Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2955 (20.5.1927)
- Date
- 1927-05-20
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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I Nr. 2986 Wien, Freitag Wiener MsrgMzettmtg VOLKSWIRTSCHAFT MD, Generalversammlung der Wiener Bank-Verein. Sine Sefintte Uber die MMnbllanzen bet Snnlen. — Gtllätanoen übet Hie ftavitantitcmebtung. Gestern vormittags fand unter bem Vorsitze des Präsidenten des Abministrationsrates Karl Stoegermayer die 57. ordentliche Generalversainmlmrg des Wiener Bankverein statt, in welcher 111 Aktionäre 936.791 Schillingstktien Md 363.315 Kronenaktien mit 211.5(57 Stimmen vertraten. ,Al§ Staatskommissär fungierte Ministerialrat Dr. EducnÄ C a n i s i u s. Vor Eingehen in die Tagesordrtmlg hielt der Vorsitzende den seit der letzten Generalversammlung verstorbenen Mitgliedern des Administrationsrates, Herr Herren Oskar CosUlich und Rudolf Albert Koechlin-Hoffmann, einen warmen Nachruf, welcher von der Versammlung stehend angehört wurde. Hiermrf gelaugte der Geschäftsbericht über das Jahr 1926 zur Vorlage. In der anschließenden Debatte dankten die Aktionäre Kommerzialrat Richard SchelIbach Und Erwin Pendl der Leitung und der Beamtenschaft ftir die erfolgreiche Tätigkeit im abgelaufenen Jahre und nahmen gleichzeitig zu der Frage des Beamtenabbaues Stellung; Aktionär Ing. Friedrich Schwarz regte die Veröffentlichung von Zwischenbilanzen der österreichischen Banken nach ausländischenr Muster an. Direktor Heins he im er gab die Versicherrmg, daß die Leitlmg des Wiener Bank-Verein der Frage des Abbaues wie bisher unter sorgfältiger Abwägung aller Umstcin.de ge'genüberstehe Und die Entscheidung wie immer sie ausfalle, von Wohlwollen für die Beamtenschaft getragen sein werde. Die Frage der Zwischenbilanzen habe erst nach der Aufstellung der Goldbilanzen Aktualität erlangt und bilde gegenwärtig den Gegenstand von Studien innerhalb des BankenverbandeA. Nach Erstattung des Berichtes der Zensoren gelangte der Geschäftsbericht tmd der Arrtrag ''des Wdministrationsrates wegen Verwendung des Reingewinnes einstimmig zur Annähme, worauf der Vorsitzende verkündete, daß der Kupon pro 1926 mit S. 1.80 ab 20. Mai 1927 zur Einlösung gelangt. Der Antrag des Mministrationsrates, das Aktienkapitel von Nom. S. 40,000.000.— durch Ausgabe vvn Stück 750.000 neuen Aktien a Nom. S. 20 — auf Nom. S. 55,000.000,— zU erhöhen, wurde nach einiger Debatte mit al len g egeU 5 Stimnr en mrgeKonnNen. ZU diesem Punkte teilte Direktor Heinsheinxer mit, daß die Begebung der neu anszugebenden Aktierr in dauernden ausländischen Besitz zu einem knapp unter dem Tageskurse liegenden Preise mit mehr als ztveijähriger Sperre gegenüber den europäischen. Märkten auf Grund getroffener Vereinbarungen gesichert sei; der größte Teil der Ennssion werde durch Vas HauS Dillon, Read öc Co., Newyork, crtvorben, tvährend die Uebernahine der übrigen rtcitcu Aktien durch die Societe Generale de Belgigue, Brüssel, die Derctsche Bank, Berlin, die Bmrgüe Belge pvur l'Etranger, Brüssel, und die Bastler Handelsbank, Basel, zU den gleichen Preis- und Sperrbedingnngen erfolge. Die Emission der nenen Aktim iU der beabsichtigten Form Unter Vermeidung einer Belastung des inlänidischen Marktes, sowie die damit verbundene Änknüpftmg wichtiger neuer Geschäftsbeziehiuigen stellen vom Standpunkte aller Aktionäre einen Unleugbaren Vorteil für das Institut box. ) Bei beit weiters vorgenommenen Wahlen m den Äldntinistrationsrat wurde Herr Oskar Wassermann, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, Berlin, und Herr Benjchnin Joy, Präsident des Verwaltungsrates der United States 8c Fpreign Securities Corporation, Newyork, neu gewählt, Herr Karl A r n st ei n wiederwählt Und die Kooptation der Herren Antonio C d s Ul i ch Und Dr. Wlfred Wieland -Za h u bestätigt; ebenso wurden die Aufsichtsvatskollegien der Filialen nach den Anträgen der VertvaltUNg rrnÄrert. Ae Bilanz der Merrnrbank. Die Mercurbank beruft für den 9. Juni ihre ordentliche Generalversammlung ein, der auf Grund der gestern vom Berwaltungsrät gonohmigten Bilanz die Ausschüttung Nominale S. Ä).