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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-18 · Heft 2953 (18.5.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2953 (18.5.1927)
Date
1927-05-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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| Preis 20 g | Redaktion, Administration: Wien, U.jTaborstr. 1 Telephon 14-0-38, 43-3-19 Telephon ab 6 Uhr abends 38-5-80 Serie, ab */a9 Uhr abends 38-5-83. . Druckerei: VII,, Lerchenfelderstraße 1 („lnva") Preise *• Wien and Oesterreich durch Post oder Verschleißstellen monatL 6 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Innern des Blattes. Nr. 2983 Wiener orgenMmiL aunr_„„„ MÖBELHAUj XWUHL!V*$wlÄH^E ** .bequeme «I UAHLUN& Wien, Mittwoch, 18. Mai 1927 (1«. Aar 8687),__». gahrgana Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. | DaS altbewährte Kr SftiguugSmitiel f. für Körper und Nerven [ Samriaden B in allen Apotheken und Drogerie« in Packungen von 8 3-— an. |Proben und Broschüren kostenlos durch Bauer & Cie., I Berlin SW 48. Friedrichstrabe 231. Sensationelle Verhaftungen in Warschau. Das Waffen« und Munitionsdepot einer nationaldemokratischen Organisation. Warschau, 17. Mai. Das Lokal der Organisation „Nationale Wache" wurde auf Grurrd von Anzeigen von Organen der Warschauer Sicherheitsbehörde einer Revision unterzogen,' dabei wurde eine Reche von Waffen und Munition, Handgranaten u. dgl. gesunden. Ferner wurde ein Laboratorium zur Erzeugung von Bomben entdeckt. Es wurden sieben Mitglieder der Organisation, darunter der Hauptmann Pylonski verhaftet, die 'sich vm GÄicht zu verantworten haben werden. Die Organisation „Nationale Wache" ist nationaldemjokratisch mit fascistischen Tendenzen. Sie steht in engem Zusammenhang mit dem fascistischen „Lager von Großpolen". Im weiteren Verlauf der Untersuchung wnrde sehr viel belastendes Doknmentenmaterial zutage gefördert, darunter auch zahlreiche Briefe politischen Inhalts, unter chnen solche des Generals Josef Haller. Kanada gegen die amerikanischen Sinwandernngischikanen. New Aorik, 17. Mai. Bor kurzem erließ das Labour- Departement in Washington, in dessen Ressort auch das Einwandemngswetsen gehört, eine Verordnung, laut welcher Ausländern, die in den Grenzstaaten wohnen und in Amerika in Arbeit stehen, der bisher gestattete Grenzübertritt verboten wird. Am schwersten betroffen sind die in Kanada an der amerikanischen Grenze, so z. B. in Ontario und anderen Städten lebenden Arbeiter. Gegen diese Verfügung sowie gegen verschiedene andere Erschwerungen hat nun der kanadische Gesandte in Washington der amerikanischen Regierung eine Note überreicht, in wolcher zunächst eine Konserenz Mischen den Delegierten der beiden Länder gesondert wird, bevor die Verordnung zur Durchführung gelangt. Da die neue Verordnung am 1. Juni in Kraft treten soll, müßte die geforderte Konferenz ln den nächsten Dagen stattfinden, doch zeigt di« amerikanische Regierung vorläufig keine Geneigtheit, eine Milderung oder gar Ziberrufrmg der Verordnung zuzugestehen. Blutiger ' bei der Adelrberger Rom, 17. Mai. An der AdelSberger Grenze wurde gestern eine Patrousllle fafeistifcher Miliz aus einem Hinterhalt beschossen, wobei ein Milizsoldat von 12 Schüssen in den Unterleib und 8 Schüßen in di« Beine getroffen wurde. Während sein Begleiter Hilfe herbeiholl«, wurden gegen den Verwundeten weitere drei Schüsse abgegeben, woraus die Täter entflohen. Der Verwundete wurde schwer verletzt geborgen. Da, deutsche Gesetz rum Schutz der Republik verlSugert. Berlin, 17. Mai. Der Reichstag hat