Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2922 (16.4.1927)
- Date
- 1927-04-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Samstag Wiener Morgenzettung 16. April 1927 Nr, 2922 Uc 2 Leisteteuren Pflichtbeitrag zum Jüdischen Wahlfonds! IBUMIIIBMilftlBfilBBBfelBfllllllflllfllll Vorzüglichste nss Küche Weinspezialitäten nos in den bestbekannten Restaurants fl-, Kohn-Toldi Zirkusgasse Nr. .3 XX., Heinzelmänngasse Nr. Telephon 49*3-28 Telephon 41-2-80 1 isaaaaRi 3m Sturm des Wahlkampfes. -V, Wien, 16. April. Es war wirklich ein kühnes Wagnis des Grazer Theologen Ude, vor einem. Wiener Publikum auf der Fordjermrg nach Moral in der Politik zu bestehen; noch kühner war es, diese Forderung auf die zehn Gebote zurückzuführen, auf die in zehn kinderklaren Sätzen komprimier^ jüdische. Ethik. Was soll die Berufung auf diese jüdischen Worte? Sie sagen einfach zu dem menschlichen Der-, stand, du sollst nicht lügen, Nicht morden, -nicht fremdes-. Eigentum begehren, und sie pflanzen nicht hinter.-jedes Postulat das Bajonett des Muß, weil sie doch meinen, daß. sich das, Moralische von selbst verstehe. Aber wie paßt solche Ermahnung M.diesen Wahlkampf? .Nur ein Fanatiker, der in der Askese den Blick für die Tgtsachentvelt verlören hat, .kann, die zweitausend Jahre Geschichte vergessen, die seit der. Aufrichtung des jüdischen Gesetzes verstrichen sind'. Das. Gesetz ist zum Besitz der Menschheit geworden, aber welches Antlitz trägt es heute? Ausdem Triebzur Lüge, zum Mord und zum Diebstahl ist doch die. Fest von heute.erwachsen. In einer ununterbrochenen Rezidive - sind die Uebel. entstanden, unter denen die Gesellschaft und das Leben der Völker versiecht, und dem einen Ude -stehen Millionen von Weltweisen gegenüber, die ihn herzlich auslachen. ,, ...... >..... . - Ere spricht von der Moral, und er verlangt, daß die' Politik., zu den- Prinzipien des Christentums zurückkehre.- AUS der Versammlung schreien, ihn: ein paar junge' Kerche enWMr/-,Was..ist-.«äb beyv -Juden/-dietdis-.-Mtt..hchkügeN?^' hat- Ude . das > jüdische'.. 'Gesetze erfvzäW,,. das «doch die Grundlage 'christlicher Anschauung geworden ist. Die ihn von .unten, anschreien, wissen «das nicht. -Sie sind Christenja sogar als solche politisch, organisiert und an die Einheitsfront augeschlossen, an -eine ZweckgemÄnschaft, die einen Prediger des- Judenmordes ausgenommen hat, um ihn für die höchste Ehre des-Mannes zu empfehlen, Träger des 'Vertrauenswon.Massen zu werden. Diese ganze Aweck» geMinschast erklärt die Juden samt und sonders, in Bausch u^ch Bogen, in „Berrpf mchMll sie'aus dem Lehen-des Ägafes.-ansschalten. Der.Führer der Gemeinschaft, her Bundeskanzler, hat eine Interpretation dieser Tendenz' gegeben. . Sie ist- .eine polizeitechnische Auslegung, die den persönlichen <Ähutz der. Juden verbürgt, sich aber sofort damit soldiert> -daß auch die Nichtjuden, des Schutzes sicher s^n-, müssen. Die Politik der Einheitsfront geht , also dahin, daß der Riehl nicht morden darf. Wenigstens derzeit nicht. T-ie Hetze zum Mord-kann er. ausüben, und er betreibt sieauch Tag für Tag. Wie kann Udes Hinweis auf. die zehn Gebote bei. solcher Begleitmusik wirken? - < Dieser Wahlkampf ist doch.nur ein kleiner Ausschnitt aus dem-großen Ringen in der Well, Und so wie das Ganze ist auch-der - lleine Teil von Lug und Heuchelei erfüllt. Das Zentrum des Kampfes in Oesterreich sind die Juden.'' Die Einheitsfront, wirft-sie. den Hakenkreuzlern hin- -die Sozialdemokraten rechnenmit der Vergeßlichkeit der jüd^ scheu.Wähler. Um sie aber ganzzu kapern, haben sich' die Sozialdemokraten ein Komitee werktätiger Juden geschaffen, eine falsche Firma,' die das dunkle Geschäft besorgt, unb mit allen. Mitteln an der Arbeit ist. Da wird herumerzählt, daß sich die Jüdischnationalen dem Seipel verschrieben hätten (und der sozialistische' werktätige „Abend" malt täglich dm Zionsstern neben dem Hakenkreuz), daß