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Wiener Morgenzeitung · 1927-04-22 · Heft 2927 (22.4.1927) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2927 (22.4.1927)
Date
1927-04-22
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Men, Freitag Wiener Morsengettmtg 22. April 1637 Nr. 2637 FILM UND KINO Aooazia üelcl-Pension Royal lr. schönster Lage am Meeresstrand, sonnige Zimmer mit schönster Aussicht, Bäder im Hause, Vorzügliche Küche. — Komplette Pension von Lire 35’— aufwärts. E Friedmanns Glück ist kolossal! Bei der gestrigen Ziehung (3. Tag, 5. Klasse) wurde der Haupttreffer von S. 100.000 schon itrieber p-on den glücklichen Kunden der Geschäftsstelle Llwwi, Friedmann, W^n, 1. Bcz., SalMies 12, auf Los Nr. 5462- (8 Achtel) , gewonnen. Auch in der vorherigen 4. Klasse wurhe der Haupttreffer von S. 30.M0 an die Kunden dieser vom Glück begünstigten Geschäftsstelle ausgezahlt. Bestellungen für die folgende Lotterie werden schon jßjjt entgegengenommen. Gerichtssaal. Lichtreklame. Die flammende Lichtfchrift, die nach amerikanischem Muster von den Dächern der Häuser für die beste Schuhcreme und seit neuestem auch für di« „/besten politischen Grundsätze" wirbt, war gestern Gegenstand zweier Prozesse. In dem einen handelte es sich um die auf dem Gebäude des ,Heinrichshofes" angebrachte Lichtreklame, die von der sozialdemokratischen „Wipag" zu Wahlagitatronsgwecken verwendet wird. Der Eigentümer des HaMs, Herr Dräsche, klagte die „Wipag" aus Unterlassung der Veröffentlichung von Wahlreklame, weil er -ei Abschluß deS Vertrages unter Reklame nur Geschälftsankündigungen verstanden habe. Der Vertreter der „Wipag" erklärte dagegen^ daß unter Reklame jede Ankündigung schlechthin gemeint sei, somit auch politische Werbetätigkeit. DaS Bezirksgericht Innere Stadt schloß sich dieser Ansicht an und wies die Klage ab. — Der zweite Prozeß ging um die Frage, ob die Lichtreklame auf dem Dache eines Hauses unter den Mieterschutz falle. Das Imperial-Kino hatte seit mehr als Jahresfrist auf einem Dachraume des Hauses Rotenturmstraße 16 eine Lichtreklameanlage installieren lassen. Im Sommer v. I. ging das Haus durch Kauf an den Großindustriellen Konsul Engelhardt über, der dem Imperial-Kino die Lichtreklamesläche kündigte. Die Beklagte wendete ein, daß die Fläche für di« Lichtreklame, ebenso wie irgendein anderer Wohn- oder Geschäftsraum, unter Mieterschutz stehe. Der Vertreter des Hauseigentümers be/kämpfte diese Ansicht, weil eine derartige Fläche überhaupt nicht als Raum«zu qualifizieren fei, da sie nicht dreidimensional fei. Das Bezirksgericht Innere Stadt erkannte zu Recht, daß die Kündigung unwirksam sei, weil die Lichtreklame zur geschäftlichen Betätigung notwendig sei und der .Raum hiefür unter Mieterschutz stehe. Auch daS Berufungsgericht .schloß sich dieser Ansicht an, gestattete jedoch der unterlegenen Partei den Revistonsrekurs, so daß der Oberste Gerichtshof in die Lage kommen wird, zu dieser prinzipiellen Frage Stellung zu nehmen. Das Preistreibereigejetz lebt noch. Der Restaurateur des Tiroler Gartens Willy Lc up-old hatte sich gestern vor. dem Bezirksgericht Hietzing zu verantworten, weil er füfc ein Krügel Bier 80 Groschen verlangt hatte. Der Betrieb des Beklagten zerfällt in einen Volksgarten, . wo daS Krügel 50 Groschen kostet, und in das sogenannte Tiroler-Haus, üas nur 60 Personen faßt, also ein Luxus lokal ist. Hielr wird nach 9 Uhr abends für ein jKrügel der erhöhte Preis von 80 Groschen verlangt. Das Gericht hatte sich wegen der Angemessenheit des Preises an. die PrsisprüfungSMle ge- >oandt, die ein sehr widerspruchsvolles Gutachten abgab. In dem offiziellen Gutachten