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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-24 · Heft 2959 (24.5.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2959 (24.5.1927)
Date
1927-05-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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[ Preis 20*9 . Redaktion, Administration Wlott, 11., Taborstr. 1 Telephon 44-0-38, 43-3-19 Telephon ab 6 Uhr abends 38-5-80 Serie, ab Va9 Uhr abends 3S-5-83. Druckerei: VII Lerchenfelderstraße 1 („Inra“) kreise' Wien und Oesterreich durch Post oder Verschleißsteilen monatl. 6 Schilling. Bezugsbedingungen kür das Ausland im Innern des Blattes. mmässssBsamesamssaBsam. BESUCHET sau Wiener Rathauskellar! Die Gemütlichkeit der guten alten Zeit. Wer kommt, wird wieder Stammgast f »«il.W.-Ml.UM. Volkstümliche Freisei Mittags-Menüs ä S 1*50 Direktion: OTTO KASERER Nr. 2959 Wir«. SK«,tag, 24. Mai 1987 (22. Wr 5887). 9. Jahrgang Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangefetztes E gekennzeichnet. Neueste, nach eigenen Erfindungen patentierte Kup&eschrank- Touristen- Auto- Koffer und alle Arten von Relserequlslten u. Lederwaren wegen -bevorstehender Renovierung zu fabelhaft billigen Preisen nur beim Alleln-Erfinder tt. Erzeuger I. HORCH, WIEN, VIII. JosetstBdterstraBe Nr. 36 — Telephon 26*8-67 Sie Aadtratwahle« in Warschau. Ile Rechtsparteien verlieren die MajoritSt. — Der national« Wische BW erringt iS Mandate. Warschau, 23. Mai. Sonntag fanden hier die Neuwahlen in den durch Regierungsdvkret aufgelösten Stadtrat von Warschau statt, von dessen 120 Sitzen die vereinigten Rechtsparteien bisher 61, . also die knappe Majorität inne gehabt hatten. Sie erlitten eine schwere Niederlage, ida sie nicht weniger als 14 Mandate verloren und somit die Majorität einibützten. Gestern erhielten die vereinigten Rechtsparteien im ganzen 118.643 Stimmen und somit 47 Mandate. Die demokratische Linke erhielt 40.673 Stimmen (16 Ma n.d a t e), die sozialde.mokra tisch «Partei, welche bisher 23 Mandate inne gehabt, hatte. 71D76 Stimmen (2 8 Mandate). ' . Die großen j ü d : s |tÄ.; Parteien - -hattew»fich zu^emem- Wahlb1 ock vereinig^ eine Methode, die ihnen' bei Len Wahlen für. den früheren. Stadtrat 19 Mandate gebracht -hatte; diesmal konnten sie 39.362 Stimmen und damit 15 Man«, date erringen. 'Der jüdische Arbeiterbund, der rm letzten Stadtrvt fünf Mandate gehabt hatte, erhöhte diesmal keinen Besitz ans sieben Mandate, da er 19-875 Stimmen auf seine Liste vereinigte. Die Wahlbeteiligung betrug durchschnittlich 65 Prozent, war jedoch bei der jüdischen Bevölkerung, in der auch eine Anzahl von kleineren Gruppen e:gene Kandidaturen aufgestellt hatte, um ein Beträchtliches -höher. Das Ergebnis der StädtratSwahlen bedeutet eine merkliche Verschiebung nach links und ist um so bedeutungsvoller, als nach den letzten Informationen die Neuwahlen für das P a r l a m e n t bereits im Herbst stattfinden werden. Nach'dem Warschauer Ergebnis zu schließen, wäre eine erhebliche -Schwächung der Rechtsparteien, vor allem der Msudffi feindlichen 'Nationaldemokraten, zu gewärtigen. „ MerMe auf WWe Agitatoren. Der Tag der Stadtvatswahlen brachte zahlreiche kleinere Zwischenfälle. Vielfach kam es zu Schlägereien zwischen Agitatoren, Zettelanklebern usw. Imzionistischen „Nafz Przeglad" wird' darüber Klage geführt, daß zahlreiche j üd is che A gi tat o ren, sobald sie ihrer