Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2913 (7.4.1927)
- Date
- 1927-04-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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| Preis 20 0 | Redaktion, Administration: Wien, IT., Tnhovstr, 1 Telephon 44-0-38, 43449 Ab 6 Uhr abends r Telephon 81-209, 81-0-99 Druckerei: VH., Lerchenfetderatrat* 1 („hm“) Preis«: Wien und Oesterreich durch Po3t oder Vorachloißstellen monatl. 5 Schilling. 6eruZshed!n§un»en fftr das Ausland im Innern des Blattes. orgmreilung Menmmm, 7. «Pr» 1927 (B. Man 8687). BESUCHET drn Wiener Bathauskellerl Die Gemütlichkeit der guten alten Zeit. Wer kommt, wird wie* der Stammgast I SiteM.fiäfev.lSpff, Volkstümliche Preise 1 Mittags - Menüs ä s reo Direktion: OTTO KASERER 9. Jahrgang Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetzteS E gekennzeichnet. MneMer UederW auf dis. Sowjeibotfchast in Wim. Cfti -»»Lftrelch AAngtsollm. — zahlreiche WrlWMS. Peking, 6. April. (Reuter.) Auf Grund einer vom diplomatischen Korps Unterzeichneten Ermächtigung drangen etwa 100 Soldaten Tschangtsolins und bewaffnete Polizei heute morgens in die Sowjetbotschaft ein. ES ertönte ein Schuß und kurz darauf wuicke ein Russe, der sich heftig sträubte, gebunden zu einem Automobil geschleppt und weggesührt. Es wurden viele Russen und Chinesen verhaftet. Ein Maschinengewehr und 15 Gewehre samt Munition wurden in der Botschaft beschlagnahmt. Der Geschäftsträger und andere Beamte werden in ihren Bureaux zurückgehalten. Die Truppen halten die Räumlichkeiten der Botschaft noch immer besetzt. Nach einer weiteren, bisher jedoch noch nicht bestätigten Meldung, hat T s ch a n g t s o l i n die bei der in der Sowjetbotschaft unternommenen Durchsuchung ge- \ fangengenommenen \ 50 chinesischen Frauen rmd Männer sofort hinrichten lassen. Die Behörden erklären, daß Hunde cte von Chinesen im Botschaftsgebäude verstecktgesunden wurden. Der Feldzug Tschangtsolins gegen/die. russische Pro-, paganda werde auch in anderer Richtung fort**; gesetzt. Zw ei Amerikanerinnen, Miß Mitchel,' die frühere Herausgeberin der chinesisch-amerikanischen Nachrichtenagentur, und Miß Bürten, winden von der chinesischen Polizei unter der Anschuldigung,; mit den Kantonesen in Verbindung gestanden zu haben, verhaftet. M dir mmilea dr§ MllerSMM». Berlin, 6. April. Die Meldung von der Besetzung der russischen Botschaft in Peking durch Soldaten Tschangtsolins veranlaßt den „Vorwärts", das sofortige Eingreifen des Bülterbundrats Aktion Tschangtsolins sei eine a k u t e K r i e g s g e f.a h r zu fordern. Das Blatt erklärt, das . Ergebnis der zw i s chen der Sowjetunion und jenen Mächten, die diese völkerrechtswidrige Provokation verschuldet hatten. Um unabsehbares Unglück zu vermeiden, müsse jetzt schnell gehandelt werden. Ein sofortiges Eingreifen des Völkcrbundrates sei noch nie vorher so dringend notwendig gewesen, wie jetzt. Das Blatt appelliert an Dr. Stresemann als den derzeitigen .Vorsitzenden des Völkerbundrats, nicht' zu zögern, auch dann nicht, wenn England eine solche Völkerbund Intervention ungern sehen sollte, ja selbst dann nicht, wenn das v ö Ike r L u n d f e i n d l i ch e Sowjetrußlanid keinen Wert auf eine Schlichtung des Konflikts durch den Völkerbund lege. MMtung eines AvAlrals. London, 6. April. General Tschang-TH,ri-2-Ts'.hmg hat den Admiral Pi-Tschurig-Tschen enthaupten lassen, weil er Schanghai den Kantonesen aUsige liefert habe. . 