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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-20 · Heft 2955 (20.5.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2955 (20.5.1927)
Date
1927-05-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 g | Redaktion, Administration: Wien, II., Tnbörstr. 1 Telephon 44-0-38, 43-3-19 Telephon ah 6 Uhr abends 38-5-80 Serie, ab >/s9 Uhr abends 33-5*83. Druckerei: fll , Lcrchenfelderatraße 1 (,lnva") Preise - Wien und Oesterreich durch Post oder Verschleißsteilen monatl. 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ansland im Innern des Blattes Ölt. 9955 Wiener orgenzeitung BESUCHET d6n Wiener Bathauskdiler! Die Gemütlichkeit der guten alten Zeit. Wer kommt, wird wieder Stammgasti HaMel.M.-l(iiei.lSgaiil«. Volkstümliehe Preise! Mittags - Menüs ä S 1*60 Direktion: OTTO KASERER Men, Freitag. 20. Mai 1927 (18. Aar 5687k 9. Jahrgang Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetzteg E gekennzeichnet. «B E. & T Piowaii's Feinwurstwaren in allen Verkaufsstellen erhältlich Spezialitäten: Sacfur1ernk' Krakauer, Polnische usw. Kabinettrrat in London über die Rote Littvinows. Empörung in Reglerungskrelsen. London, 19. Mai. Nach der Abreise des ^französischen Staatspräsidenten trat sofort ein Ka bin eltsrat zusammen, der sich mit der russischen Protestnote wegen der Durchsuchung in der „Arcos" befaßte. Wie m politischen Kreisen verlautet, hat die Note L i tw i n o w s in der Regierung Empörung hervorgerufen, besonders hinsichtlich der russischen Forderung nach Genugtuung. Ueber die mögliche Antwort wird noch nichts bekannt. In der heutigen Unterhanssitzung erklärte der Innenminister Jvynson-Hicks, daß er nicht in der Lage sei, Erklärungen über das bei der Durchsuchung gefundene Material machen zu können. Am Dienstag wird der Minister E r k L ar u n g e n über die Affäre abgOen können. Die Generaldebatte Mer die Durchsuchung wird am kommenden Donnerstag abgesührt werden. England will leine Entschädigung zahlen. London, 19. Mai. Im Unterhaus richteten.mehrere Abgeordnete Anfragen an die Regierung, um ans Umwegen eine Aufklärung über die Arkos-Asfäre zu erhalten. Innenminister Joynfon-Hicks, der eine ausführliche Erklärung über die Angelegenheit erst für nächsten Donnerstag in Aussicht gestellt hat, erwiderte den Fragestellern: 1. daß in der Spezialabteilung der Londoner Polizeidirektion keine Russen angestellt seien, 2. daß neun Dolmetscher zur Ueberseßung der im Arkos--Gebau.de beschlagnahmten Schriftstücke heraugozogen wurden, 3. -daß die englische Regierung kerne Ent s ch ä d igu ng für den bei der Arkos angerichteten Schaden bezahlen werde und 4. daß englische Gerichte das Recht hätten, bei ausländischen Firmen in England Haussuchungen vornehmen zu lassen. Wolkenbrüche im amerikanischen Ueberfchwemmungsnebiet. San» Stte wemelvAt. Newyork, 19. Mai. AnhaUende Regengüsse, die sie- .^moeise zu Wolkenbrüchen ausarten, haben in dem Ueberschtvemmungsgebiet neuerliche Verheerun-p'n augerichiet. Ein Wolkenbruch in Peorm im Staate Illinois hat die ganze Gegend unter Wassergesetzt. Zehn Menschen sind hiebei ertrunken. Im Staate Wyoming haben die angestanten Fluten den Groß-Ventre-Damm durchbrochen und den Ort Wilson mit 500 Einwohnern gänzlich überschwemmt. Da die Telegraphenleitungen gerissen sind, liegen noch keine näheren Mitteilungen über die Folgen des Unglücks vor. Eine chinesische Siedlung u i i’i* Nähe der Bruchstelle wurde innerhalb weniger Minuten weggespült, ehe sich die Einwohner in Sicherheit bringen konnten. Viele Personen sind ertrunken. Ein Mdelstmin ln SnWlmpM. New U o rk, 10. 