—, d. i. S. —.45 aus jede alte Aktie zu * Nominale ß. 20.—, d. i. S. —.45 auf jede alte Atie zu Nominale K. 8000.— (in gleicher Höhe wie im Vorjahre) vorgeschlagen werden wird. Die Bilanz ergibt ein Bruttoerträgnis von rund 8,5 Millionen Schilling, das R o i n» > erträgnis beträgt 1,7 Millionen Schilling, so daß vier Fünftel des Bruttoerträgnisses, wie bei fast allen anderen Wiener Banken, aus die Unkosten (Steuern, Gehalte, Spesen) entfallen. Nachstehend das offizielle Kommunique: E Der Verivaltungsrnt der Mercurbank hat in seiner Sitzung bom 19. Mai die vorgelegte Bilanz pro 1926 genehmigt. Diese ergibt ein Bruttoerträgnis von S. 8,570.400.46 und abzüglich der Gehalte, Spesen und Steuern ein R e i n e r t r ä g n i s öou S. 1,774.581.78 (-j- S.- 63.780,02). Es wurde beschlossen, der für deü 9. Juni 192? eiubernfenen ordentlichen Generalversummlnug vorzuschlagen, eine Dividende von S. 2.50 aus jede neue Aktie a S. 20.— Nominale S.,—-.45 aus jede alte Aktie a K. 8000.— Nomiriale (in gleicher Höhe wie im Vorjahre) zur Verteilung zu bringen, den ordentlichen Reservefonds mit der statutenmäßigen Zutvendung von S. 100.000.— (4* S. 100.000.—) zu dotieren und S. 77.095.76 auf neue Rechnung vorzutragen. Ernennung der franMche« Handelsbeiröte fSr Wie». Bevorstehende Ankunst Senators de Monzir. Von zuständiger Seite wird mitgeteilt: Die französische Regierung hat folgende fünf Mitglieder der französischen Kolonie in Wien zu Beiräten für den auswärtigen Handel ernannt: Es sind dies die Herren: A. B a u d, A. D y r o f f, H. de R a s c a s, S. S n e ß m a n n und Ch. Troistorf. Der Senator und frühere Minister Herr A. de M o n z i e wird sich Ende dieser Woche, begleitet von Herrn M e g l e, dem Direktor des Beirates für den auswärtigen -Handel, nach Wien begeben, um der ersten Sitzung der in Wien bestellten Mitglieder des Beirates zu präsidieren Fortschreitende Erholung der Berliner Börse. Der gestrige Kassatag. Berlin, 19. Mas. Obwohl die Börse selbst sich immer noch nicht durch die am schwarzen Freitag hereingetragene Unsicherheit freimachen kann, geht die Erholung der letzten Tage weiter. Markttechnische Momente bestimmen die Tendenz, während Nachrichten aus der Politik und Wirtschaft, die sonst ausschlaggebend gewesen wären, kaum Beachtung fanden. Die Spekulation steht Gewehr bei Fuß und kann sich nicht entschließen, der Kauflust des Publikums Folge zu leisten. Während aber die Depositenkasfenkundschaften zeitweise für den Kassamarkt Interesse zeigten, hat dse Provinz und für einzelne Werte auch das Ausland schon zu den ersten Kursen große Kaufaufträge hergelegt. Verbunden mit weiteren Deckungen der Börse selbst, führte dies zu Gewinnen bis zu 5 Prozent. Elektrowerte und von den favorisierten Effekten Bau-, Sprit- und Zellstoffaktien gingell bis 10 Prozent und darüber hinaus. Ob der heutige Zahltag glatt überwunden ist, läßt sich noch nicht übersehen. Erst zu den Kassakursen wurde es dann 'vorübergehend etwas freundlicher, um später noch stärker nachzugeben. Wester schwach lagen Stettiner Vulkan, die 5 Prozent unter gestern esnsetztcn. Am Anleihemarkt lagen heimische und ausländische Renten fest. Staatsanleihen und rumänische Werte wachn bevorzugt. Am Pfandbriefmarkt setzten Vorkriegspfandbrrefe ihre Steigerung bis' 25 Pfennig fort, aber auch