Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1927-05-19 · Heft 2954 (19.5.1927) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2954 (19.5.1927)
Date
1927-05-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2981905-2982042--30080-3018269
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

j Preis SO « , Redaktion, Administration: Wien, II.,Taborstr. 1 Telephon 44-0-38, 43-3-19 Telephon ab 6 Uhr abends 38-5-80 Serie, ab Va9 Uhr abends 38-5*83. Druckerei: VII.. Lerchenfelderstraße 1 („lnva“) Preise r Wien und Oesterreich durch Post oder Verschleißstellen monatl. 6 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Innern des Blattes. Morgeryeilrmg BESUCHET im Wiener Bathauskelier) Die Gemütlichkeit der guten alten Zeit. Wer kommt, wird wieder Stammgast r Volkstümliche Preiset Mittags-Menüs ä S 1*50 Direktion: OTTO KASERER Nr. 2954 aBien, Sonnenlog, 19. Moi 1927 (17. Aar 5687). 9. Jahrgang Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. BBEBfilB’UaBBBBBBflBBflflBBnflnBBaBBBflBBBBBBB Verband jüdischer Kaufleute und Gewerbetreibender. Ae Eröffnungssitzung des Nationalrates. 8m Seichen der Parteiirlume. Heute Donnerstag, den IS. Mai, 8 Uhr abends, in der Kaufmannshalle des Wiener Bürger- Cafes, II., Praterstraße 11 Massenversammlung TAGESORDNUNG: 1. Vortrag der deutschen Wirtschaftskammer in Wien. 2. Vortrag des Herrn Gremialrates Leopold Lichtenstein über „Kreditwesen-Ausbau“. Gäste willkommen! Rußlands Protestnote gegen London London, 18. 2K.cn. Die von Litwinow Unterzeichnete russische Protestnote gegen frte Durchsuchung in der Handelsgesellschaft „Arcos" ist heute der Londoner Regierung überreicht worden. In der Note fordert die Sowjetregierung kategorisch wegen der ihr dadurch Zugefügten Beleidigung und für die durch die polizMche Handlung zngefügten materiellen Schäden Genugtuung. Eine Fortsetzung der Handelsbeziehungen könne nur unter der Bedingung genauer Erfüllung des Handelsübereinkommens durch die großbritannische Regierung, d. h. unter Beobachtung der 'der Handelsagentur zugestandenen Immunität und Unverletzlichkett möglich sein. Am Schluffe der Note fordert die Sowjetvegierung klare und unzweideutige Antwort, ob die britische Re'gierung eine weitere Aufrechterhaltung der Handelsbeziehungen mit Rußland wünsche, da die in der Hetzten Zeit verstärkte und von Mitgliedern der britischen.Regierung geforderte feindselige Hetze gegen Sowjetrußland, deren Hauptpunkt die „Arcos"-Durch- I suchung sei, die wirtschaftlichen Beziehungen beider Stvaj ten zu gefährden drohe. Ueiber die Veröffentlichung der gefundenen Schriftstücke ist von der Regierung noch nicht entschieden worden. Die Lcvbonr Party beabsichtigt, falls die Entdeckungen nicht als bedeutend erachtet würden, gegen die Regierung ein Tadelsvotum einzubringen. Rnbland droht mtt der Abreise an« Senf. Genf, 18. Mai. Die russische Delegation hat aus Moskau neue Instruktionen erhalten, denen zufolge sie von der WeltwirtschastLonferenz noch vor dem Ende derselben abreisen soll, wenn Hr nicht wenigstens die Genugtuung gegeben wird, daß die Welttvirtschaftskonferenz das Nebeneinanderbestehen zweier verschiedener Wirtschaftssysteme ausdrücklich in einer ihrer Resoluttonen zum Ausdruck bringt. Die Forderung der Moskauer Regierung geht nicht so weit,, wie es die Delegation ursprünglich verlangt hatte, daß bei jeder einzelnen Frage der spezifische sowjetruffische Siandpunlkt betont werde, aber die Regierung tvünscht, daß mindestens in einer der großen