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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-23 · Heft 2958 (23.5.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2958 (23.5.1927)
Date
1927-05-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Jir. 2ÖÖ8 Men, Montag Ettiener Morgenzettnng 1927 Mt« 3 Der Sohn des Moses Mautner Em Wienör Roman von Leopold Hichlen. Ö«W* *Jg!jt 193? R, L5«rll V*teg, Wien - IMpdg (39. FortsctzMg.) Von der Mitte ivandsrt der Ball nach rechts, kommt wieder zu Horvath zurück, dieser schießt etwas zu schwach, so daß Caudrou den Ball leicht halten kann. Noch ein paar schöne Angriffe, dann fällt endlich in der 11. Minute das erste Goal. Siegl hat sich hübsch durchgespielt und gibt, obwohl er bedrängt Wird einen präzisen Flankenball vors Tor. JszSa übernimmt den Ball aus der Luft und jagt ihu ins „Was willst du reden, Mutter?" — „Weißt du, Gusti!" .tgi« Frau Sali, „ich Hab' mir heut so gedacht, wie Her Batev gesagt hat: Mr hast ausgesorgt!' Da Hab ich nur gedacht: ,jcht tväk' Mt, wenn du heiraten möchst!'" — ,/Um ahns in der Nacht soll er heiraten'?!" rief Herr Hermann; aber F«m Salt war heut' einmal oben. St« überhörte diese Bemerkung und sprach unbeirrt weiter: „Was meinst du, Gusti? — Hmr? — Warum red'st du nix?" — -Mutter! Ich hab' noch nie daran gedacht! Und ich ivüstt' auch gar nicht: MN?" -- „Das überlass' mir! Tis! iver' ich schon mit die. Schapchetinmn. reden! — Du sag' mir nur, was im Md verlangst?!" Gustav schwieg verschämt — wie alte» Kandidaten. Nehmen wollen die Herren: Mehr als genug; aber bekennen,: Das ist peinlich. — —* Gustav schwieg. Jedoch Frau Sali drängte: „Nu? Nu?" — „Mutter! ich Hab' noch nie darüber nachgedacht." — „Aber es wär' schon Zeit, Gusti! Du wirst achtundzwairzig Jahr' — also — red dich, nur aus: Wie viel must ahne haben?" — „Ich Mist nicht, Mütter I" ~~ Herr Hermann half seinem Sohne: „Ich wer' dir was sagen, Gusti: Heinrich hat sÜnfundzwanzigtMsend Gulden bekomme!! und du toirst..." — „Hermann! unterbrach Frau Sali, „das — )vas!,Heinrich bekomnttn hat, daÄ.. < dlaS kann er nicht, denn...— „Meso, Mutter?" rief Gustav. Alle Befangenheit ivar gewichen, denn er ahnte eine lÄeleidigung. „Warum? Bin ich tveniger wert?!" —- „Nein, Gusti! Gewist nicht, Gustileben! Aber — Heinrich hat doch... « anderes Geschäft und schaiu'.. — „Mein Geschäft ist mehr Mrt und besser, als seines!" — „Fa, Gusti! Aber — ich mein' — Mißt du, Gustileben, veesteW du).. die alte Frau wurde verlegen. „Er is ja hoch — er iS ja pioch « Händler und du... Ich bitt' dich: G Selcherei — ich rmin' ja nur — die Leut' sind! e so .. Sie vollendete nicht, aber Gustav begriff Und! zuckte zusam- Imen.-Er hatte es schon oft vernommen und in den verschiedensten Arten: Versteckt, anbeutend und brüsk; „Selcher!" — und nun hörte er es vvn seiner eigenen Mutter: „Nur ein Sctcher! Ei!, Handwerker!" —- Es tat ihm Mh.- Mach' dir nichts daraus, Gustav! Das Handwerk ißt ein ^ehrliches Brot und die sich dünken, die lauge Kette der parasitären'Existenzen: Vom Staatsmann über den Künstler und Beamten bis zum HäiMr hinab — sie leben alle von deiner Arbeit und der Arbeit des Bauern! Ihr beide produziert uich> Eure Arbeit erhält das Land! —- — — Das hörtsund liest sich schön. Wer aber unter den Menschen lebt und ihre giftigen Seitenblicke erleiden muß, dem hilft diese Wahrheit nicht viel; dienn der Mensch ist schwach und wird« — wie leicht! — von seiner Umgebung beeinflußt. i— Sein Selbstgefühl ist wie eine zarte Pflanze, di« Kraft unld Wert aus bent Urteil der anderen saugt. -~ Mog,dieses Urteil noch so verbohrt sein: es wirkt.