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Wiener Morgenzeitung · 1927-04-23 · Heft 2928 (23.4.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2928 (23.4.1927)
Date
1927-04-23
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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im 3*uc o Wien, Samstag Wiener Morgenzeitung 26. April 1987 Nr. 292B E 9ttie Reklame hebt das SefchSft. Tie Propaganda ist seit jeher ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor zur Hebung des Geschiiftes. Insbesondere in der heutigen Zeit ist eine Reklame, die richtig und geschmackvoll gewü.hlt ist, für die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens von ausschlaggebender Bedeutung. Licht lockt Leute! Da ist cs gerade die Auslagen- und Außcnbelcuchtung lReNamebclenästungch die abends und in fcen Nachtstunden die Aufmerksamkeit der Fußgänger auf die (Geschäfte lenkt und den: Straßenbild ein malerisches Gepräge gibt. Um nun der Wiener Kaufmannschaft tocitestgrhend entacgenkommen zu können, haben die Wiener städtischen. Elektrizitätswerke die bisherigen Reklamebeleuchtung^ tarife bedeutend verbilligt und hoffen damit, den Stromkonfilmen ten die Zahlungsbedingungen derart erleichtert zu habc'L daß sich das derzeitige Straßenbild in kurzer Zeit zngunstcn einer noch weit wirksameren, lebhafteren und eindringlich-S'en Lichtreklame als bisher entwickeln wird. Ende vorigen Jahres hat daher der Wiener Gemeinderat eine neuerliche rveitgehende Verbilligung des zu Reklame» zwecken verbrauchten Stromes beschlossen und am 15. Marz dieses Jahres auch Saisongeschäften Sonderrabatte gewährt. Um allen Verhältnissen gerecht werden zu können, wurden für die Reklamebeleuchtung außerhalb des Geschäftes und für die gesamte Auslagenbeleuchtung drei Tarife ausgestellt. Der erste Tarif tvird in jenen Fällen airgewendet, wo der Geschäftsinhaber nach freiem Ermessen, ohne eine Beipflichtung bezüglich der Dauer der Beleuchtung, die Auslagen- und Außenbeleuchtünz (Reklamebeleuchtung) über die Zeit nach 18 Uhr benützen wUl. Nach diesem Tarif wird für den von 18 Uhr bis 7 Uhr früh verbrauchten Strom ein fünf- bis 20 pr oze n-- tiger Rabatt gewährt, der je nach dem Verbrauch gestaffelt ist. . Wenn sich aber ein Geschäftsinhaber verpflichtet, die gesamteals Reklamebeleuchtung angemeldete Auslagen- und Außenbeleuchtung ein volles Jahr hindurch täglich, somit auch an Sonn- und Feiertagen, vom Einbruch der Dunkelheit bis mindestens -22 Uhr zu benützen, erhält er nach dem zweiten Tarif auf dem gesamten, von 18 Uhr bis 7 Uhr für die Außen- und Auslagenbeleuchtung verwendeten Strom einheitlich einen 50prozentiger Preisnachlaß. Für die Auslagenbeleuchtung und 'Außenbeleuchtung von Geschäften (Reklamebeleuchtung) mit kürzerer Saison als einem Jahr, für die durch sechs aufeinanderfolgende Muoltatc eine tägliche Benützungsdauer — und zwar auch an Svun- und Feiertagen — vom Einbruch der Abenddämmerung bis mii> destens 22 Uhr gewährleistet wird, wird nach dem dritten Tarif auf den Preis des von 18 Uhr bis 7 Uhr verbrauchten Stromes rin 35 pro zentiger Rabatt eingeräumt. Die Direktion der städtischen Elektrizitätswerke, 9. Dez., Mariannengasse 4, erteilt bereitwilligst alle hinsichtlich der Reklamebeleuchtung gewünschten Auskünfte und .steht gerne mit koswuloser Beratung zur .Verfügung. Bühne und Kunst. Speratheatrr. (Frau Jeritza als Turandot.) Marie Jeritza ist wieder in Wien und hat als neue Rotte die Turandot aus Amerika mitgebracht, dazu