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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-04 · Heft 2939 (4.5.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2939 (4.5.1927)
Date
1927-05-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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■«cftc 2 Mittwoch Die asiatischen Wirrungen. -y, Wien, 4. Mai. Im englischen Unterhaus hat vorgestern Minister Chambcrlai» mätgeceiit, die Machte hätten sich lwch nicht über die "Note bezüglich der Snhnesordernngen für-die-Aus-» fchmttungcn in Nanking geeinigt. Daran trägt wohl wertiger die nratevielle Seite der dlngclegrnyeit SK Ächnld. Es steht vielmehr so, daß die Mächte gar nicht wisse li, wem sie ihre Note übergeben sollen. Im' Augenblick nämlich hat China bereits drei Stellen, die für sich Negftrungsantorität ln Anspruch nelMStt. Da ist in dein! Aufmarschgebiet der Südarmee eine kommunistische Regierung in Hankau, die sich dökk nach dem Abzug der Engländer festgesetzt l)at; dann hat der General Tschangkaischek eine nationaldemokratischc Regierung in Nanking errichtet und in Peking lebt iroch die alte, gleichfalls demokratische Zenttälrcgierultg. Die VerLitrung hat eilten ganz unglaublichen Höhepunkt erreicht und wenn sie nicht Hab und Gut und Leben so vieler Menschen schädigen würde, könnte sie sogar opercttcnhaft scheinen. Aber sie ist doch nur der Ausdruck eines Zustandes, in den ein großes und geduldiges Kulturvolk durch die unaufhörlichen Jntrigenerpresftmgen der 'Mächte gestürzt ist. Es sind revolutionäre Kräfte entfesselt worden, deren Wegziel verhüllt ist und es Mibe ein vergebliches Bemühen, diese Kämpfe mit europäischen Formeln verständlich 51t machen. Es ist nur das eine.zu erkentteit,. daß itlttctr den Kommunisten, eine Spaltung eingetreten ist, was eilte politische Niederlage Rußlands barste stk. Wahrscheinlich liegt hierin die Erklärung für. die so über Nacht Mgetr>etene Annäherung der <Ä>wjetregierung an den Westen und die Motivierung ihres Inter-- esses an der Weltwirtschastskonfersnz itt Genf. Rußland, dessen auswärtige Politik imnter auf England hinziplt, sucht eine Gelegenheit, sich jetzt irgendwo auf einem neutralen Boden mit England zu treffen. Sein Bestreben wird dadurch erleichtert, daß einer der Gegenspieles Japan, für einige Zeit, vom chinesischen Schaüpkatz abgetreten ist und eine Umgruppiernjlg in seineni politischen Systenr vornehnlen muß. Japalt wirdja -wieder erscheinen, da es an der Entwicklung in China auf das lebhafteste interessiert ist, aber'' bis dahin ist Vielleicht ejn englisch-russischer Akkord, um-den sich-die -amerikanische Diplomatie eifrig benrüht, möglich geworden. Die einstweilige Äusfchaltitttg Japans ist Unter Symptomen erfolgt, die uns Merkwürdig bekannt aNnlUten. Durch die ungeheuren Verwüstungen der letzten Erdbeben, ist nebst der Wertvernichtung eine schwerwiegende Verringerung der Staatseinlmhmen und eine Vermehrung der Staatsschuld eingetreten, Dazu gesellte sich eine VerfchlechtttüNg der Zahlungsbilänz, eile Rückgang der Einfuhr urtb schließlich der ZusaMMettbruch des. Konzerns der Frau Suzuki- -der die Bank von Fvrmosa, ein nationales Expaüstonsinstitut ' der Negierung mit sich riß niid die gesamte. Bankenorganisatron gefährdete. Die linksgerichtete Regierung wollte die Banken stützen, geriet aber in die Jnstationsgefahr und stürzte. Es wurde 'ein NMöNüWisch-kvttservatiVös KMnett gebildet, das zunächst mit einem Moratorium vorging. Ander Spitze steht der General Tanaka.'Jiu Zusammenhang mit dieser Wiktschaftsmijcte ist eine politische Gärung zu verzeichnen, die auch Noch durch die Rechtsschwenkirng des Kurses verschärft wird. ES herrscht Arbeitslosigkeit,, bedingt durch eine schwere Krise in der Sei'denindusttie, und der vom asiatischen Festlattd herüberdtingende Lärtn in China, -vermehrt die KotnplikatioitcU. Japan mußte sich einstwMen' zukÜckziehStt und verfällt Vielleicht in eine langjährige' Periode dev'Passivität Dies gibt den demokratischen' EstlirenteN Chinas die' notwendige Bewegungsfreiheit, sich der Auseinandersetzung mit den Kownut-' nisten ntit imehr Matt zu Mdtnett und dies» bedeutet wieder eure blutige Fortsetzung des' Bürgerkrieges und eine Fortdauer' der Möglichkeiten für die europäische Giftmischerei. Es ist klar,, daß diese Vorgänge auch auf die allgemeine Läge zurückwirken. 