-- So war in Gustav in den letzten Jahren, trotz den äußeren Erfolgen, allmählich eine unsichere Befangenheit entstanden. Er schämte sich seines Berufes wie einer häßlichen Krankheit, die nran verbirgt. — So stand! ex in seinem Leben und in seinem Gehaben an d>er Grenzlinie der Lächerlichkeit imRH — der Tragik.r— — „Was stehst du so betroppezt b!a!" rief die Mütter. „Waruln redst du nix? Oder Hab' ich etwas Unrechtes gesagt,!vas dir vielleicht!..." — „Wieso, Mutter?" rief Gustav rasch und lächelte. — Er wollte nicht durchschaut sein. Niemand durfte seine Krankheit kennen. So eigen sind die Manschen! So verschieden erMhren sie sich der BeleiNgungl — Der Kluge und Witzige pariert obwohl er mit dem Rücken zum Tor iteyt. Dieser herrliche Treffer wird mit riesigem Jubel begrüßt, die Belgier aber lassen sich Nicht entmutigen und unternehmen zahlreiche Angriffe, die zwük nicht tibermätzig raffiniert eingeleitet sind, die aber tvegen Schnelligkeit der Stürmer immer gefährlich sind. Besonders schwer ist ein herrlicher Schuß R. Braines abzuwehren. Um die Mitte der Spielhälftc bieten sich den Oesterreichern ein Paar Goalchancen, die aber, meist durch die Schuld Schalls, nicht ausgcnützt werden. In der 35. Minute kommt es nach einem Fehler Rainers zu einem Gedränge vor dem Tor der Oesterreicher, Köhler verläßt seinen Platz und P. Braine kann den Ball leicht über die Linie rollen: Belgien hat ausgeglichen! Die Gäste sind nun eine Zeitlattg überlegen. Das Publikum wird ungeduldig und verlangt stürmisch eine Umstellung des Angriffes, wobei Schall und Horvath Platz tauschen sollten. Knapp vor der Pause gibt Horvath noch einen schönen Schuß ab, den der belgis^" Tormann nur mehr zun, Korner ab!vehren kann. Die zweite Spielhälftc beginnt für Oesterreich nicht sehr vielversprechend, da die Stürmer einen ziemlich müden Eindruck machen. Die 8. Minute bringt aber eine Wendung des Spieles. Siegl gibt vinen Flankenball zur Mitte, Horvath schießt, das Leder wäre jedoch knapp neben der Stange vorbeigegangen, da lenkte Schall den Ball endgültig ins Netz. Der schwächste Stürmer hat ein Goal geschossen. Die Oesterreicher werden nun zusehends bester und die Belgier kommen nur ganz vereinzelt vor, wobei aber einmal Bier na noch im Sturze einen herrlichen Schuß aufs Tor abgibt. Die heimischen Stürmer arbeiten jetzt mit viel Wucht und großer Präzision, haben aber Pech beim Schießen, besonders Horvath vergibt oft aus günstigen Stellungen. Die Belgier verschulden mehrere Korner, die aber nicht ausgenützt werden- In der 28. Minute leitet Geyer einen schönen Angriff ein, der Ball kommt zu Wessely, dieser überspielt noch die Verteidiger und erzielt mit scharfem Schuß sogleich mit dem zierlichen Degen ©»« SHtagftrtigkeit. — (Fortsetzung folgt.) Demol; Braine, Oesterreich: Köhler; Rainer, Blum; manu, Geyer; Siegl, Horvath, Jszda, Schall, Wessely. Belgien: Cäudrom; ■ Dr. Swaertenbrocks, BocStNann, Ban Halme, Van Averbeke; Pierre Raymond, Braine, Despae, Bierna, Diddens. Das