1' : Eine Wim-Jebatte im MeMm. London, 6. Weil. Im Unterhaufe teilte Chambe rkaiu auf eine Anfrage mit, die britische Regierung habe keiiierlei Absicht, sich in den chinesischen B ü rgerkrieg ziehen zu lassen, welche Gestalt er Mich inmier anuchmen möge. Die Debatte wurd: von Macd v nald eingeleitet. Er erklärte u. a., die Entsendung von Streitkrüften nach China habe die britischen Verhandln n g Z sch w i e r i g k e i t en beträchtlich vermehrt und zweifellos Argwohn bezüglich der wirklichen Absichten der britischen Negierung verbrei'.et, wenn er selbst auch der Ansicht sei, daß dieser Argwohn grundlos sei. Macdona.d sprach sod.inn seine Befriedigung darüber aus, daß die Noten, die heute überreicht werden sollen, keine Ult.imata sind. Er Wat für we!- Icre Verhandlungen, für eine Erklänmg, daß der britische Standprulkt fortbesteh«, und für eine Untersuchung durch einen vom Völkerbund ernannten Ausschuß ein. Im Anschluß an die Debatte fand eine Abstimmung statt, in der der Negierung nM»277 gegen 177 Stirn»- men btie V o v 1 r an e u ausgesprochen wurde. Krise ln den WrreWfch'tfchechoflowalischm Handelsverhandlungen. Ar österreichische« Borfchlstge nilgenügend. - KkMsche Lage. Prag, 6. April. Wie Lie offiziöse „Prager Presse" meldet, sind die HandelSvertragSverhaudlungen m i t O e st e r r e i ch, die erst Montag wieder aufaenvmmen wurden, schon an einem kritischen Punkt angelangt. Die Vorschläge Oesterreichs wurden heute in dar WirtfchaftSmmifterien einer Ueöerprüfurrg MMgen und für «ngenügend vefnnde«> so baß mich diesmal der Beschluß des MinisienUM lehnend arrsfallen dürste. Eure solche Entscheidung hätte zm Folge, Äs/ die Möglichkeit, noch vor dem 15. April' zu einer Einigung zu gelangen, als g e fAwUKd e n angesehen werden müsse. Die nenar Propositionon der Oesterroicher iMtersche-rbcu sich nach der „Prager Presse" sehr wenig von den «rsprünglichen, vom tschechischen Ministerrat alö unzureichend Vezeichneten Vorschlägen. Sie MMgung om BaKm. Bsr drr MlWe der wgoslüwM.ltMei:!!Lca Sei» lMMmse«. Belgrad, 6. April. Der Ministerrat beschäftigte sich heute mit der außenpolitischen Lage und erteilte dv-n Außenminister Dr. Perle die ErmächLigüng. zur Aufnahrne dir e k L e r V e r h a n d l u n g e n m.i t I t a l i e n.. Der-Besinn dieser BerhmWmKenZMt u n mittelbar 6 e v o r. ' Die Vechandkungen .werden i n N o m stoischen - Mussolini iirift dem jugoslatvischen Gesandten Na kr e geführt werden. Die Basis der Verhandlungen zur Beilegung des jungst aufgetauchten jugoslawisch-italieni-schen Konflikts wird von beiden Negierungen - g eh eimgehalte n. . —~r ' I . 1; MW« in Km. Vercinbarmrg über den Hafen von Fimne. R o m, 6. April. Ministerpräsident Mussolini gab gestern abends zu Ehren Bethlens ein Bankett, bei dem die solchen Anlassen gemäßen Trinksprüche gewechselt wurden. Heute fand die übliche Audienz Leim König statt, der Herrn Bethlen ein Frühstück gab. gleichzeitig mit dem Freundschaftsivertrag wurde, wie bereits gemeldet, die Note unterzeichnet, durch, die von den beiden Regierungen die von den italienischen und ungarischen Sachverständigen erzielten Beschlüsse über die dem ungarischen Verkehr im Hafen von Fiume zu gewährenden Erleichterungen gutgeheißen werden. Dies scheint das einzige konkrete Ergebnis dieses Besuches zu sein, den Mussolini anscheinend als Demonstration gegen Jugoslawien ausnützen will. BeMn vertilgt die sieftoarotfm ( N o nt, 6. April. In einer Unterredung mit Journalisten über den Legitimismus erklärte Ministerpräsident Graf Bethlen: Die monarchistische Frage hat für uns kein unmittelbares Jnteresse. Sie hängt mit inneren und internationalen Rücksichten zusammen. Da wir ja gut nachbarliche Beziehungen mit den anderen Nationen loyal aufrechterhalten müssen, müssen wir streng die Verpflichtung rospektieren, die wir übernonimen haben, die ungarische monarchistische Frage ohne 'Zustimmung der Botschafterkonferenz