Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2951 (16.5.1927)
- Date
- 1927-05-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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| Prela 80 p Redaktion, Administration. Wie», II., Taborstr. 1 Telephon 44-0?38, 43-3-19 Telephon ab 6 Uhr abends 38-5-80 Serie, ab */a9 Uhr abends 38-5-83. Druckerei: VH., Lerchenfelderstraße 1 („Inva") Preise Wien and Oesterreich durch Post oder Verschleißstellen monatl. 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Innern des Blattes. Nr. 2951 orgenzeilung jjtßUur MÖBELHAU/ 7.WUHL W.soa|«FMOHiGASE »3 BEQUEME Ä TEILZAHLUNG! «Ha Wien, Montag, 16. Mai 1927 (14. 3iar 5687). 9. gahrgang Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Reue Sammbrüche der MiMtzvi. New Orleans, 15. Mai. Bei Bayon des Glaises sind weitere Deich brüche erfolgt. Hunderte in dieser Gegend beschäftigte Arbeiter haben den Kampf gegen die Fluten aufgegeben und sind in die Unterkunftslager geflüchtet. Nach einer Meldung aus New Orleans beträgt der Wasserstand des Misiissippi bei der Stadt jetzt sieben M e t e r, also mehr als vor der Sprengung der Bresche bei Poydras, durch die die Stadt endgültig gerettet werden sollte. Die Ingenieure sind ratlos, da sie keine technischen Mittel mehr wissen, durch die der Wasserstand zum Sinken gebracht iverden konnte. Die Lage wirdum so e r n st er angesehen, als auch aus dem Gebiete des Missouri ein Steigen des Hoch- Ivassers berichtet wird. Im Staate Louisiana herrschte Regenwetter, lvas die allgemeine' Unruhe noch steigert. Die Gefahr der Ausbreitung ansteckender Krankheiten ist sehr groß, da der Mississippi ertrunkenes Hausvieh mit sich schleppt, das bereits in Verwesung übergeht. Der Hiffsleistungsfonds für die durch das Hochwasser Geschädigten beträgt zurzeit II^Millionen Dollar. Nungefsers Flugzeug explodiert? Neue Sichtungsmelllungeu aus ReuWMllv. S t. I o h n s (Neufundland) ,16. Mcri. Än in S t Lawrence, an der äußersten Spitze der Halbinsel Burin, vom Zolleinnohmer Mur r a y a n an den Generalzollagenten von Neufundland gerichtetes Telegramm besagt, daß ein Mann, der 20 Meilen landeinwärts von der Robert-Bai gelegenen Ortschaft Whitbourne am Montag früh das Surren eines Fl u.g g e u g m o t o r s und im AnschlußGaran ein Geräusch, gehört habe, das einer Explosion ähnlich gewesen sei. Heute sollen Nachforschungen in dieser Gegend vorgenommen werden. Nach einer Meldung des „Newyork Herald" sollen drei weitere Personen, darunter zwei Mitglieder des kanadischen Parlaments, Montag vormittags zwischen 9 und 10 Uhr das Flugzeüg der französischen Flieger in Fahrtrichtung Nordwest über Neufund lang gesehen haben. De Plnedo ln bhlcago. Chicago, 16. Mai. Der Flieger D e P i n e d o, der um 7 Uhr 8 Minuten in Memphis gestartet war, ist um 16 Uhr 19 Minuten in Chicago eingetroffen. eine IrallllnnW-pottnileMer Flug. P e r n a m b u c o, 14. Mai. (Havas.) Der Flieger Barros ist von Fernando Noronh a nach Portugal ab ge flogen. Srdbeve« in siugoslawie«. Belgrad, 15. Mai. Heute um 3 Uhr 47 Minuten krüh wurde in Belgrad ein Erdbeben verspürt, dessen Herd s ü d w e st l i ch von Belgrad, im B u ku l j a - Gebt r g c, gelegen war. Das Baben dauerte zwei Minuten und war von meh reren schwächeren Erdstößen gefolgt. Nach den dem Belgrader seismographischen Institut zugetan gen eu Meldungen wurde das Erdbeben auch in Westserbien und in Ostbosnien wahrgenommen, hat aber dort keinen großen Schaden angerichtet. Feuersbrunft tu einem Bahnhof bei Paris. Paris, 16. Mai. Gestern wurden in einem Bahnhof