Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2924 (19.4.1927)
- Date
- 1927-04-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2982012--29772-3017931- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Är. 5024 Wien, Dienstag Wiener Morgerrzettrrng 19. April 1957 Seite 3 Ein Wiener Roman von Leopold Hichler. Copyright 1027 by R. Löwit Verlag, Y/ien — Leipzig Mm Es wav um Ibie Reisezeit Gustavs, da brachte das Schicktck — gleichsam als Gegen stück zu Gustavs Frühling — der tlten Frau Fanny, der Köchin im Hause Lanipl, den Wutirr. Frau Faun!) suhlte ein Sch!rinden ihrer Kräfte und ing eines Morgens zu ihrer Herrin, der Frau Nest, stemmte ie Hände in die .Hüsten und be-gann: „Gnä Frau! Ich muß mit Ihnen reden!" Frau Rest erschrak. Sie fürchtete linc .Kündigung. „Wae d.'nu, Fanny? Was wollen Sie wdcn?" — „Ich must mit Ihnen reden, Gnä Frau! Ich sin jetzt zwölf Jahr' im .Haus, aber es wird mir zu viel! stch must eine Hilf' haben, ein Extramädl, ich . . Erkichtert unterbrach Frau Resi den Wortstrom der alten Wienerin: „Aber ja, Faun') . . Diese rasche Deuüllig'ung par nicht nach Frau Fannys Geschmack. Sie hatte einen Widerspruch erhofft, um in längerer Rede ihre Leiden varflellcu zu können. — Das bittere Leid schmeckt nämlich süß, wenn der 'Mensch darüber reden kann. — Deshalb fat Frau Fanny, als hätte sie nichts gehört. „Rein, Gnä Frau! Ich kann nicht mehr! 'Meine Fiehst pallen's ncht mehr euis und . .?' — FAbcr "Fanny, ich sag' ja ..." — „Ich soll kochen und soll die Bnrschenzimmer zusammenräumen und Geschirr waschen? Wer kann denn ..." — — „Aber Fanny, ich sag' Ihnen ..." — „Gnä Frau! Lassen Sie mich auch einnial reden! — Ich spür' mir keine Fiehst mehr! Ich Hab' das Reißen in die Glieder; aber glauben Sie nicht, Gnä Frau, das; ich nicht arbeiten will. Jeden Tag . . ." und die beiden letzten Worte betonte sie, ,jeden Dag Lin ich schon nur Halber sechse auf und Lin..." — „Warum schon um halber sechse?" unterbrach Frau Resi. — „Wer ich denn ü'ust fertig? — (v'ir Viertelst und vergeht allein mit dem Lahr?n bis ma du Schlüsse'' vom. Speiskasten' kriegt!" — „Zu was läuten Sie, Fanny? Der Gusti hat £wcTi die Schlüssel vom Herrn zu verfangen!?" r-* „Ja, der Gusti! Der halt' einen nur zum Narren! Ten Kaffee möcht' er haben um sechse. cckier daß er mir früher den Kaffee hcrausgiüt aus'n Speiskasten — das nicht. Da sagt er immer: ,Er hat keine Zeit zum Läuten. Ich soll lauten.' Sag ich ihm: ,Jch Hab' schon gelitten:' sagt er: ,Leiden Sie nur weiter!' — Und da lachen Sie dan Gnä Frau? Natürlich! Der Bruder rs mehr als ci.-.c ci tc. tr ne Dienerin, aber ..." Sie begann heftig zu schäl chen Frau Ren war mtlos. „Aber schau'n S'. Fan >v. Sie i'-ren sich. k Heute — 4 Ahr rmchrmttsgs. Konzert der bestb.kaui>t.n Piccadily-Jazzba d bxi sr iem Eintritt im Warenhaus Brüder Schiffmann. Das Konzert findet anläßlich Eröffnung der neuen, großen Verkaufsräume im Tiesparterre von 4 bis 6 Uhr nachmittags statt und wird in den nächsten Tagen uni bi" gleiche Zeit wiederholt. Jeder Besucher erhält ein praktisches Geschenk. Zur Feier der Eröffnung werden in allen Mtcilungen trotz der stadtbekannten, allgemeinen Billigkeit einzelne Artikel zu ganz besonders billigen Preisen abgegeben, so z. B. D a m e n - W ä s ch c - G a r n i t u r c rt, Hemd oder Hose, zum Preise von nur S. 1.1b, Mode-Pepita, für Schöße, pr. Mtr. nur S. 1..93, Salon-Stores, kompl. groß, S. 3.90 usw.. usw. Versäumen