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Wiener Morgenzeitung · 1927-04-11 · Heft 2917 (11.4.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2917 (11.4.1927)
Date
1927-04-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 Wien, Montag Nr. 2917 r.: #*?:/»T.'.^7"sl Wiener Morgeszeitung n. April 1927 Auf den Spuren ver sumerischen Könige. Aus London wird uns geschrieben: Die englische Orford-Field-Expedition, die seit Jahren in Mesopotamien AuSgr-abttnge-arbeiten vorinmink, hat am 20. März ihre Arbeiten in K i s ch, der babylonischen Stadt arn Tigris, die im dritten Jahrtausend v. Ehr. die Hauptstadt eines gleichnamigen Königreiches fv-ar, für diese Saison beendet. Die Arbeiten galten in der Hauptsache der Freilegung des Tempels der Erdgottheit, der sich in gut erhaltenem Zustand befand. Watelin, der Leiter der Ausgrabungsarbeiten, hat das gewaltige Bamverk vollständig freigelegt, dessen letzter Bauherr König Nabonetos war, der von 556 bis 539 über Babylon herrschte und der Vater des Belsazar gewesen sein soll. Der hohe Tempelturm, der aus plankonvexen Ziegeln der sumerischen Frühzcit erbaut ist, verblieb in unfertigem Zustand und ist niemals vollendet worden. Nordöstlich von ihm befindet sich der herrliche Bau des Nabonetos mit Mauern, die noch in einer Höhe von sechs bis acht Metern erhalten sind. Man 'hat es hier mit einem wundervollen Muster babylonischer Tempelarchitektur zu tun. Der Bebäudekomplex umfaßte annähernd 33 Quadratmeter, seine Außenmauern waren mit T-förmigen falschen Säulen geschmückt. In mühseliger Arbeit wurden die siebemmdzwanzig den Hof und den Mitteltempel flankierenden Räume vom Schutt gesäubert, der aus Kleinbahnen nach >der Ebene fördert wurde. Nach der Freilegung des Tempels ging man daran, einen Schacht unter diesen zu graben, da man hoffte, die sumerischen Bauten zu finden. Diese Erwartung wurde auch nicht enttäuscht. In einer Tiefe von etwa acht Metern stieß man auf Bauwerte, die ebenfalls aus plankonvexen Ziegeln hergestM waren. Man fand außerdem Skulpturen und bemalte Tongeräte aus der sumerischen Frühzeit. Das „Geheimnis von Kisch" gehört zu den lockendsten Problemen dar geschichtlichen Vorzeit und hat die Einbildungskraft der Archäologen lange in Spannung. gehalten. Fünf Jahre lang hat die Oxfovd-Field-Expedition nach den Spuren der berühmten Könige von Sumer, der vorsemitischen Bewohner des Landes, geforscht, jenen Königen, die, wie die Legende erzählt, die erste Stadt nach der Sintflut begründet haben. Ungeheure Arbeit und große Kosten wurden darauf verwendet, die Geschichten der Ueberlieferung und die zuverläsiigeren und historischen Berichte der Zeitgenossen über die Könige von Kisch nachzuprüfen und au^uhellen. Jetzt endlich ist es gelungen, ein Bauwerk der ältesten Könige zu entdecken und zugleich Muster der schwarz und rot gemalten Tongesäße aufzufinden, die man bereits siebzchn Meilen nordöstlich von Kisch, in I e m d e t N a s r, ausgegraben Hatto. Ein Bruchstück eines herrlichen Basreliefs aus Marmor, das eine Opferszene der ältesten archäologischen Periode darstellt, erweckt die Hoffnung, daß es in der nächsten Ausgrabungssaison gelingen wird, das „Geheimnis von Kisch" vollends aufzuklären. Es ist bereits heute klar erwiesen, daß die früheste Besiedlung des mesopotamischen Tals durch die Sumer in der Gegend zwischen Babylon und Bagdad gesucht werden muß. Es kann deshalb kein Zweifel mehr an -der Existenz einer einheitlichen sumerischen 'Zivilisation bestehen, die sich im 5. und 4. Jahrtausend vor der heute üblichen Zeitrechnung von Indien zum Euphrat und von Turkestan nach dem Persischen Golf erstreckte. Sie Roienwald-BIbliothrk kn Luxor. Ans Kairo wird uns geschrieben: In Anwkftnheit zahlreicher Gelehrter und Archäologen als Vertreter der an den Ausgrabungen in Oberägypten beteiligten wissenschaftlichen Gesellschaften in