die übrjgen Pfandbriefarten zeigten anziehende Kurse. Am Devisenmarkt konnte sich das englische Pfund etwas erholen. Schwach lag der Aeir. Die Nachfrage blieb normal. Am! Geldmarkt war Taggeld mst 5 bis 7 Prozent eher angeboten, Monatsgeld uirverändert gesucht mit 7,5 bis 8,5 Prozent. Weiterer Rückgang der Rotendeckung der Retchrbanb Nach dem Medioauswejs der Deutschen Reichsbank ist der Goldbestand um 632.000 auf 1,8 Milliarden zurückgegangen, der Bestand der beckungsfähigen Devisen um rund 21 Millionen aus 106,1 Millionen, dev Wechselbestand nur 25,9 Millionen auf 1,9 Milliarden und die Lombardsorderungen um 10,9 auf 16,2 Millionenzurückgegangen. Der Notenumlauf hat sich um! 152,2 Millionen ans 3,35 Milliarden ermäßigt. Die sonstigen täglich fälligen Verbindlichkeiten haben um 53,1 auf 625,1 Millionen zugenoMmien. Es stehen -demnach einem Notenumlauf inklusive Giroverbindlichkeiten im Gesamtbeträge von rund 3,9 Milliarden Metall und Devisen im Gesamtbeträge von 1,9 Milliarden gegenüber, so daß die Deckung bereits knapp unter 49 Prozent gesunken ist, während die statutenmäßige Deckung 40 Prozent vorschreibt. Noch im Herbst v. I. war die Deckung bis nahezu an 80 Prozent herangerückt. Menschen als Kompensation für Maschine«. Während die Weltwirtschaftskonferenz in Genf seit fast drei Wochen über Maßnahmen zur Erweiterung des Handelsverkehrs zwischen den Staaten berät und jede Regierung dort durch ihre offiziellen und nicht offiziellen Vertreter ein Bekenntnis zur Freiheit «des Handels ablegen läßt, verfolgen sie #u Hause weiterhin schroff ihre schntzzöllnerischen Bestrebungen und suchen die von ihnen beherrschten Länder gegeneinander abzusperren. Das führt zu solchen grotesken Erscheinungen, wie sie aus folgender Prager Meldung hervorgehen: Die Textilfabrik in Ploesti Hat bei der tschechosiowakischen. Regierung um die Bewilligung awge,ücht, geschulte Textilarbeiter für ihre Betriebe, anwerben zu dürfen. Die Textilindustrie erklärte sich nur unter der Bedingung bereit, gegen die Auswanderung von Arbeitern keine Einwendung zu erheben, wenn ihr die Ausfuhr gebrauchter Textilmaschinen nach Rumänien bewilligt wird. Die gegenseitigen Absperrungsmaßnahmen, die ursprünglich nur dem Warenverkehr galten, unterbieten nun schon direkt die Freizügigkeit der Menschen. Es ist so weit gekommen, daß Menschen als Kompensation für. gebrauchte Maschinen benützt werden können. 20. Mai 1927 Seite 7 I e Ae zentralspakkaffe Der Gemeinde Mea! pflegt alle Geschllstrzweige.! Die Zentralsparkasse der Gemeinde Wien, die die | größte österreichische Sparkasse ist, pflegt alle Geschäftsj zweige. Einen großen Umfang hat das Spareinlageug e s ch ä f t. Dasselbe besteht in Einlagen auf Sparbücher. a) Täglich abhebbare Gelder 4 Prozent, Abhebungen bis 10.000 Schilling täglich, ohne Kündigung, cskontsrei, höhere Abhebungen gegen 1 Promille oder dreitägige Kündigung; b) Einlagen von 3000 Schilling aufwärts mit zweimonatiger Bindung 4X Prozent. Weiters betreibt die Zentralsparkasse das Scheckgeschäst: Einlagen auf Scheckkonti 4 Prozent, Abhobungsproviston von sämtlichen Abhebungen Promille. Das H y p o t h e k a r g c s ch ä s t: 1. Langfvistige mnortisable Darlehen mit einer Laufzeit von 10; 20 oder 40 Jahren; der Zinsfuß -beträgt für Wiener Objekte 6% Prozont, für Realitäten in der Provinz 1Y\ bis 8 Prozent. Die Pauschalrate der 6^prozentigen Darlehen ist derzeit pro Semester 6,8 Prozent, beziehungsweise 4,53 Prozent und 3,61 Prozent. 2. Amortis-ablc Darlehen zur Instandsetzung von Wiener Häusern (Renovierungsdarlehen) mi-t einer Laufzeit von fünf Jahren und einer Gesamtverzinsung von 6% . Prozent pro anno. (6K Prozent Zinsen und 1 Prozent Rcgiebeitrag.) 