Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2941 (6.5.1927)
- Date
- 1927-05-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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| Prela 20 g : Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Tolophon 44-0-88, 43-3-19 Ab 6 Uhr abends: Telephon 31-0-86 Druckerei: VII., Lerchenfelderstraße 1 (*lnvaw) Wiener Preise: Wien nnd Oesterreich durch Post oder Verschleißsteilen monatl. 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das A n s 1 a n d im Innern des Blattes. Morgemettimg BESUCHET mn Wiener Rathauskeller! Die Gemütlichkeit der guten alten Zeit. Wer kommt, wird wieder Stammgast f WMW.-WM.ÜM. Volkstümliche Preise! Mittags - Menüs ä S 1*50 Direktion: OTTO KASERER Nr. 2941 Wie«. Freitag. 6. Mai 1927 (4. 81ar 5687). 9. Fahrgang Im redaktionellen TeU enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. um M.. & ¥ Piowofl's Feinwurstwaren in allen Verkaufsstellen erhältlich Spezialitäten: Krakauer, Polnische usw. Die Prasisrentenwahl in der Tschechoslowakei. Masaryks Wiederwahl wahrscheilllilh. Prag, 5. Mai. In einer Konferenz zwischen dem Ministerpräsidenten Svehla und den Präsidenten der beiden Kammern wurde beschlossen, die Wahl des Präsidenten der Republik Freitag, den 27. Mai, um 11 Uhr vormittags, im Abgeordnetenhause in einer gemeinsamen Sitzung beider Kammern vorznnehnren. Die Ausschreibung der Wahl erfolgt am 13. Mai. Präsident Masaryk kehrt am Borabend vordem Wahltag nach Prag zurück. Nach der gestrigen Entschließung des Klubs der tschechischen Agrarier, der führenden Parier des Regiernngslagers, für Masaryk zu stimmen, kann kein Zweifel mehr bestehen, daß Masaryk neuerlich zum Präsidenten gewählt werden wird. Bon den Mehrheitsparteien vertreten nur die slowakischen Bolksparteiler einen intransigenten Standpunkt gegen Masaryk. Die tschechischen Klerikalen, die früher neben den Nationaldemokraten die Rufer im Kampfe gegen Masaryk waren, haben ihre Agitation eingestellt. Ihr Organ bemerkt heute, in den Kreisen der Koalition herrsche die Ansicht vor, es sei unter den gegenwärtigen Verhältnissen wichtiger, die Koalition ohne die Sozialisten aufrecht zu erhalten, als zuzulassen, daß sie wegen einer bestimmten Person auseinanderfalle. Uebrigens habe die Verfassung dem Präsidenten keine allzu großen Befugnisse gegeben. Tabak- und " " “ " als Protest gegen da« englische Gewerkschastsgesetz. Paris, 5. Mai. „Matin" meldet aus Lonbbn: Tom Groves und mehreve andere Mitglieder der Arbeiterpartei werden bei dem nächsten Znsammentreten der parlamentarischen Gruppe Vorschlägen, als Demonstration gegen das Gewerkschaftsgesetz sich während eines halben Jahres jedes Tabak-- Und Alkoholgennsses zu enthalten. Die Führer glauben, daß sie bei einem großen Teil der Arbeiterschaft zU dieser Demonstration Gefolgschaft finden werden. Einzelne Parlamentarier hatten auch vorgefchlagen, den Genuß von Tee, Kaffee und Zucker in das Verbot einzuschließen. Diese Anregung wurde als lundurchführbar fallen gelassen. Dom Groves schätzt, daß die Staatseinnahmen aus Alkohol und Tabak innerhalb dieser sechs Monate in deutlich fühlbarer Weise ab- ^hmÄr werden. knglaud und Rußland. London, 6. Mai. Im Unterhause erklärte der parlamentarische Sekretär des Foreign Office auf eine Anfrage, die Sowjetregierung habe der englischen Regier rung noch keine Vorschläge gemacht, um die Verhandlungen zur Beseitigung der gegenwärtig zwischen den beiden Staaten herrschenden Spannung aufzunchmen. Er glaube nicht, daß England