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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-17 · Heft 2892 (17.3.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2892 (17.3.1927)
Date
1927-03-17
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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/ Nr. 2802 3iett, Donnerstag Wiener MsrsrsßrttmtG 17. MSrz 1927 Gett« 7 Sühne und Kunst. Re Kartousch tu der Rolaudböhue. DaS Theater in der Praterstraße scheint endlich sei« Gen« gefunden zu hake«. -Do eine und der Zufall* ist Äe richttze intime Kleinkunst. Ein guter Einaktereinfall, gestreckt zu einem abendfüllenden Stück. Zu der reinlichen Arbeit von Grünbaum und Sterk hat Jean GLlbert einige schmissige Piecen geliefert. Ohne Chor und Girls be- «egen sich fünf Personen im Kreise um die einzige Frau des GdiWelS. Diese Pord«, die den Zufall zum Schluß korrigiert, spielt die Kartousch; nein, sie spielt sich selbst, denn diese Frau ist von einem einzigartigen Esprit in Wort nnd Betvogung, der höchstpersönliches Gut ist. Diese federnde, schalkhafte Anmut, das graziöse Schweben, diese Krrltur des Tanzes und der Stimme wiegen den Klimbim ganzer Operetten auf. Die Herren Bach mann, Bi kt o ra, Hauschulz und Lremk-Trebitsch gaben ein Humorvolles Männerquartett, zu dem sich Sigi Hofers wehmütige Parodie sehr erheiternd gesellte. Den großen Erfolg des Abends aber ent- Wed die unvergleichliche Kunst der Kartousch, für die eS «och diel zu wenig Akte gab. a. S. SIu palSftiaenstscher Maler. Zur Bildermrsstellmig RNbin in Tel Awiw. Die jetzt Hier ausgestellten letzten Arbeiten des Künstlers zeigen eine erfreuliche Entfaltung dieses starken, eigenartigen Talentes. Rubin ist vor allem ein hervorragender Landschaftsschilderer. Mt sicherem Blick, leichter Hand, ttefer und zarter Empfindsamkeit gestaltet er die. heimatliche Natur und das Erlebnis der Landschaft teilt sich-dem Beschauer mit suggestiver Kraft mit. Im tiefsten Wesen Romantiker, andächtig und keusch, im Expressionismus (wenn auch sehr individuell) wurzelnd, versteht es Rubin, die Phantastik des Orients, die glühende Lichtfülle wundervoll auf der Leinwand festzuhalten. Nichts von der grellen Ausdringlichkeit der Farben, in der wir das Morgenland zu sehen gewöhnt sind, in Hellrosa, Hell-gelb, Hellgrau, Hellbraun und Blau, in durchsichtigen, Karen, malerisch gefttrften Farbenskalen blühen Tel Llwiw, Jaffa, Jnufalem, Liberias, Galiläa, Bethlehem, Safed, Jericho zum beseelten, ausdruckstarken Dasein vor uns auf. Unbeschwert, in strahlende. Helligkeit gebaucht, verklärt, poesievoll und doch greifbar nah und wirklich sind diese Bilder. Es ist, als hätte die Berührung mit dieser Wirklichkeit, der Duft und die Gäste der Scholle aus der Seele des Künstlers die ganze Tragik des Judentums vollkommen aasgemerzt, aufgesogen. Die Sammlung in dieser Ausstellung mutet wie ein Bekenntnis eines maßlos Beschenkten,- eines unbändig freudigen Menschen an, der sich, wie Men einer, in Farbe und Stift auszusprechen vermag. Man fühlt das Aroma dieser braunen, aufgeworfenen Evdenmaffen, das satte Knurren der heimkehrendcn Herde, die zischende Gischtder Brandung, das Wöhlgesühl der schaufelnden weißen Boote auf der strahlenden Wasserfläche,-die Glut der vereinsamten Mittagsstunde, die Versunkenheit der alten Mauern, das Staunen der blanken Neubauten. Jede einzelne Erscheinung ein freudig erlebtes Ereignis, bar jeder Pathetik, von einer gefühlswarmen Musikalität und Beschaulichkeit, naiv, mit köstlichem Humor, überraschenden Einfällen und schöpferischer Phantasie zum Ausdruck gebrächt. Die Menschen, der Araber, der seine Kundschaft rasiert, der Milchmann, Frauen und Kinder Mischen Blumen, Tieren, Paliüen, losgelöst