nicht zu behandeln. Sek Mlralameeikanische Saliern. Washington, 0. April. Die Gesandtschaft Nicaraguas in. Washington meldet, daß die liberalen Truppen bei. Muh muh entscheidend besiegt worden sind. Mehr als tausend Aufständische wurden dort unter starken Verlusten zurückgeworfen.' Zu gleicher Zeit ist eine Abteilung Liberaler, die das GroS der Armee verstärken foT'V von den Neglerungsln'w".',; geschlagen tvordvn. tz Mnedor AiMSW verdiMrtt. Der Slkger unverletzt. Newyork. S. April, iuiö L'UMlig de PinHyF »st in Roofrvelt (Arizona) vor feinem Aufstieg in Brand geraten. De PtNodo bliev unversehrt. DrrÄ Uug» zeug wkirde durch die Flammen zerstört. 29 Fahre KoAMtzzionismus. Der EKekellNiskUf der ziüMWen EreNlve. Dr. Ehaim W e i z m a n n, Nahum S o k o l o w und alle Mitglieder der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation erlassen einen Aufruf zur Leistung des Schekel, in welchem es heißt: . ,-Zionisteni Am 1. Elul 5387 werden dreMg - Jahre verflossen sein, seitdem von der Tribüne des ersten Kongresses der Weckruf des politischen Zionismus in die Weite drang. Mr sind es dein Andenken des ersten Kongresses schuldig, daß der nächste Kongreß — ein Jubiläums- Kongreß — auch in seiner äußeren Wirkung von der vollen Krastentsaltung der zionistischen Bewegung getreues Zeugnis ablegt. Der Kongreß ist das Willensinstvument des organisierten Zionismus, er spiegelt in seinem Ausmaß die Dimensionen unserer organisatorischen Energien wider. Er repräsentiert nach dem Gesetz, das wir selber uns gegeben haben, die Ziveitausendschaften aller Juden, die sich z u m B a s e l e r P r o g r a m m bekennen. Es ist höchstes politisches und moralisches zionistisches Interesse, daß der 15. Kongreß befugt ist, im Namen vieler Hunderttausender von Juden zu redeuMnd zu handeln, Zionlsten! Der Kongreß ist'die legitime Bert r e t u n g d e r S ch e k e l z a h l e r, Es ist höchste Zeit, .daß die Schekelarbeit, die aus mancherlei Gründen in den letzten beiden Jahren an Bedeutung hinter den Aktionen, unserer Fonds zurücktrat, mit aller Energie und mit dem Einsatz aller Kräfte in Angriff genommen und in - den nächsten Wochen auf ihren Höhepunkt geführt wird. Die Exekutive hat daher beschlossen, die Monate Nissan und Jjar zu Schekelmonaten zu erklären. In diesen Monaten soll in allen Ländern, überall wo Zionisten leben, die Verbreitung des Schekels im Mittelpunkt der zionistischen Arbeit stehen. Jeder zionistische Führer, gleichviel welchen Grades, ist mit dafür verantwortlich, daß das Evgcbnis der Schekelaktion dcs Jahres 5687 von der organisatorischen G r ö ß e u n d Kraft de.r zionistischen Bewegung beredtes Zeugnis ablegt," Las poinMe FachveMndiiie.üü«Me für Miuderheitsfrasen. W a r f ch a u, 6. April. Wie seinerzeit gemeldet, würde zu Enquetezwecken über Angelegenheiten der natiorialen Minderheiten ein Sachverständigenkomitee aus drei Personen (die Herren Wasilewski, Löwenherz und Holowka) eingesetzt. Diese Kommission trat Montag zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Herr tzolowka, der die Berufung nicht angenommen hat, war nicht erschienen. Der Beratung wohnten . mich Vertreter des Innenministeriums sowie des Handels- und Arbeitsministeriums bei. Die erste Sitzung brachte keine konkreten Anträge. In der Dienstag-Sitzung befaßte sich die Kommission mit der Ausarbeitung der Grundlagen für eine Enquete über die sprachlichen und Berwaltungsangelegenheiten Ostgaliziens. Für die Mittwoch-Sitzung wurde beschlossen, sieben Vertreter der jüdischen Bevölkerung aus ^verschiedenen Wirtschastsschichten beizuziehen, um ihre Anschauungen in der Frage der Z w a n g s s o n n t a g sr u h e kennenzulernen.