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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-07 · Heft 2942 (7.5.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2942 (7.5.1927)
Date
1927-05-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 sJ Redaktion, Administration: Wien, Il.jTaborstr.l Telephon 44*0-88, 48*8-19 Ah 6 Uhr abend«: Telephon 31-0-86 Drnekerei: M., Lerchenfelderstraße 1 („lnva“) Preise: »Vien und Oesterteich durch Post oder Verschleiß* stellen monatl. 5 Schilling. Bezugsbedingungen fftr das Ausland im Innern des Blattes. ' Nr. 2042 Wiener Wien, Samstag, 7. Mai 1927 (S. Aar 9687). BESUCHET din Wiener Rathauskeller) Die Gemütlichkeit der guten alten Zeit. Wer kommt, wird wieder Stammgast 1 i'VtintiiSiutii Volkstümliche Preise 1 Mittags-Menüs ä S 1*50 Direktion: OTTO KASEREB 9. Jahrgang Ser“'"' in Berlin. »elSrchtnngen ffit Sonntag. - Der -akenkreniterror. — Sie Sitier-Srganifatio» anfgeiM Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Set Kamv! um dar englische Gewerkschaftsgesetz. Sie Sperlaldrbatte beWoffen. - SWuttlon der Arbeiter, vattei. London, 6. Mai. Das Unterhaus löhnte den Antrag, der Arbeiterpartei auf Verwerfung des Gewerkschaftsgesetzes mit 386 gegen 171 Stimmen ab und beschloß hierauf, in die Speziald.ebatte über den Gesetzentwurf einzutreten. Für diese wurden zahlreiche Abänderungsanträge eingebracht, darunter 200 von der Arbeiterpartei. Es werden Nachtsitzungen erwartet, und wahrscheinlich werden ständig namentliche A b st i m m u n g e n verlangt werden. Die von der Arbeiterpartei für die Ausschußberatung der Gewerkschaftsbill angemeldeten Amendements beziehen sich zum größten Teil auf jene Bestimmungen der Vorlagen, welche die Ungesetzlichkeit eines allgemeinen Ausstandes betreffen. Ein Amendement dieser Partei bezweckt die Sicherung der öffentlichen Kontrolle über die Fonds der anderen politischen Parteien sowie der Arbeitgeber- Vereinigungen, wie z. B. des britischen Jndustrieverbandes. , 16 k o n s e r v a t iv e -Abgeordnete haben ein' Äivendement eingebracht, wodurch Aussperrungen für ungesetzlich erklärt wurden. PMstinafragr« im Unterhaus. L o n d o n, 6. Mai. (I. T. A.) Colonel Wedgwood fragte im Unterhaus den Staatssekretär für die Kolonien, ob.Aufsicht besteht, daß von dem Staatsbodc>n im B e is a n-D i sir i kt ein Teil, der von den arabischen Siedlern nicht a n g e b a u t und nicht gewünscht wird, der jüdischen Siedlung zur Verfügung gestellt wird. Minister Amery erwiderte: Im Beisan-Distrikt wird das im Jahre 1921 mit den dortigen arabischen Siedlern getroffene Abkommen durchgeführt. Das Siedlungswerk ist noch in der Entwicklung begriffen, er könne gegenwärtig nicht sagen, ob nach Vollendung der Siedlung in diesem Teil Palästinas überschüssiges Land zur Verfügung stehen werde. Im allgemeinen hoffe er, es werde möglich sein, in Palästina über- 'chnssiges Land sestzüstellen. , Sie Bisammauer. AHchaffmig des Sichtvermerkes im Verkehr mit England? London, 6. Mai. Der österreichische Gesandte in London Dr. Fvanckenstein erklärte in einer Rede, die österreichische Regierung beabsichtige, das Visum für britische Pässe nach Oesterreich abzuschaffen. Diese Frage sei Gegenstand eines gegenseitigen Abkommens zwischen Großbritannien und Oesterreich, das, wie er hoffe, in kurzer Zeit in Kraft treten werde. Ser Mörder des Lodier Bürgermeisters zum Tode verurteilt. Warschau. 6. Mai. (Dsch. P.