in feiner heutigen Sitzung die Verlängeredes Gesetzes zum Schutze der Republik um zwei Jahre endgültig beschlossen. Nach einer kurzen und unwesentlichen Debatte wurde der Gesetzentwurf mit 823 gegen 41 Stimmen angenommen. Gegen das Gesetz stimmten die Kommunisten, die DeutschvWischen, die Nationalsozialisten und die Deuilchhannoveraner. Kein Petroleum in Mofful. eine Mitteilung des britischen Kolonienminifters. - Heftige Angriffe gegen die Regierung Baldwln- London, 17. Mai. In politischen Kreisen hat eine Mitteilung des Kolonienministers Amery großes Aufsehen hervorgerufen. Amery erklärte nämlich, daß wn MossuIgebiet bisher n o ch keine nennenswerten Mengen Petroleum gefunden wurden. Dies hat zu heftigen Angriffen in der liberalen und Arbeiterpresse gegen die Mossulpolitik der Negierung geführt und die Blätter erklären, daß Chamberlain umsonst die öffentliche Meinung im Borjahre gegen die Türkei wegen der Mossulfrage aufgebracht habe, während die linken Blätter noch weitergehen und dem Außenminister eine bewußte Jrrefühmng der englischen Steuerzahler vorwerfen. Wie es heißt, wollen die Liberalen die Mesopotamienpolitik zum Gegenstand einer Interpellation im Unterhause machen und von der Negierung genaue Angaben über die Ergebnisse der Mossulpolitik verlangen. Dieser Mißerfolg in Mesopotamien und der Fehlgriff in der Hausdurchsuchung in der - Londonerrussischen Handelsgesellschaft „Arcos" haben nach der Meinung politischer Kreise dem außenpolitischen Ansehen der Regierung Baldwin einen heftigen Schlag versetzt. Nichtanerkennung der Hankau-Regierung. London, 17. Mai. Der Vertreter des englischen Gesandten in Peking bei der Hankamr Regierung, B a s i l New ton, der erst seit kurzer Zeit diesen Posten innehat, wurde zurückberufen. Wie verlautet, wird kein neuer englischer Vertreter nach Hankau entsendet werden. Die Abberufung Newtons wird als-eine Geste der Nichtanerkennung der Hankau-Regierung durch Großbritannien aufgefaßt. Rußland verlangt Schadenersatz für die Iurchfvchung. London, 17. Mai. Die in konservativen Kreisen schon gestern geäußerte Enttäuschung, daß die Hausdurchsuchung im „Arcos"-Gebäude nicht zur Auffindung des vermißten Dokmnentes geführt habe und die Befürchtung der Börse, ein eventuelles Fiasko könnte wirtschaftliche Nachteile nach sich ziehen, hat den Innenminister zu einer Erklärung veranlaßt, daß „wichtige Schriftstücke" gesunden wurden. Die Börse hat sich daraufhin beruhigt, wenngleich in Citykreisen weiterhin die Ansicht herrscht, daß die Handelstätigkeit mit Rußland eine Beeinträchtigung erfahren wird. Die Presse der liberalen und der Arbeiterpartei erklären, daß die Aktion gegen die Russen eine hochpolitische, und nicht, wie die Regierung glauben machen will, eine polizeiliche Angelegenheit sei, die mit einem völligen Bruch mit Rußland enden könnte. Me Polizei hat das Gebäude der „Arcos" geräumt, doch sind honte nur wenige Mitglieder des Personals im Gebäude erschienen, um die Räume wieder in Empfang zu nehmen. Die Direktoren haben bezüglich der durch die polizeiliche Untersuchung angerichteten Schäden Rechtsanwälte zu Rate gezogen und beabsichtigen, die Angelegenheit zwecks Schadenersatzleistung vor den Gerichten zur Sprache zu bringen. Nach einer Moskauer Meldung hat heute die Sowjetregierung eine Note an die englische Regierung wegen der Durchsuchung abgefendet. Her Kamps «m das englische Gewerkschaft«- aesetz. London, 17. Mai. Die ParlameutSfrattion der Arbeiterpartei hat heute beschlossen, trotz der Beschränkung der Debatte über die Gewerkschastsbill dem letzten Teil der Debatte veizuwohnen. Ms am Nachmittag die Erörterung der Gewerkschaftsöill rm Unterhaus wieder begann, waren einige Mitglieder der Arbeiterpartei zugegen. Me Weftwirtschastskonsereuz. Genf, 17. Mai. Der Jndusrrleausschuh der. Wei-.