Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2949 (14.5.1927)
- Date
- 1927-05-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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| Preis 20 g | Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon 44-0-38. 43-3*49 Telephon ab 6 Uhr abends 38-5-8# Serie, ab Va9 Uhr abends 38-5-83. Drnckerei: Vit., Lerohenfetderstraße 1 („Inva“) Preise? Wien and Oesterreich durch Post oder Verschleißstellen monatl. 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das Anstand im Innern des Plattes. Nr. 2949 orgcnpitiim orgtnjcitunfl Wien. Samstag, 14. Mai 1927 (12. 81« 5687). MÖBUHAUX J.WUHL » » mH IV. SCHIEIFMÖHLGAUE Nt 3 TtLtFON 559-55 . BEQUEME TEILZAHLUNG! 9. Iahrgaug Im redaktionelle« Teil enthaltene entgeltlich« Mitteilungen sind durch ei« vorangesetztes E gekennzeichnet. Neueste, nach eigenen Erfindungen patentierte Kupeeschrank Touristen' Auto Koffer und alle Arten von Relaerequlslten u. Lederwiren wegen bevorstehender Renovierung »« fabelhaft billigen Preisen nur beim Allein-Erfihder u. Erzeuger L. STORCH, WIEN, VIII. JoselstbdterstraBe Nr. 36 — Telephon 96-8-67 Für meine epochalen Erfindungen suche ich Teilhaber mit Barkapital zur Verwertung in allen Auslandsstaaten. L. Storch, Wien, VIII., Josefstädterstraße Nr. 36. — Telephon Nr. 26-8-67. Sie Sitzung des SionWche» Altionstomtteer. Sie SpezWomMioa Mr Las WWW>Wiet. London, 11. Mai. (I., Tr A.) In der heut-.gen Sitzung des Zionistischen Mt^onskomitees hielt General Sir Wyndham Deedes,. der frühere Chefset retar der Palästinu-Regierung, eine mit Beifall aufgenommene. Ansprache. Hierauf erstatteten die Kommissionen ihre Berichte. Es entspann sich e:ne Debatte Wer die Vollmachten der von der Exekutive einzusetzenden Fünfer-Kommission für Budgetfragen, die sich nach Beendigung der A. K.-Tagung nach Palästina begeben soll., Dir polnische Demarche in Berlin. Wegen der Rede der Jenischnalkonalen Hergt. Berlin, 13. Mai. Me bereits seinerzeit berichtet, hat die Rede, welche der deutschnationale Minister a. D. Hergt auf einer Parteitagung in Beut he n hielt und in welcher er über die Frage der Ostgvenzen Deutschlands Aeußerungen machte, die auf eine Ablehnung der Garantie der Ostgrenzen durch seine derzeit in der Regierung befindliche. Partei schließen ließen, in Polen starke Beunruhigung hervorgerufen. Diese Eskapade des deutschnationalen Parteimannes machte umso stärkeren Eindruck, als bei der gegenwärtigen Zusammensetzung der deutschen Regierung anzunehmen war, daß Hergt zum mindesten aus der Schule geschwatzt habe. Die polnische Regierung beabsichtigte Ursprünglichwegen dieses Vorfalles eine Note an Deutschland zu senden, änderte jedoch' dann diesen Beschluß dahin ab, daß in Form -»einer » Vorsprache des Berliner polnischen Gesandten Doktor OffzowfN beim 'Reichscmßnrminister Stresemann eine Demarche erfolgen solle. Diese Besprechung, die offiziellals'eine solche im Anschluß an die Mitteilung'des polnischen Außenministers Zaleski an den Gesandtenüber die Beuthener Kundgebung bezeichnet wird, hat am 11. Mäi stattgefunden.. . :i Nach den offiziellen KontinÜmques beider Seiten hat der polnische Gesandte dem Reichsaußenncknifter erklärt, daß sich der polnische Außenminister Zaleski genötigt sehe, darauf hinzuweisen, daß Kundgebungen, wie sie in Beuchen erfolgt seien, in Widerspruch mit dem Geiste der Wischen Dr. Stresemann und Zaleski in Genf geführten Gespräche ständen und W Bestrebungen beider Minister wescnMch erschwert sind, die Grundlage für eine wirtschaftliche Verständigung zu schaffen, Polens Außenminister rechne damit, daß das Notwendige unternommen werde, um in Zukunft einer eventuellen Störung dieser gemeinsamen Bestrebungen zu begegnen.