Interesse an solchen Verhandlungen habe, so lange die Sowjetregierung nicht bereit ist, Garantien für die Einstellung jeder kommunistischen Propaganda in Eng' land zu bieten. krregum in Amerika über die englische Rote. Keine Herabsetzung der Schulden. — Wtederausrollung der interalliierten Schuldensrage. Washington, 5. Mai. In hiesigen politischen Kreisen herrscht die Ansicht vor, daß durch die englische Note die Diskussion über die interalliierten Schulden wieder eröffnet wird und daß man sich nicht wundern dürfe, wenn in. den offiziellen Kreisen Erregung über die englische Haltung entstanden sei. Schatzsekretär Mellon veröffentlicht eine Note mit der Erklärung, er habe nicht sagen wollen, England erhalte genug von Deutschland, um seine Schulden an Amerika bezahlen zu können. Dagegen sei jede englische Anregung auf Herabsetzung oder Streichung von Annuitäten für Amerika unannehmbar. Die amerikanische Regierung sei in einer anderen Lage als die englische, denn während England gleichzeitig Schuldner und Gläubiger sei, seien die Vereinigten Staaten nur Gläubiger. Jeder Dollar, der England nachgelassen wird, würde somit einseitig den amerikanischen Steuerträger belasten. Staatssekretär Mellon verlas heute eine umfangreiche f o r m e l l e E r - klärung, in der es u. a.. heißt, das Scha tz ä mt wü n f ch e k ein e K o'n t'r ö v e n g loschen Re gi eruu g. Es wolle aber angesichts der englischen Note versuchen, die Tatsachen dar.zulegen, wie sie ihm bekannt seien. Wenn Mellon in seinem Briefe an den Präsidenten der Princeton-Univevsität, Hippen, gesagt habe, Großbritannien werde in diesem Jahre von seinen Schuldnern zwei Millionen Dollar mehr fordern, als es Amerika bezahle, so sei dies nicht als direkte oder indirekte Mitteilung an die britische Regierung auszusassen. Mellon sucht dann nachzuweisen, daß die in der englischen Note angefochtenen Zahlenangaben Mellons auf Verschiedenheiten der Interpretation zurückzusühren seien, und unterstreicht den Umstand, daß die englische Note selbst zugibt, daß am 1. September 1928 England von seinen eigenen Kriegsschuldnern und von Deutschland hinreichende Beträge erhalten werde, um seine Zahlungen an Amerika zu bestreiten. Diese Feststellung sei nunmehr von der englischen Regierung offiziell bestätigt. Die Regierung stellt dann nochmals fest, daß Amerika immer betont habe, aber auch jetzt Wert darauf lege, nochmals zu betonen, daß die Schuld an Amerika in keiner Art mit dm deutschen Reparationen in Verbindung stehe. Mit England habe sich Mellon an einer anderen Stelle besonders befaßt. Bedeutung der Konferenz für die K o n s u m e n t e n hervor, die ihr Augenmerk darauf richten müßten, daß die internationale Kartellierung nicht zum Schaden der Konsumenten ansfalle. Der nächste Redner, Präsident des deutschen Reichswirtschastsrates, von Siemens, wies darauf hin, daß aus Kriegs- und Jnflationsgvünden die Produktionsstätten in Europa über das nontwendige Maß vermehrt worden seien; es sei eine Umstellung der Produktion aus der gebenden wie auf der nehmenden Seite erforderlich. Als letzter Redner in der Vormittagssitzung schilderte der japanische Delegierte Sh i d o ch i die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Landes. Im weiteren Verlauf seiner Rede sprach er auch von dem japanischen Finanzkrach, den er aus mangelnde Voraussicht einer schlechtem' Verwaltung und fehlerhafte Unternehmungen einzelner Banken zurückführte. In der Nachmittagssitzung sprach zunächst der Vorsitzende des englischen Jndustrieverbandes