Sie nicht die Besichtigung! Kein Kaufzwang. (11. Fortsetzung.) ich..." — „Gnä Frau! Ich weiß schon. Wenn ma alt toird, wird ma herumgestoßen! Natürli.h. Es gibt Jüngere und die . . ." — „Aber, Fanny! Ich will ja keine Jüngere ..." — „Probieren Sie's nur, Gnä Frau! —• Was die heutigen Dienstboten sind!" und st'ie hob abwehreivd ihre Hände gegen die neue Dicnftbotengenration, „das schaut nur stftlf sein' Sack; aber ich, ich sch.m' auf meine Herrenlaut'!" — „DaS weiß ich, Fanny; das weiß ich. Sie sind uneigennützig. Ich mein' ja nur, daß Sie ..." — „Was meinen Sie, Gnä Frau? Das is ja leider, daß Sie meinen!" — „Was mein' ick?" — Liebe Frau Resi! Kennst du noch nicht. die alten Diener, diese geängstigten Menschen! — So wie der Rheumatiker das Gewitter vorausfühlt, lfo stählt der alte Diener das künftige Verblassen seines Nimbus, den Untergang seiner Unentbehrlichkeit und poltert — aber mit wundem Herzen. — Der Menschenkenner nimmt es hin; jedoch Frau Re'i war ungehalten, wnd weil sie nicht znm Wort kam, sprach sie mm lauter. — Frau Fanny blieb nicht zurück und nun drangen die Stimmen der beiden Frauen kräftig und gleichzeitig durch das offene Kückensenster und über den Hof zu .Herrn Bernhard, der — es war wieder eine Betriebspause — an den Türpfosten seines Kontors gelehnt stand. — Dos eilte Wiel gegen MMem-Zteels. Die Hakoah Mannschaft hat in Amerika nicht viel Zeit zum Ausruhcn erhalten. Bereits morgen tritt sie zum ersten Spiel an. Der Gegner ist eine der stärksten Mannschaften Amerikas, und zwar der vorjährige Meister Bethlehem- Steel. Ein heute früh hier eingelaugtcs Telegramm der Hakoapuer lautet: Sederabend Samstag bei Heürem Emigration Assoeiatien. E r st e 3 Spiel M 1 tt w o ch, den 20., in Vrth /? hem rechtzeitig gegen die unheilbringenden Folgen desAelterweraens,durch Vmvendung von «IW Ski@r@!ssr;&si3 nach Univ.-Prof. D r. Mladejovsky In allen Apotheken erhältlich. Haupt-Depot: Apotheker C. RRADY, Wien, RotenturrastrafSe 18. „Hm?" dachte Herr Bernhard und — ohne den Standort zu ändern — wendete er feilt Haupt und horchte nach der Küche hin. „Hm? Was geht da vor?" — Er wuckb aus dein Stimmengewirr nicht klar und ging in die Küche. „Hab' ich nicht recht, Gnä Herr?" empfing ihn Frau Fanny. — Herr Bernhard, obwohl ahnungslos, erwiderte, rasch: „Ja." — „Sehen Sie, Gnä Frau," wendete sich nun Frau Fanny triumphierend zu ihrer .Herrin, „sehen Sic! Der Gnä Herr weih schon, was er von mir zu. hallen hat!" Abei,- nun bekam 'cs Herr Bernhard mit seiner Frau zu tun: „Erlaub' du mir, Bernhard! Du lvcißt doch gar nicht, was vorgeht und sagst . . . Das ist doch . . — „Resi!" unterbrach Herr Bernhard und führte seine Frau ein paar Schritte abseits, „Resi!" sprach er leise, „was stellst du dich mit ihr her? Du kennst sie doch. — Lass' sie reden. Sie wird müd' werden und früher nützt es dir ja so wie so nix!" — So beruhigte Herr Bernhard seine Frau, iiid sseu Frau Fanny — ermuntert von der freundlichen Gesinnung ihres Herrn und damit er orientiert sei — von vorm begann: „Mit der.Plag' und die Fiehst nach dein zwölfjährigen Dienst!" Da 'standen nun beide Herrenleute inmitten der Fannyschen Klagen, wie in eincin Wolkenbrnch, ohne Schirm und ohne Schntz. „Mit was Hab' ich das verdient?" dachte Herr Bernhard; aber cs sollte ihm Erlösung werden. — Ein plötzlicher Regen hält nicht lange an. — So mnerwartel, wie sie begonnen, schloß Frau Fanny: „Und jetzt, 'Gnä Frau, sind