die- Jüdischnationalen gegen den Mieterschutz wären nndähnlichv ' Dinge. Natürlich gibt es keine' Verbindung von den Jüdisch-nationalen zur antisemitischen Front, und natüu-. lD . treten' die Jüdischnatiönalen, wie doch ihr Aufruf sagte, rückhaltslos für -die soziale Forderung des Steter* Haches ein, den ja nicht die Sozialdemokraten,. sondern die Kriegsregierung des Grafen Stürgkh geschaffen hat.. Aber es ist schon so, daß den Juden, die abseits von ihrer Gemeinschaft gehen, ebenfalls die zehn Gebote aus dem Gedächtnis schwinden. Sie sind, sehr -rasch zu Fronaufsehern avanciert, dieim Dienste , des Pharao ditz jüdischen Sklaven zusankmentreiben wollen. Außer diesen bemühen sich noch die angeblichen- Demokraten um die Juden- 'liMMen. Alle tlm's mit der Absicht, nachher au die so Heißgeliebten zu vergessen. Sie gehen bedenkenlos über die Interessen der ihnen so ans Herz Gewachsenen hinweg. Die Sozialdenwkraten haben keine Erinnerung Mehr daran, daß ein von ihnen, gestellter Kanzler dm Friedensvertrag mit dm Minoritätsbestimmungett unterfertigt hat, was doch auch für die Partei eine moralische Bindung bei deutet. Die Christlichsozialen und ihre Verbündeten sind auf den Nmn-rns Clausus eingestellt und die Demokraten sehen die Juden als Zugereiste am Aber filtf alle ist der Jude, in positiver oder negativer Hinsicht, der Mittelpunkt des Interesses. Das ist viel schmeichelhafte Aufmerksamkeit, und der jüdische Wühler kennt bereits seinen Wert imd seine Pflicht. Wenn aste Welt an die Juden denkt, weshalb nicht auch der Jude selbst? Er hat die jüdische Liste und wird sie wählen. Weil ihm dies seine Ehre und sein Interesse gebietet. Den Juden •*- nur dn'ch Inder geholfen werden. Die Wahlbewegung. Und «och einmal Ude. Die Wiener Landesleitung der Ude-Partei erschien gestern im erzkbsschöflichen Ordinariat, um Kardinal Piff 4 zp ersuchen, er möge bei den kirchlichen Behörden erwirken, daß Prof. Ude, falls er bei den kommenden Wahlen gewählt wird, sein Nationalratsmandat ansüben dürfe. Monsignore Schulenburg teilte mit, daß der Kardinal' .erst nach Ostern wieder in Wien - eintreffen werde. Der Ude-Verband möge unterdessen eine schriftliche Eingabe überreichen. Der Ude-Verband steht auf dom Standpunkt, daß der bloße Verzicht seines Spitzenkandidaten auf die Kandidatur nicht hinreiche, um eine Streichung seines Namens von der Liste zu erreichen.' Auch der Wiener Magistrat vertrete die Anschauung, daß die Landesparteileitung, bezw. deren Zustellungsbevollmächtigter, die Zurückziehung der Kandidatur annrelden müsse. Mit dieser Zurückziehung will sich aber der Ude-Verband noch Zeit lassen, bis eins endgilltige Entscheidung der kirchlichen Behörden vovliegt. : Verbot der Wahlvropagaada an der IluwerfitSt. - In einer Kundmachung hat der Rektor der Wiener Universität das Anschlägen von Plakaten, die sich mit der Wahlbewegung befassen, sowohl für' das Universitätsgebäude als auch für alle Institute, Anstalten und Kliniken verboten. Auch.an den anderen Hochschulen wird die Anbringung von Wahlaufrufen nicht gepulhet. - ’ .. An die Mischen Mer» Wiens! ' Jüdische Studenten und Studentinnen werdm seit Jahren aus den Hör- und Uebungssälen der Hochschulen getrieben und verprügelt. Die akademischen Hetz- Und KrawaLlbüben werden immer damit bestraft, daß die Hochschulen für alle zeitweise geschlossen bleiben müssen. - Im Nationalrat brachte der sozialdemokratische Abgeordneter LeUthner einen Antrag bezüglich der StudeNtenkammern ein, wonach nur Deutsche aus Oesterreich und dem Deutschen Reiche volle Rechte als akademischer Bürger genießen sollen. Die Ausländer (lies: Juden!) sollen gemäß den Grundsätzen von Freiheit, Gleich- , heit und Brüderlichkeit Bürger 2. u. 3. Klasse sein. Ein - jüdischer Student, der in Czernowitz oder in Budapest dem ( Numerus clausus zum Opfer fiel, soll in Wien auch auf . der Stätte höchster Bildung seine Minderwertigkeit als Jude