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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-27 · Heft 2902 (27.3.1927) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2902 (27.3.1927)
Date
1927-03-27
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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Men. Sonntag Wiener Morgenzettnnn 27. März 1927 Nr. SWS eeltc 8 JÜDISCHE WEIT Zionistische Sektion VI VIII _VIII. ,ß enoopl atz 1 a.__ Dienstag, den 29. März 1927, 8 Uhr abends VORTRAG Dr. FRITZ LÖHNER-BEDA Der Fluch des Journalismus. Judentum und Presse. Karten im Vorverkauf von S —80 bis S 2'— im Sekretariat zwischen */,4 bis V36 Uhr nachmittags. Telephon 26-2-69. E Re Werreichifche Gesellschaftsreise nach Nordamerika. Eni Prospekt des O c ]t c r v e i cf) i j cf) c n V c v. -e h x S - b urcct u S rundet für Mai dieses Jahres die Veranstaltung einer G c f e 11 f dj a f i <3 r o i f o n a di R o t d a m o v i f u als Wiederholung der im Herbst des Vorjahres durchgesi'ihrten gleichen Reise an. Das sehr inier.'sfante Programm sieht Aufenthalte in Paris, in Nerv Porst Philadelphia. Atlantic-City, Wkrshington, Chicago, Detroit, Ciev-eland und die Fahrt zu den Niagara-Füllen vor, verbunden mit der Besichtigung der DcHenswürdigleiten der Städte und der Nalnrschöuheiten des Landes und 'mit dem Besuche der großen amerikanischen Industrieanlagen. Für diese Reise, die mit der Abfahrt von Wien am 4. Mai beginnen und mit dem Wiedereintreffen der Teilnehmer kt Wien am 22. Juni endigen wird' und die insbesondere den österreichischen Industriellen und Kaufleuten Gelegenheit geben soll, die gewaltigen Industrien der Union aus eigener ^Anschauung kennen Zu lernen, dürste auch diesmal reges Interesse bekundet rverden, um so mehr, als die Reisekosten als sehr mäßige bezeichnet werden müssen. In dem Teilnehmerpreis sind 'alle Kosten der europäischen und amerikanischen Bahnfahrten, die Schlafwagenplätze in Amerika, die lieber fahrt auf den großen Dampfern der Compagnie Generale Tmnsaklaiiiigue von Le Havre nach Nerv Port und retour mit Verpflegung an Bord, die Hotels mit Verpflegung in Paris und in den amerikanischen Städten, die Besichtigungen, Ausflüge, die Autofahrten, Vergnügungen, die 'Trinkgelder und selbstverständlich auch die M'ihrumg inbegriffen. Eine.besondere Annehmlichkeit wird diesmal den Reise'teilnehmern. durch die Beistellung eines Rciiemarschalls des Oesterreichischen Vcrkehrsöureaus geboten, welcher die Reisegesellschaft ab Wien und während der ganzen Däner der Reise begleiten wird, ohne daß hiefür irgendein Entgelt zu leisten sein wird. Es ist wohl zu erwarten, daß sich viele Österreicher die seltene Gelegenheit nicht entgehen lassen werden, an einer Veranstaltung teilzunch'.nen, die wie diese Gesellschaftsreise nach Nordamerika im höchsten Maße interessant und instruktiv zu werden verspricht. PerWes war durch seinen Geist bekannt. Den feinerseitö er von Aspasta erstand. Doch Latz die Frau berühmt an jedem Orte, Das macht, weit fle von Huber-Efstg eine Sorte. Ueberall erhältlich. E Sin itranöerfames Frühjahrsmörche« voll prüchttger Wirklichkeit. -Dieser Eindruck wird in' jedem Besucher des Krupnik- Palais beim' öAnblick der farbenfrohen' ÄtannigsnttigLiti entzückender Modeschaffungen voll eigenartigen Schicks sofort lebendig. : Aber so zauberhaft schön diese duftigen Kunstwerke erlesenster Modekunst sind,, so märchenhaft billig sind 'sie auch, so daß niemand dieses großartige, in seinen Leistungen tftgächlich'unerreichte Dorado der Mode unbefriedigt verläßt. Im Interesse unserer geehrten Kunden bitten wir auch,, den Bonnittag zum Einkauf zu oenüven. E Lstern kommt und cs wird Zeit, sür das Frühjahr vorzusorgen. Täglich lausen ber uns in allen Abteilungen Neuheiten für das Frühjahr ein. und ein Rundgang durch unsere KauslMlser wird Sic mühelos über alle neuen Modeschöpsungen informieren. Unser Inserat ans Seite 15 kündigt Ihnen einige interessante Spezialverkäufe an, die wir Ihrer besonderen Aufmerksamkeit empfehlen. A. Gerngroß-Ll.