Tätigkeit außerhalb des ausgesprochenen Judenviertels nachguhen wollten, von nationalen S t.o tzt r u p p s verprügelt worden seien. Insgesamt seien 175 jüdische Agitatoren Opser solcher Ueber fälle geworden. Der Rettungsdienst mußt« in 10V. Fällen intervenieren. König Ferdinand von Rumönie«. B u k a r e st, 23. Mai. Seit einigen Tagen zirkulieren in der Hauptstadt Gerüchte, 'daß der Gesundheitszustand König Ferdinands sich neuerlich verschlimmert habe. Diese Gerüchte werden offiziell dementiert, doch wird hinzugefügt, daß auf den Wunsch des Königs die Professoren Hart man n aus Paris und S l u y s aus Brüssel nach Bularest berufen wurden, um den König zu untersuchen. Me Weltwirtschaftskonferenz beendet. Las Material dem Bötterbunvrat überwiesen. G e n f, 23. Mai. Die Weltwirtschaftskonferenz hat mit zlvei Bollsitzungcn, die sie heute abhielt, ihw Arbeiten beendet. In der BorMttagssitzung wurde folgender Antrag des englischen Arbettervertvetors Pugh einstimmig angenommen: Die Konferenz erkennt an, -aß die Aufrochterhaltung des Weltfriedens von den Grundsätzen abhängt, welche die Wirtschaftspolitik der Staaten bestimmen. Sie empfiehlt deshalb, daß die Regierungen und Völker der auf der Konferenz vertretenen Nationen, gemeinsam und fortgesetzt ihre Aufmerksamkeit auf diese Seite des Wirtschaftsproblems lenken. Die Konferenz will deshalb allgemein anerkannte Grundsätze aufstellon, die geeignet sind, jene wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu beseitigen. Eben falls ein stimmig würde ein Antrag des schwedischen Volkswirtschastlers Professor C a s s e 1 angenommen, der eine ongs-ve internationale- Z u s a m m e narbeit der wissenschaftlichen und Erzieh u n g s i m ft i t»t e auch auf wirtschaftlichem Gebiete empfiehlt. ' - In der Nachmittagssitzung wurde ein Antrag des schwedischen Delegierten Oerner über den Zusammen- ■. Hang >des. wirtschaftlichen Wiederaufbaues mit den ' . Rüfttmgsausg/chen,^ v ferner die Einlgun.gsfovmel dys > Vevbin>dun>gsausschufleZ über Sowje'tvußland und eine Entschließung: Wer die Durchführung der aus der Stellungnahme der Wirtfchaftßkonferenz sich ergebenden Arbeiten (die dom Völkerbund überlassen und als dringlich anempfohlen wird) angenommen. In der Gesamtabstimmung über das vorliegende Werk einschließlich der Berichte der Hauptausschüsse für Handel, Industrie und Landwirtschaft und des vom Verbindungsausschuß ausgearbeiteten allgemeinen Teiles wurden unter Stimmenenthaltung der sowjetrustischon und der türkischen Delegation sämtliche Berichte und Entschließungen, die die Konferenz genehmigt hatte, angenommen und beschlossen, das gesamte Material dem Bölkerbundrat zu überweisen. Dazu erklärte der Führer der russischen Delegation, .Obolenski-Osiflski, daß er den Völkerbund nicht als Friedensinstrument ansehen könne. Er glaube vielmehr, daß der Völkerbund ein Instrument zur Wahrung der Jntevesstu der herrschenden Weltreiche sei. Obolenski schloß mit der Erklärung, daß Rußland sich das Recht vorbehält, auf anderen Wegen die Durchführung der: auf der Weltwirtschaftskouferenz angenommenen Vorschläge und Resolutionen, gemeinsam mit anderen Staaten zu sichern. Nach Annahme einer Schlußresolübion, in welcher die Konferenz vor allem der Wirtschafisörgamsation dies Völkerbundes ihren Dank ausspvicht, wurde die internationale ' Weltwirtschaftskonferenz mit einer Rede des Vorsitzenden Theunis goschlofs-W,. . Vormarsch