Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2918 (12.4.1927)
- Date
- 1927-04-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Präsident der tschcchw slawischen Republik, Masaryk, ist heute, von Kairo kommend, hier eiugciroffen. Da der Präsident als Privatmann reist, wurde kein offizieller Empfang veranstaltet. Präsident Masaryl beabsichtigt, zehn Tage im Lande zu verbringen. Bei der Besichtigung der Sehenswürdigkeiten von Jerusalem besuchte der Präsident auch die Synagoge. Er wurde während des Gottesdienstes feierlich empfangen und der Oberrabbinec sprach ein Gebet für ihn. Slaytou bei 8b» Saus. London, 11. April. Sir Gilbert & lat) ton ist in besonderer Mission zu Jbn Saud gereist, um mit dem Wahabitensultan politische Fragen zu regeln. Ile Hedlchasbah». London, 11. April. Jbn Saud hat einen Unterhändler nach Syrien und Palästina zum Studium der Möglichkeiten einer Wiederinbetriebsetzung der Hcdschasbayn entsendet. Er hat die Absicht, einen Teil der Bestände an Lokomotiven und rollendem Material zu übernehmen und einzuwilligen, daß dafür die Einkünfte aus dem Pilgerverkehr auf der Strecke Koan-- Medina nach einem noch sestzusetzenden Schlüssel zwischen den drei Staaten anfgeteilt werden. In der Frage der Verwaltung der Bahn aber zeigt Jbn Saud keine Nachgiebigkeit, insbesondere ist er gegen jede Zulassung von Ausländern zur Kontrolle des Betriebes. Na« „Attentat" auf Musiolrrü. Der Prozeß gegen zaniboni und Wem. Rom, 11. April. Unter dem Vorsitz des Generals r^reri, der an Stelle des erkrankten Präsidenten General Sanna den Vorsitz führt, hat heute vor dem außerordentlichen Gericht zum Schutze des Staates der Attentats- Prozeß gegen Zaniboni, General C' apcllv und die übrigen Mitangeklagten begonnen. Die Zugänge zum Justizpalast sind während der Verhandlung von Milizsoldaten streng bewacht, um Neugierige fernzuhalten. Den Verhandlungen kann nur mit einer besonderen Erlaubnis b. i^.:.*■ werden. Zaniboni und seine Mitangeklagten werden gefesselt vorgeführt. Mit Ausnahme des Generals Capello, der an einem Halsleiden erkrankt ist, befinden sich alle Angeklagten in dem eisernen Käfig. Die Vormittagsitzung nmrde mit Verlesung der.Anklageschrift und verschiedener Polizllberichte ausgesüllt. Zaniboni wird beschuldigt, ein Attentat auf Mussolini während einer Ausfahrt des Ministerpräsidenten in Rom versucht zu haben. Die Vorbereitungen zu diesem Attentat wurdet! seinerzeit so phantasievoll geschildert, daß dieser Schilderung wenig Glauben geschenkt werden kann. Zaniboni wird auch beschuldigt, daß er im Friaul einen - t Aufstand vorbereitet und in vielen, Orten. Italiens Aktionskomitees gebildet habe, die nach seinem Altentatsplan Bombenanschläge auf öffentliche Gebäude verüben und alle Telephon-, Telegraphen- und Eisenbahnverbindungen unterbrechen sollten. General C a p e l l o wird beschuldigt, die Finanzier-, rung dieser Organisation durch die Freimaurer vermittelt zu haben. Beide Hauptbeschuldigten leugnen entschieden die ihnen zur Last gelegten Pläne, die sie als unsinnig bezeichnen. Französischer Flottenbesuch i« Spalalo. Belgrad, II. April. Eine Abteilung der französischen Flotte, die sich zurzeit in den rumüüischen Gewässern im Schwavzen Meer aushält, wird, wie berichtet wird, demnächst den Hafen von Spa lato zu einem längeren Besuch der Stadt anlaiif-.'