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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-25 · Heft 2960 (25.5.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2960 (25.5.1927)
Date
1927-05-25
Page
Seite 4 (sequence 2)
Language
German
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3citc 4 sÖMer«, Mtttwocl» Wiener Morgeirzeiturig 26. Mai 1927 Nr. 2960 /ebner D r. T n r t n f o w e r beteiligten. .<ö:vr. Dr. Tartakviver [ait'b starke Z u st i m m u n g, als er Tr. Weisls Kritik als maßlos und unverantwortlich bezeichnote un-d darauf himvies, daß 'vlche Reden geeignet seien, die Zionisten i:t ihrem Mangej an Opferfreudigkeit für den Patastina-Auspau ah bestärken, sowie iit der Neigung, alle Schuld« für das langsaure. Tempo des Aufbaues und für alle Fehlfchlage und Mißerfolge auf die zionistische Leitung zu schieben. Unaufgeklärt blieb aber bis zum Schluffe der allzu auspruchsoolle Titel von der Gößendämmemug. der übrigens auch recht unglücklich erscheint. Wenn ein System versagt, »voran doch auch politisch'? Widerstände außerhalb des Judentums und die große Weltkrise mit die Schuld trage»», so ist das noch keine Mpendäuriueruirg. Das Wort pflegen sowt nur Todfeinde des indischen Zukunftsglaubens an zurrenden, die das große politische Werk des Zionismus riur vom Gesichtspunkt der Rentabilität behandelt wissen vollen. Km jüdischer Mädchen verschwunden. Wie ivir seinerzeit aus Preßburg berichtet hatten, war dort am 31. Jänner d. I. die 17jährige Kontoristen Elisabeth Kohn, Vcnturgasse 7, in der Früh plötzlich bersch rvun den. Tas Mädchen war am frühen Morgen vom elterlichen HauS in der Vcnturgasse 7 fortgegangen, um sich, wie gemijhnlich, ins Bureau zu begeben, doch 'ist sie dort nicht eingetrosseu und auch nicht mehr nach Hause zwrückgekehrt. Ter Fall wnrde sofort der Polizei gemeldet, doch sind alle Recherchen nach dem verschwundenen Mädchen bisher erfolglos geblieben. Die verzweifelte Familie wendet sich nun an die jüdische Oeffentlichkeit der ganzen Welt mit der Bitte, »nan möge ihr behilflich sem, ihr Kind ausfindig zu machen. Insbesondere möge die Aufmerksamkeit der jüdischen Gesellschaften für den Schuh von Frauen und Mädchen auf den Fall gelenkt »verden. Das Mädchen ist mittelgroß, hat blondes Haar, blaue Augen, trägt »vegen seiner starken Kurzsichtigbert Augengläser, spricht deutsch und ungarisch. Eventuelle Mitteilungen mögen an Rechtsanwalt Doktor Baruch Tomaschoff, Bratislava (Preßburg), Tschechoslonm- ^ei, gerichtet werden. Ae zwilllogrbrvder. Ern Newyorker Richter hatte vor kurzein, wie uns von dort geschrieben »vird, in einer recht verzivickten Familienangelegenheit Recht zu sprechen. Vor ihm stand der Schneider Abe Grvßmann, gegen welchen Frau Jda Großmann die Klage erhoben hatte, daß er sie und!chr:Kind treulos verlassen habe. Demgegenüber beteuerte Abe Großmann, daß er mit Mrs. Jda niemals die Ehe gchrochen habe; seine rvirkliche Gattin sei vielmehr Mrs. Lotte, die er dem Richter auch vorstellt. Worauf Mrs. Jda entrüstet ausruft: „Ich werde doch meinen eigenen Mann kennen! Das ist kein anderer als dieser Herr hier, der sich jetzt als Abc Großmann ausgibt, während er, als er mich heiratete, sich Isidor G'roßmann nannte." Auch dm Einwand des Beschuldigten, daß er mit seinem Z »v i l - lin g sbrud er verwechselt werde, »vollte die Klägerin nicht gelten lassen. Als es zrvischen den beiden Goldmann- Damm