zu. spüren bekommen. Das müßt Ihr Euch merken, das verlangte nicht ein Hakenkreuzler, sondern ein Mann, bfer; ^international" denkt und jedweden Nationalismus aufs schärfste bekämpft," .... Jüdische Eltern! Wollt Ihr, daß aus Hörsälen Schießstörten und aus den Wandelgängen der Universität Nusstellungsplätze für Judenbesud-^ungm und Pogrom'literäö.n wer- . den, dgnn tt-iui.c: nuc die christlichsozial-e-hakenkreuzlerische '■ Einheitsliste! Wollt Ihr, daß der Leuthnerische Entwurf Gesetz'werde, «daß Eure Kinder, Eure Brüder, wenn sie statt in Liirz in Lemberg! zuständig sind, in den Hochschulen nicht ausgenommen werden, dann wählet nur sozialdemokratisch! Wollt Ihr, daß Schwarz oder, Rot auch irr Zukunft alles ungestört tun können, was ihren Parteien' nützt und Oesterreich schadet, dann wählet überhaupt nicht oder wäh-, let, was ebensoviel bedeutet, die zu Mahlzeiten alle vier Jahre auferstehende „demöktätssche Partei". J^ne Demokraten, die einen scharfen Trennungsstrich gezogen imssin wollen zwischen bodenständigen rtnd „zuag'rasten" Juden .natürlich. Jüdische Väter und -Mütter! Wenn Ihr wollt, daß fähige und auftechte Männer sich für Euer Kinder Wohl und Interessen wirksam einisetzen« können, daß jüdische Führer, die sich des Judentums auch z'u Nichtwahlzeiten mit Würde und.Kraft annehmen, Voss -dm Tribünen des Rathauses und. des.-.Parlaments den Parteien unerschrocken die Wahrheit sggen können, dann wählet alle nur die „Jüdische Lifle^ und laßt Euch durch feinet* noch so „werktätigen" Wahlfang beirren! - Das Wahllomitee der jüdischen Studentenschaft. Kommt alle zum großen Jüdischen Eltermrveeting welches Donnerstag, den 21. April, UM 8 Uhr abends, in der Volksküche, 2. Bez., KmMmbüumgasse -.7, stattfinjden! wird. Sprechen werden: Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Dr.JosefLöwenherz, FrauFvanka Riltermann, Chaims; Gelber, Dr. Samuel Schmerler, Leo Menezer. An die Mische Sagend Wiens. -Seid Ihr als Z i o n i st e n an den Wahlen interessiert -' oder nicht? Ueberlegt das selbst, nachdem Ihr die , Ausführungen Eurer Freunde gehört habt. Erscheint in dm Jugendversammlungen, in denen Studenten Kn Euch sprechen - werden. . Das Wahllomitee der jüdischen Studentenschaft Heute,'3-Uhr: Lese-und Redehalle jüdischer Hochschüler, 9. Bez., Türkenstrcrße 9 : MädchenversaMmlung: Rc!dln?.r: Chaim. Gelber, Dr. S. Schmerler, Moses Landau, 'Jakob Stark. . Dienstag, 8 Uhr, im .Zionistischen Sektiousliokal, Prater, 2. Bez., Jungstvaße 8.. Redner: Moses-Landau,. Leo Menezer, Dr. S Schmerler. Mittwoch, 8 Uhr, Vereinsheim, 8: Bez.,-Bennoplatz 1 a: Redner: - Theodor Fell, Chaim Gelber.- Wie die Alten sungen. so zwitschern dlegnngen. Herr. Theodor Fell, der Organisationsreferent des., jüdischen Hochschulausschusses, schreibt uns? Ich habe Gelegenheit gehabt, einer Versammlung der sogenannten „werktätigen Juden" und einer Versammlung der „Demokraten" beizuwohnen. Unter vielen anderen Behauptungen wurde sowohl von den jüdischen Sozialisten als auch von den Demokraten -diese ausgestellt, ihre Jugend werde bewußt jüdis: erzogen und kämpfe für die Gleichberechtigung an den Hochschulen. 3222 B mSSSSSSSSSm B ■ m MMÜMM« W , :=■! Wie alljährlich — verbringen Sie angenehme /J PCND C >n den *12>3.Restauranta „National« i „ZI X AHOF« ZI», Taboxstraße 18 (Eingangdurch das Hotel* Vestibül) VII, Bezirk, üSarlabilferstrafle Nr. 88 a Tel. 44-503 | Tel. 35-5-35 Erstklassige Wiener sowie die bestbekannte orig, orientalische flDÖ Küche. — Solide Preise. Anmeldungen täglich. Feinste in- und ausl. Qualitäts- sowie Original-Palästina-Weine vom Faß und in Flaschen. Sliwowitz und Meth HD&n )N StP Leitung: W. Spritzer. I E 3 : mim .... I '/,■ , a, i;. ■». »|'"T. ..ili-y. M1 ''' 1 .. - -_ ■ ' - - - ' " * "--T— " ' - 1 l'.';1'"*1''1 * " . " ' """ .1,1 „I II,,! I .. I I., ...,.,1. I .—■...■■II.—; Nur die Jüdische Partei kann eure Interessen vertreten! Wählet nur jüdischI