Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2892 (17.3.1927)
- Date
- 1927-03-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2981980--29415-3017542- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
■ Idolen r ÄS gfoszyj Vien; Zorn Abholen in 6er ,xpedition, II., Taboretr 1-9 Jet iü einer Verschleißstelle l'raflki monatl.6 Schilling traßenverkanf m Wien arch die Kolporteure der rtna Goldschmied, I.. Wollzeile 11 :t Postversand für Wien d Oesterreich monatlich 5 Schilling jcheeho Slow akei: Jon.K22 Jugoslawien: Mon.Din.60 Polen :Mon. 6 Zloty Deotschland: Mon. Gm. 4. Pranke eich, Belgien: Mon. Free. 85 kt»op,,s»»O»»» mi Preis* «rhehenffSB »erbebeltea Rr. »892 JUDE ANS KREUZ f Unser Boman: Seite 6 * MMtCch ■ uiiatanuinuir. au ie o ' Wiener •*--• Äloigenwiluna Wie«, Sonnmtan, 17. M« 1927 (13. Wellvar 5887). | Preis gQfll Englan d: Mon. 4 Schilling Italien: Monatl. 20 Lire Rumänien: Mon. 170 Lei Bulgarien: Mon. 100 Lewa. * S c hw e i z and das übrige Aasland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr« I Telephon: 44-0-99, 48-8-19 Ab 6 Uhr abends Telephon Nr. 81-0-86 tu 31-209 Vll., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei ,lnva") Oesterreichisches Postsparkassenkonto Nr 150 693 9. Fahrgang Zer WaHlaufmf der jüdischen LW. Fübl'che Mttbvrgkr und Mitbürgerinnen! Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangeseyteS E gekennzeichnet. HEILIG & Ci- M a ß a t e 1 i e r für feinste Herrengarderobe mmmmmmmmmmmmamasm Wien, 1., KBrntnarstraBe Nr. 9 (Mezzanin) Grofies Lager feinster englischer Stoffe Kulante Zahlungsbedingungen Sie Kampfe In China. Starke «rltatoreatSillstelt. - «rotz^ SSlachtca. Schanghai, 16. März. (Reuter.) 160 wohlaus« 0d5tfi>cfe Agitatoren sind hier angekommen. Sie versuchen die Bevölkerung einzuschüchtern und zum M ö r v a u f z ureigen und agitieren unter den Arbeitern, um sie zu belvegen, raschest die eventuelle Order zum Generalstreik zu befolgen. Wie gemeldet wird, sind sch w e r e Kämpfe im Westen des S e e T aih uausgebrochm,. ebenso im Süden vö n Jtschingi Die Schantungtruppen sammeln.-sich üi. Sutschau und Tschangtschau, um die Nationalisten zu hindern, die Eisenbahnlinie abzu-schnevJ Zu dem Kampf b e r Nanking wird noch gemeldet, daß die telegraphisch-.:. Verbindungen zwischen Nanking und Pengpu rntevbroch'.-t sind doch glaubt man, daß Pengpu von den Südtr.lppen noch nicht genommen ist. Nanking soll ernsüich b iroht sein. Stallen nnd Arabien. Icrusal em, 16. März. Wie der Beiruter „Orient" meldet, sind die Handels v e r t r a g s v e r h a n d l u ng e n zwischen Italien und Nedschd unmittelbar vor ihrem Abschluß abgebrochen tarNm. lieber die Ursache des Scheiterns ist.nichts bekannt. Aulveckung einer große« Svionagraffäre in 8«Mll«iey. B e l g.r a d, 16. März. „Rjetsch" meldet, daß die Belgrader Polizei einer sensationellen Spionageasfare auf die Spur gekommen ist und eine Untersuchung eingeleitet hat, die noch nicht abgeschlossen ist. Mehrere hochgestellte Belgrader Persönlichkeiten sollen auf das schwerste kompromittiert sein, da es von ihnen feststeht, daß sie für einen Nachbarstaat Spionagedienste geleistet haben. Dem Blatt zufolge dürften in den nächsten Tagen in Belgrad einige aufsehenerregende Verhaftungen vorgenommen werden. Sine Vulgarlen^rvatte im Unterhaar. London, 16. März. Der Abgeordnete der Labour« Party, Oberst Josiah Wedgwood, richteie in. der heutigen Sitzung des Unterhauses die Anfrage an die Regierung, ob Chamberlain im Völkerbundrat Einwän-de gegen den Vorschlag des belgischen Ratsmitgliedes Bandervelde erhob n habe, der die Amnestierung der politischen Gefangenen in Bulgarien durch die bulgarische Regierung als wünschenswert bezeichnet. Chambersain erwiderte, er Hobe' sich weder für noch gegen den Vorschlag