Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1927-05-06 · Heft 2941 (6.5.1927) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2941 (6.5.1927)
Date
1927-05-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2979076-2981905-2982029--29948-3018124
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

'V E'iTtf♦* fcfc ESWV^.<8W^'•< Mener Morgen-ettmrg Mal 1627 Nr. smi Tagesbericht. Lie gusammttifaffung der Wisch« 8«g«dverbSnde. Im Zulammen Hang mtt dem von rms gestern veröfleMlichten Bericht Wer die ANS« sprach« der Vertreter der jiMischen Jugendorganssattkmen wird uns geschrieben: Der W gründende Verband wird Kim ersten Maie in der Gk^chichte der zionistischen Organisation Oesterreichs jeder Jugendgruppe bei voller Wahrung ihrer eigenen Wesensart die Gelegenheit geben, an der Regeneration der jüdischen Fugend mitzuarbeiten, aber auch den berechtigten Wünschen und Forderungen ihrer Gruppen ein Sprachrohr verleihen. Er wird nrit, den berufenen Vertretern der jüdischen Jugenderziehung über die Art und Weise beraten, wie dem drohenden Entjndungs- Prozeß, welcher sich hier in Oesterreich KU vollziehen droht, Einhalt geboten werden kann. Bei diesem Werke darf keine Gruppe, sei fie auch noch so klein, beiseibestehen. Auch die jüdische Mittelschuljugend, sei fitf in Vereinen oder Verbindungen organisiert, muß ihre Kraft in den Dienst der Sache stellen. Es werden alle diese Verbindungen und Vereine oingeladen, ihre entsprechend bevollmächtigten Vertreter zu der am Samstag im Saale der Zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt, 2. Bez., Zirkusgaste 36, um Xö Uhr nachmittags, stattfindenden Konferenz gu entsenden. * Sämtliche Jugendgruppen und Jugendbünde, dke dem Zionistischen Landeskomitee unterstehen, werden gebeten, ihre autorisierten Vertreter zu der am Samstag, den 7. Mai, um 245 Uhr nachmittags im Lokale der Bezirksseltion Leopold- - stadt, Zrrkusgasse 33, stattfittdenden Fortsetzung der Jugend- I sichren-Konferenz zu entsenden. Gepfändete Stefanien. Ein Konflikt des Zirkus Krone mit der Fimwzverwaltmrg. Gestern wurden sämtliche 24 Elefanten des in Wien gastierenden Zirkus Krone von Exekutionsorganen des Finairzministers als Pfandobjektc erklärt: Der Geschäftsführer hes Zirkus Krone, Herr Koller, hatte zu Beginn des Wiener Aufenthaltes mit dem Steuerressort des Finanzministeriums eine Pau sch alwarerr um satzsteuer schriftlich vereinbart. Nunmehr kam plötzlich eine Zahlungsaufforderung an Direktor Krone, durch die ein um 17.600 Schilling höherer Betrag an Warenumsatzsteuer gefordert wird, als verabredet wurde. Direktor Kwrre stellte sich auf den Standpunkt, daß eine schriftliche Abmachung eingehalten werden nrüsse, verweigerte die Zahlung. IDmaNfhin wurden die 24 Elefanten des Zirkus gepfändet. Direktor Krone ließ sich ruhig pfärchen, hat jedoch die strittige Summe deponiert. Um auf alle Fälle sich die Möglichkeit ^ul sichern, bei seiner Abreise von Wien fette Elefanten mrlnehmen. zu U'iimt- Inzwischen wird durch Direktor Krone eine gerichtliche Ent scheidinng nachgesucht werden, ob jene Forderung wirklich zu Recht besteht Ae Meder des Lodrer Bürgermeisters vor dem Standgericht. Warschau, 5. Mai. (Tsch. P. B.) Heute begann in Lodz die standgerichtliche Verhandlung gegen die Mörder des Oberbürgermeisters von Lodz, Cynarski, die Arbeiter Balesczyk und Rydzowski. Anrbrnch einer fnbmarinen Buttons. M o s tait, 5. Mai. Am Ka spi schcit Meer ist in der Nähe des' Kap Kur ins k ein unter Wasser befindlicher Brrlkan ausgebrochen. Eine riesst^« Fauersänke ist über dem Wasser sichtbar. See Wettbewerb für den neuen Völkerbund- Palast. +ic Preisoertettimg. Von der Architekten-Jury des MKe-rbundeS für