'Alle''Dinge hängen miteinander zusam-' men. Was in'China geschieht, strahlt nach dem Gesetz von der Fortpflanzung des <Äoßes via Rußland gegen' den Westen und via Indien gegen Süden und auf die Welt des Orientes aus, um dtznn irgendwo in Afrika zu verebben. Wie unter solcheil Umstünden dis Weltwirtschaftskonferenz zu greifbarer'. Resultaten koncknen soll, ist kann: fraglich. Sie steckt in einem unentwirrbaren Chaos von durchemanderlaufenden PtoAessen und das einzige Mittel, zu einem sre-teven Ausblick zu gelangen, könnte NUr der Entschluß bringen, auszusprechen, was ist, und gegen die Kabinettspolitik,. gegen, die Wühlereien des amerikanischen Kapitals-JmperLalisnrns Stellung zu nehmen. Diesen Mut wird die Konferenz nicht, aufbringen uub sie wird nicht erklären, daß nur ein neuer Weltkongreß der Nationen eine Sanierung hetbci'führen kann. Ser Schatz der Wische« Rechte. Die amerikanische Delegation für dis Konferenz. New Bork, 3. Mai. (I. T. A.) Wie seinerzeit berichtet, hatte der amerltanlfch-Mjsche Kongreß beschlossen, sich auf bem im August v. I. in Genf stattfindenden, von dorn Komitee der jüdischen Delegationen in Paris eiüberuf-cnen. Kongreß zum. Schutze der jüdischen Rechte durch eine eigene Delegat ton vertreten zu lassen. Die Delegation wird sich ,auZ 38 Mitgliedern zusammeNisetzen. Führer wird Richtet JüliciN W. M a ck sein. Auch der Präsident des amerikariisch-jüdischen Kongresses, Dr. Stephen S. W i s e, wird ihr ang-chören. Wiener MorgenzeiLnvg 4. Mak 1927 Nr. 2939 Kim Kundgebung der Zionistischen Exekutive. Ter Kampf gegen die Krise in PalWna. — Me ßlngelluag der »rbektrlofennnterstlitznngen. — Produktive Arvellen-— Ein Rotbudget Von na.ggv Psunv. Die Exekutive der AltUtiMM Organisation erläßt eine von sämtlicheu Mitglivdern yezetchiwte Kundgeonmn in »oekchck Nach einer Schilderung des Mißerfolges der vierken Wjah die gegenwärtige Krise in Palästina besprochen wird. Die Kundgebung fährt dann fort: Mit der Entstehung der Krise setzte die Exekutive all ihr Trachten und das Maximum an verfüg- * baren finanziellen Mitteln an ihre Ueberwindung. Im Budget mußten Änderungen vorgenvmmM werden, und die frei! gewordenen Mittel wurden in die Richtung geleitet, in der eine Erleichterung der Situcktion aussichtsreich - erschien. Die Exekutive machte außerdem — freilich ohne ausreichenden Erfolg — in Amerika, in England, in Deutschland urrd in anderen Länderrrernste Anstrengungen, um Kredite und Anleihen für produktiv-konstruktive Arbeiten zu beschaffen. Das Arbeitsdepartement keimte die lleberführung städtischer Arbeiter in die judäischeu Kolonien, ivo sie während der landwirtschaftlichen Saison beschäftigt werden sollen, in größerem Llusmaß fortsetzen. Am 1. Mürz 1927 rvaren auf diese Weise 5300 Arbeiter in - die Kolonien überführt worden, Bielen von ihnen wurden Wohngelegenheiten, landwirtschaftliches Inventar und kleinere BodcNgrundstückc für Anbauzwecke zur Verfügung gestellt. . , Trotzdem aber nahm die Zahl der Arbeitslosen ständig zu, und die Exekutive sah sich gezwungen, wöchentlich Arbeitslosenunterstützungen im Betrage von 26 bis 60 Piaster pro Person zu gewähren. Die Zahl der eingetragenen Arbeitslosen belief sich am 1. März 1927 auf 8150, Bon ihnen empfingen 5060 Unterstützungen, was für die Exekutive eine wöchentliche Ausgabe