eine Staatsrobe mit der längsten, schwersten und kostbarsten Schleppe, die jemals im Operntheater getragen wurde. Diese Staatsrobe war die Sensation der Vorstellung. Ansonsten befleißigte sich die berühmte Diva italienischer Gesangsmanieren und schleuderte eine Reihe prachtvoller, helleuchtender hoher Töne in das Haus. Ihre Turandot ist insoweit sympathisch, ja stellenweise ergreifend, als sie das Grausam-Wollüstig-Perverse der exotischen Prinzessin abdampft und im zarten lyrischen Gesänge immer wieder eine gleichsam unterbewußte Liebe, ein Sehnen nach Erlösung durch die Liebe durchklingen läßt. In der Darstellung trat sie als selbstherrliche Primadonna auf. Freilich, wo sie nicht mit ihrer Temperamentsroutine und ihren kinomäßigen Starallüren die Bühne beherrschen kann, gerat sie einigermaßen ins Hintertreffen. Selbstverständlich sang sie italienisch, ein Unfug, der bei einem engagierten Mitglicd der Staatsoper, welches die Traditionen des Hauses zu achten hätte, nicht genug gerügt werden kann. Ihr Partner, welcher deutsch sang — ein nettes Rätselraten, das in zwei verschiedenen Sprachen »or sich geht — war Herr Paul Marion, ein gewisjenhafter, zu nüchterner Märchenprinz, noch ohne Starallüren, aber auch ohne fesselnde Persönlichkeit. Herr- Reich enberger war der Dirigent der „Turandot", der eine baldige Auffrischung im Chor und Orchest« gut tun wird. Es war durchaus keine besondere Aufführung, gleichwohl hob man besondere Preise und noch übeäies einen besonderen Zuschlag ein. Wohin soll das sichren! * flb. Hosmannsthal-Aufguß bei Reinhardt. „Der Schwierige", neueinstudiert im Theater in der Josefstadt. Der Kulturbesitz des Schmocktums, auf den Begriffen „deutsches Lustspiel", „österreichische Klassiker", „das alte Mm" in Treue fest gegründet, ist vermehrt um das „österreichische Lustspiel", als welches drei unsäglich langweilige Akte von Hugo von Hofmannsthal etikettiert werden. Diese banale Tratsch- und Soireeintrige hat Max Reinhardts Theater hervorragend aufgemacht und bringt sie jetzt neu einstudicrt heraus. Oskar S t r n a d hat prachtvolle Bühnenbilder entworfen, anderthalb Dutzend Schauspieler, von denen ungefähr die.Hälfte weit über dem Dutzend steht, sind ausgeboten, zu feinstem Zusammcnspiel gelenkt. Doch nichts täuscht über die unsägliche Leere dieser säst- und kraftlosen drei Akte hinweg, ja sie wird doppelt fühlbar, wenn Gustav Waldau, ganz abseits vom Anlaß,' s eine subtile Kunst, feinste Nervenschwingungen fühlbar zu machen, cinsetzt, wenn Helme Thimig keuschestes Liebeswerbm stammelt, ivenn Litt Darvas (in der endigen Szene des Stückes die — Oase in der Wüste — der verdurstenden Zuschruerseele «in Quentchen Witz reicht) zwischen Handtäschchenspiegel und Lippenstift ihr Eheproblem „fixiert". Hans Moser, Lina Woi wode, Hermann Thimig und Egon Fridell geben köstliches Theater. Aber als bloßes Theater ließe sich wohl mich das Mphabet oder das Keine Einmaleins auftnachen; das Stück, das Anlaß für das Wirksamwerden des . Theaters bieten soll, gibt ihm erst den Schein des Lebens, den es braucht, um seine Existenz plausibel zu machen. Das leblose Stück von Hofmannsthal ist eine der vielen Süuden Reinhardts wider den Geist des Theaters. S.. S. Aus den Theater». Burgtheater. Morgen, nachmittags halb 3 Uhr „Wilhelm Teil". Abends halb acht Uhr „Das Genie und sein Brade^ (Abonnement 4. Gruppe). Opernthealer. Morgen, halb 7 Uhr „Lohengrin". Dirigent Felix Weingartner a. G. 3 ■ ■ ■ FÜR ALLE 