hieß eS, daß der geforderte! Preis geradezu wucherisch sei. An das Gutachten schloß sich ein von' einem Mitglied der PreisMfungskommission unter-, zeichnetes Sondergutachten, in dem der Unterzeichnete erwarte, sich dem offiMlen Gutachter: uicht anschließen zu können. Der Preis von 80 Groschen sei nicht nur kein übermäßiger, sondern geradezu für dieses Lokal angemessen. Der Verteidiger des Beschuldigten wies darauf hin, daß eS sich im vorliegenden Falle um ein ausgesprochenes Luxuslokal handle, das überdies noch ein Sarsonbetrieb sei. In jedem Stadtkaffeehaus würden für ein Bier 70 biö> 80 Groschen verlangt, und dies ohne Konzert. Lanbesgerichtsrat Dr. W-ilfiNiger fällte einen Freispruch und führte in ,bor Begründung aus, daß es sich im vorliegenden Falle um ein ausgesprochenes LuxuSlokal handle. Für den Anzeiger bestand kein« Zwangslage, gerade dort sein Bier zu trinken, wenn e$ ihm zu teuer war. vereine, BortrSge und Versammlungen. Predigten nt den israelitischen Geineindetempeln. Samstag (7. Paffahtag) finden bei dem um halb 9 Uhr belginnenden Morgengottesdienst in nachbenannten Gemetndetempeln Predigten statt, und zwar: 1. Bez.» Settenstettengafse 4 Mberrabbiner Dr. H. SB. M-ajeS); 16.!8e&, HNberaaffe 8 (Rabbiner Dr. I. M. Bach). — Sonntag l8. PaMhtag) finden bei dem um halb 9 Uhr beginnenden Mvrgengottesdienst in nachbenannten Gemeindetempeln Predigten statt, und zwar:' 2. Bez., Tempelgasse 6 (Rabbiner Dr. M. Grunivald): 15. Bez., Turnergaffe (Rabbiner Dr. I. Taglichyx 18. Bez., Schvpenhauerstraße Nr. 39 (Rabbiner Dr. D. Feuchtivana); 21. Bez., Holzmeistergaffe 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenmann). Sternabende auf dem Soinmerheidemveg. Samstag, den 23. d. M., halb 9 Uhr, Versammlung in Pötzlvinsdors, Ende der 41ev-Linie. Schluß halb 10 Uhr. Borttag Pros. Thomas: Sternerklürungen, Wiener Planetarium. — Weitere Abende jeden klaren SamStag. Tie Leitung des Keren Kaftmeth ersucht dlejenige Firma, welche am 8. April 1927 an die RabaDeMm in Angelegenheit der Deckung ihres Kohlenbedarfes bel den der Rabattsektion angeschloffenen Finnen eine Postkarte gerichtet hat, ihren Namen und Adresse anzuaeven, da die Karte bloß zwei Unterschriften, jedoch keine Stam- N'glie und keinerlei Angaben über die Firma eutUett. Diese Mitteilung ist notwendig, um der Sache nocfc I gehen au können. Dar Schachspiel der Latin. Diesem Film liegt ein Stoff aus den Befrenurgsküinpfcn Polens zugrunde, und in dieses Milieu ist die legendäre Gestalt des geheimnisvollen Barons Kempelen gestellt, der als vorzüglicher Mechaniker einen Automaten konstruiert, welcher im Schachspiel die,Zarin Katharina IL besiegt und dafür „hingerichtet" wird. Der eigentliche Besieger der Zarin ist jedoch der von den russischen Bedrücker:: gesuchte Führer der polnrschen Insurgenten Worotvsti. Kempelen hält ihn im Automat j versteckt und rettet ihn im letzten Augeniblick vor der „Hinrichtung", wird aber selbst im Automaten von den Kugeln durchbohrt. Dieser Film ist mit all dem umgehängten Pvunkgewand der Filmregie nach alter, europäischer Art. Masken im besten Sinne des Wortes, aber bloß MaÄen und viel zu wenig Menschen; große Aktionen und mit mächtigem Pathos ausgestattete Szenen, aber Szenen nur und nicht Leiben. Effektvolle Mittel und doch bloß mittlerer Effekt. Es fehlt an sttenger Selbstzucht des Regisseurs, man geht nach echt europäischer Art mit den. Sekunden und sogar Minuten, die den dramatischen Lauf verlangsamen und den Erfolg des Films verwässern, verschwenderisch um, die Darsteller drücken sich in Mimik unid Geste nicht eindeutig und präzis aus, die Typen sind, wenn cntch sehr nahe der Vorstellung und