zu heftigen Austritten kam, erklärte der Richter, sich vom Heeresamt dke Fingerabdrücke des Mr. Abc Großmann, der als Soldat im Kriege gedient hat, zu beschaffen, bemerkte hiebei allerdings, daß es nicht unwahrscheinlich sei, daß die zwei Zwillingsbrüder auch di? ganz gleichen Fingerabdrücke produzieren. Nach einigen Tagen erschien Abe Großrnann, gegen de»» nunmchr auch die eigene Gattin Verdacht geschöpft hatte, triumphierend vor dem Richter. Er hatte seinen treulosen Bruder Ist aufgestöbert und dem Richter stellig gemacht, der den unangenehmen Zwillingsbruder verurteilte, an die verlassene Frau und das Kind wöchentlich-fünf Dollar Erhaltungsbeitrag zu zahlen. Kühner Banlbetrug in Paris. Paris, 2-1 Mai. Die Baut „Union.Parisienne" ist durch einen kühnen Betrug um 8 Millionen F ran cs geschädigt worden. Mit Forumlaren der Bank und den, »vie sich ^rausstellt, gefälschten Unterschriften zweier Direktoren ist diese Summe an die Westininster Foreig n Bank in London überwieseü und durch die Pariser Filiale dieser Bank wieder an die So-, riete Foncier e de Calvados in zwei Schecks ausgezahlt worden.. Der Chef dieser Gesellschaft, Ing. -Maurice Moatti, ist verhaftet worden. Cr erklärte, daß .er diese Summe i»n Aufträge eines Kapitalisten namens Dorfevre behoben habe, der um zwei Millionen Aktien seiner Gesellschaft übernahm und sich 5,200.000 Arlanes *|n Banknoten von ihm habe auszahlen lassen. Es stellte sich heraus, daß Dorfevre niernals umer der angegebenen Adresse gewohnt, sondern nur den Hausbesorger bewogen habe, für ihr» die P o st z u ü b er ne h - men. Dorsevre soll sich augenblicklich in Genf aufhatten. Marr glaubt, daß der Flüchtige vielleicht ein früherer Au-- gestellter der geschädigtm Bank geivesen sei oder mit einem Angestellten in Verbindung stehe, der ihr»» die Formulare und sie Briefumschläge der Bank verschaffte. Me Telephonnummern der Redaktion nuten jetzt ab6Uhrabeuds 38-5-80 Serie, ab 149 Uchr abends 38-5-83. De Pinedos Szeanflug mißglückt. ISO Meile« vor de« Azoren auf der See aledergegange«. — Ae Flieger unversehrt. London, 24. Mai. Der italienische Weltflieger d e P i n c d o, der gestern abends von seinem Anierikaflug aus den Azoren cirttreffcit hätte sollen, wird vermißt. In Hort a auf den Azoren waren alle Vorbereitungen zum Empfang dos Fliegers getroffen worden. Nachdem er bis zur Mitternachtsstunde jedoch nicht aiigckorllmcn war, begannen portugiesische Schiffe Erkundigungsfahrten zu unternehmen. .Heute früh traf nun eine Meldung des Dampfers „Oilfield" ein, der gestern um 23 Uhr 30 Minuten in 42 Grad 60 Minuten nördlicher Breite und 33 Grad 39 Minuten westlicher Länge eine Goelette gesichtet habe, die nach Osten fuhr und ' einen Aeroplan nachschleppte, der anscheinend eine Trikolore gehißt hatte. Der Dampfer konnte »vegen der herrschenden Dunkelheit keine genaueren F e st st c l l u n g c n machen und hat auf seine L i ch t m o rs c z c i ch e n keine An wort erhalten. Man nimmt an, daß es sich um das Flugzeug d e P i n e d o s handelt. Am Meer niedergegangen und nach Horta geschleppt. Buenos Aires, 24. M-ai. Nach einer funkentelegraphischen Meldung au das Blatt ,La Nation" soll der italienische Füller de P i n e d o infolge Nebels ungefähr 150 Meilen von den Azoren entfernt niedergegaugeu und sein Apparat nach Horta geschleppt worden sein. P i n e d o sei unversehrt. Die Flugstrecke, die de Pin e d o