bei Paris 30 beladene Güterwagen soll ständig und ein G ü t e r s ch u p e n zur Hälfte durch eine F e u e r s b r u n st.z e r st ö r t. Der Wiiingbund auch in Sachsen verboten. Berlin, 16. Mai. Wie die »Montagspost" aus Dresden berichtet, hat der Minister des Innern beschlossen, den Wikingbund auch in Sachsen zu verbieten. Me Razzia in der „Arcos". Jas Dokument be» Krieasamter noch nicht gefnnben. London, 16. Mai. Wie die „Times" melden, ist der eigen'.iche Zweck der Untersuchung im Arcos-Gebäude noch nicht erreicht worden. Das gesuchte Staatsdokument soll ein Dokument des Kriegsamtes sein, das sich in einem versiegelten Briefumschlag befunden hatte. Nach einer Meldung des Reuterschen Bureaus ist die Prüfung der Vorgefundenen Dokilmente und Schriftstücke gestern den ganzen Tag hindurch fortgesetzt worden. Mehrere verborgene Fächer sind noch nicht durchsucht. Sie werden einer genauen Prüfung unterzogen werden. Wie die Blätter melden, machten die Detektivs auf Grund ihrer Entdeckung im Arcos-Gebäude Besuche m verschiedenen Londoner Stadtteilen. Der Mini st er desJnnern hatte später Unterredungen mit leitenden Polizeibeamten. Wie „Weekly Dispatsch" berichtet, äußerte er seine Befriedigung darüber, daß die Durchsuchung sich im Hinblick auf ihre Ergebnisse als vollauf gerechtfertigt herausgestellt habe. Es sei in den Sicherheitsschränken auch ein großer Betrag von Noten der Bank von England vorgefunden worden, die nunmehr von Sachverständigen auf. ihre Echtheit geprüft werden. Die englische Antwortnote auf den Protest der Sowjetregierüng wird, wie verlautet, ausführen, daß dje Hausdurchsuchung gesetzmäßig sei, da der sowjetrnssische Handelsvertreter gemäß dem Handclsi abkommen wohl eine persönliche, nicht aber die üblich? diplomatische Immunität genieße. AntlensMe Semonftrotfanen ln Wlnnb. Moskau, 15. Musi (Telcgraphenageutur der Sowjet- Union.) Als Protest gegen die Vorgänge im Gebäude der „Arcos" in London finden überall in der Sowjet-Union Versammlungen und Demonstrationen statt. In Moskau wurden nach Arbeitsschluß in den Betrieben Versammlungen abgehalten, dft von der Sowjetregierüng entschiedene Maßnahmen verlangter DaS Gebäude der englischen Mission wird durch ein verstärktes Miüzaufgebot bewacht. Demonstranten, die in das Gebäude einzudringen versuchten, wurden zurückgedrängt. In einer im Handelskommissariatsgebäude abgehaltenen Protestversammlung erklätte V o l k s k o m m i s s ä r f ü r Handel Nikojan, die Durchsuchung der exterritorialen Räume der Sowjethandelsvertretung sei eine direkte Verletzung des Handelsabkomm ens mit England. Es sei keine Gewähr dafür geboten, daß die Beauftragten von Scotlandyard nicht Dokumente finden würden, die in Wirklichkeit gar nicht vorhanden waren. Dje englische Regierung betrete cincjn Weg zur Lahmlegung des Handels zwischen . England und Sowjetrußland. Die Handlupgsweise gleiche dem Vor gehen Tscha ngtso lin s., We tverde jedoch dje Sowjet-Union zu unüberlegten Schnitten nicht herausfordern können. Amerika «ad sihina. Jeußerungen Kelloggs. Washington, 16. Mai. Gegenüber der Aufforderung des neuen Außenministers der Nankinger Regierung, A m e r i k i möge dieungerechtenBerträge mit China alsbald einer R e b is i o n unterziehen, erklärte Staatssekretär Kellogg, die Vereinigten Staaten halten au ihrer im Jänner ausgesprochenen Bereitwilligkeit fest, einen neuen Vertrag abzuschließen, der die F r a g e der Exterritorialität in befviedigender Weise lösen und China eine Zollauton o m i e gewähren würde, aber Verhandlungen könnten nur mit einer Regierung