Vanderveldes ausgesprochen. Der Völkerbund se. nichl kompe t en.t, sich '.in die inneren Angelege. n h eiten eines Mttglledstaales e i n z u m t s ch e n. Oberst W e d g w,o'.o d. fragte ' weiter: Ist die englische Negierung davon unterrichtet, daß England beschuldigt w i r d, die Politik einer terroristischen Negierung ln Bulgarien zu unterstützen? Unter lebhaften Protest rufen der Konservativen entgegnet Chamberlain, es werde ihm wohl gestattet sein, zu sagen, daß die bulgarische Regierung eine vollkomm e n l e g a l e und keineswegs eine terroristische Regierung sei. Der Sprecher des Unterhauses machte der Debatte ein Ende, indem er darauf hinwies, das englische Parlament täte besser daran, sich um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern, als sich in dieAngelegenheiten fremder Länder einzumengen. Am 24. April finden die Wahlen in den Nationalrat und den Wiener Gemeinderat statt. Ihr habt darüber zu entscheiden, ob Männer eures Vertrauens das Recht der österreichischen Judenschaft und die Ehre des alten jüdischen Namens würdig und entschlossen wahren sollen oder ob die österreichische Jud'enschaft auch fernerhin der Willkür und der Laune der Majoritätsparteien preisgegeben bleib.n soll. Die beiden großen Parteien, welche die Herrschaft über Staat und Stadt unter sich geteilt haben, gehen rücksichtslos über die Interessen der Juden hinweg. Die christlichsoziale Partei ist grundsätzlich antisemitisch und ihre Funktionäre üben ihre Macht in diesem Sinne aus. Wie die Versicherung, daß die christlichsoziale Partei eigentlich nicht antisemitisch ist, zu werten ist, läßt sich daran ermessen, daß die Christlichsozialen anläßlich der bevorstchen'den Wahlen ein Bündnis mit den rohesten Pogromhetzern, mit den nationalsozialistischen Hakenkreuzlern geschlossen haben. Die österreichischen Sozialdemokraten, die sich vielfach auf jüdische Stimmen stützen und in deren Programm 'de r I u d e n p u n k t fehlt, huldigen den antisemitischen Instinkten der Massen. Ihre Presse üüergießt alles Jüdische mit Spott und Hohn und ihre Vertreter, die jüdischen nicht zuletzt, tun alles, um dem Verdacht der Juden sroundlichkeit auszuweichen. Ueberall sind also die Juden der leidende Teil. Weder die christlichsoziale Bundesverwaltung, noch die sozialdemokratische Gemeindeverwaltung stellen jüdische Beamte oder jüdische Arbeiter an. Die Erlangung von Konzessionen oder Lizenzen wird den Juden erschwert oder unmöglich gemacht. Die Steuerpraxis ist tendenziös gegen die Juden gerichtet. In den Schulen ist unsere Jugend Verfolgungen ausgesetzt, der Zutritt zu den höheren Lehranstalten wird ihr vielfach verwehrt. Das Heimatsrecht wird den -Juden verweigert und die Ausweisungspraxis ihnen gegenüber rücksichtslos gehandhabt. In Versammlungen, Zeitungen und Plakaten werden d'.e Juden beschimpft und bedroht, man scheut nicht davor zurück, direkt ihre Ermordung zu fordern. Die Behörden und die herrschenden Parteien stehen diesem zügellosen/ gesetzwidrigen Treiben teilnahmslos gegenüber. Auch das den Jud.n durch die Friedensvertrooe und das österreichische Gesetz gewährleistete Minderheitsgosetz wird ihnen vorenthalten. Im Sinne dieses Minderheitsrechtes gebührt den Juden ein entsprechender Anteil aus den Bundes- und Gemeindesteuern für die-Zwecke der jüdischen i Jugenderziehung und der jüdischen sozialen Fürsorge. Dieser Anteil wird ihnen verweigert. Diese Zustände machen die Sammlung aller jüdischen Stimmen zur Pflicht. Die österreichische Judenschaft muß Mandatare in die Vertretungskörper entsenden, die rückhaltslos der herrschenden, auf die moralische, wirtschaftliche und politische Entrechtung gerichteten Tendenz entgegentreten. Fürs Jude ntumundfürOesterrei ch! Im Sinne dieser Parole werden die jüdischen