sich ausgesucht hat, verläuft etwa von Neufundland südlich an den Bermudas vorbei, dann über die Sarzasso-Sec nach den dlzoren und sollte von dort über die PyrenäenhaWinsel und das Thyrenische Meer nach Italien führen. Sie ist erheblich länger als die Strecke New Dork—Paris, aber die Meeresabschnitte sind, einzeln gemessen, kürzer als Neufundland— Irland. Ile Suche nach Nnngeffer. Aus O t t a v a wikd gemeldet, daß die kanadische Regierung auf das sich hartnäckig erhaltende Gerücht hin, daß die französischen Flieger Nungesser und Coli an der nordatlant i s ch e n Küste Kana d a s gelandet seien, den kanadischen Flieger Bernon- Robin beauftragt hat, einen Flug zur Durchquerung von L a b r a d. o ,r, ferner der Insel A n t i c o ft i und der p n bewohnte n Gebiete im Norden der P r o b i n z Du c b e ck zu unternehmen, um die Flieger zu suchen. ' ' Llndbergy fliegt nach Brüssel und London. Paris, 24. Mai. Der amerikanische Flieger Lindberg h, der nach wie vor der Hold des Tages ist, wird Samstag nach Brüssel fliegen und von dort am Montag seinen Flug nach London fortsetzen, um dann nach zwei- bis dreitägigem Aufenthalt über Schweden nach Paris zurückzufliegen. Dort wird er dann mehrere Schauslüge veranstalten. Bei Besichtigung seines Flugzeuges erklärte Lindbergh, daß - die von Erinnerungsliebhabern verursachten Schäden weniger bedeutend sind, als er dies ursprünglich befürchtet hat. Das Flugzeug »vird in zwei Tagen wieder st a r t b e r e i t sein. In seinem Flugbericht im „Matin" erklärt heute Lindbergh, daß sein Atlanticflug durchaus nicht eine Ausnahmsleistung darstelle, er sei mit seinem Apparat schon von San Diego nach St. Louis geflogen und der Motor sei in der Zwischenzeit nicht berührt worden, so daß er SOEBEN ERSCHIENEN! Die Duden Wiens EINE STATISTISCHE STUDIE VON DR. LEO GOLDHAMMER OIE GEGENWÄRTIGE SITUATION PER JUDEnQEMEINDE WIEN UND IHRE ZUKUNFT ERÖFFNET DIESE WERT¬ VOLLE BROSCHÜRE, DIE FÜR Jܬ DISCH - POLITISCHE KREISE VON GROSSER BEDEUTUNG IST PREIS SCHILLING 4*60 R. LOWIT VERLAG, WIEN I., FLEISCHMARKT 1 ROTENTURMSTR. 22 im ganzen eine Flugleistung von 6« Gtmrden hinter sich habe. Lindbergh glaubt, daß sehr bald regelmäßige Flüge von New Dock nach Paris stattfinden »vcrden, und zwar mit Zwischenlandungen in N e u f u n d l a >n d und Süd-Irland. Notwendig sei jedoch, daß die S ch l f f s g e s e lisch a f t e n den mctereologischcnNach richte udienst übernehmen und die auf See befindlichen Schiffe jeden Tag morgens und abends Berichte über die athmosphärischen Verhältnisse funkentelegraphisch abgeben. Nach einer amtlichen Berechnung hat Lindbergh auf seinem Fluge nach Paris 3610 englische Mellen zurückgelegt und damit den bisher von den Franzosen, gehaltenen Rekord tut Flug über lange Strecken ohne Zwischenlandung überboteu. Der Präsident der Republik, Doumergue, besuchte heute früh den Flughafen Le B o u rg e t, wo er sich das Flugzeug Lindberghs zeigen ließ. Er »var von mehreren Ministern und anderen Persönlichkeiten begleitet. In dem Flugzeugschuppen, in dem das Flugzeug nntergebracht ist, wurde ein Bankett veranstaltet, an dem jedoch Lindbergh .nicht teilnahm, der heute mittags Gast des amerikanischen Klubs war. Zwei Schiffsgesellschaften halben, wie eine New Dörfer Meldung besagt, die Mutter des Ozeanfliegers, Frau Evaugeline Lindbergh, eingeladen, auf eine>m ihrer Schiffe als Gast nach Europa zu fahren, um ihren