3. Kontokorrentkredite mit hypothekarischer Sicherstellung: Zinsfuß für Belehnungsobjekte in Wien 7)4 Pro< zent, außerhalb Wien 7% bis 8)4 Prozent. Darlehen an umlagenberechtigte öffentliche Körperschaften (Gemeinden nsw.): zu einem Zinssatz von derzeit etwa 7)4 Prozent. Das Wechselgeschäft: Eskont von Warenrimessen mit höchstens dreimonatiger Laufzeit mit mindestens zwei Unterschriften. Eskontzinsen je nach «der Lage des Geldmarktes und Bonität zirka 6 bis 8 Prozent. Die Anstalt hat durch ständige Herabsetzung des Eskontsatzes verbilligend gewirkt und der Jndustriie dadurch namhafte Ersparnisse an Kreditzinsen erwirkt. Ferner betreibt die Zentralsparkasie der Gemeinde Wien das E f f e k t e n g e s ch ä s t: 1. Ankauf von mündelsicheren Anlagewerten für eigene Rechnung (Nostroeffekten). 2. Kommlssionsweifer An- und Verkauf von Effekten aller Art im Auftrag und für Rechnung von Parteien. 3. Gewährung von Kontokorrentkrediten gegen Esfektendeckung zu einem Zinssatz von etwa 754 Prozent. 4. Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren gegen Depotbuch. Weiters das S a f e s g e s ch ä f t: Vermietung von Stahlkammerfächern in der Hauptanstalt und in den Zweiganstalten Margareten, Josefstadt. Rudolfsheim, Hernals und Währing. SchlieMch hat eine «besondere Bedeutung der K r e d i tverein: Gewährung von Krediten an Wiener. Gerverbetreibende und Kaufleute (Höchstkredit 40.000 Schillings^ 1. Kontokorrentkredrte gegen grundbücherliche Sicherstellung an erster Stelle oder unmittelbar nach einem von der Zentralsparkasse gewährten Darlehen zu einem Zins-, satz von 6 Prozent (antizipativ). 2. Kontokorrentkredite gegen Erlag von m-ind-estsnS zweischri-ftigen Depotwechseln gegen äprozentige Debetzins^n (autizipativ). 3. Eskon-t von Warenrinieffen und Wechselinkasso. Wiener Börse- Weitere Kursbesserungen. Die fortschreitende Erholung der Wiener Börse hat gestern lm Verein mit gÄnstigen Tendenzberichten aus Prag und Budapest^ zu einer weiteren Besestigung des Wiener Aiavktes geführt. Schon die Eröffnung zeigte eine Zunah-me der Kauflust, die in der Folge noch mehr zunahm und zu weiteren Kursbesserungen ans fast sämtlichen Gebieten führte. Am lebhaftesten wurden wieder die ungar i s ch e u Papiere souwhl im Schranken wie . m der Kulisse umgesetzt, aber auch tschechoslowakische Werte hatten namhafte Kurssteigerungen zu verzeichnen. Die meisten polnischen Petroleumpapiere tendierten dagegen etwas schwächer. Um die Mittagsstunde stand die Börse unter dem Eindruck von Gerückten, wonach die Anleiheverhanblungen der Gemeinde Wien unmittelbar vor dem Abschluß stünden. Diese Gerüchte führten zu einer Besserung der Aktien derseuigeu österreichischen Nnternehmungien, denen die Durchführung des bekannten Jnvestitionsprogramms der Gemeinde Wien zustatten kommen wird. Zum Schlüsse konnte zwar nicht das gesamte Ausmaß der Kurssteigerungen behauptet werden, da im Hinblick auf die Versorgung Reallsationsverkäufe v-orgenommen wurden, doch blieb die Grundtendenz fest. Auch der Anlage markt verkehrte im allgemeinen in freundlicher Stimmung. Kassakurse: Bodenkredit 23.75,. Anglobank 7.&V Länderbank 16.10, Bankverein 30.10, Oesterr. Kredit 83, Oesterr. Kredit Anteivsch. 10, Niederosterr. Eskompt-e 28, Salzburger Eisenb. 44.50, Königshoser Zement 673, Wiener Ziegeüverke 43, Gösser Brau 200, Aussig chem. 203, Solo chem. 238, Spodium 37, A. E. G. Union 7.50, Linzer Straßenb. 19:60, Elin 44, Mn Anteilisch. 8.80, Salgo 94.25, Flesch 12.20, Waffen 7, Warcha* lolvski 7.15, Oesterr. Hofherr 14.50, Krupp 27.50, Rima 160.56, Elbemühl 6.95, Fanlo 9.80, Galicia 166.50, Roth-Kosteletz US, Etti Berge! 11.25, Semperit 19.95. Quoten: Franz Josessbahn-Schuld 2.80, Franz JosisSbahn-Prioritäten, 4.25, Nordbahn-Prioritäten S16. X