271ai. Die Sta-dt Indianapolis (Indiana) wurde von einem W:rbelsturm h e i m g e s u ch t. Fünf Personen wurden gelötet, 50 verletzt. Der Sachschaden in der Stadt wird mit 1>/z Millionen Dollar beziffert, daneben wurde auch in der Umgebung ein E r ii ies ch aden von etwa 6 0 0.0 0 0 Dollar verursacht. Lmnultszenen im MMischen Parlament. Anläßlich der Beratung über den italienisch-ungarischen Vertrag. Budapest, 19. Mai. Bor vollbesetztem Hause begann heute -die Beratung des Gesetzentwurfs über die Jnartikulierung des italienisch-ungarischen Freundschafts- und Schiedsvertrages. Abgeordneter Josef Oe stör von Oedenbu.g drückte im Namen seiner Heimatstadt Italien den Dank dafür aus, daß es die Lostrennung der Stadt Oedenburg von Ungarn verhindert habvi Der Sozialdemokrat Daniel Varnai Protest! ert.gegen den ungarisch-italienischen Vertrag, der die drei Staaten der kleinen Entente zu Feinden Ungarns mache. Der Ring um Ungarn könne nur gelockert werden, wenn Ungarn mit -den Staaten der kleinen Entente in freundschaslUche Beziehungen trete. Der römische Pakt binde Ungarn an ein komproinitt i e r t e § R e g i e r u n g s s y st e m. Diese Bemerkung des sozialdemokratischen Redners lost einen Sturm aus de» Bänken der Regierungspartei aus. Der Präsident erteilt Varnai den O r d n u n g s r u f. Abg. Varnai setzt unbeirrt fort und sagt, di-' ungarische Politik werde dadurch gekennzeichnet, baß die Regierung prinzipiell nur mit solchen Staaten Bündnissen abschließt, deren Regiernngssystem dem ungarischen wesensvermandt ist, wie Italien. Varnai gibt sodann feiner Befürchtung Ausdruck, daß Italien Ungarn als Aufmarschgebiet gegen Jugoslawien benützen werde, da sich der Faseismus zum Kriege rüstci. Es sei ein Leichtsinn, fuhr Varnai fort, sich an jenes Jta- . lien zu binden, das im Jahre 1915 s e i n e n E i d gegen-! über Oesterreich-Ungarn gebrochen hat. Ungarns Wog führe nach dem Balkan und Ungarn müsse die jugoslawische Orientierung wählen. Varnai sagt zum Schluß, das ungarische Volk identifiziere sich in keiner Weise mit dem italienischen Freundschaftspakt, da es die italienische Politik der Unterdrückung, der Rechtsverletzun g, der Brandstiftung und des Mordes auf das schärfste verurteile. Darauf kommt es zu ungeheuren Tumultszenen. Die Abgeordneten der Regierungspartei machen Miene, sich auf die Sozialdemokraten zu stürzen. Der Präsident verhindert die drohenden Tätlichkeiten, indem er beantragt, daß Varnai vor den Jmmunitätsa u s s ch u ß zu verweisen sei. Der Antrag wird angenommen. Die Regierungspartei bringt Huldigungen für Mussolini dar. Die Sozialdemokraten rufen: „Es -lebe.das italienische Volk!" Ministerpräsident Graf Bethlon: „Mir . will es scheinen, daß die Herren Sozialdemokraten keinen Tropfen ungarischen Blutes in den Adern haben." Der Präsident ermahnt den Ministerpräsidenten, solche . Pauschalbeschuldigungen gegen ungarische Abgeordnete nicht vorzubringen. Die Sozialdemokraten wollen sich aus B e t h l e u stürzen. Die Abgeordneten der Regierungsi Partei bilden einen Wall um. ihn. Nach 10 Minuten riesigen [ Tumultes gelingt es dem Präsidenten, die Ruhe soweit hert zu stellen, daß Gras Bethlen seine Rede, in der er Mussolini s den Dank des ungarischen Volkes ausspricht, beenden kann. ° Der Gesetzentwurf über die Ratifizierung des ungarisch-italienischen Freundschaftsvertrages wurde sodann angenommen. Leutschiarrd toiß in die MimdairkommWo». Berlin, 19. Mai. Nach Mitteilungen an die Presse ist es richtig, daß mit den in Frage kommenden Regierungen Besprechungen im Gange sind, in denen