!!. « L o u b o it, 12. April. Das politische Ereignis der» Tages war die Budgetrede des Schatzkanzlers Churchill im Unterhaus, der heute das größte Defizit in der Geschichte des britischen Schatzamtes zu verteidigen hatte. Churchill hielt seine Rede vor überfülltem Haus imd gedrängt vollen Tribünen; sie dauerte 2% Stunden. Das Staatsdefizit für das Jahr 1926 beträgt 36,693.794 Pfund Sterling; es ist, wie Churchill ausft'ihrte, eine Folge des Generalstreiks und des sieben Monate währenden Kohlenarbeiterstreiks, die allein den Staat um 32 Millionen Pfund geschädigt haben. Der Staatsvoranschlag für 1927, erklärte Churchill weiter, sieht Ausgaben von zirka 818 Millionen Pfund und Einnahmen von zirka 797 Millionen Pfund vor, so daß sich ein weiteres Defizit von 21 Millionen Psrrnd ergibt; dazu Nmrden im Jahre 1928 noch nahezu neun Millionen Staatsdefizit kommen. Dies seien die direkten Verluste; die indirekten VGrluste lassen sich n ich t b erechnen. Geichwohl feien d'.e eng i'chen Finanzen durch die Streiks in ihren Grundfesten nicht ersch füttert worden und es sei g^unge'.z. den, Pfund-Kurs al pari zu halten. Churchill befaßte sich dann mit der Deckung des Defizits und erklärte, eine Herabsetzung der Ausgaben, für militärische Zwecke würde eine Panik verursachen. Zur Deckung des Defizits wurden neue Zölle auf Porzellan, Autoreifen, Filme nstv. eingeführt werden, auch die Tabak- und Streichholzzölle sollen erhöht werden, ebenso, die Erbschaftssteuer und die Zölle auf ausländische Weine. Re Rote der Großmächte an die Kantonregielung. Schanghai, 11. April. (Reuter.) Die Konsuln der fünf Großmächte haben heute nachmittags gleichzeitig die Note, worin gegen die Vorfälle in Nanking protestiert wird, dem General Tschankaischek und der nationalistischen Regierung in Hankau überreicht. In der Note wird die Ausfindigmachung und Bestrafung der schuldigen Offiziere sowie pekuniäre Entschädigung für die Opfer und deren Familien verlangt. Der Hakenkreuzlerüberlall aus de» russischen stonfni in Königsberg. Bedauern der deutschen Regierung. Berlin, 11. April. (Wolfs.) Der Leiter der Ostabteilung des Auswärtigen Amtes, Ministerialdirektor Wallroth, hat sich mittags zum Botschafter der Sowjetunion, Kreszinski, begehen, um ihm das aufrichtige Bedauern der Reichsregierung über die Vorgänge in Königsberg ausznsprechen. Er gab dem russischen Botschafter Kenntnis von dem bisher festgestcllten Tatbestand und teilte gleichzeitig mit, daß ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sei. „Mit einem nillWen guten . Nach einer Bekanil.machung der Königsbcrger Kriminalpolizei über den Ueberfall auf den russischen Konsul Kantor hat der Hakenkreuzler Lechel, der der russischen Sprache mächtig ist, angegeben, er habe, als er den Konsul mit mehreren Personen zusammen getroffen habe, gehört, daß sich' der Konsul in abfälliger Weise über die Christen in Rußland geäußert habe. Dies habe ihn so gereizt, daß er sich nicht mehr halten konnte und blindlings auf den Konsul los'chlug. Er will aber hiebei nicht gewußt h?ben, daß er den Konsul vor sich hatte, er habe vielmehr geglaubt, es mit einem r u s s i s (!) c n Juden zu tun zu haben. Nach