Sie mir nicht bös', aber ein Dienstbot' will auch einmal reden. Und was werden Sie tun. Gnä Frau?" — „Na! Was sollen wir tun?? Ein Ertramüdel werden wir Ihnen zur .Hisse anfnehnnn!" - gegen Bethlehem, dann 23. in Philadelphia, wn 1. Mar in New Aorkgogen Grants. Alles gesund. Allgemeines Bedauern wegen Dr. Körners Fernbleiben. Spiegler, Bear, Kupfermann- MM-Maria 3:8 (2:1) Das Wiener D e L u t der erstklassigen ungarischen Previngmannschast siel im großen und ganzen nicht s ch l e ch t aus. Das Steinamanger-Team spielt guten Fußball und verfügt über einige ganz hervorragende Spieler. Das Verteidigungstrio Weinhardt, Nagh, mit dem Diener Blitzen ec ist die Stütze der Mannschaft, die auch in ihrem Mittelläufer Sag Hy sowie im Seitenhalf Pesovnik zwei hervorragende Kräfte besitzt. Der Angriff litt an zwei schwachen Flügelstürmern; die beiden Juteruationalen Holzbauer und Mefzaros dribbeln zu viel. Rapid befand sich in schwacher Verfassung. Die treibende Kraft im Angriff war Wessely, der auch das Match entschied. Uridil, der wieder mitwirkte, ist nur mehr noch ein Schatten von einst. Gegen Schluß des Spieles trat Schramseis verletzt ab; für ihn sprang Kirbes ein. In der 20. Minute findet ein hoher Ball des LinksaußenslürmerS der Gäste, Baß, den Weg ins Netz. Die Rapid-Angrisft können sich nicht recht entwickeln, bis ein Solo Wesselys Hoff« (Fortfetzung folgt.) mrauByjHOKygr Ä in W»«*llWJiraig3«M»a8aBMEBBMgMBgatTirtrYTVBOMffigTgrIUI II r|II Nediigiert von Dr. Sancl Beer. Leber Störungen im Harnatzbarate. Es ist eine bekannte Tatsache, daß selbst intelligente Enner und Frauen sich nur schwer entschließen, die Hilfe des Arztes bei Beschwerden, die den Harn- und Geschlechtsapparat betreffen, in Anspruch zu nehmen. Jedes diese Harnorgane betreffende Leiden wird noch immer, trotz aller Aufklärung, mit Geschlechtskrankheiten in Zusammenhang gebracht. Die Scheu, als geschlechtskrank verdächtigt zu werden, hält viele Menschen, insbesondere die Frauen, ab, sich rechtzeitig in ärztliche Behandlung zu begeben, wenn Störungen in den Harn- oder Geschlechtsorganen auftveten. Sowohl junge als ältere Personen ertragen die größten Beschwerden lange Zeit, ohne sich einer Behandlung zu unterziehen; und so sieht der Arzt immer wieder veraltete Blasen- und Nierenleiden, die keiner Besserung zugänglich sind, iveil die frühzeitige Behandlung versäumt wurde. Wenn wir von den schweren Erkrankungen des Harnapparates absehen, die den Patienten völlig arbeitsunfähig machen, so gibt es eine Reihe von offenkundigen, von den Hariwrganen ausgehenden Beschtverden, die scheinbar auf keine schwere Schädigung znrückgehen, aber den Betroffenen so seelisch und körperlich Niederdrücken, daß er seinen Beruf nicht ausüben kann. Hieher gehört der bei vielen nervösen Menschen sich häufig etnstellcndo Harndrang, der zu wiederholten, immer zu ungeeigneter Zeit sich einstellenden, oft auch mit Brennen und Schmerzen! verbundenen Harnentleerungen nötigt und so die berufliche Ausübung schwer beeinträchtigen kann. Saleye Anfälle von Hauwrang hat Wohl schon jeder an sich selbst erlebt. Sie stellen sich bei Aufregungen, vor Prüfungen oder bei öffentlichem Auftreten bei oft ganz gesunden Personen ein und haben meist keine Iwiteve Bedeutung. Aber ein solcher lang anhaltender Zustand kann eine schwere Belästigung werden, wenn er die Folge einer chronischen Blasenerkranlung darstellt. Die häufige Harnentleerung, die