Spiel. Die Belgier haben Abstoß, die heimische Mannschaft kvmnrt aber sofort zum Ball und schon ist die erste und gleichzeitig schönste Angriffsaktion des ganzen Spieles im Rollen. SeAerreich MW Belgien 4:1 (1: Mva, Steffeln uttD Schall (2) schießen die Tore. — 30.006 Zuschauer. Die österreichische Auswahlmannschaft hat ihren bisherigen großen Erfolgen in diesem Jahre einen neuen hinzugefügt. Me in Men debütierenden Belgier, denen ein guter Ruf voraus-- ging, wurden gestern in Men 1:4 besiegt. Trotz der entsprechenden Tordifferenz war der Sieg der heimischen Mannschatt diesmal nicht so eindrucksvoll. Zur Paust stand das Troffen noch unentschieden und sah keineswegs nach einem überlegenen Sieg der Oesterreicher aus. Einige schwache Punkte Wie Schall, Geyer und bis zur Pause Rainer, lockerten das Gefüge des österreichischen Teams. Der!n der ersten Minute ausgeführte >g l ä n g e n d e Start des österveichiischon Angriffes konnte im weiteren Verlaufe fast nicht «rohr wiederholt werden. Nach diesem schon zu Beginn erfolgten Höhepunkt gab es daher für die bereits verwöhnten Zuschauer zumeist nnr Enttäuschungen. Erst um die Mitte der zweiten Hälfte ergab sich dauernde Ucbsrlegenheit der Ossterreicher. Zwei der erzielten Tore, in beiden Fällen war der schwächste Stürmer, Schall, der Schütze, waren mühelose Zufall-Produkte. Die Belgier präsentierten sich als flinke und schnelle Mannschaft, die auch Über ziemliche Tech« «4! und Schutz!)ermögen verfügt. Ihr stärkster Teil der Verteidigung, die Mannschaft wird bis zur Stürmerreihe immer schwächer. Der Angriff der Gäste zeigt« Wohl ziemliches Können, aber tu der Taktik mangelt es ihnen noch, und hierin konnten sie dem raffinierten Stüvmerspiel der Wiener nichts Gleichwertiges entgsgenstellen. Das Spiel war ziemlich fair, so daß der Schiedsrichter JvancftkS ein leichte- Amt hatte. Bei den Oesterreichern beging Blum «tnigemale ganz unnötig Derbheiten. Köhler wurde vor kerne sehr schwere Aufgabe gestellt. Der ovhaltene Treffer war ein Fehler der Der« teid'gung; in der Hatfreihe entsprach nur Hofs'MüNU, doch ist seine Gpielweist zu temperamentlos. Im Angriff war Horvath di« treibende Kraft. Nach der Pause glänzte Siegl, der dt« meisten Treffer vorbereitete. Jszda ist nach wie vor ein guter Ängriffsleiter. Sein Treffer »var ein Prachtexemplar. Schall war zumindest vor der Paus« «im glatter Versager. Wessely erledigte alle«, was «r bekam — es war nicht zuviel — in gewohnt sicherer Manier. Bor dem Länderkampf, der m'tt den üblichen Feierlichkeiten und Spielen der Hymnen eingeleitet wurde, trugen die Psltzeimannschaften von Wien und Berlin ein Match auS, das die Wiener voMönt 3 r 0 gewannen. In beiden Fällen war Kvaus der Schütze. Dße. Mamchhaftün traten m folgender: MKeÜkM an: das dritte Goal. Die Belgier haben jetzt Überhaupt nicht mehr viel nritzureden, sondern sie müssen zusehen, wie die österreichischen Stürmer, bei denen jetzt auch Schall besser geworden ist, schönes Angriffsspiel demonstrieren. Besonders gefährlich sind Wessely und Siegl, letzterer vermittelt auch in der 33. Minute das 4 Goal Seinen Flankenball schießt Schall ins Netz. In den letzten SpielmtnUten bemühen sich die Oefierreicher, -die Trofferausbeute noch zu erhöhen, bk Mste können aber nunmehr ihr Tor glücklich verteidigen. Dem