1 Akademietheater. Morgen namittagS 3 Uhr „E i n GlaS Wassel. Abends halb 8 Uhr „Der KrampuS" ^Abonnement 1. Gruppe). Kammerspiele. Erika Gläßner wi o Donnerstag, de;■ 28. d. M. in „Lissy die Kokotte" auftreten. v Theater in der Josefstadt. Sonntag, nachmittag' halb 4 Uhr „Frau WarrenS Gewerbe" mit Anni- R o s a r. Rosa Roth, eine hochbegabte Berliner Vortragsküustlerin, hat jüngst in der „Urania" frei aus dem Gedächtnis eine Reihe von Dichtungen gesprochen und auf d«S Publikum durch echten Ton, scelenvolle Einfühlung in das Wesen der Werke, die sie vermittelte, und nicht zuletzt durch ihr schlichtes Wesen liefen nachhaltigen Eindruck oemacht, der sich in herzlichem, bau? barem Beifall kundtat. In der Auswahl und Reihung der Vortragssdücke erwies sie ungewöhnlichen Geschmack und künstlerisches Verantwortungsgefühl. Eine Arno-Holz-Uraufführung fand in Düsseldorf statt. ES ist das dritte Stuck des Zyklus Berlin, die Wende einer Heit in Dramen", geschrieibcn im Jahre 1913, die Tragödie ,Jge o rab im u s", in der Holz „komplizierteste Schicksale geistiger Mechchen durch natürliche Mittel" darstellen will. Ein Buchdrama von hohen sprachlichen und literarischen Qualitäten — aber ohne jede Bühnenwirkung. Das Drama, für desien glänzende Inszenierung Berthold Viertel zu danken fcft, wuroe in Anwesenheit des Dichters aufgeführt, dem stürmische Ovationen dargebmcht wurden. Ein neuer Strindverg. Im Nachlaße August Strindbergs fand sich ein Drama „Der letzte Ritter" «betitelt, das Emil Schering ins Deutsche übertragen und dem Drei- Masken-Verlage zum Vertriebe übergeben hat. Das Stück ist vom Staatstheater in Dresden zur Uraufführung erworben worden. Ein Dirgildenkmal. In Mantua, der Geburtsftadt des römischen Dichters Virgil, wurde unter großer Feierlichkeit ein Denkmal dieses berühmten Poeten des auguftinischen Zeitalters enthüllt. Bei dieser Gelegenheit hielt der Untcrstaalssokretär für Unterricht in der Musiolini-Regierung «ine Rede, in der er die Poesie Virgils feierte, die „beredter nnd menschlicher sei als die griechische". Die agressiv-tkulturellen Expansionsbestrebungen des Mussolinismus nehmen oft merkwürdig groteske Formen an. . ■ Versicherungs-Abschlüsse bietet g ■ besonders günstige Bedingungen: 8 : Gemeinde Wien g g Städtische VersicherunssaEStalt g g Direktion: 8 8 Wien, /., Tüchiauben 8, 8 8 Tel 67-5-40 8 B ■ i FILIALEN U. GESCHÄFTSSTELLEN IN ALn H LEN GROSSEREN ORTEN DER REPUBLIK ä 8 | iBBBBBBDBBBBflfllBBHBBaSBflEllflHBBtSBBffiBBHflBE} Hotel-Pension mmi In schönster Lage am Meeresstrand, sonnige Zimmer mit schönster Aussicht, Bäder im Hause, Vorzügliche Küche. — Komplette Pension von Lire 35'— aufwärts. iss»«»»» Die neuen Schlager unserer BücMuvemme Upton Sinclair: Der Sumpf Hundert Prozent Jimmie higgins Man nennt mich Zimmermann Samuel, der Suchende Der Liebe Pilgerfahrt Der Industriebaron König Kohle Die Metropole Die Wechsler Nach der Sintflut 5 Bände in Kassette 8 20.—. 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Der Grichtshof unter Vorsitz des Oberlandesgerichtsrates Dr. Wetz verurteilte Natzenberger zu 18 Monaten schweren Kerkers und L o r e n z und P o lt zu je neun,Mona t en s ch w eren Kerkers, verschärft durch einen Fasttag monatlich sowie zum Ersatz der defraudierten Beträge. Schadenersatz für Nlchtanmeldung bei der PensionSanftalt. Frau Netti B i e n e uw a l b, die Witwe nach einen: bei dem Rechtsanwalt Dr. Ignaz Rappaport beschäftigt gewesenen Sollizitator, klagte den Rechtsanwalt