-B.) Das Standgericht in Lodz hat heute den Mörder des Lodzer Oberbürgermeisters Cynarfli. den 24jährigen Arbeiter Adam WaleSzezYk. zum Tode durch Erschießen verurteilt. Die Angelegenheit seines Komplizen Rtzdzewfli wurde dem ordentlichen Gerichtsverfahren übergeben. Der Verteidiger deS zum Tode verurteilten Waleszezyk legte ^em Präsidenten der Republik ein G nade ng e s u ch vor. RauhliberWe bei gerasalrm. London, 6. Mai. Die Blätter berichten, daß 20 Meilen nördlich von Jerusalem Räuber einen Wagen anhielten, in dem sich der anglikanische Bischof von Jerusalem mit einer Dame befand. Die Räuber nahmen ihnen Geld und lechen ab. Ein zweiter Wagen mit Touristen tvurde tts augehalten, wobei ein Tourist erschossen und 'dam,q »Gemundet wurde. B t rltn, 6. Mai. Am Sonntag soll in Berlin der große Aufmarsch der Stahlhelm-Leute erfolgen, einer natiorralistischen Organisation, die über ganz Deutschland verbreitet ist und vollständig militärisch eingestellt ist. Die Demonstration soll im größten Maßstab durchgeführt werden und aus dem ganzen Reich werden schon heute Sonderzüge nach Berlin geleitet, die di-e Teilnehmer, durchwegs junge Leute, in voller ntilitärischer Ansriistmrg, zu der Tagung bringen. In allen Kreisen der Hauptstadt sieht man diesem Aufmarsch mit größter Sorge entgegen. Die Sozialdemokraten haben in öffentlichen Aufrufen ihre Angehörigen aufgefordert, die Veranstaltung zu ignorieren und allen Provokationen aus dem Wege zu gehen. Dagegen drohen die Kominunisteu mit der Aufbietung ihrer Schutzformationen. Die Polizei hat sehr umfangreiche Vorkehrungen getroffen und erklärt, gegen alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Gewissermaßen als Vorspiel zu dieser Stahlhelm- Demonstration haben die Hillerleute schon'am 4.' Mäi'oinc öffentliche Werbeversamnrlung abgehalten, die zu den rohesten Radauszenen führte. Eine kurz vorher stattgefundene Versammlung, in der Hitler selbst das Wort ergriff, war sehr schlecht besucht. Es wurde deshalb für Mittwoch ein neues Meeting angesetzt, zu dom etwa 3000 Personen sich einfanden. Der Hauptredner war' ein gewisser Göbbels, der zuerst eine im Stile-Hitlers gehaltene Pogromrede losließ, schließlich aber seine Parteigenossen aufforderte, die Wohnungen der verantwortlichen Redakteure sämtlicher linksgerichteter Tageszeitungen auszukundschaften, um diesen bei Gelegenheit einen „tatkräftigen" Besuch abzustatten. Als hier ein PfarrerStucke einen Aivischenruf machte, wurde er von einem nationalsozialistischen Rollkommando in der Stärke von 20 Mann überfallen, mit Biergläsern zu Boden geschlagen, mit Füßen getreten, dann aus dem Saal geschleift und die Treppe hinuntergeworfen. Er-wurde von Polizeibeamten schwer verletzt und über und Mer blutend in seine Wohnung gebracht. Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde der anwesende Redakteur Henning vom deutschnationalen „Berliner Lokalanzeiger" ebenfalls überfallen, zu Boden geschlagen und aus dem Saal geworfen. Henning erlitt Verletzungen am Kopf» sowie eine stark blutende Merschwunde im Gesicht. Er wurde von Polizeibeamten auf das nächste Revier gebracht, wo er die Anzeige erstattete. Bald darauf erschienen 300 Mann Schutzpolizei unter Führung des Majors H e b e r und des Kriminalkommiffärs Dr. Stumm. Die Eingänge des Saales wurden besetzt und das ganze Gebäude umstellt. Major Heber eMärte die Versammlung für geschloffen und ordnete die Durchsuchung der Teilnehmer nach Waffen an. Die Nationalsozialisten gerieten in große Aufregung und wollten sich auf die Schutzpolizei stürzen. Durch das energische Auftreten der Polizeibeamten wurde ihre Absicht jedoch verhindert. Die Durchsuchung von 3000 Teilnehmern nach Waffen dauerte bis in die Morgenstunden. Es wurden sehr viele Waffen beschlagnahmt und 29 Personen wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt feftgenommen. Diese Vorgänge bildeten Gegenstand eingehender Beratungen im Berliner Polizeipräsidium und im Ministerium des Inneren, als