Mandatare zu den Fragen Stellung nehmen, die heute den Mittelpunkt der Diskussion bilden. Oesterreich läuft. Gefahr, das Opfer eines von rechts und links in rückhaltsloser Form geführten Klaffenkampfes zu werdm. Es ist oberste Pflicht jüdischer Vertreter, im Sinne der Verständigung und Versöhnung der Klassen und Stände zu wirken, insbesondere aber dagegen anzukämpsen, daß Juden und jüdische Stimmen im Klassenkampse von rechts oder links her ausgesplelt werden, in einem Kampfe, der zur Zerrüttung Oesterreichs, zur Steigerung b:3 Judenhasses, zum Bürgerkrieg führen muß. Getreu den Trad'tionen des jüdischen Volkes werden seine Vertreter dafür eintreten, daß ' dem arbeitenden Menschen sein volles Recht werde, das heißt: für die Aufrcchterhaltung aller sozialen Errungenschaften, für die Versorgung aller Kranken und Alten durch die Gemeinde, für die Alters- und Invaliditäts- Versicherung der Arbeiter, der Beamten und der Angehörigen selbständiger Berufe, für produktive Arbeitslosenhilfe. Sic werden dahin wirken, daß die Mittel für dies«, Zwecke durch gerechte und vernünftige Besteuerung aller Stände aufgebracht werden. Sie werden dagegen Stellung nehmen, daß bei der Besteuerung ein Teil der Bevölkerung gegen den anderen ausgespielt werde. Sie werden daher Stellung nehmen gegen die Steuerpolitik des Bundes, welche die Interessen der Landwirtschaft denjenigen der Industrie, des Gewerbes und des Handels ungebührlick vorzieht, gegen jene Zollpolitik, welche Nahrungs-- mittel und wichtige Bedarfsgegenstände verteuert, und gegen die Steuerpolitik der Wiener Gemeinde, „ ■ welche unter Ablehnung von Anleihen, das heißt jeder gerechten Verteilung der Lasten auf mehrere Generationen, die Entwicklung von Handel, Gewerbe und Industrie unmöglich macht, Unternehmungen vernichtet und zahllose Arbeitslosigkeit schafft. In der Frage des Mieterschutzes werden die jüdischen Vertreter jene Haltung einnehmen, welche durch die Interessen der breitesten Bevöllerungskveise heute einheutig bestimmt ist. Sie werden für die Aufrechterhaltung des Mieterschutzes eintreten. Sie werden für die Beseitigung des herv» sch enden Wahlunrechtes eintreten. .Unter dem Schein der Demokratie beinhaltet das herrschende Wahlsystem die Unterdrückung aller Minoritäten und liefert das Parlament der Herrschaft zweier Parteien aus, zum Unglück Oesterreichs. UflDififis Mitbürger und Mitbürgerinnen! Wer diese Grundsätze als richtig erkennt, der wähl? am 24. April die ..Jüdische Liste". Für die Zentralwahlleitung: Dr. Leo Goldhammer, Präsident des Zionistischen LandeSkomiteeS für Oesterreich. Me reutfchvAMchen gegen den Friedens« Nobelpreis r. Are emanur. Berlin, 16. März. Die Deuts chv 3 lki -schc: haben im Reichstag den A n trag eingebracht, „den Reichsautzenmmister Dr. Stresemann aufzufördern, den ihm zuerkannten Friedensnobelpreis von 6 3.0 0 0 Mark entweder als nach § 16 des Reichsbeamtengesetzes unzulässig zurückzuweifen oder, falls die Annahme des Preises vom Reichskabinett genehmigt sein sollte, zugunsten der Kriegsbeschädrgten zu verwenden". Seutschland und Pole«. Berlin, 16. März. Der deutsche GesaMe tu Warschau, Rauscher, ist wieder nach Warschau zurückgereist. Die diplomatischen Besprechungen Mischen ihm und der polnischen Regierung werden alsbald wieder ausgenommen werden. Me Förderang bei Mort» «ach Rußland. Dc Nationalrat hielt gestern eine ruhige Geschäftssttzung l;, in der zunächst beschlossen wurde, die dem Ausschuß für soziale Verwaltung zur Berichterstattung über die Arbeiterversicherung gesetzte Frist bis zum 31. März zu verlängern. Dann wurde das Gesetz über die Förderung des Exportes nach Sowjetruß' l a n d in zweiter und dritter Lesung beschlossen und schließl'ch noch eine Novelle znm Krankenkassenkonzentrationsgesetz angenommen.