der gestellten Aufgabe, doch nicht bis ins letzte Detail zutteffend gewählt. Vielleicht würde ein amerikanischer Regisseur mit weniger Romantik als der europäische Spielleiter der: Film schaffen, aber zweifellos wäre der dramatische Effekt gewaltiger, die Gesamtwirkung mächtiger, als es bei diesem ty-pisch europäischen FrÜn ist. Die Joden in der britischen FilnrproSmktion. In London ist die Gaumont British Film Corporation mit eurem -Kapital von zweieinhalb Millionen Psu/nd begründet worden. Es sind in ihr mehrere Gesellschaften vereinigt, deresn Direktoren im Rate der neuen Korporation sitzen. Unter den Direktoren sind bekannte jüdische Filmproduzenten, wie C. M. Woolf vom W. U. A Film Service, S. Rowson von der Ideal Company, Cäptain Alfred Davis u. a. m. Captain Davis Wird der Leiter der neu zu schaffenden Reihe großer Lichtspieltheater sein. Der van der Davis-Gruppe innegehabte Sephard Bush Pävilion, das. größte Lichstpielthealer Europas, wurde von der neuen Korporation angekauft. H. G. Wells über den,Metropolis"-Film. Der englische Schriftsteller Wells richtet im „Suuday Expreß" eine ver- Wie aus London gemeldet wird, hat das Direktorium der Bank von England in seiner gestrigen Sitzung die Herabsetzung der Bankrate von 5 auf 4,5 Prozent beschlossen. . Diese Maßnahme wurde schon zu Jahresbeginn erwartet, sie ist jedoch inrmer wieder hinausgeschoben worden, aus Gründen, die mit den außenpolitischen Verhältnissen züsaMmenhingen- Die Bank von England wolltp zunächst den nach der Beendigung des Kohlenarbeiterstreiks eingetvetenen Konjunkturumschwung in England durch eine längere Zeit beobachten,' da sie gerade in der starken Belebung der industriellen Tätigtest ein Moment erblickt haben mag, das in der Folge zu einer Anspannung der Geldverhältnisse führen könnte. Später fcrirteit die 1 Wirren in Chin« hinzu, die es der Leitung der Bank von England als ratsam erscheinen ließen, mit der Diskontherabsetzung »roch einige Zeit zuzuwarten. Die kontinentalen Notenbanken ließen sich jedoch, wie erinnerlich, durch '$e zögernde Haltung der Bank von England nicht beeinflussen, da, die zunehmende GeldfMigkeit, die zu einem großen Teile dem fortgesetzten Einströmen amckanischen Kapitals nach Europa zu verdanken Ivar, erneu Abbau der noch Ende 1926 in Geltung gewesenen relativ hohen Diskontsätze der Notenbanken der verschiedenen Länder dringend nahelegten. Die Reichsbank hatte zuerst das Signal für die Diskontermüßiigung gegeben, es folgten Oesterreich, Polen, Schweden, 'Frankreich, Belgien, Ungarn, zuletzt' die sehr vorsichtige Tschechische Nationalbank. Es hieß, daß die Bank von England den kontinentalen Notenbanken den Vorrang bei der Herabsetzung ihrer Bankraten ließ, um zu verhindern, daß wie kontingntalen Plätze zu einer übermäßigen Inanspruchnahme des englischen Geldmarktes verlockt werden. Da nun inzwischen mehr als ein Vierteljahr versttichen ist, dtze Wirren in China eine Milderung erfuhren und die Ent? wicklung der Geldverhältnisse auf dem Kontinent der Bank von England die Gewähr einer Stabilität zu bieten scheint, hat sie sich entschlossen, auch ihrerseits die Bankrate herabzusetzen, und zwar umso Mehr, als in der letzten Zeit auch in den Bereinigten Staaten eine wesentliche GeldverMligung eingetreten ist. Gleichzeitig hat auch die Schwedische ReichMank gestern den Diskontsatz von 4,5 auf 4 Prozent herabgesetzt. Ae ftUttng Der SffeKenDiWtn. DaS tu den.letzten Monaten überall beobachtete Ein- .strömen des amerikanischen Kapitals und die damit vevinndene Geldverbilligung bedeutete eine Befruchtuirg der Prodnktionsenergien derjenigen Länder, denen die Kredite zugntekommen. Die, mitteleuropäischen