ausgenommen werden, die wirklich ganz China oder wenigstens den größten Teil des Landes vertritt. Das Staatsdepartement glaubt an eine B e s s e r u,n g de r L a g e indernächstrnWoche. Es sei jedoch noch nicht erkennbar, welche Partei die Oberhand behalte, oder ob die drei Regierungen Chinas zu einer Verständigung gelangen könnten. Die Befriedung Nikaraguas. Washington, 16. Mai. Der Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte in Nicaragua, Admiral Latime r, berichtet, die Ablieferung der Waffen seitens der Konservativen und der Liberalen schreite durchaus zufriedenstellend fort. General Monea da ist mit 200 Mann, sämtlich unbewaffnet, unterwegs nach Managua. S t i m s o n, der Präsident von Nicaragua, D i a z, und der Präsident der Nationalbank von Nicaragua, Rosenthal, beraten über ein Programm zur Sanierung der Staats f inan zen. . Die Konferenz von Joachimrihal. Joächimsthal, 15. Mai. lieber die heutige Schlußfitzungder Konferenz der Außenminister d«r Staaten der kleinen Entente wurde folgendes Eommunlque ausgegeben: Die Außenminister beschäftigten sich mit den verschiedenen' Spezialfragen, die ausschließlich die drei Staaten der kleinen Entente betreffen, um sie erfolgreich und rasch zu regeln. Nachdem die Außenminister hierauf hie Wichtigkeit der wirtschaftlichen Schwierigkeiten und die Notwendigkeit, sie erfolgreich zu lösen, konstatiert und nachdem sie in Betracht gezogen hatten, daß dieses Problem mit der politischen Situation der Länder der kleinen Entente Zusammenhänge, tausch- , tat sie ihre Ansichten über die hauptsächlichsten wirtschaftlichen Probleme aus, die die Grundlage ihrer künftigen wirtschaftlichen Beziehungen sowie ihrer Beziehungen zu den Nachbarn bilden könnten/ Die Minister der Staaten der kleinen Entente treten rreuerlich in Genf bei der Session der Völkerbund Versammlung im September 1927 zusammen. Die nächste Konferenz wird in Rumänien anfangs des Jahres 1928 ftattfinden. Die Semrknderalowahle« in gnnsbrnlk. Innsbruck, 16. Mai. Bei den heute durchgeführten Ergänzungswahlen für den Innsbrucker Gemeiuderat gelangte die Hälfte der Gemeinderatsmaudate, das sind 20 Sitze, zur Vergebung. Die Großdeutsche Volkspartei und die Nationalsozialisten hatten sich zur nationalen Einheitsliste zusammengeschlossen. Die Wahl verlief in vollster Ruhe bei reger Beteiligung und hatte folgendes Ergebnis (die eingeklammerten Zahlen bedeuten das Ergebnis dom Jahre 1926): Sozialdemokraten 12.312 Stimmen, 9 Mandate (10.894, 8 Mandate), Tiroler Volkspartei 8739 Stimmen, 6 Mandate (7890, 7 Mandate), Nationale Einheitsliste 7396, 6 Mandate (7847 Großdeutsche, 4 Mandate. 1683 Nationalsozialisten, 1 Mandat), Wirtschaftliche Bereinigung 864 Stimmen, kein Mandat. Pedrazzi hat sich übrrreugt. Jerusalem, 14. Mai. (J.T.A.) Der zum ttaklentsthen Generalkonsul in Palästina ernannte Publizist und Polittter Dr. Orazzto Pedrazzi, der früher die Potttff des jüdischen Nationalheims bekämpft hat, hat in diesen Tagen dem Oberravbiner Jacob Meir einen Besuch avgesiattet und sich im Verlauf der Unterhaltung dahm ausgesprochen, daß kein Italiener dem Judentum femdlich gesinnt sein könne. Mit Bezug auf den zionistj schen Ausbau in Palästina sagte Dr. Pedrazzt, er habe sehr wenig über den Charakter dieses großen Werkes gewußt. Erst seitdem er im Lande werke, erfasse erfeine ganze Größe und Bedeutung für daS Land Palästina und für die ganze Welt. Er werde demnächst sine T«mr duvch das ganze Land machen, um die jüdische landunrtschaft. liche und industnelle Kolonisation in Augenschein zu nehme«.