Deutschland die Forderung erhob, 51t bet Mandatskommission des Völkerbüirdes zugelassen zu werden. Diese Besprechungen ziehen sich bereits seit langer Zeithin, ohne daß, bisher eine Entscheidung vorliegt. Im englischen Unterhaus wurde an Ch amberklär n die Frage gerichtet, ob er von dem deutschen Minister des Auswärtigen eine Mitteilung erhalten habe, in der gefordert werde, daß irgendeiner Person deutscher Nationalität in der Mandatskommission des Völkerbundes ein Sitz erteilt werde, und wenn dies der Fall sei, in ivelcher Weise er geantwortet habe oder zu antworten beabsichtige. Chamberlain erwiderte: Ich Bin unterrichtet worden, daß die deutsche Regierung die Absicht hat, diese Angelegenheit in der I u n i t a g u n g des Völkerbundrates vvrzubringen. Eine direkte Antwort meinerseits kommt dabei nicht in Frage. Ich kann auch nicht früher über die Stellung nähme des Rates etwassagen, von dem die Frage freimütig erörtert werden muß, falls sie ihm vorgelegt werden sollte. Rußlands Forderung wird in Gens ersüllt. Genf, 10. Mai. Zu der russischen Forderung wegen Berücksichtigung des Nebeneinander b e st e h e n s der beiden Wirtschaftssysteme herrscht in Kouferengkreisen die Meinung^ vor, daß eine praktische L ö - sungsmäglichkeit gefunden werden könne. Man werde bemüht sein, eine Formulierung yerzuftellen, die zwar von der zunächst von russischer Seite erwarteten ablveichen, aber dem Wunsche der Russen in ausreichender Weife Rechnung tragen werde. ««Wrimltz I» net Frage der Kartellierung. Genf, 18. Mai. In der Frage der nationalen uninternationalen Kartellierung, der wichtigsten noch offenen Frage, in der bisher noch keine Einigung zwischen der deutschen und der f r a n z ö s i s ch e n T h e s e erzielt worden war, wurde gestern ein Kompromiß gefunden, da? heute den Redaktioi'.sausschüssen vorgelegt werden soll. Riiklkehr Loumergues nach Paris. London, 19. Mai. Präsident Doumergue ist heute um 11 Uhr vormittags von Viktoria-Station nach Paris abgereist. Zur Verabschiedung hatten sich. König Georg, der Prinz von Wales, Prinz Henry, Sir Änsten Chamberlain, Lord Crelve und zahlreiche hoho Beamte eingefunden. Bor der Abfahrt des Zuges überreichte der König dem Präsidenten einen Blumenstrauß. Chamberlain und Briand hatten noch auf dem Bahnsteig eine lange Unterredung. Präsident Donmergue und Außenminister Briand sind abends in Paris eingetroffen. Sie wurden am Bahnhöfe vom Ministerpräsidenten Poiucarö und den übrigen Mitgliedern der Regierung begrüßt. Präsident Donmergue erklärte, er sei von seiner Reise n n geme in befriedigt. General Rozwadowski. Wa r s ch a u, 18. Mai. Der während des Mai-Umsturzes im «Vorjahre verhaftete Leiter der militärischen Gegenaktion gegen Pilsudski, General Rozwadowski, ist aus dem M ilitärgefüngnis in Wilna entlassen worden und wird sich in den nächsten Tagen gegen die gegen ihn erhobene Anklage zu verantworten haben. Wie .Mrrja Branny" erfährt, lvurde Roz-wadowski gestern vom Mansch all Pilsuldski empfangen. Die Anklage, wegen deren Rodlvadowski vor ein Generalsgericht kommt, betdfst Mißbräuche bei Militärlieferungen. Standrecht in Hanla«. London, 19. Mai. Jll H a n k a u wurde das recht verhängt. Diese Maßnahme erfolgte im Hiirbllck tatf bciti Anmarsch der feindli chen Truppen und dhö dadurch entstandene Nervosität der Bevölkerung. General Tschangkai schek ist auS Schanghai niach Mmklug zurückgekehrt. Es konnte daher keine Begegumtz Aßßhvn Tschangkaischek und dem englischen Gesandten stqttfindrn, dev Erst morgen Freitag in Schanghai MttWr

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