der roten Truppen in Wna. Der Pekinger General Fenn gefangengenommen. Han kau, 21. Mai. (Reuter.) Der Oberbesehlshaber der Noten Truppen von H an ka u gibt bekannt, daß seine Streitkrüfte in dreitägiger Schlacht Dschangtsau, Sitz i tt ö und das Gebiet längs des Flusses Hungh o. erobert haben. Die Vorhut der Roten Truppen erreichte T schauvsaksow am Flusse Tashasa. Ferner meldet das Hauptquartier in Hänkau, daß General Fe.ngyüheia ng auf seinem Borr-arsche von Konanftl in Tschengtschou gefangen genommen worden sei. Sie eugiisch-ruiftsche Spannnng. Noch keine Entscheidung über dm Abbruch der Beziehungen. London, 23. Mai. Heute nachmittags fand eine Vollsitzung des Kabinetts statt, die der Beratung der Beziehungen zu Rußland galt. Der Innenminister teilt seinen Ministerkollegen mit, was er morgen im Unterhause Wer die Frage der Hausdurchsuchung im „Arcos"-Gebäude zu sagen gedenke. Cs verlautet ferner, daß auch die diplomatischen Folgen der Hausdurchsuchung und die entscheidende Frage eines endgültigen Bruches mit der Sowjetregierung geprüft wurden. Bisher ist nicht bekannt,, ob die Meinungsverschiedenheiten im Kabinett über das zu befolgende Verfahren beigelegt sind oder nicht. MttlArln ln Paris. P<r is, 23. Mai. Tschitscherm, der Sonntag abends aus Südfrankreich kommend in Paris ein getroffen ist, stattete heute nachmittags am Quai d'Orsay einen offiziellen Besuch ab. In Vertretung Br'.ands wubr er vom Generalsekretär Berthelot empfangen. Die Überredung dauerte zwei Stunden. Beim Verlassen des Außenministeriums erklärte der russische Volkskommissär für Aeußeres vor Journalisten, daß er mit. Berthelot alle Fragen besprochest' habe', die die Beziehungen Frankreichs Und Englarvds zu '&&, wjetrußland betreffen. { / 6in deutsch-tschechoslowaNscher Rnblandkredit? Prag, 23. Mai. Zwischen führenden Firmen der. deutschen und der tschechoslowakischen landwirtschaftlichen M aschineninduftrie wurden Besprechungen wegen eines gemeinsamen Kredits von 50 Millionen Mark an Rußland eingeleitet, wobei Deutschland und die Tschechoslowakei je zur Hälfte, beteiligt sein würden. Die deujtfchs Regierung soll sich bereit erklärt haben, eine Ausfallsgarantie bis 60 Prozent zu übernchmen, jedoch unter der Bedingung, daß sich außer Deutschland noch ein Staat an der Transaktion beteiligt, wobei in erster Reche die Tschechoslowakei in Kombinatton gezogen wurde. Die tschechoslowakische Industrie will, wie ^„Prager TaMatt" erfährt, vorläufig die Rückkehr der Genfer Delegation abwarten, um. dann an die Regierung wegen Garantiegewährnng heranzutreten. Lespezeav« enthaftet. Nach achttägigem Hungerstreik. Bukarest, 23. Mai. Der jüdische Student Jscck Lespezeanu, der, wie wiederholt ^richtet, seit vier Monaten in Untersuchungshaft gehalten wurde, weil er. als er eines Nachts in einem Bukarester. Park von antisemiti-- schen Studenten überfallen, in Notwehr einen Schutz in die Luft abgab, wurde nach mehrfachen Interventionen des Kammerdeputierten Dr. Mayer Ebner und nach einem seit acht Tagen währenden Hungerstreik aus der Hast entlasten. Lespezeanu verweigerte nicht nur die Aufnahme jeder Speise, jeden Tranks, sondern lehnte, als seine Kräfte zu schwinden begannen, auch jede Arznei ab. Das Verfahren gegen ihn wird fortgesetzt. ~7~ besonders billig ___ bei der VI.,MAR1AHILFERSTRASSE8(PROVINZMUSTERVERSAND) iMiiSDi »

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