- . ,Reichsaußenminister Dr. Stresemann ertötete, daß die deutsche Politik Polen gegenüber keine Acndcrung erfahren habe. Wenn der polnische Außenminister sich durch Kundgebungen anläßlich der Tagung in Beuthen. beunruhigt fühle, so sei das teilweise auf mtstellte und übertriebene Pressenachrichten, teilweise auf - : mitzverstandiiche Auffassung dessen, was gesagt worden ist, zurückzuführen. Es sei klar, daß besde Regierungen dafür Sorge tragen müßten, baß Störungen' ihrer gemeinsamen Bestrebungen hintangehaltcn > werden. ' - . Handelsgesellschaft. Protest der Mischen Seschststotrstgers. — Berfchwundene britische Loknmente Poinkare knavv dem Sturz entgangen. Eine Berttauensabstimmung mit nur IS Stimmen Mehrhei t P a r i s, 13. Mai. Die Regierung Poincare ist heute abends bei der Beratung der Z o l l t a r i f v o r l a g e beinahe zum F a l l g e k o m m e n. Ein Antrag des sozialistischen Deputierten Payral, die Kammer möge die Tarifborlage an die Finanzkommission zurückverweisen, wurde von der Kammer mit 2 6 7.g.eg en 2 4'8.Stimm e n, also nur mit der knappen Mehrheit von 1 9 S t i mm e n, abgelehnt. Die Linke stimmte, geschlossen g e gen die Regierung. . , Payral beantragte die Zurückvrrweisung der Vorlage an die FinanKommission, die angewiesen werden soll, eine Zolltarifvorlage auszuarbeiten, in welcher neben den neuen auch diebestehenden Zollsätze anzugeben wären, damit ein Vergleich über die Erhöhung möglich wäre. Handelsminister Bokanowski vekämpste den Vorschlag und stellte die Vertrauensfrage. Er erklärte, daß eine Aufstellung, wie sie Payral wünsche, eine Arbeit von mehreren Wochen erfordern würde. Der Antrag. Payral wurde sodann mit der evtoähnten knappen Mehrheit abgelehnt. Die Linke soll mit ihrem Votum gegen Poincare ihren Unmut bekundet haben, daß die Regierung die Absicht hat, die Wahlrechtsreform nicht zur Diskussion zu bringen und die Wahlen imJahre 19 2 8 noch nach dem alten, filr den nationalen Block günstigen Wählst) st e m durchzuführen. Die Weltwlrt!cha|trkon|erenz Genf, 13. Viai. Heute vormittags tagten mehrere Redaktionsausschüsse hinter verschlossenen Türnu während der Jicknstrieaus schuß die Aussprüche über die Kartellfrage beendet hat. Der ruissische Teletzierte Sokolnikow forderte die Organisienmg eines internationalen Kreditsystems. Di« Jndustriekommission witb DLontag znsammentreten, um den Resolutionsentwurf des Unterkomitees ur Beratung zu ziehen. London, 13. Mai^ Die Razzia in den Räumen der russischen Handelsgesellschaft „Arcos" bildet das. Tagesgespräch ganz Englands. Der Bureaubetvieb der russischen Handelsdelegation hat heute in normaler Weis« seinen Fortgang genommen, jedoch sind nur diejenigen Abteilungen des Gebäudes geöffnet, in denen die Durchsuchung bereits