt und wird mit allen jenen Zusammenwirken, die loyal den Völkerbund unterstützen, und die helfen, seine Autorität zu vermehren und zu seiner Stärkung beizutragen. So. hat, sich England auch in Locarno daran gemacht, mit den Mächten zusammenzuarbeiten, und ist dorthin gegangen, um die Schäden von gestern gutzumachen, um ein neues Blatt der Geschichte aufzuschlagen und zu versuchen, eine Grundlage für die Versöhnung derer zu legen, die kurz vorh.r Feinde in Waffen gewesen waren. In allen diesen Angelegenheiten, in der Verfolgung des Friedens, in jener Sphäre, in jedem Zusammenwirken mit den Völkern, in jener Gemeinschaft in Locarno, hat es nur e i n e R e g ie ru n g gegeben, die sich g e w e i g e r t hat, mitznwivken. Es hat nur eine Regierung gegeben, die nicht nur diese Bemühungen der Befriedung und Versöhnung scheel angesehen hat, sondern versucht hat, sie zn behindern, eine Regierung, die ebenso feindselig gegenüber dem Völkerbund löic allen Zielen, die er verfolgt, ist. Trotzdem hat sich England bemüht, hat die Beziehungen fortgesetzt, die ein. langer Trug geworden waren, bis die englische Regierung es schließlich für notwendig gehalten hat/ sich nicht mehr aus die mündlichen Warnungen, die sie immer wieder geäußert hätte, zu beschränken, sondern noch einmal in feierlicher Form Worte deS Protestes und d Warnung zu wiederholen, denen die S o w j e t r e g i e r u n g »o i t* herum keine Aufmersamkeit geschenkt Hai. Sie Hai gezeigt. daß sie u n v e r b e f s e r I i ch ist. Lloyd George erklärte in seiner Rede, er müsse zugeben, daß die S o wjetregierung nicht ehrlich gehandelt habe. sehe auch ein, daß es für die englische Negierung nicht mögA lich ist, alles Beweismaterial. das ihr in die Hände gefall len sei, zu veröffentlichen. Es sei auch gerecht, wenn die Negierung eine Aktion unternehme, doch müsse er fragen, ob die getvähltc Aktion klug sei. Es sei bedauerlich, daß die Außenpolitik Englands seit dem Kriege in den meisten Fällen vom Innen- und nicht vom Austenministerium geführt werde. Die Folge des Bruches mit Rußland werde eilte Verdoppelung und Verschärfung der russischen Propaganda sein. Chamberlain habe überstürzt den Bruch borgenommen in einer Zeit, wo sich die Lage zweifellos gebessert hatte. Hat sich die Regierung klar gemacht, wie die Beziehungen wieder ausgenommen werden können? Die Regierung hat in das unruhige Europa einen. Zankapfel getvorfen, und sie hat die Pflicht, an der Beruhigung mitzuarbeiten. Nach Lloyd George kam der Labour-Mgeordnete Clynes zu Wort, der die Stellung der Arveiterpkrbeil beleuchtete. Seine Rede war um Mitternacht noch nicht zu Ende. Die Mftimmung: Der Antrag der Regierung auf Abbruch der Beziehungen zu Sowjctrußland wurde mit 357 gegen 111 S t i m m e n a n g e n o m m e n. Mehr als 40 Liberale hatten sich der Abstimmung enthalten. Der Gegenantrag der Arbeiterpartei wurde mit 367 gegen 118 Stimmen verworfen. Sine SrliSkung des rnsstsche« SeschSltstrSgerr. London, 26. Mai. Der Geschäftsträger der Sowjetunion in England hat an die Blätter eine Mitteilung gerichtet, worin er seinem Bedauern über den Beschluß der englischen Regierung Ausdruck gibt, das Handelsabkommen vom Jahre 1921 zu kündigen. Die diplomatischen Beziehungen unter einen: nichtigen Vorwand und mit zweifelhaften Argumenten abzubrechen, sei ein beispielloser Willkürakt ohne Präzedenz, durch den der britischen Regierung die volle Verantwortung für einen eventuellen Bruch zufalle. Die Abreise der Russen. London, 26. Mai. Die Mitglieder der russischen Botschaft, der Handelsdelegation und der Areos-Gesüllschaft haben ihre Vorbereitungen zur Mreise derart beschleunigt, daß ein großer Teil von ihnen bereits Samstag abreisen wird. Au» Kanada bricht mit Rußland. London, 26. Mai. Die kanadische Regierung hat, ivie aus Ottawa berichtet tvird, beschlossen, die Beziehungen mit Rußland abzubrechen. Die Regierung habe Beweise dafür, daß Rustland zahlreiche Besnmmnngen des Handelsabkommens verletzt habe. Dieser Beschluß der kanadischen Regierung wird von der Handels- und Jndustriewelt vielfach mißbilligt. Zahlreiche Firinerl, die mit Rußland im Handelsvwkehr stehen, sind dieser Tage bei der Regierung im Sinne der Aufrechterhaltung der Beziehungen vorstellig geworden. (Kanada »var bekanntlich das einzige Dominion, das einen besonderen Handelsvertrag mit Rußland hatte.) Nachdem der kanadische Premierminister die Entscheidung Kanadas, die Beziehungen mit Rußland abzubrecl-en, belanntgegeben hatte, hat der russische Vertreter erklärt, daß alle Verträge mit dem kanadischen Landmirtschastsministerium gekündigt seien, von denen sich, beispielsweise einer auf den Ankauf von 4000 Pferden bezog. - 14

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