asten Weltteilen sowie der ägyptischen Regierung 'wurde vor kurzem durch Prof. Breasted die von dem amerikanisch-jüdischen Philantropeu Rasenwald gestiftete . internationale ägyptologische Bibliothek in Luxur eröffnet. Rosenwald hat für die Errichtung und Erhaltung dieser Studienzwecken dienenden Bibliothek bisher insgesamt rund 300,000 Dollar gespendet. In seiner Eröffnungsrede wies Prof. James Breasted darauf hin, daß es nahezu ein Jahrhundert her ist, seit Champottion zum erstenmal sich der schtvierigen Arbeit unterzog, Hieroglyphen von altqgyptischen Denkmälern zu kopieren. Erst in den letzten zwei Generationen hat die Entzifferung dieser für die Urgeschichte der Menschheit so wichtigen Inschriftenkunde jene Fortschritte durchgemacht, die uns einen Einblick in das politische und gesellschaftliche Leben der alten Aegypter gewähren urch auch manches Rätsel der Geschichte jener Zeit lösen. Me Ergebnisse öieser Forschungen sowie die wichtigsten Funde bei den Ausgrahngen sind in der nunmehr der internationalen ForschechM zux Perfügung stehenden ägyptvlogischen Bibliothek einer Mstring des' Ehicagoer Juden Rosenwald gesammelt. e Mv Kilometer tilgW legen im regMMigen Dienst die Flugzeuge der Polnische» LuswsvWr^A. V. „Aerolot", Men, 1. Bez., Tegetthosfstraße % Telephon 71-0-84, zurück. Bann und Priese werden schnell und sicher befördert. An unsere Rätsellöser! Der Einfendetermln für unsere erste Preisrätsclkoilkurrcnz endigt am 25. April. Ort und Zeit der Verlosung werden wir noch rechtzeitig befanirtgeben. Unsere Rätsellöser werden gebeten, die ausge füllten Diagramme mit den dag »gehörenden Kupons ln einem Knwert, auf dessen obere Ecke deutlich der Vermerk „R ätfelkonkurrenz" zu schreiben ist, an unsere Redaktion, Wien, 2. Bez., Taborstraße 1—3, einzusenden. Fehlende Nummern können in nuferer Mmmiftration »roch rmchbezogrn werden. Rechtzeitig erkannte Krebskrankheit ist heilbar! Me „Oesterreichische Gesellschaft für Erforschung und Bekampsinrg der Krebskrankheit" übermittelt uns das nachstehende Me rkbl-n t t mit dem Ersuchen um Veröffentlichung. Der Krebs ist in seine» ersten Anfängen ein rein örtliches LeLwn und als solches auch heilbar. Es kommt alles darauf an, schon diese meist unscheinbaren Anfänge seiner Entwicklung in ihrer BÄeutung richtig einzuschätzen mti> durch entsprechende Behandlung seiner weiteren örtlichen wie allgemeinen Ausbreitung vorzu- Üauen. Der Beginn der krybsigen Entartung geht nur selten mit Schmerzen, fast niemals mit Fieber einher. Diestr Kmukheitserscheiuungen gehören erst ihren vorgeschrjittsenen Stadien an, können aber auch bei diesen vollkommen fehlen. Auch anderweitige ausgesprochene Krankheitserscheinungen stellen sich meist erst dann ein, wenn die Neubildung durch ihren Sitz lebenswichtige Organverrichtungen in störender Weise beeinflußt oder durch den Zerfall der krebsigen Wucherung Blutungen entstehen oder Zerfallsstoffe in den Kreislauf gelangen. In der äußeren Haut entsteht der Krebs als hartes, blasses, grießkornähnltches Knötchen oder als weißliche, glänzende, später etwas schuppende Erhabenheit. Derartige und ähnliche, sehr chronisch verlaufende Veränderungen an der Haut, namentlich aber hartnäckig wiederkehrende und krustonbildende Geschwürchen, die keinen Heiltrieb aufweisen, sind d.em Facharzt zu zeigen, zur. Feststellung der Diagnose und Einleitung der angemessenen Behandlung. Auch an den Lippen, an der Munds chleiwhaut, an der Zunge tritt der Krebs zunächst nur als kleines Knötchen oder als kleine Wunde in Erscheinung. Greift die Behcnrdluug schon in diesem Zeitpunkte ein, ehe noch die dazugehörigen Lymphdrüsen in Mitleidenschaft gezogen sind, dann ist Aussicht auf dauernde Heilung gegeben. Es ist besonders beklagenswert, daß die an B r u stkrebs leidenden Frauen, den Anfängen des Leidens keine Beachtung schenken und rrahezu regelmäßig