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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-23 · Heft 2898 (23.3.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2898 (23.3.1927)
Date
1927-03-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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j Pret# 20 g 1 Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon 44-0-38, 434-19 Ab 6 Uhr abend«: Telephon 31-209, 31-0-8(5 Druckerei: Vll., Lerchenfelderstraße 1 (,lnra-) Preise: Wien und Oesterreich dnrch Post oder Verschleißsteilen monatL 5 Schilling. Besocabediognoeen für das Aasland im Innern des Blattes. Wiener OBE ANS KREUZ f Unser Roman: Seite SI MÖBELHAIU 7.WÜHL |V. $<HlElfMOHl<äAUE Nt 5 TEIEFON 559 35 BEQUEME TEILZAHLUNG? Me», Mittwoch. 23. Mit« 1927 (19- WeaSor 3687). 9. Zahrgaun Keine Kriegsgefahr auf dem Balkan. ßrktSransen Stresemanus im deutsche« Reichstag. »r. 2898 Im rebakttonellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorangeseyteS E gekennzeichnet. Der sorialdemottattfche Wahlterror. Mekmü etne ItlDiUie MSltwMiiwmlmg tton Soalalttmottatta geivrwgt. — Beutet etltEanaea angecüaoiat. Die Sozialdemokraten fahren mit ihr« terrorijü scheu Art, jüdische Wählerversammlungen $u sprengen, fort. Sie beginnen zu erkennendaß die geschlossen auftretende Mische Wählerschaft sich nicht mehr in fremdes Schlepptau nchmen lassen will, und versuchen nun dies mit allen, selbst mit angeblich vom Parteivorstand mißbilligten Terrorakten zu verhindern. Es wäre aber auch schon an der Zeit, wenn die Bchörden dem Gesch über den Schutz der Versammlungsfreiheit diesen planmäßig arbeitenden sozialdemokratischen Ruhestörern gegenüber Geltung verschaffen würde. - Für gestern abend war eine jüdische Wähterversammlung im Cafe Schlosser im 20. Bezirk am -Mortaraplatz angekündigt, bei der Dr. Friedma n n und Oherbaurat- Stricker referieren sollten. Schon während der Rede Dr. Friedmanns kam es zu störenden Zwischenrufen. Plötzlich besetzte Eist Trupp Sozialdemokraten das Versammlungslokal und verhinderte durch Lärm den Redner am weiteren Sprechen. Ws Hayn , tztWs, Rnhe eintrat, konnte Dr. FriedMinrÜ-seineR^ kurz beenden., Danu.etzwang sich unt^denrDruck der Hn-' wesenden Sozialdemokraten ein jüdischer Sozialdemokrat das Wort und erklärte, daß es in Oesterreich angeblich keine Judenfrage gäbe und daß die Juden deshalb sozialdemokratisch wählen sollten. Die Sozialdemokraten werden in den Bezirken, in denen sie die Macht haben, wie in der Leopoldstadt und in der Brigittenau, jüdische Wählerversammlungeu nicht mehr zulasten. Nach diesem Gewaltstück zogen die Genossen ab. D-er zweite jüdische Redner konnte sodann sein Referat beenden, wurde jedoch durch wiederholte Zwischenrufe gestört. gar Wahlbewegung. Die sozialdemokratische Partei hielt gestern ihr- R eich skonfe reu z ab, in der die Kandidatenlisten für das ganze Bundesgebiet fertiggestellt und beschlossen wurden. Die Verhandlungen der MehrheitsparteiM zur Bildung der antimarxistischen EiuheitSfront gehen sehr schwierig vor sich. Die bürgerli che demokratische Partei hat sich für die Gnheitsliste erklärt und es sollen ihr hiefür zwei Mandate, eines in den Nationälrat und eines in den Gemeinderat, garantiert worden sein. Der Reichsbund der H au S- und G rundb e sitzer, dem alle Hausbesitzerorganisationen mit Ausnahme des Resormverbandes angeschlossen sind, wird keine Wahlparole ausgeben. Die Reklamattonsftift läuft bis Montag, de« 28. März. Jeder jüdische Wahlberechtigte (Staatsbürger und Staatsbürgerinnen, die am 1. Jänner 1927 daS 20. Lebensjahr erreicht haben) muß sich unverzüglich unter Mitnahme seiner Dokumente (Heimatsschein. Geburtsschein, Paß, Arbeitsbuch, Meldezettel usw-) in unserem Wien, 2. Bez, Taborstraße 1—3, Mezzanin, rechts, 9 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends einsiuden. Die Wählerlisten können auch tägNch in den AmtSlokalen der Bezirke (Magistratisches Bezirksamt) ein gesehen werden. LderkommWk Lord Plumer 79 gahre alt. Jerusalem, SS. März. Der Ooerkvmm s-är von Palästina Lord Plumer beging am 1& März im engsten Familienkreis seinen 70. G burtstag. Aul sinn .