den Wettbewerb zum Vom eines neuen VölkerbundpalasteS wurde nunmehr die Preisverteilung vovgenommen. Die Jury erklärt, daß sie von den 377 Entwürfen keinen einzigen zur Ausführung empfehlen kann. Sie hat infolgedessen die khr zur Verfügung stehende Summe von 165.000 Frauken geteilt und zwar in neun Preise von je lßjOOO Franken, neun erste Erwähnungen von 3800 Franken und neun zweite Erwähnungen von je 3600 Franken. Bon den n«m Preisen sind zwei auf italienische Bewerber gefallen, nämlich die Architektenfirma Broggi, Vaccaro und Franei, unb den Architekten Bago, beide in Rom, drei auf französische Architekten, und zwar Camille Lefevre, dem Architekten des Louvre in Paris, aus die Architektenfirma Crobuster «. Jeannewt in Paris und ans Georges Sabro in Paris; zwei aus deutsche Architekten, nämlich die Firma P-ulitz, Klophaus u. Schock in Hamburg und die Architektenfirma Fahrenkamp in Düsseldorf; ein Preis auf die if ch w e lze ris chfrangösische Architektenfirma Hehmo in Paris und Flegeuhermor in Genf sowie ein Preis aus den schwedischen Architekten Erieson in Stockholm. 2aa Krank der Berfüngnng. Ein indisches Märchen? Nach ruffischen Mättermeldungen werden gegenwärtig merkwürdige Angaben des vielgenannten Maharadscha von Dfchaipur wissenschaftlich überprüft,' der den Forschungsreisenden Baron Gagern aus ein Kraut aufmerksam machte, dem die wunderbare Eigenschaft zukommen solle, Menschen und Tiere zu verjüngen. Das Kraut führt den Namen „Lukatate", und soll in seiner inbffchen Heimat bewirkt haben, daß insbesondere ein indischer Stamm, der regelmäßig dieses Kraut genießt, sich nicht nur in auffallender Verjüngung erhalten hat, sondern auch eine verblüffend schöne Rasse vorstellt, wie fie an anderen Plätzen der Wett nicht zu finden ist. Unter diesen glücklichen Indern kommen weder Fettbäuche noch Glatzen, noch krumme Nasen, noch rote Rasen und unreine Haut vor, allez in Europa sehr häufig vorkommende Häßlichkeiten, wie die Glatze, gegen die bekanntlich bei uns kein Kraut gewatUen ist. Unter den Juden, die ,^ukatate" als Salat essen, gibt es Leute, die 130 und 140 Jahre äkt sind. Diese so märchenhaft klingenden Mitteilungen haben, wie von sachverständiger Seite behauptet wird, ihre ernsten Grundlagen. Auf ,Lukatate" wurde man zuerst aufmerksam, als man beobachtete, daß E lefa n te n, die in der Gefangenschaft durchschnittlich ein Alter von neunzig Jahren nicht überschreiten, wenn sie in Gegenden in Freiheit leben, wo ihnen die Lukatate- Beeren zugänglich sind, doppelt so alt worden. Dem Kraut soll die Fähigkeit zukommen, das Blut zu reinigen imd ähnlich wie die Operation Steinachs die Geschlechtsdrüsen zu verjüngen und das Herz wohltätig zu beeinflussen. Nunmehr, da sich die Wissenschaft mit „Lukatate" beschäftigen rvird, dürfte man bald dahinter kommen, ob es sich hier um ein indisches Märchen handelt, oder um ein Naturgeheimnis, das sich irgendwie im Laboratorium und in der Berjüugungsmedizin verwerten lassen wird. Seite 4 Wien» ffcefatQ Ler Hatenttenjbnnv »Hindenbnrg" nnfgekSst. Berlin, 5. Mat. Auf Grund der Reichsverf-asirmg, des ReichsvcreiwsgesetzeZ und deS allgemeinen Landrechtes <iat der Poljzeiprcksident von Berlin den Bund „Hindcnbrrrg" der nationalsoziallstischen deutschen Arbeiterpartei mit ihren Nnterorganksakicmen aufgelöst, weil die Zwecke dieser Organisation den Strafgesetzen zmwid e rl a u f e n. Die Beiordnung tritt sofort in Kratt Inland. -fr Forvernngen der Agrarier an da« nene Parlament. Der Neichsbauernbund hat gestern im Beisein des Ackerbauministers Thal er und der bäuerlichen Abgeordneten aus den Landern beschlossen, die Negierung curszusordern, sofort die dritte Z o l l t a r i f n o v e l