vom Druck der Vergangenheit, herrlich in ihrer Einfachheit und Natürlichkeit. Prachtvoll das lebensgroße Bildnis von AchaivHaam. Das Wesen dieses großen Menschen erschaut und mit erstaunlicher Ehrlichkeit wredergegoben, mit dem übergroß gemeißelten Schädel, der brüchigen, unwesentlichen Körperlichkeit. Ein sicheres Können in den wenigen Federzeichnungen, unter denen Rubins Selbstporträt ganz besonders «mffällt. Witz- Geist, :mit einem leisen satirischen Anflug, frappierend, umnittelbar und echt. Das Sel'bstporträt des Künstlers vom Jahre 1915 in OÄ und dieses da — ein lveiter, erfolgreicher Weg, den Rubin in den wenigen Jahren zurückgelegt hat. Ein Weg rastloser Arbeit. Zucht, Beharrlichkeit, stetes Wachstum der technischen Mttel, ein Künstler, von dem noch Vieles und Großes zu erwarten ist. Diese Bilderansstellung ist ein Gewinn. Eine herzerquickende, stärkende Erhebung in den schicksalsschweren Tagen. ~ TÄ MIch. C. Slrte-S. Aus de« Theatern. B«rqtHeurer. Morgen. halb 8 Uhr, „Der D,t-k-!ator". Alademietheater. Morgen, haD 8 Uhr, „Spr-et im Schloß*.__._ FESTSAAL DES VEREINSHEIMS VII!., BENNOPLATZ la Sonntag, den 20. März 1927, um halb 8 Uhr abends MM | _ |1 I. I | (Künstlerische Leitung: Bernhard Scharrer) Mitwirkende: Maria Guttraann (Deutsches Völkstheater), Dr. Siegfried Schmitz, Hanna Schwarz (Volksoper),-Joachim Stutschewski Einladungen r Vereinsheim, V1U., Bennoplatz la, von 4-6 Ubr k. k k k k k Vorführung sämtlicher erstklassiger Fabrikate des In- und Anstandes! Kaufen Sie mtcftut, bevor Sie nicht unsere unter erster teehni~ «eher Leitung stehende Ausstellung besucht haben» Eintritt frei j3efeu«filungsAaus Watte* Zentrale: VI., pumpendorferstraß« Nr. 88b Telcphonoammem 71-60 and 24-04 i A A A A Oper« theater. Morgen, 7 Uhr, „Aida" mit Jofef Kalenberg vom Opernhaus in Köln als Gast MadamsL). Kammerspiele. Margen, Kl-1 Uhr, geht das must» kalische Vaudeville „Oskar, laß dich nicht verführen" von Lunzer, Horst und Deka, Musik Ralph Erwin, zum erstenmal in Szevr. Neue Wiener Bühne. Die Uraufführung von Heinz OrtnerS dramatischer Historie „Päpstin Johanna Angelika" findet SamStaa, den 2,;. d., stat!. Modernes Theater. Morgen Uraufführung des LnstsvicleS „Man heirate: erst im dritten Akt" von Alexander Erdei. Lu-st.spieltheater, Morgen zum erstenmal „Der Mann im Loch"; französischer Schwank von Naneey und de Gorffe. Letzter Bortrag Gmtdolf's. Der bekannte Shakespeareforscher, Univ.-Prch. Dr. Friedrich Gundolf (HeideWetg), hat sich über Einladung des Kulturbundes bereit erklärt, am Montag. den 21. März, um halb 8 Uhr abends, im Festsaale des Jndustriehauses, 3. Bez., Schwarzenbergplatz 4, einen zweiten. Vortrag und Mar über: ^Shakespeares Sommernacht st raum" zu halten. Gäste willkommen. Hakoah-Orchester. iSonntag, den 20. d., um halb 10 Uhr, Vollprobe. Ein Burgtheatergastspiel? In Der frankfurter Zeitung" ist ein Wiener Burgtheat er-Gastspiel als solches angezeigt und kritisiert' Es handelt sich um die Ausführung, von Sutton Vancs' „Heberfahrt", ein Stück, welches im Wiener Burg^ihcater niemals gespielt wurde, vielmehr in der Wiener Reinhardt-Bühne, dem Theater in der Josefstadt, dort allerdings von vem Dichter Be er-Hofman n inszemert. An dem Gastspiel beteiligten sich vom Burgtheater Herr-: H eine und Frau BI e i b t r e u, während die Darsteller R o m b e r g und W a n i e k dem JosesstMrer-Theater, Herr S ch mö l e dem Deutschen Volkstheater angehören. — Da- Wiener Burgtheater kämpft um seinen guten Rüf, ja um seine RchaLnMerung. Es ist. verlwuudeMch, daß die-Direktion' des Bü.rgtheaters derartige Auslandsaufft'chrurtgen unter der Flagge „Burgthcater-Gastspiel" duldet, zumal das dort aufgeführte Stück dem Spielplandes^BurAheaters