-uS.rücklichen Wunsch wurde dop jeder offiziellen Feier Abstand genommen. Die zionistische W ltexekn^ve in London sandte ein Glückivunschtelegramm, für da; Lord Plumer in einem Antworttelegramm dankte. Berlin, 22. März. In der heutigen Sitzung des Reichstages ergriff Reichsaußenminister Dr. Stresemann das Wort zu ein-cr hochpolitischen RÄ>e. Er ging zunächst auf die Spannung zwischen Italien und Jugoslawien ein und meinte, man werde gut tun,. von den alarmierenden Meldungen, in denen zunächst über die Vorgänge berichtet worden sei, viel abzustreichen. So weit sich die Dinge bisher übersehen lassen, glaube er nicht, daß irgendwelche Kriegsgefahr bestehe. Er glaube dies insbesondere aus den Mitteilungen der italienischen Regierung an die deutsche Regierung schließen zu können. Der Wille, Europa vor jeder Kriegsgefahr zu bewahren, habe in allen Ländern so starken Boden gefaßt, daß ein Friedensbruch der Selbstverurteilung verfallen würde. Aber auch der ruhigste Beobachter der Dinge könne nicht verkennen, daß man von einer endgültigen Konsolidierung der allgemeinen internationalen Lage noch weit entfernt sei. Deutschland habe deshalb allen Anlaß, auch diejenigen Vorgänge mit ernstester Aufmerksamkeit zu verfolgen, die seine eigenen Aufgaben zunächst nicht berühren. Zu seiner Uebevraschung hätten-einzelne russische Zeitungen plötzlich wieder die Frage gufgerollt, ob Deutsch- , lapd hei Verwicklungen in östlichen Ländern den Truppen; der'westlichen Mächte den Durchmarsch zu gestatten habe. Für M Frage Y\ . -V - ' -'.v '•••.• : ■''-Y:-.': des Durchmarschrechtes komme nur Artikel 16 der Völkerbundsatzungen noch Maßgabe der L o c a r n o - V e r e i n b a r u n g e n in Betracht. Weitere Abmachungen über diese Frage bestünden nicht. Auch der Sowjetregierung sei der ganze damit zusammenhängende Fragenkomplex bekannt. Die Rede Dr. Stresemanns wurde im ganzen Hause beifä 111 g ausgenommen. Als fich der Reichsaußenminister auf seinen Platz zurückbegab, schüttelte ihm Reichskanzler Dr. Marx ostentativ die Hand. Im weiteren Verlaufe der Sitzung kam es zu einem Zwischenfall, der Dr. Strcsemann zum sofortigen Eingvei- Rauling wird geplündert. Ae ffarapler cSntnen Oie statt. Schanghai, 21. März. Die Räumung von Nanking durch d i e Fra u e n und Kinder der Ausländer hat heute bei Tagesanbruch begonnen. Streikende und 150.000 Mann der Schantung-Streitkräfte plündern die Chinesenstadt,, wo eine vollkommene Schreckensherrschaft besteht, ES finden Straßenfämpfe zwischen Soldaten der Schantung-Armee und mit Revolvern bowaffneten B a nden statt. Die Zahl der Nordtruppen in Schanghai und Umgebung,. die sich den Südtruppen angeschlosfen haben,/ beträgt etwa 10.000 In der internationalen und in der französischen Ansiedlung herrscht absolute Ruhe, Die Straßen sind nahezu aüsgestorb-n. Es ziehen bloß ausländische Patrouillen umher. Ein vom Gemeinderat der internationalen Konzession veröffentlichtes Manifest verweist auf die schwere Verantwortung, die ihm, für die Sicherung des Lebens und des Eigentums der - Ausländer und der Chinesen obliegt, und erklärt, daß sich zufolge der raschen Vergrößerung der chinesischen Bevölkerung in Schanghai eine Reform der Gemeiudevrrfassung der-Stadt dahin als notwendig Erweise, daß di« Zahl der Gemeinderäte um drei chinesische Gemeinde-, r ä t e mit der gleichen