- imrtschaftskonferenz hat heute vormittags mili der Beratung des von einem seiner RodaktionsSomitees, vvrgelcgten Entschließungsentwnrfes begonnen, dem die Vertreter der dänischen, norwegischen, schwedischen und finnischen Industrie einen Gegen entwarf^...^ entgegenstellten. Nachdem jedoch der Präsident des ZentraE^>'^L rates des französischen Hüttenverbandes, belgK-P"^U sche und schwedische Gewerkschaftler, fermH.^'- J Loucheur und Sir Balfour entschieden diesen Gegen-'---^' entwurf abgelehnt hatten, wurde er zurückgezogen. Nachmittags wurde die Resolution über die Rationalisierung angenomnren. In der Resolution wird den Jndustrieorganisationen, Regierungen und sonstigen Körperschaften in allen Ländern empfohlen, mit allen Mitteln eine praktische Rationalisierung und Organisierung der Arbeit zu versuchen. Eine besondere Auiftnevksanrkeit soll daraus verwendet werden, daß eine würdigere Verwendung des M e n s ch e n in der Industrie evziÄt werde. Weiter wird eine nationale und internationale Untersuchung der besten Methoden zur Durchführung der RattonalMevung gefordert. Rückgang der Arbettslofigkett in Palästina. Jerusalem, 16. Mai. Im Monat April ist die Arbeitslosigkeit in Palästina ein wenig zurückgegangen. Im April zählte man laut „Mischar Wetaasiah" in Tel Awiw 3800, in Haifa 2000 und in Jerusalem 1200, also insgesamt in diesen drei Städten 6700 Arbeitslose gegen 7000 im Monat März. Das Arbeitsdepartement der Palästina- Exekutive har vom Oktober 1926 bis März 1926 44.400 ägyptische Pfund für den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit ausgegeüen. Davon waren 29.860 ägyptische Pfund Unterstützungsgelder. Außerdem beteiligte sich das Arbeitsdepavtement der Palästina-Exekutive an einer Reihe von öffentlichen Arbeiten in Tel Awiw, Haifa» Jerusalem, Ir Fesvael und Tiberias mit einem Betrage von 43.400 ägyptischen Pfund. Ae jüdischen Stadtratskandidate« in Haifa. Jerusalem, 16. Dkai. Nach langen Bemühungen ist es gelungen, auch in Haifa eine einheitliche jüdische Liste für die Kommunalwahlen aufzustellen. Auf Grund langer Beratungen und Intervention des Waad Leumi einigte man sich auf die beiden Kandidaten Schapsai L e v y, bisheriges Mitglied des Gemeinderates, und David K a hn, Leiter de§ Solel Boneh in Haifa. Da eine Gegenliste nicht überreicht wurde, gelten diese beiden jüdischen Kandidaten als gewählt. Bei den Mohammedanern und Christel:, die auf je vier Sitze Anspruch haben, gibt es nemt, respektive elf Kandidaten. Ae Lanrkger Advokatenkammer gegen den Rnmerus clausus für Anwülte. Danzig, 17- Mai. Seit einiger Zejt wird hier von führenden juristischen Kreisen der Numerus e l a nsus für Rechtsanwälte propagiert. Auch der Advokatenkarnmer von Danzig lag bereits ein formaler Antrag in diesem Sinne vor. Bor einigen Tager: fand nun eine vom Kammerpräsidium einberufene Vollversammlung der Mitglieder der Advokatenkammer statt, in welcher diese Frage zur Erörterung stand. Es wurden zwei Referenten, und zwar einer für und einer gegen den Numerus claufes gestellt. Das Referat gegen die Einführung eines Numerus clauses hielt der Danziger jüdische Advokat Dr. G e rs o n, dessen einstündiger Vortrag das Resultat hatte, daß bei der Abstimmung der Antrag auf Einführung eines Numerus clausus für Advokaten mit überwiegender Mehrheit vorsporfen tmudc 840253

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