nicht angehört und das Gasts'pielen.semvle sich aus Künstlern verschiedener Wiener Bühnen gusammensetzt. Antksemitenprozeffe. Die Behandlung gegen Henry Ford. Newyork, 16. März. (I. T. A.) Gestern begann, wie bereits berichtet, vor dem Gericht in Detroit unt-r dem Vorsitz des Richters Raymond der Prozeß gegen dtzn bekannten Automobilfabrikanten und Antisemiten Henry F o r d wegen Beleidigung und Schädigung des Herrn Aaron Sa Piro aus Chicago. Der Prozeß trägt alle Zeichen der Sensation, dem Ausgang wird in ganz Amerika Mt großer Spannung entgegengesehen. ■ Das Organ Henry Fords „The Dearbörn Independent" behauptete in einer Reihe hon Artikeln, Sapiro stehe an der Spitze einer „Internationalen jüd ischen Verschwörung" zur Knechtung und Ausbeutung der amerikanischen Landwirtschaft. Herr. Sapiro fühlte sich durch diese Behauptungen »licht nur beleidigt, sondern auch geschäftlich Mr5 geschädigt und klagte wegen Verleumdung und Schadenersatz in Höhe von einer Million Dollar. Der Rechtsvertreter Sapiros ist Richter Robert B. Marx aus Chicago, Verteidiger Henry Fords ist Senator James .A. Reed. Die Ladung von nahezu fünfhundert Zeugen wurde von beiden Parteien beantragt. Der Prozeß wird mehrere Tage in Anspruch nehmen. Bei Beginn der Verhandlung erklärte Richter Raymonder werde nicht erlauben, daß die Juden frage im Prozeß erörtert werde. Der Vertreter von Ford, Senator Reed, erklärte im Namen seines Mandanten, wenn vom „Juden" Sapiro die Rede war, so war es nicht in der Absicht von Henry Ford gelegen, die gesamte jüdische Rasse -u beleidigen; die Borwürfe richteten sich einzig uiü> allein gegen die Person Sapiros und hätten seine persönliche Tätigkeit in der amerikanischen Landwirtschaft zum Inhalt. Dr. Pool m reger» den Mtn Verdachten. Berlin, 17. März. (I. T. A.) Bor dem Amtsgericht S ch ö n e b e r g wurde gestern die Beleidigungsklage des sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Dr. Paul Levi gegen den Haüptschriftlelter des ,Mlkischen Beobachters", Mfred R o s e n b e r g, wieder ausgenommen. Die Klage stützt sich auf einen Artikel d-s völkischen Mattes, der anläßlich der Anwesenheit des Femeansschusses des. Reichstages in München über Dr. Levi schrieb:. „Wann null sich der sozialdemokratLsche Berichterstatter des Ausschusses von dem Borwurf reinigenim Kriege englischer Spion gewesen zu sein?" Das Gericht vernrtMe dmHanptschrifUeiter Rvsenbgr-g ttygtu Beleidigung zu einer Geldstrafe von 3000 Mark und Tragnnx der Kosten. Prszeß Bardmg men zmsm 24. «w. Hamburg, 17. März. (I. T.. Ä.) Lie erneute Revision im Prozeß Warburg-Fritsch wird nicht, wie mitgeteilt, am 17., sondern erst am 24. März vor dem Strafsenat des Hanseattschen Oberlandesgerichtes verhandelt werden. Die Terminverlegung erfolgte anfWunsch der Parteien. -er Sall Ahrer-Bosel vor dem Sewerbegericht. Ans der großdeutschen Hänsüchkett. Der ehemalige Chefredakteur der großdeutschen „Wiener Neuesten Nachrichten" Polifka hatte im Dezember des Vorjahres einen ZeUungsartikel an österreichische Provipzblätter versendet, der die verklausulierte Behauptung enthielt, Siegmund Bosel habe dem ehemaligen Finanzminister Dr. Ahr er ein Bestechungshonorar von 509.000 Dollar zukommen lassen, damit Ahrer in die Bereitstellung riesiger Beträge aus der Postsparkasse zuhanden Bösels einwillige. Die Sache kam auchim Postsparkassen-Unterausschuß des Nationalrates anläßlich einer Einvernahme Bösels zur Sprache. Bosel gab damals an, der fragliche Arttkel sei. erster Reihe von WieirevTagesblättern, darunter auch seinen Blatte, dem „Tag", angeboten worden. Nach Erscheinen des Artikels habe ihn der Verfasser angerufen rmd gefragt, ob er zufrieden sei, worauf Bosel antwortete: ,^Ja, sehr