eine schwere Beeinträchtigung der Ausübung gewisser Berufe herbeizusührcn imstande ist, — man denke Nur an Schauspieler, Sänger, Redner — schasst eine schwere, seelische Depression, zumal sich hiezu ein gewisser Grad von Schamgefühl gesellt, das auf eine Verheimlichung des Leidens der Umgebung gegenüber hinausgeht. Sind solche Patienten noch mittellos, so scheuen sie sich sogar, ihre Rechte bei der Krankenkasse in Anspruch zu nehmen, weil sie fürchten, daß eine oberflächliche Untersuchung sie als geschlechtskrank bezeichnen könnte. Es ist leider richtig, daß verschiedene Blasen- und Nierenleiden anfangs gleiche Erscheinungen wie Geschlechtskrankheiten aufweisen und oft auch selbst von Aerzten mit diesen in Beziehung gebracht werden. Harndrang kann sicherlich Folge einer frischen oder alten Gonorrhöe (Tripperinfektion) sein, aber ebenso oft genug Begleiterscheinung einer durch Blasen-, oder Nierensteine oder durch Geschwülste hervorgerufene Blasenerkrankung. Scheut sich der Betroffene, den Arzt aufzusnchen, weil die Anfälle sehr oft rasch vorübergehen, so Wird meist der günstigste Zeitpunkt zum ärztlichen Eingreifen zum Schaden der Patienten verursacht. Geschwülste, die frühzeitig erkannt, noch operabel wären, führen spätter zur lebensgefährlichen Harnverhaltung. Denn die Harnverhaltung oder die unvollständige Urirnentlecrung führt zur Zersetzung des stagnierenden Harns und zu nachfolgender Infektion, die von der Blase durch den Harnleiter in das Nierenbecken emporsteigt und die allgemeine, tödliche Sepsis oder Harnvergiftung verursacht. ma...-""•nirur i mim.... Frauen, die aus Schicklichkeitsgründen die Harnentleerung viele Stunden hinansschieben, leiden später an Ausdehnung und Reizung der Blase, die lästigen Harndrang erzeugt. Die Schwache der Schließmuskeln der Blase kann auch eine Folge einer Geüurtsverletzung sein. Solche Frauen ertragen das dauernde Naßsein nur schwer. Es gibt auch gegen diesen Zustand keine sehr praktische Abhilfe. Während bei Männern das Tragen eines Anfnahmeapparates (Urinals) möglich ist, leiden die Frauen unter dem dauernden Harnträufeln sehr stark, ja sie werden hierüber fast gesellschastsunsähig. Man sieht daran, welch schwere soziale Schäden eigentlich so ein scheinbar leichtes Leiden zu verursachen vermag. Solche Menschen können kein Theater, keinen Vortrag besuchen, weil der Harndrang oft so unwiderstehlich ist, daß der Betroffene sich keine Hemmung auserlegen kann. Bei älteren Männern tritt ein analoger Zustand durch die bekannte Prostatahhpertrophie, die Vergrößerung der Vorsteherdrüse, ein. Anfangs stellt sich nur häufige Harnentleerung bei Nacht ein. Das sollte schon zur Vorsicht mahnen. Eines Tages ist plötzlich die Harnsperre da, die zur Benützung des Katheders zwingt, eines Gummischlauches, durch den der Harn entleert wird. Dauerndes Kathederisieren aber schafft die Möglichkeit zur Infektion, da der Patient sich den Katheder selbst einführen muß, um vom Arzt unabhängig zu sein. Der Patient kann aber schwer zwischen gewöhnlicher und medizinischer Reinlichkeit (Sterilität) unterscheiden und so ist das Ende stets die Harninfektion. Das Nichtbeachten solcher Blascnftöruugen oder deren Verheimlichung aus übertriebenem Schamgefühl schafft, wie wir gesehen haben, BerufsstörungeN nick verkürzt das Leben. Ein vechtzcitiges ärztliches Eingreifen vermag die schädigenden Momente ztt beheben und viele ErLichterungen zu verschaffen.