Aussagen von Zeugen ist die Darstellung des Lcchel erlogen, da der Konsul keine abfällige A e u ß c r u n g getan habe. Infolge des Vorfalles wurden von Schutzpolizeibcamten 2 0 Personen sistiert und der politischen Abteilung des Polizeipräsidiums zur Vernehmung vorgeführt. Mit Ausnahme des Lechel, der dem Amtsgericht überstellt wurde, sind alle sistierten Personen nach ihrer Vernehmung wieder entlassen worden. Stresemanns WrendeleiNignngsprozeß. Berlin, 11. April. (Wolfs.) Im Plauener Prozeß gegen Rechtsanwalt Dr. Müller wegen Beleidigung des Reichsaußenministers Dr. Stresemann wurde heu'.enach mehrstündiger Beratung des Gerichtes folgendes Urteil verkündet: Der Angeklagte »vird wegen öffentlicher Beleidigung zu 10.000 Mark Geldstrafe verurteilt, an deren Stelle inr Falle der Uneinbringlichkeit 100 Tage Gefängnis zu treten haben. Die Kosten des Verfahrens trägt der Angeklagte, der auch die dem Nebenkläger erwachsenen notwendigen Auslagen zu erstatten hat. Dem Nebenkläger wird die Befugnis zugesprochen, den/, verfügenden Teil des . Urteils auf Kso^ ften des Angeklagten innerhalb zwei Wochen nach Erlangung der Rechtskraft in einer Reihe von Blättern zu veröffentlichen. König Ferdinand. »Bukarest, 11. 2lpril. (Tel. Comp.) Das Befinden König Ferdinands ist andauernd gut. Es werden keine Bulletins mehr ausgegeben. Bersassnngskömpfe in Lransjordanie». I e r u s a l e m, 10. April. Die bisher seit vielen Monaten in T r a n s j o r d a n i e n herrschende ungestörte öfscrrlliche Ruhe ist in den letzten Tagen einer weitere Kreise umfassenden Erregung gewichen. Der Sitz der Unruhe ist die Stadt Jrbid im nörlichen Transjordanien. Der transjordanische Ministerpräsident Hassan Chalid Pascha hatte sich vorige Woche nach Jrbid begeben, um die Erregung zu meistern. Sein Besuch blieb aber erfolglos und in den letzten Tagen sind in Amman, der Hauptstadt ees Landes Proteste von den Notabeln von Jrbid eingelaufen, die auch von einer Delegation vertreten Würben. Die Hauptgründe der Unzufriedenheit liegen in der Nichteinführung der Verfassung durch die transjordanische Regierung. Bekanntlich war im Dezember eine Notabelukonferenz einberufen worden, um die Grundlagen einer Verfassung auszuarbeiten, doch hatte die Regierung diese Konferenz aufgelöst und ihrerseits Vorschläge nach London zu einem Verfassungsentwurf gesandt, der von den transjordanischen Notabeln für ungenügend erachtet wurde. Daneben gellen die Proteste auch dev Einbeziehung Transjordaniens in das Konzessionsgebict der Ruthenbergscheu Palestiue Electric Corporation, deren Konzessionsurkunde vor kurzer Zeit amtlich verlautbart wurde. Bereits in den letzten Wochen war cs zu Drohbriefen und Ueberfällen geheimer politischer Gaffellschaft en gegen mißliebige Personen gekommen und an dieser Konspiration sollen sich auch Beamte der transjordanischcn Regierung beteiligk haben. In diesen Tagen ist auch das neue Budget für Transjordauien bestätigt. Mmden. Es weist mit einem Betrage von 320.000 Sterl. eine ansehnliche Erhöhung gegenüber dem Vorjahre auf. sr f Bevor sie ffoffe überzeu den ko Kaufen, überzeugen Sie sich von der Auswahl und den konkurrenzlos billigen Preisen der RESTEN-VERKAOFSGESELLSCHÄFT 2 wawiAWgroteyiiAOTe a (Provinz musteeversano 11