grundsätzlichen Resoluttonen erklärt werde, daß die Lebensbedingungen des solvjetruffischen Systems von den europäischen gänzlich verschieden sind und daß andere Folgerungen ans diesen Verschiedenheiten gezogen werden müssen. In Konferenzkreisen glaubt man nicht recht an die russischen Abreisedrohungen, man ist vielmehr der Ansicht, das; es sich nur mn einen Pressionsversuch handle. In amerikanischen Kreisen jedoch, die mit den russischen Delegierten in auffallend enger Fühlung stehen, hält man den Wunsch der Moskauer Regierung nicht für unbescheiden und ist sehr geneigt, ihm nachMikommen. Der 'ditf 24. April neugewählte Nattonalvat hat sich gestern konstituiert und einstimmig feile bisherigen Präsidenten Miklas (christlichsozial), Eldersch (Sozialdemokrat) tonb Dr. Waber (groWeutsch) w r e d e r a e w ä h lt. Schon aus diesem Umstande kann geschlossen werden, daß die Wahlen kerne Aenderung in den innerösterreichischen Verhältnissen im Gefolge haben werden. Wohl ist die Regierungsmchrhei t im neuen Hause etwas schwächer als im alten, doch wird die Verstärkung der sozialdemokratischen Opposition um drei neugewonnene Mandate wettgemacht, durch den Beitritt! der neun Landbündler Zur Majorität. Die konstituierende Sitzung des Nationalrates ging in den traditionellen Formen vor sich. Es gab überfüllte Galerien, eine fast vollzählige Präsenz der Abgeordneten (Nur Frau Freundlich, d:e in Genf bei« der Weltwirtschaftskonferenz weilt, fehlt) und den üblichen Knopflochschmuck der Volksvertreter: weiße Nelken in den christlichsozialen, rote in den sozialdemokratischen und Kornblumen in den großdeutschen Knopflöchern. Nur die Landbündler markierten besondere Brhenstcindigkeit. Sie tvcrren in Aclplertracht erschienen : grüne Tnchwesten mit zwölf silbernen Knöpfen, Bauernjoppen und Tuchhosen Mt: Muer. Verbrämung. Auch einige Christlichsoziale waren ähnlich kostümiert. Im übrigen war bis auf einige Bratenröcke das Alltagsgewand und die dazugehörigen Alltagsgesichter vorherrschend. Bor der Präsidentenwahl wurden die Abgeordneten! angelobt. 36 von ihnen haben dem früheren Natioüalrat noch nicht angehört, so z. B. der abgesägte Landeshauptmann der Steiermark Dr. Rintelen, der burgenländische Landeshauptmann Rau Hofer, der zum Vizekanzler designierte Landbündler Hart leb, dessen Aeußeres mit fortschreitenden Jahren eine sehr bedeutend Leibesfülle verspricht und der Ackerbau-minister Thaler mit dem rostbrmmen.Rübezahlbart. Das Haus wählte am Schluffe der Sitzung noch einen Hauptausschuß, dem die Aufgabe zugeteilt wurde, einen Vorschlag betreffend die Neuwahl der Bundesregierung in der heutigen Sitzung des Nationalrates zu erstatten. Heute vormittags wird die neue Regierung gewählt werden. Nachmittags wird Dr. Seipel sein Programm entwickeln. Nächste Sitzung heute 11 Uhr vorMttags. Lar Kabinett Seidel iv. Der HauptauSschuß trat nach der HaussitzUng zusammen. Abg. Fink beantragte, den Dr. 'Seipel neuerdings zum Bundeskanzler zu designieren und mit der Bildung dtzr neuen Regierung zu betrauen. "Dieser Antrag wurde mit Mehrheit angenommen. Dr. Seipel unterbreitete sodann folgende Liste seines neuen Kabinetts: Bundeskanzler Dr. Ignaz Seipel, Vizekanzler Abg. Karl Hart leb, Unterricht Richard Schmitz, Soziale Verwaltung Dr. Josef Re sch, Finanzen Dr. Viktor Kienböck, . Land- und Forstwirtschaft Andreas DHichHHh , Handel Und Verkehr Dr. Hans Schürf^,' Heereswesen Karl VaUgoiu; Minister ohne Portefeuille: Dr. Franz Dieser Vorschlag wurde Mt neun gegen