von über 2000 Pfund bedeutete. Das ArLettSdeparte- Ment, dessen Jahres'bndget ursprünglich auf 60.060 Pfund festgesetzt war, gab im Laufe böN sechs MönütöN für konstruktive Arbeiten uüd ArbeitsünterstÜtzungen über 100.000 Pfund aus. Die Exekutive müßte autzßtdem, im Zusaminmwirkeü mit Unseren FittaUgiNstitutiöNcU, auch einer Anzahl vou Halböffentlichelt zionistischen Körperschaften, die von der Krise erfaßt worden waren und anderwärts keine finanzielle Stütze fanden, (Kredit- Hilfe leisten. Die Palestine Land DeVeloMent Company, die American Zion Commonwealth, der Sole! Bonch, die Haifa Bay Company- und die Mänor-Geseftschaft traten in den Kreis unserer Sorgen ein. Hunderte Immigranten verließen Palästina in Verbitterung, um überall in der Diaspora ihre Version von den Gründen chrer Rückkehr zu verbreiten. Touristen, die zum ersten Male nach Palästina kamen, um mit eigenen Augen zu scheu, lvas im Lande geleistet worden war, gerieten in die Krisenstimmung, ließen sich von Entstellungen und Vorurteilen gefangen nchmen Ulrd verbreiteten diese einseitigen Schil'oerungcn weiter im Galüth. Dieser regellose Feldzug destruktiver Kritik hat es der Zionistischen Exekutive nicht leichter gemacht, finanzielle und Moralische Hilfe für fPalästina mobi'l zu Machen. Die Exekutive ergreift gerne die GelesteUhtit, UM auf die Bereitwilligkeit der MarrdatsvegieruUg hinzuweisen, zur Beseitigung des Notstandes beizutragen. Unsere verschiedenen StNregUchgen für MsaMNlsisnarbiejiü lvurden Mit Sympathie und Verständnis ausgenommen. Hervorzuhchen sind die Intervention der!Regierung in den Angelegenheiten der Stadtverwaltung von Tel Awi.lv, ihre Vorkehrungen für den Bau von Straßeir, dick ZvllbesMüNgett für Industrien ustv. Es wird unsere Pflicht sein, wie bisher, auch weiter« hin mit der Regierung über ein größeres Mag direkter Förderung der Entwicklung des Jüdischen Nationalen Heimes durch die Mandatarinacht zu verhandeln. Aber in einer Zeit, in der die ßtoßere Last der Bütantwort^ lichkeit offensichtlich auf Utts ruht, müssen wie die vargeschlagene Politik der iimnsr nriedeeholiett Formulierung illusionärer politischer Forderungen als eine verderbliche Doktrin zurlickweisen. Die Lage wurde neuerdings so ernst, daß die palästinensischen Mitglieder der Exekutive die Einberufung einer «mtzerorderttlichen Sitzung der gesamten Exekuttve forderten, um die Situation zu prüfen und um Mittel und Wege ausfindig zu machenum die Arbeit in Palästina wieder in einigermaßen normale Nahmen M lenkm. Die Sitzung der Exekutive fand unmittelbar nach Rückkchr Dr. Weizmanns aus Amerika statt. An der Sitzung nahrnen folgende Herren tellr Dr. Weizmann, N. Sokolow, M. Dizengoff, Dr. Eber, L. ^ipsky, F. Rosenblüth, I. Sprinzak, Dr. Feiwel, Dr. Halpern, I. Fischer, I. Naiiditsch, H. Zlatopvlsky, Dr. Hantke, Dr. Jaevbson, Dr. KasteliNnsky, Dr. Levin und Joseph Cowen. Die Sitzurlg dauerte zivei Wochen. Herr Dr. Weizmann und Herr Lipsky referierten über die Möglichkeit der Elp schüeßung finanzieller Httfsmütel. Alte Seiten bet Paläftinenstschcn Lag« wurden gründlich erörtert und diskutiert. Die Herren Sprinzak, Dizengoff und Dr. Hantke erstattetm Sonderberichte. Die Exekutive ist zu dein Entschluß gelangt, das von den Umstünden anfgezwungene System der Arbeitslosenunterstützung nicht einen Tag länger fortzufttzen al§ absttzöt nvtlvcndig erscheint. Dieses System zimMsch» Prinzipien und Traditiorren. Es befleckt ilustce Ideale und setzt den Proniergeist herab, der dank dem Einfluß der zionistischen Idee der Standard Palästinas geworden ist. Di» Palästina-Exekutive hat einen Plan vorgeleg^ nach welchem die Arbeitslosigkeit durch sofortige: Neber» leitttng zu einer Reihe von konstmktioon össenttichen Arbeiten und durch Umwaltölung. einer möglichst großen Zahl vvie. Unterstützungsempfängern, in Lohnarbeiter