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Wiener Morgenzeitung · 1927-04-19 · Heft 2924 (19.4.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2924 (19.4.1927)
Date
1927-04-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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3e!h' 2 Sion, SionStafl W!ener MorgenzerLung 19. April 1927 Nr. 2924 Km JemonftrattM gegen die Zionistische ßreknttve in Jerusalem. Gemäß ihrer richtigen Taktik, alle Geschehnisse iu Palästina, seien sic nun günstig oder ungünstig für den .ssischuw, wahrheilsgeiuäß zu registrierten nnb zu behanoolit, hat es die „Wäeuer Morgeuz^tung" auch nicht unterlassen, von cittcr Demonstration Mischer Arbeiter gegen die Zionistische Exekutive jn Jerusalem zu berschten uub aiese einer estnauen Erklärung zu unterziehen. Ich will gleich, vorwegnehmen, das; Herr Dr. Zweig, der Autor dev Artikels über diese Demonstration, sich bemüht hat, das Geschehnis nach bestem Wissen und Gewissen aufzull ärenck) Unzweifelhaft ist das LV'sentUche in der Erklärung, dev Herrn Dr. Zweig Ausfluß seiner Weltanschaumig. Daß sic ober trotzdem — oder oiellcicht deshalb — nach einer Richtung tendiert, die mR den nationalen Interessen nicht in Einklang steht, sei mir gestattet, im Nachfolgenden zu beweisen. AlS Palästinenser fcutic ich die länge im Lärche genau und sage, wie mir alle unten es iinnrer und in allen Krisenperioden gesagt haben: „Auch das wird vorübergehen". Aber trotzdem heißt cS die Oiefahren, die entstehen könnten, nicht leugnen und sich folgende Tatsachen vor Augen halten: 3cit Herbst 1929 leidet Palästina mucr einer fortdauernden Arbeitslosigkeit, die — manchmal kleiner, manchmal großer — als schwere Last den großen wirtschaftlichen Aufschwung, der sonst kommen müßte, hemmt. Ter palästinensische Arbeiter, und vor allem seine Organisation, die „Allgemeine Arbleilerorganisarion", haben hauptsächlich im 'Verlause dieser Zeit die ganze Schwere der p'ast getragen und zu beseitigen versucht. Und es' b.leibe zur Erläuterung der Lage ein pinchoiogiWs Moment nicht 'unerwähnt, das bei uns Juden sicherlich nicht unbedeutend ist: Es ist dem Studenten und „Bat!an", der aus dpr Diaspora kommt, leichter, sich an die Arbeit zu gewöhnen, als arbeitslos in den Straßen nmh:rzuitrren und sich stets dieselbe Frage zu stellen: „Ich bin ja hieher arbeiten gekommen, denn die Massen meines Volkes warten ja auf meine Arbeit, Nichtstuer konnte ich ja auch ,dort' fein." Und dieses psychologische Moment ist richtig, denn der österreichische Arbeiter, der arbeitslos ist, hat und kann keinen anderen Gedanken lxrbcn als — Warten, während in Palästina keiner warten kann, denn jeder einzelne fühlt sich als Verwirkliche:: einer Jdbc, die gerade jm vollsten Gegensatz ist zu diesem — Warten. Und das erschwert noch die Lage! Und was fetten wir? Wir treffen Ein.zjelfälle (ich betone Einzelfälle, es möge nicht mißverstanden werden) — aber sie sind für uns ein MeetJ.icheu — wo junge Menschen, die mit zuviel Enthusiasmus und wenig realem Sinn herunter gekommen sind, sich der arabischen Exekutive — der Leiterin der antizioniftischeu Propaganda — crusliefcrn, die sic als lebende Beispiele für ihre Propaganda ausnützen und außerdem durch arabische Advokatcu die Zionistische Exekutive auf Entschädigung und Rrjsespesen klagen lassen. Ich konnte selbstverständlich eine Menge von Beispielen verschiedener Art ansührcn, die aber näher zu erwähnen ich unterlassen