l e, die im aufgelösten Natiomalrat stecken geblieben ist, wieder? i n z u b r i n g e n. Es wurde die Erwartung ausgesprochen, daß das Parlament den neuen Zolltarif noch in der Vorsommersesston erledigt. Weiters wurde die Forderung nach Anpassung der Steuern an die Leistungsfähigkeit der Bauern und Schaffung der Zollunion mit Deutschland erhoben. Lar Plakatiernngsmonopol der Gemeinde Men. Die „W i p a g", das Plakatierungsinstitut, in dem die Gemeinde Wion die Mehrheit der Aktien besitzt, hat die Plakatierung einer Dankeskundgöbung der Wiener Christlichsozialen an die Wähler mit der Begründung verweigert, daß fie eine Beleidigung des Magistrates enthalte. Die Danksagung enthalt nämlich den Satz: beispiellos er Wahlschwindel hat euch um den verdienten größeren Erfolg gebracht." Ser Bstrgermeifter von New Uork an den Bürgermeister von Wien. Die Fremdcnverkehrskommissron in Newyork hat am Broadway eine Pwpagandaftelle errichtet, die. mit den dortigen maßgebenden Kreisen Fühlung nahm, um die Bedeutung Wiens für den Fremdenverkehr zu propagieren. Der Leiter der Newyorker Propagandastelle, Dr. Viktor Hehler, überbrachte gestern dem Bürgermeister S e.itz ein Schreiben, das ihm der Bürgermeister von Nekchvrk, James I. Walker, zur Weiterleitung ausgefÄgt hatte.Das Schreiben hat folgenden Wortlautt: ,Mr den Bürgermeister von Wien! Ich nehme Gelegenheit, um ine Grüße der Bevölkerung von Newyork an die Bevölkerung von Wien zu senden. Alte Bande haben Uns fctt der Vergangenheit verknüpft, und wir sind uns tzer neuen bewußt, welche uns jetzt verflechten. Der Name Wien hat immer unsere Phautasw angeregt, und wir sind mit dem (Kgenartigen, was es auf dem Gebiete der Musik, der Kunst, der Literatur, Wissenschaft und Industrie Hervorgebracht hat, wohl vertraut; wir sind durch drche m verschiedener Weise befruchtet worden. Wir hoffen, daß der große schöpferische Geist, welcher Ihr Volk auszeichnet, noch lange die Welt bereichern wird. Die, Bevölkerung von Newyork übermittelt Ihnen als Ausdruck Hrer Schätzung eine Botschaft der Freundschaft und zugleich die Einladung zum Besirche unserer Stadt." — Bürgermeister Sertz hat diesen Brief mit einem herzlichen Schachen beantwortet. fTm UN— das Werk verwoben werden, eine für jeden Arzt vorbildliche Objektivität und Weite des Gesichtskreises. Ueberhanpt ist bei Dozent Siegmund Kowseld das Verständnis psWologischer Wechselwirkungen aus philosophischer Erkenntnis grundLgend geworden.! DLes zeigt inZbesondero seine Wovetisth bedtzukendste Arbcitr „Das Rechts ge fühl", mtt dem Kant-Preise ausgezevchnet, in Druck erschienen 1913 in der Zeitschrift für Rechtsphilosophie. Diese Preisschrflt ist ausgezeichnet chenso durch die klare, dabei philosophisch tiefduvchdachte Wort- und Stilftchrung, wie durch die warme, liebevolle Sprach«.! Die Fähigkeit zu Affekten der Angst und des Schmerzes, st) Mrte der Verfasser aus, also die Fähigkeit zur lleberwindung der Unlustgesühle führt erst zum Achtungs'- gefM vor dem Nebenmensthen und vor der Gesellschaft aG Ganzem. Die GerochLigkvit und ihre Uebung, die Grade der Moralität werden dargesteltt. Der experimentell Befund bei furcht- und schmerzbestrmmten Menschen mt Affektzustande ergibt erhöhten Blutdruck, mit verminderter Muskelkraft verbunden. Dieser Menschientypus neigt zu Gerechtigkeit. Bei Gewaltmenschen, dem Furcht- und Schurerzerzichung mangelt, überwiegen die Affekte der Zornesgruppe. Diese neigen zu PedautM: mehr als zur Gerechtigkeit. Gerade die «GW und intellektuell hochstehenden Menschen haben! mm die positive Rechtspflege geschaffen. Di« Ehrfurcht vor den Rechtssystemen der Völker führt über die einzelnen biedentenden Menschen hinaus zur Erkenntnis