gelindert lvcrden soll. Der Plan geht dahilr, alle Arbeitslosen in Zemsalem und Haifa gegen regulären Lohn zu beschäftigen. Vorläufig wird das Untcrstützungssystem in. Tel Alviw tcilrveise fortgesetzt m-etbeu müssen. Die geplanten Arbeiten lverden 2056 Arbeitern soforttge Beschäftigung gewähren. Zn diesem Ztvecke muh dem -Arbeitsdepartement ein Sondcrbetrag, zur Verlvendrrug während der nächsten sechs Monate, zur Verfügung, gestellt roerden. Die Exekutive hat die Verantwortung auf sich ge Nommen, ein Zufatzlstldget voll 110.000 PfUild auftf» bringen, und Mr Lurch Spozialveiteägc ober Anleihen, die in mehreren Jahresraten zuvückgezahlt werden sottsa. Damit der Beginn dieser Arbeiten nach dem vorgesehenen Plane sich nicht verzögert, hat die Exekutive ihre Kollegen in Jerusalem am 16. April telegraphisch zu sofortigen Zahlungen zur EittleiLüng der Neuen Arbeiten eLNt-äch-Ligt. Die Exekutive hat damit Neste, schivere finanzielle Berpflichtllngen übernommen. Sie Hai bisher schon das Acußerfte daran gesetzt, den Keren Hafessod in verschiedenen Ländern zu unterstützen. Zionisten in allen Weltteilen haben -ihre Pflicht gegenüber dem Keren Hajessod mid dem Keren Kajemeth -in bewundernswerter Weise Erfüllt. Ihre aktivste. Mithilfe bei der Aufbringung des Rotbudgets ist unbedingt erforderlich, wenn die vergrößertes Verpflichtungen der Exekutive zum'gegebenen ZeitMNkt erfüllt werden sollen. Die Exekutive ersucht daher die Zweigorgane der Zionistischen Organisation, unverzüglich gememsmne Landeskonferenzen aller zionistischen Gruppen einzüberusen, um über die Notlage in Palästina zu beraten und praktische Maßnahmen zu ergreifen, ütn die Exekutive in ihren Bemühungen um Aufbringung des Notßudgots von 140.000 Pfund zu unterstützen. Die Exekutive betrachtet düs Notbudgat jedoch um als einen ersten Schritt zur Schaffung normaler Verhältnisse in Palästina. Das ProbleM, das der Lösung harrt, ist viel schwieriger Und komplizierter. Wir stehen in jedem Jahr in Palästina vor Verpflichtungen, die unvermeidlich und fast unabänderlich sind. Unser Arbeitssystem ist uns nicht nur von den Resolutionen des Kongresses und des Mionskvmitees vorgeschrieben, sondern von den lebendigen Kräften Palästinas. Unser Budget berührt die LBensmteressen einer wachsenden Gemeinschaft und wird daher von Bedürfnissen bestimmt, die sich unserer absoluten Kontrolle entziehen. Ohne Kapitalsreserven, ohne ein für ein. Jahr im voraus gesichertes Budget fuid wir in Wahrheit nicht imstande, unsere Pläne zu revidieren, unsere Methoden zu ändern, neue Möglichkeiten auszunutzen oder die Wiederkehr einer Krise, ivie die der letzten 18 Monate, zu verhindern. Die Jüdische Nationale Heimstätte kann nicht ohne Ordnung, Voraussicht und rrchige Neberlegung aufgebaü werden und insbesondere nicht, wenn nicht der ausführenden Körperschaft, die die Verantwortung für den Aufbau trägt, ein gewisses Ausmaß finanzieller Bewegungsfreiheit gewährt wird. Gemäß den Beschlüssen des Wieiter Kongresses vom Jahre 1026 haben mir ohne Unterlaß die Politik der Erweiterung der I ewtsh ÄgeueY Eter verfolgt und haben hiebä. beträchtliche ulrd erfteuliche Fortschritte gemacht. Zur Vorvewttung der Bildung des Zentralrates der Jewifh Agency wird, unter den AnspiziM der zionistischen Exekutive »yd unserer zukünftigen Gerwssen in -er Jewifh Agettky, eine Kouunission von Sachverständigen eingesetzt. Die Kommission wird bevollmächtigt sein, bkö Lage in Palästina zu prüfen und die Jewish Agency bezüglich der vorhandenen Entwicklungsmöglichkeiten und bol der Aufstellung von Plänen und Budgets zu beraten. Sobald der Bericht dir Sachverständigenkommission den beteiligten Parteien rmterbreitet ist, wird der Zentralrat der Jewifh Agency, wie wir hoffen, in formeller Weise konstttuiert nrerden.

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