-G. E Prachtvolle Frühjahrrstofse der modernsten Arten -lausen Damen und Herren infolge kleiner Regien und direkten Fabriksöozuges konkurrenzlos billig nur bei Svann u. Fried, 6. Bezirk, Linke Wienzeile 40, im Hose. E Schau', Mutti, was für billige und schöne Kinderschuhe Del-Ka im Inserat auf Seite 16 bringt! Beim Einkauf von Kinderschuhen ein praktisches Geschenk für den S-chnlgebrauch. E Bei Menschen, die niedergeschlagen, abgespannt, zur Arbeit unfähig sind, bewirkt das natürliche „Franz-Jose.f"-Bitterwasser freies Kreisen des Blutes und erhöht das Denk- und Aribeitsvermögeu. Führende'Kliniker beweisen, daß das Franz- Josef-Wasser auch Für geistige Arbeiter, Nervöse und Frauen ein Darmöffnungsmittel von hervorragendem Werte ist. L Altersbeschwerden werden durch Radioskleriu vorgebeugt und gelindert. Das radiumhaltige, frei verkäufliche Radiosllerin erhält die Arterien elastisd), es bewirkt eine Verdünnung des Blutes, verhindert. Kalkablagerungeu in den Blutgefäßen, befördert die Blnt-zirknlation und erhält daher die unverminderte Arbeitsfähigkeit bis ins hohe Alter. Der Radiumgehalt wird amt'lick) geprüft. HauPtdHwt: Apotheke Bayer, Wien, 1. Bezirk, Wollzeile 18. L Ein bewährtes und erfolgreiches Mittel zur Vorbeugung mrb; Bekämpfung der am meisten gefürchteten Alterserscheinung, der Arterienverkalkung, ist der Sklerolsirnp nack) Univ.- Proß Dr. Mladejovsky. Der Stlerolsirup fördert den durch die Verkalkung behinderten Blutkreislauf und behobt damit dix Ursache, die' die Ältersüeschwerden, wie Schwindelanfälle, Beklemmungen, Angstgefühle, Atemnot u. dgl. hervorruft. Der Stlerolsirup ist in Apotheken erhältlich. Generalvcrtrieb: Apotheke C. Brady, Wien, 1. Bezirk, Notentnrmstraße 18, Ecke Fleischmavkt, wo auch Literatur kostenlos erhältlich ist. Jer Beichtrabbiner. Eine assimilatorische Verrücktheit. Wenn cs nicht ein Purimwitz ist, so könnte es sicher ein dankbares Thema für ein Purnnspftl äbgeben. Ein protestantischer Pastor in Amerika, Reverend Harry Emerson Fosdick veröffentlichte unlängst einen Artikel, in dem er für die Wiedereinführung der regelmäßigen Beichten, wie sie in der katholischen Kirche üblich sind, auch für die protestantische Kirche eintrat. Diese übrigens von den Protestanten abgelehnte Anregung ging dem Reformrabbiner Samuel Thur man in St. Louis so sehr in den Kopf, daß er schnurstracks beschloß, in einer Gemeinde die Beichte cinzuführcn, oder, tvie er es umschreibt, „wöchentliche bestinnnte Stunden festzusetzen für solche Juden, die die Gelegenheit wahrnehnien möchten, sich durch die Beichte von ihren Sünden und seelischst Beschwernissen zu befreiett ..." Die gesamte jüdische Presse in Amerika lehnt diese Verrücktheit des unbeschäftigten Reformrabbiners als unsilbisch mit Entrüstung ab. Es nützt Rabbi Thurm an jetzt wenig, daß er nachträglich erklärt, nicht an die Erteilung von Absolutionen nach katholischem Muster zu denken; man hält ihm mit Recht vor, daß es andere, in der jüdischen Tradition begründete Mittel gibt, ein engeres Verhältnis zwischen Rabbiner und Genteinde zu schaffen und wer sich dazu unfähig zeige, sich lieber um einett andcrett Erwerb tlntschauen möge, als seine Gemeinde auf die Irrwege der völligen Entjudung ztl führen. Erweiterung der jüdischen Wauderersürsorse in Seutschland. Der vor einigen Tagen erschienene Tätigkeitsbericht der