Sohn sobald als möglich wicderzusshen. Frau Lindbergh hat dankend a n g e w o m nt c n, ihre Reise jedoch von den weiteren Plänen ihres Sohnes abhängig gemacht. Wie „Associates Preß" aus Detroix meldet, hat. Lindberg Hs Mutter einen Film kontrakt über 100.000 Dollar abgelehnt. Sie sollte m dem Film cäi Hauptdarsteller in die amerikanische Mutter verkörpern. Heimkehr aus einem Kriegsschiff. N e w Y o r k, 24. Mai. Das Marineamt stellt einen Torpedo bootzer stör er für die R ü ck k e h r L i n dberghs zur Verfügung. ' Internationales Kriegsgefangenenrecht. Paris, 24. Mai. Wie die Agence Havas aus Luxemburg berichtet, hat die Internationale Konferenz der KnegA-- gefangencn, auf der Deutschland, Frankreich, England, Amerika und die Tschechoflorväkei vertreten waren, am 31. und 22. d. M. in Luxemburg getagt und sich mit ber Frage der in Sivirien zurückgebliebenen KriegSgefangeneu und mit der Frage der Schaffung eines internatro-- nalen Rechtes 'für Kriegsgefangene (Liga des Blauen Kreuzes) beschäftigt. Sämtliche Entschließungen find im Geiste der Verständigung gehalten. , Sin Budapefter Preßprozetz. B u d a p e st, 24. Mai. Der Chefredakteur des demo-. kratischen Montagblattes «A Neggel", Nikolaus Lazar, hatte sich heute vor dem Schadl-Senat des Budapefter Strafgcrichtshofcs wegen Berleurndung und Ehrenbeleidigung, begangen im Wegs der Presse, zu verantworten. Lazar hatte in seinenr Matte im Dezernber 1924 von dem ch r i st l i ch n a t i o n a l e n Blatt „U j N e m z e d e k" geschrieber», daß es vom Budapefter Publikum der Hauptsache nach nicht als Lesestoff, sondern als P a ck p a p i e r für Käse u n d K a st a n i e n verwendet wird. Das Blatt fühlte sich wegen dieser geringschätzigen Kritik gekränkt und strengte gegen Lazar die Klage au. Der Gerichtshof fand den angeklagten Redakteur sowohl der Ehrenboleidigung wie auch der Verleumdung schuldig und verurteilte ihn zu zwei Wochen Gefängnis und 400 P c n g ö G e l d ft r a s e. Lazar legte Beruftmg ein. Sie Fudenver|olg«ngen in Rumänien. Ein Proteftmeeting in Men. Wie loir erfahren/ hat sich in Wien ein Komitee gebildet, welches eine Protestaktion gegen die Judonverfolgün-- gen irr Rumänien veranstalten wird. Dem Komitee gchören, an: Namens der Wiener jüdischen Kultusgeme-inda der Präsident Generalstabsarzt Pros. Pick sowie die Vizepräsidenten Dr. Löwen Herz und Dr. O rnstein, namens der zionistischen Landesorganisation Dr. Rothblüm undSalo Sichlmerler, namens der israelitischen Allianze Hofrat Äöwner, namens der Union österreichischer Juden Karl Fröhlich, namens der Zionistischen Frauenorganisatw,« Frau Berger, namens des Verbandes ehemaliger zionistischer Hochschüler Dr. KÜnsbru »rner. Die jüdische Völkerbundliga ist durch ihre»: Präsidenten, Oberrabbiner Prof. Dr. C h a j e s in dem Komitee vertreten. Ferner gehören dein Komitee Hofrat Dr. Frankfurter soivie Vertreter des jüdischen Hochschulmisschusses an. Dieses Konntee veranstaltet Montag, den 30. Mai eine große Prodestversmmnlung, bei »velcher Herr Oberrabbiner Dr. C Hajes und der Vi'e.rä'i ent der Wiener israMt'ischen Kultusgemeiirde Herr Dr. Orn st ein s, rechen iverden. Wie loir erfahren, wird bei diesem Meeting auch ein Vertreter der Liga für Menschenrechte, semer der pazifistischen Unimr und des internationalen Christokratischen Studerdtelrverbandes das Wort ergreifen.

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