Muspratt, dann der Schweizer Delegierte Dubais, der sich gegen den Protektionismus wandte, und der französische Gewerkschaftsführer Jouhaux, der eine Resolution des Inhaltes einbrachte, daß mindestens alle drei" Jahre eine-beratende Wirtschastskonferenz einberufen und ein aus 18 Mitgliedern bestehendes internationales Wirtschaf t s a m t gebildet werde, dem ein ständiges Sekretariat zur Seite stehen soll, um mit dem Jnterj nationalen Arbeitsamt und den in verschiedenen Ländern { bereits bestehenden Wirtschaftsparlamenten Fühlmi-g z> halten. Dar Wettparlament der Wirtschaft. Allnahm Betjuilen. — Sortierung der allgemeinen AniMraSe. Gen f, 5. Mai. Der heutigen Sitzung der Weltwirtschaftskonferenz wohnte die r u s s i s ch e D e l e g a t i o n bereits bei. Ihr Erscheinen wurde stark beachtet, vollzog sich aber ohne jede Förmlichkeit. In Fortsetzung der allgemeinen Aussprache nahm heute als erster Redner der holländische Delegierte Dr. Zimmer man, ehemals Generalkommissär des Völkerbundes für Oesterreich, das Wort. Er verwies in seinen Ausführungen auf das amerikanische Beispiel des w i r t s ch a s 1 l i che n u n d staatlichen Zusammenschlusses und der Freizügigkeit unter den einzelnen amerikanischen Staaten und empfahl Europa, dieses Beispiel und seine Vorteile nicht aus dem Auge zu verlieren. Dann besprach er die europäischen Steuerlasten und erörterte insbesondere das E x p o r t p r o b l e m, wobei er betonte, daß die; europäische Wirtschaft auf Regelung und Erleichterung der Exportsrage hinarbeiten müsse. Hierauf sprach als Vertreterin des Internationalen Gewerkschaftsbundes Frau Gmmy Freundlich von der österreichischen Delegation. Sie Hob besonders die Amerikas Verhandlungen mit Nikaragua gescheitert. New Dar k, 5. Mai. Wie aus T i p i t a p a gemeWet wird, ist zwischen dem Vertreter des Präsidenten (Socm lidge und dem Führer der liberalen Truppen, General Man ca da, keine Verständigung erzielt worden. Die Verhandlungen scheiterten an der Frage, ob Präsid e.n t D i a z im Amte bleiben soll. Ftalleuische Hetzereien. Rom, 5. Mai. „Giern alr d'Jtalia", bas gesiMt , über umfangreiche fr anzö sische Kriegsm:«- terialliefernngen an Jugoslawien aus Susak berichtet Hatte, meldet heute Einzelheilten aus Marseille über zahlreiche TruppenauSschiffuwgen daselbst aus Nordfrankreich, die ebenst» wie Truppen aus dem' Rheinlande mrd hem SaarZrbiet an Üe Alpengrenze Frankreichs entserLet werden. General Petain habekürzlich alpine Truppenmü> Artilleriemanöver geleitet. Painleve Hab« dort und an anderen Grenzorten Inspektionen abgehalten, die besonders auch die Befestigungsanlagen betrafen. Außerdem zitiert das Blatt verschiedene französische Pressemoldungen über Kricgsmateriallieferungen an Jugoslawen. Keine französischen Manöver. Paris, 5. Mai. Das Kriegsministerium teilt mit» daß in diesem Jahre keine großen Manöver ftaüftlwen werden, weil keine ausreichenden Mittel zur Bestreitung der erforderlichen Kosten vorhanden sind. Es werden mutz Uebungen von zweibK viertägiger Dauer durchgeführt werden. Mutige Shknrsenverhaftnnge« auf Bornea Paris, 5. Mai. Nach einer Meldung aus Batavia (Niederländisch-Jndien) würben in der Stcürt Samarinde an der Ostküste von Borneo M Hausdurchsuchungen im * Chinesenviertel wichtige Dokumente beschlagnahmt und mehrere Chinesen verhaftet. Da die Bevölkerung sich den Verhaftungen widersetzte, machte die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch. Zehn Chinesen wurden" getötet nick» mehrere verwundet. ■ 1991347149