auf Zahlung einer lebenStänglichenRente von 30 Schilling monatlich, weil dieser es unterlassen hatte, den Mann der Klägerin, der vom Jahre 1898 bis zu seinem Tode in seiner Kanzlei beschäftigt war,, bei der Pensionsanstalt zu versichern. Der Beklagte gab in der vor dem -Bezirksrichter Dr. Langer gestern stattgchabten Verhandlung an, daß er den Sollizitator nur deshalb nicht angemeldet habe, n«U dieser ihn bezüglich seines Alters irrsgeführt habe. Bi-nenwald habe erklärt, damals 55 Jahre alt , zu sein, obwohl er erst 51 Jahre alt. war. Bei einein Alter von 65 Jahren aber hätte eine Penstonspflicht nicht mehr be- 'widen. Der Richter verurteilte den Rechtsanwalt zur Zahlung des eingeklagten Betrages mit der Begründung, daß £‘J seine Pflicht gewesen wäre, sich über das richtige Altrp seines. Angestellten zu informieren. Der Rechtsanwalt meldete die Ber i! fang an. . ' ' y / Womit sich Leute ihr Geld verdienen. Bei Frau Irene Drac^, utc -ouuüc nau) uem m^kt) ver,^^.uien ^nda,^^l.on, erschien ein Herr, der sich als Redattmr der „We ltnachrichtenbörsc" in München vorstellte und der Dame den Vorschlag machte, sämtliche, in verschiedenen Blättern des Jit- und, Anstandes er,'a/.nenen Nekrologe über ihren Gatteir zu sammelni und ihr in Form eines geschmackvoll gebundenen Aildentenö zur Verfügung zu stellen. Sein Unternehmen habe derartige Geschenkbänbe schon bei vielen anderen Persönlichkeiten, so bei dem verstorbene» Feldmarschall Höhe «vor f und dem Koniponisten Leo Fall, zur vollsten Zufriedenheit zusammengestellt. Die, Firma habe in sämtlichen Weltstädten Europas Zweigniederlassungen. In dem vorgezeigten Prospekte hieß es u. „Allläßlich des erfolgten Hinscheidens Sr. Hochivohlgeboren nimmt die gesamte- Weltpresse Veranlassung, das Andenkeit, großzügige Schassen und Wirken p. p. durch Veröffentlichung einer großen Anzahl vorn Nachrufen p. P. zu Ehren, die wir in einer für Famiuenchroniken bestens geeigneten Prinramappe komplett zusammen-- jtellen, bei geschmackvoller Ausführung und Berechinutg „ach Materialumfang." Als Hvnyrar verlangte der angebliche Redakteur 150 Schilling mid ließ sich gleich 50 Schilling Angabe auszahlen. Nach drei Wochen erschien eine junge Frau uirb forderte eine weitere Anzahlung von 10 Schilling. Frau Drach schöpfte Verdacht und ließ sie verhaften. Bei der Polizei wurde ihre Identität mit der 31jährigen Franziska Auguste S ch ö f stev festgestellt, die mit ihrem Geliebten Artur Weller, so hieß der Redakteur der „Weltnachrichtenbörse", in einem hiesigen Hotel Wohttungl genommen hatte. Sie behauptete, daß ihr Untenrehmen - tatsächlich existiere und schon zahlreiche derartige Aufträge effef - tuiert Hab«. Eine Anfrage bei der Münchener Polizer vmab jedoch, daß ein derartiges Unternehmen dort unbekannt ist. Wmer flüchtete und konnte bisher md# auSgefocfcht werden. Die Schöffler hatte sich gestern vor denr Bezirksgericht ■ Margareten zu verantworten. Sie blieb dabei, daß ihr Urrternehmen besteh« und auf reeller Basis geführt werde. Eine 2li:frage bei der Witwe des Feldmarschalls Hötzendorf ergab, daß diese niemals mit der „Weltnachrichtenbörse" in Verbindung getreten sei. Zur Einholung einer Auskunft bei der Witwe des KonrpmUsten F a l l, die sich gegenwärtig im Auslände befindet, wurde die Vek- Handlung vertagt und Frau Schöffler inzwischen auf freien Fuß gesetzt. Gegen Weller laufen vier Betrugsanzeigen bei d^k bayrischen Polizei.

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