erst nach Monate-, ja selbst jahrelangen Bestehen der Neubildung, weil sie ihnen keine nennenswerten Beschwerden verursacht hat, sich dem Arzte anvertrauen. Inzwischen hat die Geschwulst beträchtlichen Umfang erreicht und ist auch in die Lymphgefäße und Drüsen eingebrochen. Es verdient eben schon die geringfügigste knotige Verhärtung innerhalb der Brust- * prüfe ernste Beachtung. Cs handelt sich ja dabei zum Glück nicht immer um Krebs. Die ärztliche Untersuchung imrd die Diagnose feststellen und rechtzeitig das angem-rfflene Behandlungsverfahren bestimmen. Bei den chronischen Erkrankungen des Magen- Darmtraktes stehen zur Zeit den Atzten so mannigfache Untersuchnngsmethoden zur Verfügung, daß nicht leicht krebsjge Erkrankungen übersehen werden könne», beneu etwa schleppende Magenbeschwerden, Stuhlverstopfungen oder blutig-schleimige Abgänge zugrundeliegen. Es kommt eben auch hiebei alles auf gründliche Untersuchung an. Nament-. lich bei blutig-schleimigen Abgängen finde man sich mit der Diagnose der Haemorrhoiden nicht ab, ehe nicht eine darauf gerichtete Untersuchung den Krebs sicher ausschließt. Für den Krebs der Gebärmutter haben folgende Punkte unbedingte Gellung: Der GehärmuttqrkrM ist dauernd heilbar, weryr die Erkrankung rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Zu spät oder nicht behandelter GebärMutterkreüs führt zum Tode. Me Erkrankung macht bei ihrem Beginne niemals Schmerzen. Blutungen außerhalb der Periode, besonders nach körperlichen Anstrengungen, dann nach Ausspülungen oder nach dem Geschlechtsverkehr, ebenso wie nach vollzogenem „Wechsel" wieder auftretende Blutungen, blutiger oder blutig-wässeriger oder übelriechender Ausfluß machen eine ärztliche Untersuchung dringend notwendig. Die Behandlung der Erkrankung besteht in Operation oder Strahlenbehandlung. Die Entscheidung über die im einzelnen Falle einzuschlagende Behandlung kann nur durch die ärztliche Erfahrung und nicht durch den Wunsch der Kranken getroffen werden. So sehr sich die Wissenschaft darum bemüht, ist — wenigstens bisher — mit Arzsieibehantzkung dem Krebs nicht betzukommen. Bor Kurpfuschern, die Vorgehen, die Krebskrankheit h-jlen zu können, kann nicht genug gewarnt werden. Toderstmz aus dem fünften Stockwerke. Samstag in den ersten Morgenstunden hat sich in der Berggasse ein mysteriöser Selbstmord ereignet, der bisher nicht völlig aufgeklärt werden konnte. Eine achtundzwanzigjährigc Frau, die Gattin des Rechtsanwaltes Dr.. 23., hat sich vom Gang ihrer im fünften Stockwerke gelegenen Woyrrung in das Stiegenhaus gestürzt und ist mit' zerschmettertem Kopf utid gebrochenen Gliednraßen aus der Stelle tot liegen geblieben. Der Rechtsanwalt, der annahm, seine Gattin sei hinausgegangen, mrd sich daher nicht weiter um sie kümmert, suchte sie, als sie nicht zurückkehrte, außerhalb des Hauses. Später erstattete er dann bei der Polizei die Anzeige, daß seine Frau abgängig sei. Erst viel später will er bemerkt haben, daß sie in einem Winkel des Stiegenhauses zerschmettert liege. Das Ehepaar lebte im besten Einverständnis. Erst in der letzten Zeit sollen Meinungsverschiedenheiten aufgetaucht fein und die Frau, die ein schiveres Nervenleiden hatte, nucßte in eine Nervenheilanstalt gebracht werden. Aus dieser kam sie am Donnerstag in ihre Wohnung zurück wtb Samstag beging sie den Selbstmord. Was dieser furchtbaren Tragödie vmausging, weiß man nicht genau, da der Gatte durch das tragische Ereignis an schweren Depressionen leidet und in seine Heimat nach Kolvmea gefahren ist. Zusammenstoß zwischen Auto und Straßenbahn. Mit dem Auto A 17 920 fuhren gestern vormittags der 22jährigc Rauchfangkehrergehllfe Josef Kwest er, der 31jährige Elektrotechniker Michael Balkovic und die 19jährige Marie Adamczik von Lainz gegen die Stadt. An der Kurve in der Hofwiesengasse brach plötzlich das mit Holzspeichen versehene