kann, weil sie einerssiits mißverstanden werden könnten nnd anderer-- seitS Herrn Dr. Zweig gewiß bekannt sind. Daß aber diese Fälle. Einzelfälle geblieben sinn: daß wir jetzt zum ersten Male von einer „DemonsrraUon" geleten haben: daß die Lage in bezug aus Ruhe und Ordnung vollständig nonnal ist und daß das Gefühl, durchhalten zu können, nicht geschwunden ist: wem ist dies zu danken? Ich frage Herrn Dr. Zweig, ob nicht der Löw-n:-- aitreii an diesem Verdienst dem palästinensischen Arbeiter, insbesondere seiner allgemeinen Arbeiterorganlsatjon, zukommt. Und ich frage, weiters Herrn Dr. Zweig: Ist es nicht oberste nationale Pflicht, in einer solchen schweren Uebergangsperiode, alle vorhandene Arbeit, wie alle vorhandenen Arbeiter, io zu konzentrieren, daß durch gleichmäßige Verteilung von Arbeit und ArbeitSlosennntzerstützung, die Lage alten erträglicher gemacht wird und ein jeder durch das Bewußtsein der gleichen Verteilung 'gemeinsames Leid ist leichter zu tragen) eher die physisische wie psychische Möglichkeit erhält, durchzuhalten? Und was hat die Allgemeine Arbeiterorganisatio u getan? Sie hat eine ArbeitsÄermittlungsstetle eingerichtet, in der jeder — ob Mitglied oder nicht Mitglied der A l l g c m e i n;e lt Arüeiterorganisa-- r i o it — seine Arbeitsloseminherstützung, wie seinen Arbejtsanteil nach einem objektiven Schlüssel der Arbeitstage erhält. Nun wird man verstehen, daß ein Komitee, in dem führende Zionisten sitzen und das eine große nationale Arbeiten vergeben hat, nicht unter den „die nationalen Interessen schützenden Bedingungen" dem Privatunternehmer die Arbeit übergeben hat, wenn es ihn hsibm nicht verpflichtet hat, Arbeiter dieser allgemsiw'N AGG Vermittlungsstelle zu beschäftigen. *) Wir fügen hinzu, daß sich mir der hier behuuoeilen Angelegenheit auch ein Aufsatz unseres Jerusalelner Mitarbeiters Dr. Fritz Löwen stein befaßte, der in unserer Ausgabe vnn 2€. März d. I. erschien. lAmn. d. Red., Versammlung der orthodoxen Juden Wiens Dienstag, 19. d. M., halb 8 Uhr abends :m Zentro.l-Polkskeller, neben Zsntral-tzi in-o, 2. Bez„ Taborstraße 8 a. //m™ sachenU ne rheumatischen Beschwerden mehr nach einer ein» "!enecinArinkkur! Ermordungdes mexikanischen Geoeralstabschrss Nervyork, 19. April. Nach Meldungen aus Me xiko ist der Gcncralstabschef der mexikanischen Armee, Kommandant Flarenzana, in einem offenen Auto au'f der Straße nach Mexiko ermordet anfgefnnden worden. Tagesordnung: „Das religiöse Minoritätenrecht". Referenten: Rabbiner Salomon Fried mann, Knktnsrat Max . Mar!» s, Dr. .Heinrich Glanz. Diese elementare Forderung hat nämlich das Komitee, das den Seminarban in Jerusalem zu vergeben hatte, nicht erfüllt. Daß solches Vorgehen des Komitees, das man — seiner Konstellation nach — am wenigsten erwartet hätte, die Hunderte von Arbeitern, die Tag für Tag auf die früher schon, angekündigtc Arbeitsmöglichkeit warteten, schwer enttäuscht hat, ist ziemlich lcichr verständlich. Mer Herr Dr. Zweig, von dem man zu Beginn des Artikels annchmcn durfte, daß er diese oberste nationale Forderung der Zentralisierung der Arbeit und Arbeiter fonnc der gleichmäßigen Verteilung anerkennt, entpnvpt sich plötzlich als Verteidiger des Privatunternehmers und stellt die Arbeiterorganisation als Feindin des Privatunternehmers hin. Er nnrd plötzlich von einer Fwrck. „der Privatunternehmer in Gefahr" übermanut nnd nimmt die Interessen der Privatunternehmer so sehr in Schutz, daß er auf die