bereu erstes Resultat die (bereits gemeldete) Auflösung der Hitlerischen Hakerikreuzorganisatton erscheint. Das Verbot ist bereits in Kraft getreten. Sämtliche Kassen, Mitgliederlisten und Dokumente der Partei und der ihr angeschloffenen Sportorganisationen sind beschlagnahmt worden. Die Polizeibeamten haben strsngste Anweisung erhalten, keinerlei Umzüge der Hakenkreuzler mehr zu dulden und jeden Versuch zu Demonstrationen im Keime zu ersticken. Keinerlei nationalsozialistische Parteiabzeichen dürfen gezeigt werden. Auch das Tragen der Verernsuniform, des braunen Fafcisienhcmdes mit dem Hakenkreuz am Aermel, ist verboten. Gegen Göbbels und die maßgebenden übrigen Führet der Organisation, salvie gegen sämtliche Teilnehmer an der Versammlung, die sich an den Gewalttätigkeiten beteiligt haben, wird das gerichtliche Verfahren eingeleitet werden. Der in feiner Wohnung schwer verletzt darnrederliegende Pfarrer Stucke von der Evangelischen Gemeinde des Wedding, erzählte den ihn besuchenden Vertretern dev Preffe, er sei nur zufällig in die Versammlung gekommen. Als er aber Göbbels das Wort „Iudensa u" in bezug auf Walter Rathemm aussprechen hörte, rief er dem Versammlungsleiter empört zu: „So sprechen Sie, ein germanischer Jüngling!" Auf Befehl Göbbels stürzte sich ein Haufen junger Männer auf ihn und bearbeitete ihn mit Bierseideln und Knütteln. Er wurde so Zugerichtet, daß die Garderobenfrau ander-Deepp/ bei seinem Anblick in Ohnmacht fiel. Keine Leilnahme der Regierung. Berlin, 6. Mai. Me „Bössische Zeitung" MWA daß die Reichsregierung beschlossen habe, eine an sie ergangene Einladung zur Teilnahme an den BeranstattunZe^ während des Stahlhelmtrages in Berlin abzulMn-M. Panzerzüge für die SicherheltsWürden. Berlin, 6. Mai. Nach einem Magdeburger Teltzu gramm des „Berliner Tageblatts" sind von Magdeburg zum Stahlhelmtag zwei Panzerzüge abgegcmgen. Die Panzerzüge sollen den Sicherheitsorganen eventue^ für den Stahlhelmtag zur Verfügung stehen. Dar Programm der Gewalt. Berlin, 6. Mar. Wie die Blätter melden, wurde die schriftliche Ausfertigung des polizeilichen Verbotes der nattonälsoziälisttschen Arbeiterpartei gestern abends dem Führer des Gaues Berlin-Brandenburg, Göbbels, zugestellt. Zuerst verweigerte Göbbels die Annahme des Schriftstückes, nahm es aber dann doch an, um es heute vormittag eröffnet dem Polizeipräsidenten.mit der Begründung, daß er die Annahme verweigere, wieder zustellen zu lassen. Im Laufe des heuttgen Tages werden die Bureaus des aufgelösten Gaues polizeilich geschloffen und unter Siegel gelegt. In der Begründung des Verbotes wird zunächst darauf hingewiesen, daß seit Mitte Oktober 1926 in etwa dreißig Fällen von Mitgliedern der aufgelösten Organisation Gewaltätigkciten gegen Personen mtd Sache begangen und der Poliz« Widerstand geleistet wurde. Es handelt sich dabei nicht um das Verhalten einzelner Mitglieder, sondern um das im Zusammenhang mit dem Vereinsleben geübte Verhalten, das auf den von den Führern ausgegebenen Parolen beruht. In der Begründung werden dann einzelne Punkte der von Göbbels herausgegebenen „Zehn Gebote" zitiert, aus denen hervorgeht, daß das von der nationalsozialistischen Bewegung erstrebte Ziel die Zerstörung des heutigen Staates ist. Irr einem Zitat aus dem von Göbbels herausgegebenen nationalsozialistischen Briefen kommt die unverhüllte Aufforderung an die Mitglieder der Bewegung zum Ausdruck, in getviffen Fällen gewalttätig gegen politisch Andersdenkende vorzugehen. Die Dominante der Straße sei die nächste Anwartschaft auf den Staat. Da solche Vereinszwecke den Strafgesetz»' vwiderlauken. ist die Auflösung gerechtfertigt. 17!>! z"

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