zufrieden!" Die „Wienev Nenest-n Nachrichten" leiteten nun gegen Polifka eine DiSziplinarnntersuchung ein ttnd verlangten, daß dieser Bosel öffentlich der Lü ge zeche Polifka brachte statt dessen zwei Erklärungen. Bösels bei, in denen dieser deponierte, daß er in seiner Aussage vor dem Untersuchungsausschuß nicht Polifka gemeint habe. Die „Wiener Neuesten Nachrichten" entließen hierauf Polifka und begründeten die Entlassung damit, daß dieser verpflichtet war, diö Zeitung in voller Unabhängigkeit vom Börsen-, und internationalen Finanzkapital, feMer im Sinne der Grundsätze und der politischen Taktik der Großdeutschen unter Berücksichtigung ihres Kvalitionsverhältnisses zu den Ehristlichsozialen zu führen hatte. Gegen diese Verpflichtung habe Polifia durch, die Versendung des erwähnten Ärttkels verstoßen. Polifka klagte darauWn feejjen ungerechtfertigter Entlassung auf Zuhaltzmg seines zehnjährigen Dienftvertrages und begehrte, einen Be- . trag von insgesamt 266.690 Schilling. In der Klage behauptete Polifka, der in die Provinz lancierte Arttkel sei nichts anderes als eine mit dem großüeutschen Parteipräsidenten W o t a w a besprochen^ Baviantv' des Leitartikels. der „Wiener Neuesten Nachricht^ vom - 4. Dezember 1926. Die Version von bat 50Ö;ÖÖÖ Dollar hätte aber in einem Regierungsblatt nicht gebracht werdet' können. .• Bo s el war natürlich zur Vevhündlmrtz vor dem wevbegericht nicht erschienen. In einem Entschuldigung^ > schreiben teilte er mit, daß seine Aerzie auf Grund.seines', leidenden Zustandes sein Erscheinen bei Gericht als' untunlich bezeichn:n. Der Vorsitzende stellte in Aussicht,. Äe. im Zivilprozeß vorgesehenen. Maßnahmen auzuwenden, um Bosel zum Erscheinen vor Gericht zu veranlassen. Es wurden hieraus einige Zeugen kmo.'.mrMmen. Der Chefredakteur des „Tag", Schreier, und sein Strllder* treter Koller ercllitten übc rein stimmend, daß ihrten der fragliche Artikel nicht angeboten. worden s:i. Schreier er-- innerte sich nur daran, daß Äösel^ihm. später mitteilte, von ihm werde eine Erklärun g.; für Poli fka verlangt, die er ruhig unterschreiben könne, .da.seine Aussagen im Postsparkasien-UntersuchungscnrsschuH sich nicht auf den Kläger bezogen hätten. Die Verhandlung wurde hierauf auf einen Apriltermin vertagt. Aus der Seit der ungarischen BandenkSmpse. Eine durch den politischen Hintergrund bemerkenswerte, gegett die pensionierten, in Bruckneudorf wohrchaften Eisenbahner Julius Ta Pole szst ny untz.- Josef Zeugner wegen Beleidigung der bübgenländischrn Landesregierung als Behörde gerichtete Anklage beschäftigte gestern beim Strasbczirksgericht 1 den'LGR. Dr. Fryda. Die beiden Beschuldigten waren vor der Besitznahme-des Burgenlandes durch Oesterreich in ungarischen Diensten.; Am 24. September 1921 spielten sich/, zur Nachtzeit in - Bruckneudorf geheimnisvolle Vorgänge ab. Angeblich war ein B a n d e n ü b c r s a l l v o n u n g a r i s ch e r S e i t e geplant. Am nächsten Tage wurden zahlreiche Einwohner aus Bruckneudorf,' darunter viele ehemalige ungarische Eisenbahner, so auch beide Angeklagte von der Gendarmerie verhaftet und nach Eifenstadt gebracht. Nach einiger Zeit wurden die Verhafteten entlassen, ohne daß man ihnen den Grund ihrer Berhaftüng mitgeteilt hätte. Mehrere Eisenbahner, darunter Tapölcszany als Bertrauensmann seiner Kollegen, hatten an das Präsidium UTIMGON Vorzügliche» Präparat gegen alle durch Gallensteine &Äne" Bestens bewährt auch gegep Magendruck, Auf* stoßen u. Uebelkeiten infolge Magen Überladung. AerstUch. erprobt und. begutachtet Erhältlich .in allen Apotheken! Preis pro Flasche 4.80, -^ Erzeugung: Alte Feldapotheke» Wien, X. Stopbaneplats s

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