Frage, iver für die Demonstration verantwortlich sei, zn antworten vergißt. Oder besser gesagt, er überläßt es dem Leser, und dieser muß — und nicht wenige haben es mir gesagt, und das ist eS auch, was mich ihm zu antworten veranlaßt -- am Schlüsse der Lektüre seine-S Artikels schließen, daß wieder einmal der palästinensische Aroeiter und seine sündige und „historisch gewordene" Organisation an der Demonstration schuldig sind. Tr. Zweig geht in seinem Irrtum so weit, daß er einerseits die Leistungen der Organisation anerkennen muß — „hiermit wird zweierlei bezweckt, einmal wie bisher stets die Ausbildung der Neulinge zu ermöglichen und jetzt insbesondere die Korrrirnpi.wung von Arbeitern durch dauernde Nichtbeschäftigung zu verhindern" — anderer Kits felgende hstzu logisch im Widerspruch stehende Worte niederschrcibt: ,,... war sie (die Arbeiterorganisation) bescheiden und hat sich offenbar schon (von mir unterstrichen) der durch die Arbeitslosigkeit im Lande gegebenen Zwangslage gefügt." Womit Tr. Zweig die unlogischeste und unkonseqnenleste Annahme ausspricht, daß die Kooperation der Arbeiterorganisation ans das Monopolrecht aus nationale Arbeiten verzichtet hat, so der Ar beilslosigkeir Rechnung tragend. Es ist eine mit Kenntnis oder Unkenntnis genau | verkehrt geschilderte Tatjache, da doch die Arbeiterorganisation bei Großwerden der Arbch.Swsigksit uni so mehr auf eine Zentralisierung der ÄröeitsmöglichkeiteN und gleichmäßige Verteilung dringen muß und um so weniger auf ihre Monopolforderung - w-esi diese in sich r.nt so un.hr das nationale Moment „der gleichmäßigen V.rwilung" nsto. cinschließt verziehen würde, wenn man sie nicht ganz einfach überstimmen würde. Ich glaube, durch meine Ausführungen bewiesen zu haben, daß für uns heute rn Palästina die Wahrung von Ruhe, und Ordnung — was in Ermangelung größerer Mittel vor altem durch gleichmäßige Verteilung der Arbeit geschehen kann — die oberste nationale Pflicht ist und daß die allgemeine Arbeiterorganisation diese nicht leichte Aufgabe zur Zufriedenheit aller stets gelöst hat. Ist dies einwandfrei klar, dann ist cs auch bewiese^ ' daß bi: Ausführungen des Herrn Tr. Zweig nicht im Einklang mit den nationalen Interessen sind, weit er sich bemüht, über dieses und im Gegensatz zu diesem die Lebensinteressen des Privatunternehmers zn stellen. Ich glaube aber, daß die „Morgenzeitung", die sicherlich interessiert sein müßte, Zentralpunkt der verschiedenen zionistischen Meinungen zu sein, sich der Bewegung dienstbar erweisen, tvird, >0:11.11 sie durch die Veröffentlichung dieses Artikels di: Meinung widerlegen wird, daß das Gefühl des palästinensischen Arbeiters, nicht durchhalten zu können, ihn zu dieser Demonstration geführt hat. Jehoschua Vierer. Rücktritt d°c ägyptischen Regierung. K a i r 0, 19. April. DaS ägyptisch: Kabinett ist zurückgetreten. Veranlassung gab eine Abstimmung in der Kammer, in der die Z a glul-Partei gegen die Regierung stimmte. Der Premierminister erklärte, daß insbesondere die ständigen Angriffe auf die Wirtschaftspolitik des Kabinetts die Erschütterung der ReA»rnng fret-- beiaeführt hätten. Ausgeschiaffene Aemeinderäte. Wegen Sabotage der Gemeindearbeiten. 