durchgeführt ist. Bor den Zugängen zu dem Gebäude sammeln .sich u n u nt erbrochen Neugierige an. Im Laufe des heutigen Bormittags. haben der Polizeichef der City und ein hoher Funktionär der Kviminalpolizei das Gebäude besichtigt. Da -die Polizei die Absicht hat, in allen Räumlichkeiten, Kassen und Schränken Nachschau zu halten, so-wird diese Durchsuchung weiter fortgesetzt werden, da bisher einige Schlüfsel gefehlt haben. Die Abendblätter berichten,, daß. die Polizei nach wie vor die A m t s räume d^e r „A r e o" b e s.e tz t halte, weil sich die ' - *• Russen weigern, die Schlüssel zu zwei Safts auszufolgen. Die „Arco" erklärt, daß die Anwesenheit der Polizei das Personal nunmehr zwinge, die A r b e i t b i s z u i h r e m Abzüge ein zu stellen. Me Polizei hat. drei Panzers ch r änke, die in den Wänden durch Täfelun g verborgenwaren, ent deckt. . Die Schriftstücke werden durch Sachverständige dechiffriert werden. Da die Angestellten der „Arcos" nach wie vor die Schlüssel zu den Safes verweigern, hat die Polizei einen für die- Zerstörung -der armierten Caissons gooigneten Apparat sowie ein- , -• Knallgchlisse, Hchestaugen und Spitzhaftm herhtzj-schaffen lassen, um die fünf Safes gewaltsam zu öffnen. Alle Räumlichkeiten, auch jene der russischen Handelsdelegation, dü ihre Bureaus in. demselben Gebäude besitzt, wurden von der Polizei betreten. In diesem Gebäude, das die Russen vor sechs Jahren übernommen haben, befindet sich eine ungeheure Zahl von Dokumenten. Die Durchsuchung des Erdgeschosses, -wo große Menge« von Papieren aufgestapelt liegen, wurde noch in der Nacht fortgesetzt. - Einige Propagandafilms wurden entdeckt. Sämtliche Angestellten >der „Arcos", -über 1000 an der Zahl, wurden, sorgfältig durchsucht. Abends ' wurde die Polizei zurückgezogen und ein Posten zur Bewachung der Räume zurückgelassen. ■ - ' ■ , Nach ■ einer offiziellen Mitteilung wurde die Untersuchung aus dem Grunde angeordnet, um zu ermitteln, ob in den Geschäftsräumen Abschriften britischer diplomatischer Dokumente, die aus amtlichen 'britischen Stellen entfernt -wurden, vorhanden sind. Hiebei würden mehrere Schusswaffen mW Totschläger vorgefünden und beschlagnahmt. Der russische Geschäftsträger Rosengölz ist heut« vormittags im Auswärtigen Amt erschienen, wo er ' mit Chamberlain eine halbstündige Besprechung hatte, in deren Verlauf er formell gegen die Hausdurchsuchung Protestierte. In der dem Außenminister überreichten Note wird angeführt, daß ein Angestellter der Handelsdelegation, der sich weigerte, den Schlüssel zum Safe mit den Personaldokumenten und Chiffrebüchern des Handelsagenten auszuliefern, . . ." von der Polizei mißhandelt worden sei. Weiters wird in der Note erklärt, daß die Durchsuchung, die unausbleiblich den' englischr u s s i s ch e n H a n d e l beeinträchtigen wird, die elementarsten Garantien und Regeln des Anstandes mißachtet undden Artikel des" Handelsabkommens' verletzt hat. Ferner wirk dagegen protestiert, daß alle Angestellten, Frauen wie M ä n n e r, brutal von den Polizaibeamten durchsucht worden seien. In Citykoeiftn ist man, da für die nächste Zeit größere russische Aufträge erwartet wurden, hinsichtlich der englisch-russischen Handelsbeziehungen ziemlich besorgt.?