Hauptstellen für jüdische Wandcrerfürsorge in Deutschland für die Zeit vom 1. April 1925 bis 31. Dezember 1923 stellt fest, daß die Organisation in den Provinzen und Ländertt nahezu abgeschlossen ist. Ein umfangreiches Meldesystem stellt die ständige Verbindung zwischen den einzelnen Kaffen untereinander und mit der Hauptstelle ber. Bon den durch die Hauptstelle zusammengesiaWn Untcrveröänden sind während der Berichtsperiode im ganzen zirka 25.000 Wanderer erfaßt worden.. Es handelte sich zum allergrößten Teil um Personen, die die Reise nach ihren: HeimatSorte antreten mußten. (12.000 Personen). An Reisekosten wurde ein Betrag Von zirka 140.000 Mark aufgewandt, Unterstützung wurde in Höhe von 60.000 Mark gewährt. Im neuen Arbeitsjahr wird die Hauptstelle nach Beendigung der Organisationsarbeiten, insbesondere dem Problem der Produktivierung per jüdischen Wanderung ihre Aufmerksamkeit zmveudeu. Herabsetzung der Steuern zur jüdischen Gemeinde Berlin. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat beschlossen, die Steuern für das Jahr 1927 auf 10 Prozent der Reichseinkommenstener des Jahres 1926 (int Vorjahr 15 Prozent) herabzusetzen. Weibliche Hospitanten am Breslauer Rabbiuerseminar. Dem soeben veröffentlichten Bericht des Breslauer Rabbinerseminars ist zu entnehmen, daß in dem Berichtsjahr ein Zuwachs pon 15 neu eingetretenen Hörern zu verzeichnen war, was darauf schließen läßt, daß die jüdische Jugend in Deutschland mit Rücksicht auf den fühlbaren Rabbinermangel sich wieder dem Rabbinerberuf zuzuwenden beginnt. Insgesamt wurde das Seminar von 40 ordentlichen Hörern besucht. Bon besonderem Interesse jedoch ist die Mitteilung, daß von den neun Hospitanten, des Seminars sechs Damen waren, eine Neuerung, die bisher ivenigstens in Deutschland nicht beobachtet wurde. Rn Gefamtarchiv der deutschen Fnden. Wie die I. T. A. aus dem Gesamtarchiv der deutschen Juden erfährt, ist die Mtion zur Sicherstellmvg der Akten aus den jüdischen Gemeinden der deutschen Grenzmark jetzt zmn Abschluß gekommen. Es ist gelungen, aus einer Reihe der wichtigsten bzw. der am meisten gefährdeten Gemeinden dieser Grenzgebiete die Gemeinbeabten zu erlangen. Die neuen Bestände gehen mit ihren Nachrichten mehrfach bis -in das 18. Jahrhundert zurück. Die Neuerwerbungen bilden eine Ergänzung zu den im Gefamtarchiv bereits vorhandenen Aktenmasien aus den jüdischen Gemeinden der jetzt polnisch gewordenen Teile von Posen, Westpreußen Mid Oberschiesien. Reiben diesen Dokuimenten besitzt das Gefamtarchiv aus fast allen Teilen Deutschlands zahlreiche und viellfach sehr weit hiimus reichende Attendepots, die ein' umfassendes Bild von deni vielgestaltigen Leben der jüdischen Gemeinden venmitteln und den Grundstock für Personen- und familiengefchichttiche Studien abgcben. Auch von privater Seite und von Vereinen und Verbänden sind dem Gesamtarchiv historisch wertvolle Schriftstücke und Verwaltungsalkte in großem Umfange zugefährt worden. Die Frage der verlaffeneu Frauen. Zu dem.Bestreben, das traurige Schicksal der ungeheuren Zahl jüdischer verlassener Frauen (Agimoth) nach Möglichkeit zu mildern, griff das Warschauer Rabbinat zu einem originellen Hilfsmittel. Es beschloß, die Liste der v e r m i ß t c n Ehe m ä n n c r in Druck M legen und an säiutliche Rabbinate tu Polen, Rußland iurd Amerika mit dem Ersuchen zu versenden, die Liste an jedem Sabbat und Feiertag anläßlich der Verlesung der Thora ' zu verlautbareu. Mart hofft aus diese Weise wenigstens einem Teil der Ehemänner, die ihre Gattinnen treulos verlassen habcit, auf'die Spür zu komme::. Der jüdische Entdecker der Borpslawer Naphthagruben. Vor einiger Zeit erschien in einer Fachzeitschrift