gestrigen Länderspiel wohnten 28.896 zahlende Zuschauer bei. Die Bruttoeinnahme -betrug 58.561 Schilling. Der Abzug für Lustbarkeitssteuer war 16.226 Schilling. Für Warenumsatzsteuer wurden 1171 Schilling und für Fürsorgvabgabe 60 Schilling abgezogen. Die übrigen Keinen Spesen beliefen sich auf 4024 Schilling. Der Reinertrag dürste -daher 33.090 Schilling ausmacheu. KV%1 Sieg und Niederlage in Amerika. Hakoah-All Stars Chicago) 1:2 (1:1). «am Schiedsrichter benachteiligt. - Gegen All Starr (Detroit) 2:0 (2:0) gewonnen. Chicago, 21. Mai. Bor 6000 Zuschauern trug -Hakoah heute hier ihr Revanchospisl gegen All Stars aus. Die Heimischen wollten ihre jüngste 1:2- Niederlage durch die jüdische Mannschaft unbedingt wettmachen und arbeiteten mit allen Mitteln, um zu siegen. Sie fanden in dem Schiedsrichter hiebeieineir willkommenen Helfer. Die brutale Gangart der Ehieagver wurde vom Spielleiter offen geduldet. Gr amtierte vollkommen parteiisch und ließ das Spial seitens der Amerikaner ausartgn. Bis zur Pause stand das Match 1:1, wobei Grünwald den Treffer für die Wiener erzielte. Nach Seitenwechsel legte sich Hakoah, die durchwegs überlegen war, Schonung auf. In der letzten Spiel-» Minute startete ein Amerikaner aus Offsidosteltung und erzielte mit der Hand einen Treffer, den der Schiedsrichter anerkanirte. Die anwesende Mannschaft von Naeivnal-Montevideo aus Uruguay entrüstete sich lebhaft Wer den Terror. Bei den Blau-Weißen, zeichnete!) sich Fabian, Schoner, 'Fried, Grünwaw und Schwarz aus. Die Ausstellung lautete: FMan; Scheuer, Gold; Fried, Guttmann, Heß; Schwarz, Häusler, Wortmann, Grünwald, Fischer. Nach Seitenwechsel sprangen Ni-- kolSbutger und Fetbmann für Fischer und Guttmann ein. 2:0 in Detroit. Detroit, 20. Mai. Bon Chicago kommend, trat die Wiener jüdische MattttMft heute hier gegen All .Stars,, ein Team der Stadt, an. 10.000 Zuschauer halten sich zu diesem Spiele eingefunden, in dom die Gäste eine Prachtleistung boten. Da der Boden sehr gut war und die Heimischen sowie dev Schiedsrichter sich in jeder Beziehung als Gent bomens zeigten, konnten sich die Wiener mit ihrem technischhochstehenden Spiel gut entfalten. Bis zur Pause gelang es d«r jüdischen Spiellern, die durchwegö überlegen spielten, durch Schwarz und Wortmann zwei Treffer zu erzielen. Nach Seitenwechsel trat ein Gewillter ein, das eine längere Spielunterbrechung notwendig machte. Hernach halte-n die Gäste gegen Regen und Sturm anzukämpfen. Der besbe Mann der Wiener war der Phänomenal arbeitende Tormann Fabian. Hakoah bestritt dieses Spiel in> folgender Aufstellung: Fabian; Scheuer, Feldmaun; Strotz, GuttrnaNn, Barbak; Schwarz, Wortmann, Nikolsburger, Grüttwvld, Fischer. * Gestern abends ist dev Bizeptasideni der Hakoah, Direktor Spiegler, Mit den Spiekern Katz, Fuß und Kestler aus Amerika hier «irigetroffen. Wien—Satzbufg 8t0 (StO* Dorr 2000 Zuschauern sü.Me die Wiener Mannschaft ein schönes EAehitwnsfpiek vor. Hakoah-Reserven wurden gestern in der Meisterschaft Si Austtia-Reserven 1^ (0:1) besiegt. Den Treffer Mp koah schoß Nemnann. Bei den BlaU-Weißen spielten andes, Weißmann und Kraus schr gut. HatoaG-Jur Mannschaft unterlag gegen Austria-Jungmannschast 0Ä (Ori Hakioah fpiett Sountüü in Baden gegen den dimMen L C.

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