5) am bürg, 18. April. Me auS Helgoland &:•- meldet wird, hat die Gcmeindebertretnng in ihrer letzten Sitzung drei Vertreter wegen systematischer Sabotage der Gemeindearbeiten von der Gemeinde-' Vertretung ausgeschlossen. Erdbeben iu Italien Rom, 18. April. Die Blätter berichten, daß gestern abends um 7 Uhr 5 Mim in Eassin 0 ein Erdbeben von drei Sekunden Dauer verspürt wurde. Um 8 Uhr wicderh ölte sich das Beben, diesmal stärker als da§ erstemal. Die Bevölkerung wurde in großen Schrekken verseht. Wie vermutet wird, liegt das Zentrum des Bebens in den Abruzzen. Ein heftiger Erdstoß in Alasra. New York, 18. April. Aus Kvdiak (Alaska) wird ctu luftiger Erdstoß gemeldet, der eine halbe Minut andauertc. TribSneneinftnrz bei einem Araberseft. Paris, 19. Aprll. Aus Kaiman in Tunis wird gemeldet, daß dort bei einem Ar ab er fest, zu dem auch die Teilnehmer am Kongreß der französischen Kriegsverkündeten, der in Tunis getagt hatte, eingeladen waren, eine Zuschauertribüne ein gestürzt ist. Der frühere Kriegsminister Maghinot wurde lcickst verletzt. Etwa 15 Z u s ch a n c r erlitten mehr oder weniger sch.vv Verletzungen. Trkeffy in Rudapest. Aus Budapest wird uns gemeldet: Der früher: Heraus» oster und ChsfredaAeur der ,/Stunde", Emmerich Aekessy, ist vor einigen Tagen iu Budapest eingetroffen. Bekessy, der sich in Paris zwei schiveren Operationen hatte unterziehen müssen, begab sich in ein Sanatorium, da die Bundheilung einen sehr langsamen Verlaus nimmt und nach ärztlicher Meinung noch eine mehrwöchige Nachbehandlung notwendig erscheint. Er har l>ei den ungarischen Behörden die Solbstanzeige gegen sich wegen der vom Wiener Landcsgericht erhobenen Anschuldigungen erheben. was ihm um so leichter war, da er trotz der Erwerbung der csterreichischcii Staatsbürgerschast auch noch die ungarische S!aa tszi 1 gehö rigke i t b e si tz t. 8?» Mußrieller unter Kuratel. Heinrich. Gartenberg entmündigt, riech einer in der „Wiener Zeitung" verlautbarten Mitteilung des Bezirksgerichtes Margareten wurde der Petroleumindustrielle Heinrich Gartenberg, geboren am 2. Stvtember 1895, entmündigt. Zn seinem Kurator wurde der Industrielle Ignaz Gartenberg bestellt. Heinrich Gartenberg, der mit einer Tochter des jüngst verstorbenen Großindustviellen Wolf aus Eisenstadt im Äurgenland vermählt ist, hat im Laufe der letzten Jahre Schulden in der Höhe von vielen Milliarden gemacht, die seine Fam^ilie veranlaßt haben, um die Verhängung der Kwratel anzusuchen. Wien, 19. April. Ursiall durch eine Miniatnrpistole. Gestern nachts erschien die 17jährige Kontoristin Grete Wester, Obere Donaustraße 6, bei der RettungSgesellfchaft und ließ sich eine Einschußwunde am linken Zeigefinger verbinden. Sie gab an, daß sie sich kurz vorher in ihrer Wohnung mit einer Miniaturpistoke gespielt habe, wobei ein Schuß losgeganaeu und das Projektil Hr i" die Hand eingedrungen sei. Von einem Eiseudähmzug gestürzt. Gestern abends ist der 24jährige Feuewvohrui.anu Pan. Mitscha ans der Fahrt nach Liesing bxVt einem Waggon abgestürzt; er zog sich mehrfache Verletzungen im Gepichte zu und wurde mit dem nächsten Zuge nach Wien Kurüchgebracht, wv er von der NettungsgefeMchaft auf die Unfallsdatton überführt wurde. Bezugsprase der „Wiener Modenzeitung“: Monatlich Wien und Oesterreich.S 5 — Tschechoslowakische Republik.iK 22— Jugoslawien.Dinar 60'— Polen.Zloty 6 — Deutschland.Goldmark 4 — Frankreich, Belgien.Frcs 35 — Italien.Lire 20*— Rumänien.Lei 170*— Bulgarien.Lewa 100*— Amerika.. . . Dollar 1'— Schweiz und das übrige Ausland.Frcs 5*— Oesterr. Postsparkassenkonto 150.093. Gegen Pogromhetze, gegen Pogromhetzer und gegen die Pogromieugner! wählet jüdisch!

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