Börsen eskomptie,- ren diesen Prozeß, allen voran die ir i ch t e n b c Kritik (jenen den deutschen Film „Metropolis", den er -als phantasielose Häufung alles mechanischen. Blödsinnes bezeichnet. Me deutsche Filmproduktim, die Vorzügliches gcleistet hätte, sej, nach diesem Erzeugnis zu ».beurteilen, hinter den Schutzzollwällen im Msticg begriffen. Die Filme öer Woche bringen diesmal nichts besondere?. Auch da? Wiener FUmnivcau scheint immer nzcbr gu fallen. —Rotenturm-Klno— I., Flefschmarkt 1 Von beute bis 26. April:! Ein Renner von Frauenbeinen Lustspiel, und das übrige Schlagerprogramm Beginn d. Vorstellungen an Wochentagen: 4,6, 7,8 u. 9 Uhr Sonn- und Feiertage: 7,4, 7«5, 7«7, 7,8 und 9 Uhr - CENTRAL-KIHO - 11., Taborstraße 8 Telephon 42-3-41 Von heule bis 25. April: Jackie’s erstes Rennen mit Jackle Coogan Musikalische Begleitung: Das neue Ufa-Konzertorchester mit Jazzband (Dirigent: Kapellmeister Karl Krall) Beginn um 6, 7,8 und 9 Uhr SCHOTTEMRING-KiNO — | Schottenring 5 Telephon 17-4-25 I Von houia bis 25. April: Jnngiranen von beute außerdem ein Lustspiel Beginn: Wochentags 7«5, */i6, V48 und */49 Uhr Sonn- und Feiertage */44, 746, 7,7, */48 und 9 Uhr da besonders Uugarlr sich grpßer Kapitalszuslüsse aus Amerika und Englaird zu erfreuen hatte. Denr Einfluß der Budapester Börse konnte sich die Wiener Börse um so weniger entziehen, als hier eine Reihe lulgarischer Papiere notiert sind, so daß eine gjünstige Tendenz auf diesem Gebiete auch auf die übrigen Marktgebiete zurückwirkt. Die letzten Tage vor und nach Ostern standen vollends im Zeichen der Aufwärtsbewegung der unHarischm Papier^ und werul auch vorgestern hier ein gewisser Stillstand cjingetreten tzu sein schien, spLehrte der Verlauf der gestrigen Börse, daß das Interesse für die ungarischen Papiere keineswegs erlahmt ist. In der Kulisse waren Rimla und Salgo weiter bevorzugt, Rima erreichten zeitweilig den Kurs von 148, Salgo den Kurs von 95.50. Im Schrämten erreichten Ungar. Kohle u btn - Rekordkurs von 885, Uri faul) von 280, ober auch Ungar. Zucker verließen den Markt zum höchsten Tageskurse von 317, Ungar. Hofherr brachten ihre vorgestrige kleine Einbuße wieder herein. Pester Commereialbank stiegen um S. 4.60 auf 165. Die Festigkeit der ungarischen Montackwerte übevtrug sich auch auf die österreichischen Montanpapiere, aber auch Trifailer wurden lebhaft ilmgesetzt und stiegen auf 64.10 nach 65 (gegenüber dem Mittwochschlußkursie von 60.50). Die Blldapester Käufe riesen auch eine Aufwärtsbewegung der lange Zeit vernachlässigten Staatsbahnaktien hervor, die wieder einmal den Kurs von S. 50 überschritten. Eine selbständige Bewegung schlugen die tschechoslowaRschen Papiers ein, die schon sejt einiger Zeit von günstigen Dividendentaxationen, ausländischem Interesse, der Besserung in der Textilindustrie pwfitieren und denen vor allem hie geplante große Steuerreform zustatten kommt. Tjie meisten tschechoslowakischen Papiere hatten gestern beträchb- 'liche Kurssteigerungen zu verzeichnen und davon blieb fast kein einziges tschechoslowakisches Papier nnberlihrt. Als dann im Laufe des Börsenverkehrs die Mldung über die Herabsetzung der Bankrate der Bank von England bekannt Wurde, wurden -auch die österreichischen Werde sehr günstig beeinflußt, um so mehr, als für ElektMtäts-, Kabel- und Bau^verte ohnehin die im Wahlkampf aufgjdstellten Jnvestitionsprogramme stinmlieren. Nur der An--- lagemarkt war vernachlässigt, da das spekulative Interesse, das mit der ValorisatiousbÄoegung Kusammenhängt. vorläufig nachgelassen hat. fOIMSWlRTSCHAH l Liskontherabletzung in ßngiant

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