Hinterrad. Dadurch kam das Auto ins Schleudern und ivurde auf das Straßenbahngeleife gedrängt in dem Augenblick, als ein Straßenbahnzug daherkam. Er erfaßte das Auto und schleuderte es um. Die drei Personen wurden auf die Straße geschleudert. Kwester erlitt einen Bruch des rechten Schlüsselbeines und eine Gehirnerschütterung, Balkovic eine Wunde am rechten Auge und Marie Adamczik Quetschungen am Knie. Die Rettungsgesellschaft leistete den drei Persomn erste Hilfe und brachte sie irr das Rochusspital. Die Feuerwehr mußte ausrücken und das Autö, das schwer beschädigt ist, vom Straßenbahngeleise schassen. Der Wert einer Frau. Der Lord-Oberrichter Lord He wart zu Leeds hatte einen schweren Tag; auf seinem Tageskalonder standen 7 7 Ehescheidungsklagen! Seine Lordschast stöhnte als der elfte Fall an die Reihe Tkutt, und schlug dem Advo^- katen der zwölften Partei vor, aus Gründen der Zeitersparnis beide Ehescheidungsfälle zusammen zu' behandeln. Der Rechtsanwalt mußte zugeben, daß die Heiden Fälle statt übereinstiwmten, und so ereignete sich der sicher seltene Fall, daß zwei Ehescheidungen in einer Verhandlung behandelt und zwei Ehen gewissermaßen durch einen Spruch geschieden wurden. Am gleichen Tage legte Lord Hcivart auch den besondderen Wert einer besonderen Frau fest, für die ihr Mann eine »Abstandssumme" von 200 Pfund Sterling gefordert hatte. Der Salomo in Ehescheidungsfällen verkündete daraus: „In Abwesenheit einer Jury fall ich hier den Wert dieser Frau für ihren Mann in Geld nusdrücken, und somit weise ich ihm-Schilling zu!" Muß der Mann beglückt sein, dem diese wertvolle Frau nun augehört! Wien, U. Alprll. Die Bar»erEnmreAMGen in Niederösterreich. Gestern fanden in ganz Niederüswrreich die Wahlen in die Larrdes-LandtvirLschaftskauriiler und in 66 Bezuksbauernkaminern statt. Wie die „Agrarische Nachrichtxnzefstrale" mMt, besetzt der niederösterreichische Bauernbund (christlichsozial) nach den bisher bekannten Ergebnissen dev Abstimmung in lg Bezirken sämtliche 15 Bezirkskammermandate. In allen übrigen Vezirksbauernkamnlern Niederästerreichs hat doc niedxrösierreichische Bauernbund die absolut? Mehrheit. Bon den 990 Bezirkskammer Mandaten entfallen auf die bürgerlichen Parteien 926 Mandate (Bauernbund 835) und an die Sozialdemokraten 64 Mandata. Generaloberst NorlMi-nranoM gestorben. . Samstag abends ist der frühere Generaloberst R otih« Lr'manova im 06. Lebensjahr gestorben. Er hat im Jahre 1915 bcu 'Russischen Vormarsch bei Lapanov und Limanowa aufgehjalten. Selbstmord. Am 9. d. M. nachmittaaS 'hat sich die 21jährige Kontoristin Emilie Kaiser aus einem Fenster im dAten Stock des Hauses Goivschlagstmße 149 auf die Straße gestürzt und ist betMßllos liegen geblieben. Sie wurde ms Elisabethspital gebracht und ist dort bald darauf gestochen. Fräulein Kaiser hatte kurz vorher mit Prem Bräutigam einen unbeedutenden Wortwechsel, bat ihn dann »lm ein Glas Wasser und benMe die wenigen Minuten des Alleirrseins zur Ausführung der Tat. Eine Gedenktafel für den „König Her Reportr". Für den im Jahre 1903 gestocheneir berühmten Reporter der Londoner „Times", Heinrich Georg ypper de Blowitz, der durch seine Findigkeit während des Berliner Kongresses sich den Namen des „Königs der Reporter" erworben hat, wurde in seiner Heinmtgemvinde Bloivistz bei Pilsen, nach der er den Namen de Blowitz angenonnnen hatte, eine Gedenktafel enthüllt. Sie entyätt tut schochischer und englischer Sprache die Inschrift: „Hier wurde Opper de BlowiA, der berühmte Journalist und Korrespondent der englischen Tageszeitung „Times", m voren. tmrim? Die,Tafel ivurde im Verlag fcr .„Times" und dem tschechollmmkrschen Gesandten in London, Jan Masarhk, dem Sohn des Präsildenten, gestiftet. An der Enthüllung nahnren Vertreter der Behörden und der Journalistenorganisattonen teil.

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