der HMgkeit des Zksamten Geists. Hier berührt sich Kornfeld mit den jüdischen Denkern seit Phllo, dessen ^ogostheorl« fett fast Mi Jahrtausenden fvrtwirkt. Auch die jüdischen Begründer der modernen völkerpsychologischen Wissenschaft Habni dies gelebt. Die moderne Nationalidee ist die ‘f 'i -drncksstMn des Geistes ft» Menschen der ^'7^11rt. Kornfeld stellt nun als Jude und Zionist Miz eindeutige Postulate für die menschliche Gerechtigkeit auf. „Soll aber das Rechtsgefühl seine treibende Kraft zur weiteren Fortbildung des Rechtes bewähren, dairn muß es auch nrit einem starken Gefühl der Pflicht zur Behebung vor: Schwerz des Nebenmenschen verbunden sein, dmm muH es auch ein starkes Gefühl der BerantwortHchkeit enthalten, welches jeden Einzettcen M Mitarbeit <rn der Behebung solcher die ganze Menschheit bedrohendear Schmerzen antreM." „Immer bleibt die wirttiche Tilgung von Leid eine größer« Leistung als die Tröstung oder Erhebung über dasselbe." „Das RechtstzefiM erfordert die vollste, bis zrrsr ^gstntzWe« Selbstvepgessercheit reichende Hingabe." Diese .Arbeit gelvährt uns bei Anwendung ihres pWholwjgjWeN ResMats einen tiefen Eirrblick ün djie bewegenden Kräfte des Juidentums der letzten Jahvzchnte. Me Tr-iebhpast GerechtiMit hat vfeit ^asslalfla viÄe Juden in den Kampf für soziale Rechte hineingestellt, aber niemials l'a.nn dabei das eigene jüdiWie Recht auf ^eben, Freiheit und Selbstbestimmung zurückgestellt werden oder gar verloren gchm. SiegNmnd Korrlflld stand mit seiner ganzen Persönlichkeit für dieses Recht ein und hat seine ^'ehre vom Rechtsgefühl im jMschen Volke gätebt. — Bekannt ist, daß Dozent SiegnAnd Kornfeld ein treuer Mitarbeiter am lArb^itervolksheim war, wo er Psychologie lehrte. Soziale Betätigung war ihm eins mit jüdischer. Mit besonderer Freude verfolgte er die Medereriveckung der hebräischen Sprache, die er beherrschte und m der er die neu<l Kantüberfetzung ins Hebräische aufmerksam verfolgte. Bei den jüdischen Mnderfveunden" wirkte er hervorragend durch systematische Ki-Uderuntersuchungen sowie als Mitglied des Kuratoriums. Sekn Andenken ist zum Segen. > 6aeeo und Vanzetti. Newhork, 5. Mai. Wie aus Boston geweldÄ wird, haben die zum Tode verurteilten italienischen Anarchisten Saeco und Vanzetti an den für eine ettvaige BegnMgung allein zuständigen Gouverneur des Staates Massachusetts ein Schreiben gerichtet, worin sie erttüren, daß sie nicht Gnade, sondern Gerechtigkeit fordern. Sie ersiuhen daher nnt die Verschiebung der Hinrichtung und die Einleitung einer neuen Untersuchung durch Gouverneur Schüller. Das Schreiben schließt mit der neuerlichen Beteuerung ihrer Unschuld. Der Schmetterling als Moholller. Ern französischer Biologe hat Studien über den Appetit der Schnretterlinge angestellt und ist dabei zu recht vewerkenÄverten Resultaten gekommen. Er sperrte ein Dutzend werbliche Schmetterlinge in ein mit Gaze umgebenes Pflanzengehege und stellte fest, daß sie nur ein paar Tautropfen zu sich nahmen. Ganz anders verhielten sich unter den gleichen Bedingungen die Männchen. Sie suchten mit Vorliebe diejenigen Blüten auf, deren Saft bet der Destillation am meisten Alkohol ergibt, und einige zeigten nach kurzer Zeit deutliche Zeichen von BetrunkenheiL Der Professor ging daraus einen Schritt iveiter und setzte den Tierchen ein paar Tropfen veritablen WHMH vor. Es entstand geradezu ein Sausgelage, kein einziger blieb nüchtern und einige eriagen einer Akkoholvergtftung. AatWerung des ttnltenisch-nngarischen Beelenges. Rom, 5. Mai. Der Minister rat Hai miter dem Vorsitz Mussolinis den Freu«dschafts- und Schieds der trag mit Ungarn rattfiHi-ert.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.