cjn Ausiatz über die Entstehung und Entwicklung der Naphthaindustrie in Galizien. Ein Leser unseres Blattes schreibt uns hiezu: Der Entdecker der Boryslawer Naphthagnlbcn war ein Jude. Vor achtzig Jahren wohnte in dem damals noch armen unbeachteten Dörfchen Boryslaw ein jüdischer Milchhändler namens Abrahaml Schreiner, der ein recht arinseliges Leben führte. Er brachte die Milch nach Drohobycz, wo er sie selbst an die Konsumenten abgab. Schreiner hatte auch einen Nebenverdienst, er sammelte Erdöl, das in' der Umgebung in großen Massen vorhanden war, „fabrizierte" es in der Sonne und produzierte daraus eine Wagenschmiere, die er an die Bauern der Umgebung verkaufte. Eines Tages, es war sehr kalt, brachte Schreiner ein Quanttnn Erdöl in das Zinnner und stellte es' in cineul Blechgeschirr auf den geheizten Herd. Das Erdöl entzündete sich, lvorauf Schreiner es mit einein Deckel zudecktc. Als er den Deckel Nach kurzer Zeit emporhob, fand er eine wässerige Fliissigkeit vor. Schreiner nahm einen Lappen,, uw das „Wasser" ivegzuwischen, aber der Lappen fing auch Feuer. Zu seiner größten Verlvunderuug beobachtete Schreiner, daß der Tuchlappen lvohl zu brennen schien und eine Flamme hervvrbrachte, selbst aber nicht verbrannte. Schreiner nahm nun einen Knoten) tauchte ihn ist' die Flüssigkeit, entzündete ihn und erhielt auf diese Weise ein gutes Licht,' das die Stube erleuchtete.^ Da erkannte Schreiner, daß mit dieser sonderbaren Flüssigkeit ein Geschäft zu machen sei. Im Jahre 1843 kam Schreiner nach Lemberg, suchte den danrals bekannten christlichen Chemiker Ignaz L u k asiewicz auf, der zunächst noch auf ganz priinittve Weise die erste Naphtha-Destillation durchführte. Schreiner und Lukasiewicz ließen von einem Leinberger jüdischen Drechsler eine Lampe konstruieren, die erste Petroleumlanlve, und so bekam Galizien Naphtha- und Petrolen:::- lampen. Der eigentliche Entdecker des Naphtha, Abrahau: Schreiner, hat wie so mancher Entdecker und Erfinder sehr wenig von seiner Entdeckung gehabt. Er starb als Schankwirt in einem Dorf bei Drohobycz. Die achte zionistische Landeskonserenr in Polen. Aus Warschau wird uns berichtet: In der vor einigeir jTagerr unter Vorsitz L. Levites abgehaltenen Sitzung Hes von: Parteirat eingesetzten Hauptwahlkomilees wurde die 8. Landeskonferenz der Zionisten in Polen für den 5., 6. und 7. Juni angesetzt. Dieser Termin müßte mit Rücksicht auf die im Mai stattfindenden Beratungen des Aktionskomitees gewählt werden. Sekretär Felsberg in NlkokSburg gestorven. In Nikvlöburg starb vor einigen Tagen hochbetagt Herr Leopold Felsverg, der 27 Jahrelang die Stelle eines Sekretärs der Nikolsburger politischen Judengemeinde, der Kultusgemeinde und der C'Herrn Kadischa bekleidet hatte. Er hntterläßt zwei Söhne, von denen der eine, Herr Dr. Ernst Felsberg, Leiter des Rcchtsvureaus des 6Kro- und KaMnverctnes in Wien ist Der Verstorbene eivfireute. sich zeitlebens hohen Ansehens bei der gesainten Bevölkerung Nikoisburgs. E:n junger Jude malt den italienischen König und Mussolini. Der junge an:erlknnisch-jüd:scho Maler Elias (Äroßman, der sich in Rom auWlt, mn die alten jlidischen Viertel zu malen, wurde eingeladen, den. italienischen König und den Premier Mussolini zu porträtieren. Er wurde dem Hof durch den amerikanischen Botschafter vorgesteltt. Die Palästina-Einwanderung im Februar. J:n Verlauf des Monats Februar sind 320 Einivanderer nach Palästina gekonnnen. In: Jänner d. I. betrug die Zahl der Einwanderer 181s im Dezember 1926 613. Die weltberühmten amerikanischen Manischewitz-Matzos Matzosgrieß u. Farvel sind die besten und koschersten. Überall erhältlich.

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