Verantwortung vermehrt werde, wie sie die europäischen Gemeinderäte besitzen. Nachdem die beteiligten Mächte den Vorschlag des Gemeinderates gebilligt haben, erwartet man nun die Bestellung dreier chinesischer Gemeinderäte aus der Mitte der chine- , fischen Bevölkerung. Wnelllive Trupveuln ver englllchen Konzession lu MmUl Schanghai, 22. März. Mehrere hundert Mann der Nordtruppen haben die Abgrenzung der internafen veranlaßte. Der Redner der Sozialdemokraten, Abg. Breitscheid, führte nämlich den jugoslawisch-italienischen Konflikt auf friedensstövende Absichten Mussolinis zurück und forderte, daß der Völkerbund für eine schleunige Bereinigung sorge. Darauf erhob sich Dr. St res e mann zu der Erklärung, die italienische Regierung habe der deutschen Regierung gestern ein Aide- Memoire überreicht, in dem sie daraus hiuwies, daß sie keinerlei Notwendigkeit sehe, irgendwelche Gegenmaßnahmen gegen die militärische Aktion Jugoslawiens zu ergreifen. Die italienische Note betone den Friedenswillen Italiens. Wenn Dr. Breitscheid von den offen zutage getretenen, friedenstörenden Absichten des italienischen Ministerpräsidenten gesprochen - habe, bedaure er dies, denn Deutschland habe keine Veranlassung, die ihm offiziell gegebene Erklärung einer Regierung in Zweifel zu ziehen. Keine Intervention des Mkerbunbes. — Die Selgrader MllttSr-AttaW solle» untersuche«. Paris,-22. März: Briaud empfing heute nachmittag den jugoslawischen Gesandten in Paris, Spalajkovic, und teilte ihm mit, die Regierungen von London, Berlin und Paris seien sich darüber einig, daß von der Einberufung des Völkerbundrat es sowie von einer Intervention des Völkerbundes d-urch Entsendung einer Untersuchungstommission abzusehen sei, da durch ein derartiges Eingreifen des Völkerbundes dem jugosiawisch-- italienischen Zwischenfall eine ihm nicht zukomm ende Bedeutu ng verliehen würde. Die Mächte überlassen es Belgrad und Rom, den Zwischenfall zu liquidieren In hiesigen politischen Kreisen nimmt man an, daß nunmehr die den Belgrader diplomatischen Vertretungen beigegebenen Militär« ttaches mit den Erhebungen an der jugoslawisch-albanischen Grenze beauftragt werden dürsten. t i o n a le n Zone durchbrochen und sind in die von schwachen englischen Abteilungen besetzten kleinen Gasten ein gedrungen. Der größte Teil wurde entwaffnet und zum Abzug gezwungen. Die Zahl der Streikenden hat sich auf 150.000 Mann erhöht. Sie ltterattlsoale Stonjefflan tatet (ungeteilt beschaffe». London, 22. März. Wie „British United Preß" aus Schanghai meldet, hat sich die Lage in der Stadt verschlechtert. Granaten und Schrapnells fallen fortgesetzt in die internationale Konzession. In der Nähe des NordbahnhofeS ist es heute morgens zu eiitem heftigen Kampf zwischen Soldaten der Nationalarmee und Nordtruppen gekommen. Die Verluste der englischen Truppen betragen bisher drei Tote und 14 Verletzte. Gin englisches Panzerschiff beschossen. London, 22. März. Wie die Blätter aus Schanghai melden, ist bas britische Panzerschiff „Dinaretive" beschossen worden. Der „Bindictive" erwiderte das Feuer, worauf ein l e b h a f t e s Gefecht folgte. Sie di-]in« netlennnng Sawjetrntzlaudr dnrch die Achettzosiswakl Bjs «ach der Präsidentenwahl verschoben. Prag, 22. März. Me die in Pilsen crfd>ctneub. „Nova Doba" erfährt, wurde die de-jure-Anerkennung Rußlands auf den Protest der Ratio n ald em okraten und der slowakisch en Bolkspartei wiederum verschoben. Der Ministerpräsident, der die Situation vor der Präsidentenwahl nicht komplizieren wollte, verlegte die Behandlung der Frage der de-jure-Anerkennu«g Rußlands im Einvernehmen mit Außenminister Dr. B ene sch auf die Zeit nach der Präsidentenwahl.

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