sieben NW ge Noimmen. Dr. Seipel teilte mit, es bestehe die Msicht, innerhalb der Bundesregierung der Vizekanzler H a rtleb mit der Führung der Agenden des „Innern" Kt be>- trauen, ferner Dr. Tinghvfer mit der Vorbereitung der Ueberführung des Jnstizamtes meiner genes Ministe riunu Der Gesetzentwurf betreffend die ^SMstättdigmachung des Justizministeriums werde in dev ihepttgen ^-":tg dem Nattonalrate unterbreitet werden. Ile indischen Rntionniisten fordern den Boykott britischer Waren. Bombay, 18. Mai. Der allindische Vollzugsausschuß des Nativnalkon gresseS nahm eine Entschließung aas. in der der Boykott britischer Waren als wirksamstes Mittel zur Erretchmrg der ^Selbstverwaltung gefordert wiM , Sa« englische Areikgesetz. London, 17. Mai. Das Unterhaus hat sden Manderüngsantrag der Regierung angenonrmen, woivrch durch die Gewerkschastsbill ein Solidaritätsstreik Unter gewissen Umständen nicht verboten sein st)ll.s Lar nene sronröfische Mobüiffernngsgefetz nbgeleynt. Paris, 18. Mai. Der Heeresausschuß des Senats hat bei Beratung des von fotef Kammer angenommenen Gesetzes über die O r g a n i s >i e r u n g d e r N a t i o n in Kriegszeiten den ersten Arttkel, der die Mobilisierung aller Franzosen ohne Unterschied des Alters und Geschlechtes vvrsieht, mit 15 gegen 2 Sttmmen abgelehnt. Sine Preisliste skr Straßenradau. Warschau, 17. Mai. Die Untersuchung in der Affäre der nationalistischen Schutzgarde fördert täglich neue interessante Daten zutage. Bei der Hausdurchsuchung im Hauptquartier dieser faseistischen Gesellschaft wurde unter den beschlagnahmten Schriften auch ein genauer „Preiskurant" für die einzelnen Leistungen der „Nationalgarde" aufgefunden. So wurden für eine gewöhnliche Berprügelung einer Person in der Straße 10 Zloty gefordert, für die SprerHuirg einer gegudrischeni Versammln,rg 30 Zloty nfw. Es wurde! auch ein Haup.'bb u ch gefundm, in toelchem die auf Grund dieses Preiskurants ein g ehobenen Beträge verbucht sind. Re Union der Bölkerdvndlisen. In der Zeit vom 24. bis 31. Mai findet in Berlin die 11. Plenarversammlung der Union der Völkerbundligen statt. Die jüdische Vötkerbundliga für Oesterreich wird durch die Herren Dr. Leo Gold ha mm er und Dr. Oskar Karbach vertreten, die jüdische Liga für d/ie Tschechoslowakei entsendet Herrn Dr. Ernil MargUlies. Die Völkerblmdliga für Palästina wird Herr Di sengoff vertreten. Von Oesterreich fährt eine größere Delegation Unter Führung des Präsidenten der Liga Dr. Dnmba, ferner Dr. Kunz und die Herren Gemeindrrat Machat und Doktor A. Kantor als Vertreter der österreichischen Slawen. Der Plenarversammlung liegt ein offizieller Bericht des' Generalsekretärs der Union Professor Ruyssen über die antisemittschen Ausschreitungen in Rumänien vor Leon Landet geyskndet. Zur Sicherstellung des Schadenersatzes von 28.000 Franken. Paris, 18. Mai. Me berichtet, ist der bekannte rohalisttsche Schriftsteller Leon Daudet wegen Beleidigung des Chauffeurs Bajot, in deffen Auto sich der 16jährige Sohn Daudets erschossen hatte, zu ztvvr Monaten Gefängnis, 600 Franken Geldstrafe und 25.000 Franken Schadenersatz verurteilt worden. Me „Sott" meldet, hat der Kläger zur Sicherstellung der ihm zugesprochenen 28.000 Franken in der Wohnung Daudets pfänden laffen, darunter auch die Bibliothek Daudets. Pnevor RESTEN-YERKAUFSGESELLSCHAFT J L‘ W den konkurrenzlos billigen Preisen der vo.. k»H-BD«U-U8EEU.MESLrsAMS^U»»« 9 (Provinz musterversAm» 5

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.